Sardinien wartet auf uns!

15.04.2017

Nach 6 Tagen und etwas mehr als 1500 km wird es endlich Zeit mit dem Reisebericht zu beginnen. Ein Reisebericht der ursprünglich unsere Tour auf die Insel Korsika zum Inhalt haben sollte. Aber wenige Tage vor Abfahrt und nach einem Blick in das Internet, der für Korsika noch keine ansteigenden Temperaturen offenbarte, habe ich Astrid einen anderen Vorschlag unterbreitet. Unser neues Ziel soll Sardinien sein. Und wenn noch Zeit bleibt, können wir immer noch nach Korsika, bei dann angenehmeren Temperaturen. Astrid war einverstanden und dann wird es jetzt so gemacht.

Am Montag den 10.04. sind wir ohne Stress gestartet und bis nach Ansbach in Bayern gekommen bis uns klar war, es reicht für heute.

Wir finden auch den Stellplatz nahe der Innenstadt dank vorhandener Koordinaten. Und auch Strom gibt es hier wie im Stellplatzführer angegeben. Der Platz ist auch gut besucht.

Nachdem wir uns stadtfein gemacht haben, begeben wir uns auf direktem Wege in die Altstadt der etwas mehr als 40.000 Einwohner zählenden Stadt Ansbach.

Ansbach, „Anschba“ im hiesigen Dialekt, – Markgräfliche Residenzstadt in Mittelfranken

ist Regierungshauptstadt von Mittelfranken und ehemalige Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, kann auf eine über 1250-jährige, bewegte und wechselvolle Geschichte zurückblicken.

Die Stadt, die heute 40.000 Einwohner zählt, liegt an der historischen Burgenstraße und grenzt an den waldreichen Naturpark Frankenhöhe. Durch seinen Reichtum an historischen Sehenswürdigkeiten und Schätzen nimmt Ansbach unter den Städten Frankens eine besondere Stellung ein. Beeindruckende Baudenkmäler wie die Hofkanzlei, die Kirchen St. Johannis und St. Gumbertus, die Residenz mit ihren 27 Prunkräumen und die prächtige Orangerie im Hofgarten zeugen von der glanzvollen Vergangenheit der einstigen Residenzstadt.

Heute prägen moderne Bildungseinrichtungen wie die Hochschule Ansbach, mittelständische Industrieunternehmen aus den Bereichen Kunststoffverarbeitung, Nahrungsmittel und Elektrotechnik, die verschiedenen Verwaltungseinrichtungen und ein attraktives innerstädtisches Einzelhandelszentrum die einstige Garnisonsstadt. (Wikipedia)

Am nächsten Tag führt uns unsere Route nach Benglen bei Zürich. Wir besuchen unsere lieben Freundinnen Barbara und Ruth, mit denen wir schon einige Touren in der Gruppe (Marokko, Südosteuropa und Türkei) aber auch individuelle Touren in der Schweiz und in Deutschland gemacht haben. Die Wiedersehensfreude ist auf beiden Seiten riesengroß und wir verbringen einen sehr schönen Abend miteinander. Nach gemeinsamen Frühstück am anderen Morgen geht unsere Fahrt weiter. Uns bleiben noch ein paar Tage bis zur Fährüberfahrt nach Sardinien. Und was fällt uns deshalb als nächstes Ziel ein. Ja, wir haben es wieder getan, wir landen in Cannobio am Lago Maggiore, unserem ehemals so heißgeliebten Ort für zahlreiche Kurzurlaube in den Neunzigern und anfangs der Zweitausender Jahre. Bis wir beim letzten Aufenthalt eigentlich entschieden hatten, nie wieder hierher zu kommen, weil sich so vieles, und vieles nicht zum Guten nach unserer Ansicht, verändert hat.

Zumindest suchen wir nicht den überteuerten Campingplatz vom letzten Mal auf, sondern stehen auf einem neuen Stellplatz. Dabei haben wir Glück, dass wir noch einen Platz finden. Zahlreiche andere Womo’s steuern am Abend und in der Nacht noch diesen Platz an und müssen schließlich wieder kehrt machen oder stehen in den Seitenstraßen, wie wir später entdecken. Wir bleiben zwei Nächte und besuchen das immer wieder sehenswerte Städtchen mit der Promenade direkt am Lago Maggiore. Aber erneut müssen wir feststellen, dass weitere alteingesessene Geschäfte aufgegeben haben und die Atmosphäre der früheren Jahre weiter verloren geht. Dafür ist das Preisniveau gestiegen.

Auf jeden Fall verwöhnt uns das Wetter, wie auch am nächsten Tag in Cremona mit 24° und herrlichem Sonnenschein. Eigentlich hatten wir erwartet leere Straßen und geschlossene Geschäfte vorzufinden. Schließlich ist Karfreitag. Aber der ist wohl in Italien kein Feiertag.

Wir sind zunächst der Überzeugung noch nie in Cremona gewesen zu sein. Aber ich hege Zweifel, als wir den Stellplatz, ein Großer Parkplatz am Stadion, ansteuern. Mir kommt das alles hier ziemlich bekannt vor. Aber Zweifel bleiben auch bei mir, als wir die schöne mittelalterliche Innenstadt aufsuchen. Diese Zweifel werden wir wohl erst zu Hause bei der Durchsicht alter Reiseunterlagen zerstreuen können.

Cremona ist eine Stadt in der Lombardei, Italien, am linken Flussufer des Po inmitten der Po-Ebene mit 71.901 Einwohnern. Zugleich ist Cremona Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz.

Die Stadt wurde insbesondere bekannt durch die Geigenbauerfamilien Amati, Guarneri und Stradivari. Cremona wurde 218 v. Chr., also im selben Jahr wie Placentia (Piacenza), von den Römern als Vorposten gegen die gallischen Stämme gegründet. Es wurde 190 v. Chr. mit 6000 neuen Siedlern verstärkt und bald eine der blühendsten Städte Norditaliens. Wahrscheinlich bekam die Stadt 90 v. Chr. die Rechte eines Municipiums. (Wikipedia)

Heute am Samstag besuchen wir nochmals die Innenstadt, sehen uns das Violinmuseum an und im gleichen Gebäude eine Fotoausstellung bedeutender Fotografen des 20. Jahrhunderts, die Kriege und Not in Indien, Südkorea und Vietnam dokumentiert haben. Andere wiederum haben Berühmtheiten des Filmgeschäfts abgelichtet, wie z.B. Marilyn Monroe, Clark Gable und James Dean, und für das TIME-Magazin gearbeitet.

Anschließend geht es auf eine vergleichsweise kurze Etappe bis nach Pavullo nel Frignano, einem Ort nicht weit von Modena und der Ferrari-Hochburg Maranello.

Auf dem anvisierten kleinen Stellplatz an einem Park finden sich wieder zahlreiche Wohnmobile. Alles Italiener. Vielleicht auf Osterausflug.

Hier haben wir wieder Strom und ich kann meinen Laptop an das Netz hängen. Ich kann ihn zwar während der Fahrt über den Wechselrichter immer wieder nachladen, aber am Abend macht er schnell schlapp. Das Alter eben (vom Laptop!). Und das heißt, ich brauche einen Neuen.

 

unterwegs nach Livorno

16.04.2017

Gut und lange geschlafen. Nur die Italiener neben uns machen störende Geräusche. Es hört sich an, als würden permanent alle Schränke aus und anschließend wieder eingeräumt. Aber die Sonne begrüßt uns. Im Womo ist es noch etwas kühl und ich mache die Heizung an damit mein Schatz zu Ostern nicht am Frühstückstisch frieren muss.

Gegen 11 Uhr verlassen wir den Platz nachdem alle üblichen erforderlichen Arbeiten erledigt sind. In Google-Maps stellen wir für unsere heutige Übergangsroute nach Livorno, wo wir morgen Früh nach Sardinien einschiffen werden, auf „Autobahnen vermeiden“. Für die 156 km werden uns 3,5 Stunden Fahrtzeit angezeigt. Das heißt, entweder zahlreiche Ortsdurchfahrten mit den üblichen unzähligen Kreisverkehren wie gestern, oder aber, und das wird sich als zutreffend erweisen, kleine und schmale Straßen durch bergiges Gelände. Es ist eine fantastische kurvenreiche Tour auf der SS12, viel Natur und Ausblicke auf noch schneebedeckte Berge. Diese Route mussten wir selbstverständlich für ein Picknick unterbrechen.

Sehr sehenswert auch die Ponte della Maddalena, oder auch Ponte Diavolo (Teufelsbrücke) genannt. Die Steinbrücke aus dem 14. Jahrhundert überquert bei Borgo a Mozzano den Fluss Serchio.

Vorher hatten wir die Provinz Emilia Romana verlassen und befinden uns nun in der Toscana. Nachdem wir die Bergwelt hinter uns gelassen haben steuern wir auf Lucca zu, was wir noch aus unserem ersten Italienurlaub Anfang der neunziger Jahre kennen und steuern dann an Pisa vorbei auf Livorno zu. Zunächst kurven wir etwas ziellos in Livorno umher. Für den Hafen ist es noch zu früh. Erst nach acht, wenn das letzte Fährschiff beladen ist, wollen wir hin und im über Nacht verschlossenen Hafengelände im Womo übernachten.

Am letzten Tankstopp verweilen wir deshalb eine Weile, bis wir dann das Hafengelände ansteuern. Zwei Womo’s stehen bereits hier, ein Franzose und ein Deutscher, die ebenso wie wir davon ausgehen, dass wir hier gemeinsam richtig sind.

Überfahrt und Ankunft auf Sardinien

17.04.2017

Die Nacht ist vorbei bevor der Wecker um sechs Uhr klingelt. Es ist schon Bewegung draußen, wie auch am Vorabend schon, obwohl nach dem Womo-Reiseführer das Hafengelände von 22 bis 6 Uhr geschlossen sein soll. Um uns herum stehen weitere Womo’s aber auch PKW. Der Andrang hält sich für eine große Fähre, wie sie hier verkehren, allerdings in Grenzen. Es ist zum Glück noch Vorsaison.

Es dauert nicht lange, da kommt auch schon ein Mensch in gelber Warnweste und scannt unser Ticket und klebt uns einen Strichcode an die Windschutzscheibe. Damit ist alles erledigt. Und wir hatten extra noch einmal nach gebucht, weil auf dem ersten Ticket eine Fahrzeuglänge von 5,01 bis 6m stand. War mein Fehler. Aber wir wären offensichtlich auch mit diesem Ticket durchgekommen.

Eine Kabine haben wir für die sechseinhalbstündige Überfahrt nicht gebucht und suchen, nachdem wir die Ausfahrt aus dem Hafen vom Oberdeck verfolgt hatten, gleich erst einmal die Cafeteria auf um ein Frühstück zu nehmen.

Anschließend sind in der Lounge alle Ecksofas von Leuten belegt, die sich hier zum Schlafen niedergelegt haben. Nicht lange müssen wir auf den unbequemen Sesseln ausharren und ich erblicke ein freies Ecksofa, als ich mit einem Drink von der Bar zurück komme. Nun können wir es uns auch bequem machen und die Augen vorübergehend schließen. Wir kommen an den Inseln Capraia Isola und Elba vorbei und landen dann in Golfo Aranci, unserem Zielhafen.

Das Ausschiffen geht zügig vonstatten und wir steuern gen Norden. Unser erster Halt Capo d’Orso, „Bären-Kap“, eine der großen Naturattraktionen im Norden Sardiniens und eines der Wahrzeichen. Die bizarr verwitterten Tafonifelsen weisen skurrile Formen auf und der gigantische Felsen am Ende des Weges hat die Form eines Bären.

Weiter geht es Richtung Palau bis zum Campingplatz Baia Saraceno. Sieht zunächst noch ziemlich verlassen aus und auch die Rezeption ist unbesetzt. Wir finden einen schönen Platz und machen es uns bequem. Bei einem Rundgang stellen wir fest, dass doch einige Wohnmobile hier bereits Station machen und auch das Restaurant hat geöffnet. Zwei Nächte werden wir hier bleiben und uns morgen mit der weiteren Planung unserer Inselrundreise beschäftigen.

Na sowas. Hat der Selfie-Stick doch schon ausgelöst.
Jetzt ist es besser.

La Maddalena, La Caprera und Capo Testa

19.04.2017

Gestern haben wir wie angedeutet die Füße hoch gelegt. Und mit der weiteren Route sind wir noch nicht sehr weit in der Planung gekommen. Ich habe mich mit der Technik , insbesondere mit meiner neuen Kamera beschäftigt und ein paar Experimente gemacht.

Heute nun wieder auf Tour. Wir fahren nur in den wenige Meter entfernten Ort Palau und steuern den Hafen an , setzen mit der Fähre nach La Maddalena über, eine vorgelagerte Insel, die mit der durch einen Damm verbundenen Nachbarinsel La Caprera einen Nationalpark bildet. Nur La Maddalena ist bewohnt. Wir nehmen aber gleich den Abstecher über den Damm nach La Caprera. Die einzige Straße führt bis vor ein nationales Heiligtum, das Garibaldi-Museum. Hier muss jeder Italiener einmal gewesen sein. Der legendäre Garibaldi hatte sich hier etwa die Hälfte der Insel gekauft und mit Frau(en) und Kindern seinen Ruhesitz eingerichtet und hier seine letzten Lebensjahre verbracht. Wir besuchen das Museum mit dem Sterbehaus und erhalten zum Glück eine deutsche Erklärung an die Hand.

Dann geht es wieder zurück über den Damm nach La Maddalena und wir umrunden die Insel auf der Küstenstraße, „strada panoramica“.

Zurück am Hafen, finden wir die Fähre schon voll vor und wir müssen auf die nächste warten. Ab 15.30 Uhr dürfen wir wieder auf den Parkplatz und dann die nächste Fähre nehmen. Schnell haben wir die kurze Entfernung überwunden und fahren weiter Richtung Westen. Der Campingplatz in Porto Pozzo hat noch nicht geöffnet, deshalb nehmen wir noch den Abstecher nach Capo Testa, den nördlichsten Punkt Sardiniens in Angriff, nachdem wir Santa Teresa Gallura, die nördlichste Stadt Sardiniens, mit einem kurzen Stopp beehrt haben. Sie liegt nur 18 km von Bonifacio entfernt, dass bereits auf Korsika liegt.

Auch hier am Capo Testa viele Steinformationen, die „Friedhof der Steine“ genannt werden wegen der skurrilen Formen. Ein wahres Stein-Labyrinth. Die Unterwasserwelt vor Capo Testa gilt als eines der schönsten Tauchreviere der Welt.

Wenige Kilometer weiter finden wir in Vignola Mare einen schönen Campingplatz. Er ist mit allem ausgestattet, relativ Preiswert mit ADAC-Camp-Card und erhalten noch einen Gutschein mit 10% Preisnachlass für das Restaurant. Die Zufahrt zu den Plätzen auf unserem Areal sind ziemlich schmal für längere Wohnmobile, deshalb stellen wir uns ganz nach vorn und stehen hier gut. Das Restaurant ist nur eine Pizzeria, aber außerhalb des Platzes werden wir fündig und essen hier sehr gut und stilvoll (ohne Rabatt).

über Porto Torres nach Alghero

20.04.2017

Weiter geht es auf der schönen Küstenstraße. In dem kleinen Dorf Paduledda nehmen wir die Stichstraße zur Küste und gelangen nach 4 km zur Isola Rossa, benannt nach der vorgelagerten roten Insel. Auch hier gibt es eine neue Marina.

Zurück auf der Hauptstraße wenden wir uns jetzt Castelsardo zu und finden eine malerische auf einem Felsvorsprung befindliche Altstadt.

Wir haben aber anderes vor. Wir suchen einen Fels der wie ein Elefant aussehen soll. Die Womoführer-Beschreibung ist etwas unpräzise und wir kurven eine Weile umher. Dies führt allerdings dazu, dass wir in Sedini, ein originelles Felsenhaus „San Rocca“ entdecken. Den Elefantenfels finden wir dann auch noch.

Nächstes Ziel, Porto Torres. Von den Römern gegründet ist die Stadt heute von etwa 21.000 Einwohnern bewohnt. Wir parken am Hafen und machen einen Spaziergang in die Stadt. In der Basilika San Gavino aus dem 11.Jh., der größten romanische Kirche Sardiniens, beginnt gerade eine Totenmesse. Hunderte von Besuchern sind hier anwesend. Heiraten und sterben sind in Italien ein teures Unternehmen.

Wir schneiden nun die nordwestliche Inselspitze ab und fahren vom Norden her Richtung Alghero. Unterwegs passieren wir das mit 650 ha größte Weingut Sardiniens „Sella & Mosca“. Gleich daneben besuche ich noch die steinzeitliche Gräberstätte „Anghelu Ruju“ die etwa aus der Zeit 3300 v.Chr. stammt. Insgesamt 38 verzweigte Felsgräber sind hier freigelegt worden. Wahrscheinlich befand sich darüber der ehemalige Ort, von dem allerdings nichts erhalten ist.

Alghero wurde von den Genuesern gegründet, geriet später unter spanische Herrschaft. So nennen die Sarden sie noch heute „spanische Stadt“. Am Hafen entlang erstreckt sich eine Stadtmauer mit ihren Bollwerken auf denen nachgebaute Verteidigungsanlagen stehen.

In Alghero suchen wir den angegebenen Campingplatz. Wir finden ihn, aber leider ist er noch geschlossen. Ein weiterer Stellplatz in der Stadt existiert nicht mehr. Schließlich stellen wir uns auf den großen Parkplatz am Hafen und übernachten hier ungestört, nachdem wir noch einen Spaziergang durch die Altstadt unternommen haben. Viel Trubel herrscht hier. Vermutlich wird Schulabschluss gefeiert, denn viele Jugendliche sind unterwegs und auf den Straßen liegen bunte Bänder.

Zahlreiche Geschäfte sind hier mit rosa Behältnissen, die mit Blumen bepflanzt sind, geschmückt und überall finden wir ebenfalls in rosa gestrichene Fahrradteile und Felgen an den Wänden. Aufklärung liefern Wimpel an den Laternen. Hier wird am 5.Mai der 100. Giri d’Italia gestartet. 3 Etappen werden auf Sardinien ausgetragen. Das werden wir uns nicht entgehen lassen.

Zwischenruf

Wie auch bei vorangegangenen Reisen wird sich Astrid ab jetzt am Bericht beteiligen. Jetzt hier, wie gewohnt, als Zwischenruf in kursiv und blau. Ab den nächsten Beiträgen wird sie sich dann, in loser Folge, direkt in meinem Text zu Wort melden. Gefällt ihr besser. So kann sie mich gleich kommentieren und im schlechtesten Fall auch korrigieren. Aber eher geht es ihr darum, am richtigen Ort des Berichtes sinnvollerweise ihre Sicht der Dinge zur Abrundung beizusteuern.

Eigentlich wollte ich ja gar nicht in den Urlaub fahren, jetzt bin ich heilfroh hier zu sein. Die Sonne lacht am Himmel und die Natur sieht traumhaft aus. Alles am blühen, dazu noch die tolle Gegend, viele Serpentinen und enge Gassen. Egon ist in seinem Element. War doch eine gute Entscheidung hierher anstatt nach Korsika zu fahren. Da soll es jetzt noch kälter sein; die Ärmsten.

Dass wir unserem Lieblingsort wieder einen Besuch abgestattet hatten, war doch ein Fehler. Cannobio hat viel von seinem uns vertrauten Charme verloren, sehr auf Tourismus aus und die Preise dementsprechend. Mein Lieblingsbrot von dem uralten Italiener hat sage und schreibe jetzt schon 4,80 € gekostet 😠 aber es ist ja Urlaub !!!

Die Überfahrt gestaltete sich auch problemlos. Nachdem Egon uns noch schöne Plätze zum Schlafen gesichert hatte, konnten wir die 6 Stunden gut überbrücken. Die Berliner Familie mit der wir im Hafen zusammen standen, hatte sich eine Kabine gemietet. Mit Hund und Kleinkind wahrscheinlich das Beste.

Gerade habe ich festgestellt, dass es doch besser ist, ich mach mir wieder unterwegs Stichpunkte. Sonst fällt mir nichts mehr ein was ich unbedingt schreiben wollte. Das wir heute zum ersten Mal zerschossene Verkehrsschilder gesehen hatten z.B. oder das wir auch schon festgestellt haben, dass die italienischen Camper nicht sehr freundlich sind, was man von den sonstigen Einheimischen überhaupt nicht sagen kann 👍,dass viele Campingplätze noch geschlossen haben und wir für uns finden, dass wir die beste Zeit für einen Urlaub hier gewählt haben.

Bootsausflug zur Crotta di Nettuno

21.04.2017

Erst einmal im Nachtrag noch die Bilder von Alghero, die auf den am 5.Mai startenden Giro d‘ Iatalia hinweisen.

Bevor wir Alghero verlassen unternehmen wir noch einen Bootsausflug zur „Crotta di Nettuno“, einem der spektakulärsten Naturschauspiele im Norden Sardiniens. Die Zufahrt wäre auch mit dem Womo über Land möglich gewesen, aber 110 m Höhenunterschied und 654 Stufen bis hinunter zur Grotte haben uns davon abgehalten.

Das Schiff bringt uns bis zum Grotteneingang. Auf einem Rundgang durch die Grotte erleben wir deren riesige Ausmaße.

Nach einem Snack am Hafen machen wir uns auf und fahren auf wunderschöner Küstenstraße bis kurz vor Bosa. Diese Straße ist wahrlich ein landschaftlicher Höhepunkt der bisherigen Tour.

Wasser fassen an einer Quelle

Bosa ist die einzige Stadt auf Sardinien die einen Flusshafen besitzt. Der Campingplatz hier hat zum Glück seit Ostern geöffnet und wir stehen direkt am Meer. Wenig später kommt ein Berliner Womo, dessen Besatzung wir schon am Hafen von Livorno kennengelernt hatten.

Hier bleiben wir zwei Nächte.

Ruhetag

22.04.2017

Heute will ich mich meinen Aufgaben zum Reisetagebuch widmen. Nur leider besteht weder Internetzugang noch Telefonverbindung. Nur am Morgen erreicht mich eine besorgte Nachricht von Mandy. Ich antworte zwar, aber bis zum Mittag ist die Nachricht noch nicht raus.

Während wir so in der Sonne dösen, springt Astrid plötzlich auf. Sie hat eine große Flosse in Strandnähe gesichtet und vermutet einen Hai. Das dort etwas unnormales ist entdecke ich auch. Aber wenig später stellt es sich als Flosse eines Tauchers heraus.

das war der Wal

Der Berliner lässt seine mitgeführte Drohne starten, während ich mich zur Platzeinfahrt begebe. Ich will erkunden, ob es einen W-LAN-Zugang gibt. Mein Handy zeigt jedenfalls ein gesichertes Netz an. Die nette Dame an der Schranke verweist mich zur Bar und dort wird mir mitgeteilt, dass das Netz noch nicht aktiv ist. Nach meinen absolvierten 3000! Schritten, kehre ich zurück. Die Drohne ist inzwischen wieder gelandet, zu viel Wind, aber hat trotzdem mein Interesse geweckt. Nicht zum ersten Mal. Technik die begeistert.

Astrid schwätzt wieder
… während ich mich um die wichtigen Dinge kümmere werde ich durch die Gaze beobachtet

Gegen Mittag stehen wir wieder allein hier und genießen den restlichen Tag bei herrlichem Sonnenschein.

Sonnenuntergang am Torre Argentina

Kultur und Pferde

23.04.2017

Wieder ein schönes Frühstück im Freien.

Bis wir dann endlich den Platz verlassen ist es fast Mittag.

Wir steuern in das Landesinnere Richtung Marcomer. Davor stoppen wir allerdings noch zweimal. Bei Sindina besuchen wir die archäologische Stätte von Tamuli. Die Ausgrabungen legen ein Dorf mit Vorplatz, eine Nuraghe und Gigantengräber frei. Ein Komplex der sich auf zwei 300 Meter voneinander getrennten Einheiten darstellt.

diese Steine stehen unverkennbar für weibliche Gottheiten

Wenige Kilometer weiter die Nuraghe Ruiu. Bei den Nuraghen handelt es sich um prähistorische Turmbauten.

Wir durchqueren Marcomer und fahren ein Stück weiter bis Santa Sabina. Hier ragt neben einer Nuraghe eine frühchristliche Kirche aus dem kargen Land. Hier soll sich zwischen den Bauten ein besonderes, stark geladenes Kraftfeld befinden, auf das empfängliche Menschen positiv reagieren. Astrid war schon voller Erwartungen. Leider erfüllen sich diese nicht. Wir sind in der Mittagszeit hier und die Anlage ist zwischen 13 Uhr und 15.30 Uhr geschlossen. Verpasste Chance auf positive Energie.

Nächste Station ist die wasserreiche Oase San Leonardo di Siete Fuentes. Der Ort empfängt uns mit „Pferdehopsen“, wie Astrid sagt, weil ihr der Begriff Springreiten nicht einfällt. Hier herrscht richtig Volksfeststimmung. In Santu Lussurgiu, in der Nachbarschaft, befindet sich auch eine Hochburg der Pferdezucht.

San Leonardo ist aber auch bekannt für das besondere Quellwasser. Die Mönchsritter vom Johanniterorden, auf die auch der Ortsname zurückgeht, hatten hier im 13. Jh. Kloster und Hospital, wegen des „wundertätigen“ Quellwassers, gegründet. Die Sarden schleppen es heute noch kanisterweise mit nach Hause.

Zwischen Santu Lussurgiu und Seneghe haben wir Glück und finden auf dem kleinen Parkplatz noch eine Lücke. Hier geht ein 10- minütiger Abstieg zur „Cascata Sos Molinos“.Astrid kehrt auf halber Strecke um. Auch besser so, denn die letzten Meter nach unten führen über etwa 120 ziemlich hohe und steile Stufen.

Unten empfängt mich ein Wasserfall, der sich aus 12 Metern Höhe in ein steingerahmtes Naturbecken ergießt.

Letzte kulturelle Station für heute ist der Nuraghenkomplex Santa Christina hinter Paulilatino. Der Komplex gliedert sich in Christliches Dorf, Nuraghe mit Dorfresten aus unterschiedlichen Epochen und unterirdischem Brunnentempel, ein Brunnenheiligtum. Die „pozzo sacro“ ist ca. 3000 Jahre alt und auch hier staunen wir, wie in der Steinzeit eine so komplizierte Konstruktion gebaut werden konnte.

Dorfkirche
Brunnentempelanlage

Eine kalte Kaffee-Crema beschließt hier das Erlebnis und hinter der Brücke nach Santa Chiara, die über einen angestauten See führt, endet unser Tag auf einem einsamen Parkplatz.

Und wie alleine, ein riesiger Parkplatz und wir in der hinteren Ecke aber sicher wie im Abraham’s Schoß.

Therme Romana und Gravelroad

24.04.2017

Wir blieben allein auf „unserem“ großen Parkplatz und verbrachten eine ungestörte Nacht.

Heute steht nur ein kulturelles Highlight auf dem Plan. Die „Therma Romana“ in Fordongianus, einem römischen und mittelalterlichem Zentrum, wie die historischen Quellen berichten. Im Umkreis gibt es einige römische Spuren. Hauptkomplex ist aber die Therme. Vor dem Eingang befinden sich zwei Rundbecken in denen Wasser mit einer Temperatur von 54° aus dem Boden sprudelt. Bis vor wenigen Jahren haben Frauen des Ortes hier noch ihre Wäsche gewaschen. Heute ist es ein Museumskomplex. Von der Therme sind noch einige Reste erhalten und konnten in ihrer Bedeutung zugeordnet werden.

hier sprudelt das 54° heiße Wasser aus dem Boden

Jetzt wollen wir aber wieder Richtung Küste und haben uns einen Platz ausgesucht, der mit einem fantastischen Ausblick gelobt wird. Vom Restaurant hat man einen Blick auf riesige Dünen.

Picknick am Straßenrand und wieder ein paar Blümchenfotos

Über sehr kurvenreiche Strecke, die durch Ingurtosu führt, mit anschließender Gravelroad wie wir sie aus Afrika kennen, erreichen wir über die Stichstraße den Platz. Die letzte Anfahrt führt steil nach oben. Wir fahren bis nach vorn zum Restaurant, weil die Rezeption unbesetzt ist, und stellen hier schon fest, dass wir hier zwischen den dicht stehenden Bäumen keine Chance haben. An der Bar werden wir auf ein Gelände vor dem Wald verwiesen, was uns wegen der Beschaffenheit der Plätze und besonders ihres starken Gefälles ebenfalls nicht ideal erscheint.

Also das ganze wieder zurück und noch einen Fotostopp eingelegt. Hier, wie an zahlreichen anderen Stellen auf Sardinien befinden sich Reste und Ruinen von Minenanlagen.

Wir hatten uns geschworen nie wieder solche Straßen wie teilweise in Afrika!!! Hätte ich doch bloß den Reiseführer richtig gelesen der beschreibt, das es eine hundsmiserable Geländepiste mit riesigen Schlaglöchern ist , wo man am besten vorher die Inneneinrichtung bombensicher befestigt.

Es ist spät geworden als wir den nächsten Stellplatz bei Buggeru erreichen. Auch Strom gibt es hier, allerdings wieder einmal keinen Internetzugang.