Ankara

16.10.
Gestern hatten wir wieder einmal eine Überführungsetappe. Es ging nach Ankara, wo heute eine Stadtbesichtigung stattfindet, allerdings ohne mich. Doch dazu später.
Wir sind relativ früh gestartet, denn es standen 310 km vor uns. Wir fahren Richtung Norden durch weite, dünn besiedelte Ebenen und Hügellandschaft und überqueren zwei Pässe. Die beiden empfohlenen Sehenswürdigkeiten am Anfang der Strecke lassen wir aus. Wir vermuten, dass sie sowieso nicht geöffnet haben, wie auch das Freilichtmuseum in Göreme, an dem wir vorbei gekommen sind. Auf den Straßen ist auch nichts los und alle Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen haben geschlossen. Es ist Opferfest, das höchste Fest des Islam zum Abschluss des Haddsch, der Wallfahrt nach Mekka.
Auf dem Land sehen wir Wanderarbeiter in ihren bescheidenen, meist nur aus Stöcken mit einer Plane bestehenden Behausungen. Auch sie haben heute Pause. Aber sie schlachten nicht, dass können sie sich nicht leisten. Aber in vielen anderen Orten sehen wir die Schlachtungen zum Opferfest. Mitten auf dem Weg oder dem Acker wird geschlachtet. Es sieht für uns schon etwas gewöhnungsbedürftig aus. Ich mache nur zwei Fotos vom Camper aus, ich will nicht aussteigen, denn mir geht es nicht so gut. Ich habe das Gefühl, dass eine Grippe im Anmarsch ist. Ich will nur durchfahren und mich schnellstens hinlegen. Ich friere und schwitze im Wechsel und alle anderen Zutaten, auf die ich nicht näher eingehen will, sind auch dabei. Am Abend fehle ich deshalb zum ersten Mal bei Briefing und Umtrunk.
Heute steht nun die Bustour nach Ankara auf dem Plan an der Astrid allein teilnimmt. Ich kuriere mich inzwischen aus und hoffe, ich bin Morgen wieder fit. Ich bin gespannt, was Astrid zu erzählen hat.

 

So meine Lieben, heute müsst ihr mit meiner Erzählweise vorlieb nehmen. Trotzdem es Egon in der Nacht etwas besser ging, beschloss er den Tag im Womo zu verbringen. War schon ulkig so alleine zu sein. Obwohl ich sagen muss, dass ich nie das Gefühl hatte. Unser Doktor hatte Egon versprochen auf mich aufzupassen!
Früh ging unsere Bustour los Richtung Ankara. Weit mussten wir nicht da wir in der Nähe vom Flughafen standen. Ankara wurde ja 1923 von Mustafa Kamal, genannt Atatürk, als Hauptstadt auserkoren. Er ist allgegenwärtig. Zuerst erklommen wir die Zitadelle, genannt Hisar, ein herrlicher Ausblick, die ganze Stadt lag zu unseren Füßen. Da es ja noch Feiertag war sind wir ungeschoren an allen Ständen vorbei gekommen.

Danach ging es zu Fuß durch die Altstadt, zum Museum der Anatolischen Zivilisation. Es liegt im Atpazan-Viertel (Pferdemarkt Viertel). Hört sich trocken an, aber weit gefehlt! Es besteht aus 2 Gebäuden, früher war es im 14/.15Jh.ein überdachter Basar und das andere eine Karawanserei. Wir sahen Schätze aus den Königsgräbern sowie hethitische Skulpturen und goldene Schmuckstücke. 

Zum Mittagessen ging es in die Altstadt. Nachdem ich einen Tisch mit etlichen türkischen Frauen sah die alle vergnügt aßen, sagte ich den Schweizer Mädels hier ist es bestimmt gut! Und so war es auch. Nachdem ich mich wieder bei den Frauen kundig machte was man so aß und sie mir einen Platz bei sich anboten, bestellten wir. Wir sollten es nicht bereuen. Der Kellner erzählte mir noch das seine Frau in Deutschland arbeitet und er sich freut sie bald wieder zusehen. An dieser Stelle muss ich auch mal eine Lanze für die Türkei brechen und euch sagen, dass man sehr viele nette Türken trifft die einen anlächeln und immer bestrebt sind einem zu helfen!
Auch sehr gastfreundlich, denn ich hätte mich schon öfter an gedeckte Tische setzen können. Das macht mal einer in Deutschland!
Danach zum Atatürk Mausoleum, das imposanteste Wahrzeichen der Stadt. Vom Ehrenhof aus betritt man die Halle mit dem Marmorsarkophag von Atatürk. Überall stehen Wachen mit versteinerter Miene davor, die sich überhaupt nicht ablenken lassen. Sehr viele junge Familien mit Kindern sind unterwegs. Auch um Blumen am Grab abzulegen. Es ist schon alles sehr beeindruckend.

Quer durch die moderne Innenstadt, vorbei an der deutschen Botschaft (die Schweizer Botschaft haben wir leider nicht gefunden) an vielen Wasserspielen durch breite, von Bäumen gesäumte Boulevards , ging es wieder zum Stellplatz und zu meinem armen „alten“ kranken Mann. Ihr glaubt es kaum, er lag auf der Liege und sonnte sich! So früh hatte er uns nicht erwartet, da war natürlich die Ruhe dahin. Aber ich kann euch beruhigen, es geht ihm schon viel besser, sodass er morgen wieder das Steuer übernehmen wird. Ihr kennt ihn ja!
So ist es auch viel viel schöner.
Eins muss ich noch zum Opferfest sagen. Am Tag zuvor bekommen die Kinder von ihren Eltern neue Kleidung und am Feiertag von ihren Verwandten Geld. Es ist mit dem Weihnachtsfest bei uns zu vergleichen. Auch werden Ziegen, Schafe und Kühe geschlachtet. Es ist Brauch, dass den Armen und Kranken zu gleichen Teilen abgegebenen wird. Wir haben auf unserer Fahrt ganze geschlachtete Rinder am Bagger hängen gesehen. Viele Fotos haben unsere Mitreisenden auch nicht geschossen, da wir alle nicht diese Zeremonien stören wollten. Man hatte das Gefühl zu stören. Obwohl ich von einem Schweizer hörte, dass sie ihn einluden um Fotos zu machen. Auf jeden Fall war es für uns gewöhnungsbedürftig.

Gut, das ich morgen Egon wieder das Schreiben überlassen kann, ist doch zu langwierig sich alles zu merken und für euch, und uns, raus zusuchen. Da gebe ich lieber nur meinen Senf dazu!

3 Gedanken zu „Ankara“

  1. so, da sind wir auch wieder.erstmal alles gute für Egon.Hatten ein paar Tage Stress(nicht weil ich wieder arbeiten gehe).
    Habt ja schon wieder viel erlebt.Heute ist eure Karte aus Bulgarien eingetroffen.Vielen Dank.also den Tanz der Derwische fand ich damals auch langweilig.
    War wirklich gut geschrieben Schwesterherz.also bis bald.

  2. Liebe Mama,
    schön hast du geschrieben! War mal etwas anders zu lesen…

    Papa, manchmal fehlt in deinen Texten der „Witz“…ist alles super interessant zu lesen, aber manchmal fehlt eben das Lustige…so wie damals in dem Australien-Buch…das war seeeehr lustig 🙂

    Aber ich lese alles, egal wer von euch schreibt!!!!

    Hab euch lieb <3

  3. Ich finde Eure Berichte echt gut. Die Fotos sind beeindruckend und zeigen mir oft eine Seite von Staedten, die ich gar nicht vermutet haette. Beim Lesen ist mir auch klar geworden, dass ein Wohnmobil das ideale Reisemittel ist, wenn man in relativ kurzer Zeit ganz viel sehen will. – Gute Besserung fuer Egon!

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