Catania – unplanmäßig

28.09.

Audiokommentar von Egon:

28.09.

Hallo meine Lieben, jetzt müsst ihr für einige Tage mit mir vorlieb nehmen!

Heute melde ich mich aus dem Krankenhaus wo wir beide seit 2 Tagen liegen. Ich als Besucher und Egon als Patient. Aber der Reihe nach.

Am Donnerstag Abend schien die Welt noch in Ordnung. Wir saßen draußen vor dem Womo mit Blick aufs Wasser, es war sehr warm und die Grillen zirpten. Idylle pur!! Plötzlich stellte Egon fest,  dass er immer schlechter auf dem linken Auge sieht. Zwar hatte er es schon ein paar Tage vorher festgestellt, aber gedacht, dass es sich vielleicht um den grauen Star handelt. Wahrscheinlich hat es ihn so in der Nacht beschäftigt,  jedenfalls konnte er nicht schlafen und googelte. Netzhautablösung, na toll!!

Nach kurzer Beratung am Morgen nur ein Espresso,  im Internet gesucht wo der nächste Augenarzt sich befindet und schon ging es los,  schließlich war es Freitag! In Messina sollte es sogar einen deutsch sprechenden geben. Wir also auf die Autobahn damit es schneller geht und ab. Natürlich hatten wir dort auch Probleme die Straße zu finden. Nachdem  wir umher irrten wollte Egon wenden, übersah beim scharfen Ausscheren mit dem Heck einen Lichtmast und bums, es krachte! Das hatte uns noch gefehlt, die hintere Verkleidung von der Markise war ab, die rechte Außenleuchte hing runter und die Heckschürze war rechts eingerissen! Wir aber hatten keine Zeit, also schnell mit Paketband alles notdürftig verklebt und schon ging es weiter. Kleine Gassen,  hin und her gefahren und  uns wieder  durch gefragt,  wieder gewendet in einer engen Gasse ( ich glaube Egon findet das jetzt richtig toll! ) und endlich das Universitäts-Klinikum gefunden. Inzwischen war es schon 12.00 Uhr. Wir hatten Glück eine Ärztin anzusprechen die deutsch konnte. Nachdem sie uns erklärte dass wir erst zur Pronto Soccorso ( Notaufnahme) gehen und uns dort eine Registrierung holen müssen, sahen wir schon unsere Felle davon schwimmen! Denn sie hätten bloß bis um 14.00 auf!! Aber alles klappte, wir hatten die Einweisung. Nach der ersten Untersuchung,  mit Hilfe der Dolmetscherin, mussten wir im Warteraum Platz nehmen und Egon bekam mindestens 3 mal Augentropfen rein, aber in beiden Augen. Wahrscheinlich damit sich richtig die Pupillen erweiterten. Nachdem sich mehrere Ärzte die Augen betrachteten kamen sie zu dem Ergebnis, dass Egon unverzüglich operiert werden müsste sie aber dafür keine Zeit mehr haben, da wie gesagt gleich Feierabend sei. Trotzdem muss man sagen waren sie sehr freundlich, gaben uns noch die Adresse vom Klinikum in Catania und schon zogen wir von dannen. Halt stopp, erstmal kam noch ein Arzt, ( wir nahmen  an der Chef) also alles von vorn, mit dem Ergebnis, wir sollten doch fahren. Obwohl Egon gar nicht richtig sehen konnte, fuhr er natürlich das Auto!! In der Stadt hätte ich es mir ehrlich gesagt auch nicht zu getraut, aber auf der  Autobahn! Aber wer meinen lieben Mann kennt weiß, dass er lieber ins Lenkrad beißt, als es zu übergeben. Wir also im Affentempo auf die Autobahn und fast zurück nur diesmal im Süden von Sizilien.

95 km Blindflug, ne Menge Tunnel und inzwischen schon nach 16.00 Uhr. Fast problemlos das Klinikum in Catania gefunden, einen Parkplatz fürs Womo auch und schon ging es auf Suche nach der Occulistica (Augenabteilung).Wir wussten wir müssen uns bei Professore Biofilo melden, aber erstmal finden! Im Untergeschoss saß ein junger Mann, also versuchte ich ihm klar zu machen wen wir suchten. An dieser Stelle muss ich wiederholt sagen, dass wir immer nette und hilfsbereite Menschen fanden! Also mit seiner Hilfe ging es weiter, der besagte Arzt war nicht da, dafür aber eine sehr attraktive Ärztin. Hat aber alles nichts genützt, anscheinend ging ihr Laser nicht. Sie verwiesen uns ( mehrere Ärzte beschäftigten sich inzwischen mit  unserem Problem und der Verständigung, halb englisch halb italienisch) zu einer anderen Klinik in der Stadt, sie telefonierte mit dem dortigem Arzt und schon wollten wir weiter.In der Zwischenzeit hatten wir einen Strafzettel am Auto, keine Ahnung warum denn andere standen auch da! Egon meinte bloß, dass sie vielleicht dachten wir wollten da campen! Denn wer fährt schon mit einem Womo zum Arzt.  Mit Hilfe der Zeichnung eines Arztes und seiner wortreichen Gesten  mußten wir nur noch mehrere Kreisverkehre fahren und schon sahen wir das Klinikum. Das Problem diesmal, kein Parkplatz weit und breit. In die Tiefgarage passten wir nicht, jedenfalls bis jetzt!! Also zurück zum letzten Kreisverkehr, dort hatte ich einen Lidl gesehen mit großem Parkplatz. Der wurde bewacht von einem jungen Mann. Nachdem wir ihm klarmachten das wir dort hinten nur zum Klinikum wollten uns es wahrscheinlich länger dauert, konnten wir auf dem Nachbargelände stehen bleiben, zwar nur bis 21.00 Uhr. Dann wird alles dicht gemacht. Bis dahin fanden wir das alles kein Problem sei, da Egon mir erklärte, alles dauert nicht lange. Ein paar Punkte mit dem Laser und ab geht’s weiter! Ha Ha ! Also erstmal über den großen Kreisverkehr, ich glaube die Autofahrer hatten noch nie Fußgänger dort gesehen! Jedenfalls nur lauter abgehende Straßen, sehr viele Autos, zahlloses Gehupe und wir mittendrin. Ich ängstlich und dann mit einem Sehbehinderten der uns trotzdem sicher rüber brachte. Nochmals brauchte ich das nicht, dachte ich! Inzwischen war es so gegen 17.00 Uhr und wir hofften noch jemanden zu finden. Wieder ein umher geirre, alle Türen zu in der Augenabteilung, keine Menschenseele da, na toll! Wir wieder umher, diesmal eine andere Abteilung wo man uns klar machte, dass wir klingeln müssen. Die hatten wir natürlich übersehen! Gott sei Dank, einer öffnete die Tür nahm unsere Papiere in die Hand und bums war die Tür zu. Vielleicht mussten sie erst beratschlagen was sie mit uns machen, aber man soll nichts schlechtes denken. Jedenfalls hatten wir nun endlich den richtigen Arzt gefunden. Er untersuchte Egon lange , erklärte und fragte sehr viel nach. Kein Deutsch aber von seiner Seite perfektes Englisch. Dann kamen wir an einem Punkt, da verstand keiner mehr was. Nun mussten wir doch unsere Kinder informieren, was wir bis dahin nicht wollten, weil Egon fand ,es wäre ein Pillipalli-Eingriff und wir sie nicht  beunruhigen sollten. Da war die Sorge natürlich groß und unsere Tochter informierte auch gleich unseren Sohn in der Schweiz. Also, letztendlich  dank Google und in kniffligen Fragen unseren rettenden Anruf bei Domenico in Deutschland, bekamen wir zu erfahren, dass die Netzhautablösung  schnellstens operiert werden müsste. Eine Laserbehandlung wäre zu spät, es ist schon zu weit fortgeschritten. Also mindestens 3 Tage hier bleiben und richtige OP! Das war natürlich ein Schock! Für uns beide, denn damit hatten wir nicht gerechnet. Nachdem wir ihm erklärt hatten das wir mit dem Womo da wären, keinen Parkplatz hier für Tage fänden und ich armes Hascherl da ganz allein wäre, kam der Vorschlag von ihm , dass wir ein gemeinsames Zimmer bekommen würden. Das fand ich sehr nett von ihm, da ich sowieso gern bei meinem lieben Mann geblieben wäre. Mir fiel dann noch ein, dass es ganz in der Nähe hier einen Campingplatz gibt. Also gesagt und getan, wir verabredeten uns in 1 Stunde hier wieder zu melden. Aber erstmal wieder zum Womo kommen! Das Gehoppel von uns im Kreisverkehr , das will ich euch diesmal ersparen! Endlich geschafft und ab ins Freitagabend Getümmel!! Mittlerweile war es schon ganz schön dunkel und für Egon schwer zu sehen. Ich wär da nie mit dem Auto gefahren, wenn man bei einer 2 spurigen Fahrbahn zu viert ist und dann noch die ganzen Motorroller dazu, ich krieg ne Krise! Anmerken muss ich noch, dass wir ja einiges gewöhnt sind in Italien, aber das hier unten im Süden ist die Krönung! Dann endlich beim Campingplatz angekommen, fragte sie gleich ob wir reserviert hätten. Nachdem wir ihr erklärt hatten, dass Egon zur OP muss, fand sie auf dem scheinbar vollen Platz noch ein Plätzchen. Nur noch schnell am Strom angeschlossen, ein paar Sachen gepackt, das Taxi gerufen und schon ging es zurück. Schlussendlich brauchten wir dazu 2 Stunden, für 11 km Hin und Zurück!

Hier angekommen erwartete uns eine scheinbar leere Station. Im  Nachhinein stellten wir fest, das gerade mal noch ein Zimmer mit einem Patient belegt war! Wir bezogen unser 2 Bettzimmer, bekamen sogar noch Handtücher die ich in der Eile vergaß und dann kamen wir erst so richtig zur Besinnung.unser Zimmer

Nach einer unruhigen Nacht für uns war Blut abnehmen und EKG  dran und es hieß es warten.

Frühstück
Frühstück

Ich durfte derweil das Frühstück von Egon essen da er nüchtern bleiben sollte und so gegen 12.00 Mittags kam unser Dottore und nahm Egon mit. Eigentlich sah der Arzt aus, als ob er mit Egon bummeln wollte. Beide in zivil und locker drauf! noch in ZivilEs dauerte nicht lange, Egon wieder da und musste sich OP Kleidung anziehen. ab zur OPEr erzählte mir, dass die OP Schwester den Arzt richtig beschimpft hätte, dass er so mit Egon dort auftauchte. Dann nochmal Abschied nehmen und 1 1/2 Std später kam mein lieber Mann wieder. Verbunden wie ein Pirat!nach der OP

Es ging ihm sogar sehr gut den Umständen entsprechend. Schön das er wieder da war! Was habe ich ihn vermißt!

runter mit den Klamotten
runter mit den Klamotten

Da die OP lokal betäubt wurde, konnte er sich mit dem Arzt zwischendurch verständigen und seiner Meinung nach war alles super verlaufen. Also war Ruhe angesagt und von meiner Seite absolutes Handy-u. Tablet Verbot! Als am Abend der erste Verbandswechsel stattfand, sah man das ganze Ausmaß der OP! Egon sah aus wie Rocky nach der 12. Runde, völlig geschwollen und verkleistert. Heute geht’s ihm schon sehr viel besser und seit wir erfahren haben das er morgen raus kann, können wir es kaum erwarten.

Uns ist schon klar das sich unsere Planung der Reise nun wieder geändert hat, aber das ist so was von unwichtig. Hauptsache Egon ist wieder gesund und schön das wir beide uns haben!

Aber warum muss es bei uns auf Reisen  immer so abenteuerlich sein!!

Und  DANKE an unsere Kinder, wir wissen was wir an euch haben und uns immer auf euch verlassen können, wir haben  euch ganz doll lieb.  DANK auch an unsere Freunde die auch gleich kommen wollten und DANK all denen die unsere Berichte so fleißig lesen und auch kommentieren und ich werde  nie wieder soviel schreiben und dann noch — „ganze 25 Seiten“ wurden vom Arzt ausgedruckt, zwecks der Übersetzung und Aufklärung der OP!

So jetzt ist Schluss mit dem Gedusel. Sonst kommen mir noch die Tränen. Muss wohl an der tollen Musik liegen die wir beide hier hören das ich so sentimental wurde.

9 Gedanken zu „Catania – unplanmäßig“

  1. Ich wußte es , ich wußte es, ich wußte es!!!!!
    Ihr könnte nicht anders, ihr braucht sowas.
    Macht doch einfach mal ne ganz normale Reise, ohne Krankenhaus, Zahnarzt oder ähnliches.
    Wir wünschen Egon gute Besserung und euch beiden eine wunderbare erholsame!!!!!!!!!!! Weiterreise.
    Auch von Mutti und Vati die besten Grüße.

    1. Danke. Aber ein wenig Abenteuer muss einfach sein. Sonst wird es irgendwann langweilig. Aber im Ernst. Jetzt haben wir erst einmal genug davon. Jetzt sind andere dran.

  2. Liebe Mama,
    Ich weiß sehr gut, wie du gelitten hast und dass das alles ganz schön viel auf einmal war!

    Ich hab euch auch sooooooo lieb und bin froh ,dass es euch BEIDEN gut geht!

    Kommt heil wieder nach Hause damit ich euch endlich drücken kann …

    Und Papa, mach weiter mit deinen Audios…find ich super!

    Küsschen an euch…

  3. Hallo ihr Lieben zwei
    Na, toll !!
    Da bekommt man ja nur schon alleine beim Lesen von Astrid’s Bericht Gänsehaut, vor allem wenn man erfährt, dass Egon quasi blind durch die Gegend fährt, die da heisst Catania

  4. Hey ihr Urlauber! Mensch was macht ihr für sachen? Ihr könnt doch nicht immer im Urlaub was kriegen und krank werden. Das kann man doch auch zu hause machen. Naja auf jedenfall gute Besserung und ruhige tage.

  5. Hallo ihr beiden.Na das tut uns sehr Leid mit Egon.(du uns auch Astrid)War wieder alles sehr Aufregend.Egon muß sowas aber auch immer im Urlaub anziehen.Nun müßt ihr euch wirklich erstmal ausruhen.Für Egon alles gute und TOI TOI TOI.

    Michael

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