Archiv der Kategorie: Malawi

zum Malawi-See

08.06.2016 auf zum Malawi-See

Ein Tag nach unserem Geschmack. Endlich etwas Abwechslung und nicht nur fahren, obwohl die Landschaft faszinierend und auch die Durchfahrten durch die Orte immer von besonderem Reiz sind.

Kurz zu Malawi: Malawi ist eines der kleinsten Länder Afrikas und ein Binnenland. Es ist von Tansania im Norden, Sambia im Westen und Mosambik im Osten und Süden umgeben. 120.000 Quadratkilometer Fläche, davon bedeckt der Malawi-See allein 20% mit seinen Ausmaßen von 560 km Länge, durchschnittlich 50 km Breite und einer Tiefe von bis zu 700 m. Etwa 200 m davon liegen unterhalb des Meeresspiegels. Landschaftlich sehr reizvoll, mit vielen Wäldern, Hügeln und Bergen bis zu 3000 m. Malawi trägt den Beinamen „das warme Herz Afrikas“. 16 Mio. Einwohner leben hier, vorwiegend noch sehr traditionell.

Wir starten von unserem Camp in Richtung Lilongwe, der Hauptstadt seit 1975, und steuern nochmals das Einkaufszentrum an um endlich eine SIM-Karte an der Tankstelle zu erwerben. Von hier quälen wir uns durch die mit Verkehr vollgestopfte Altstadt mit dem quirligen Treiben am noch frühen Tag. Man muss sich schon durchsetzen hier sonst kommt man nicht voran. An den auch heute zahlreichen Polizeikontrollen werden wir freundlich durchgewunken und wir können die faszinierende Landschaft genießen. Die vorgeschlagene Strecke bis zum Malawi-See beträgt heute nur 140 km. Wir entscheiden uns, wie wohl erwartet, für die große Runde über Dedza, Golomoti und Mua um dann über Salima zu unserem Camp in Senga Bay zu gelangen. Macht dann 230 km plus unsere Abstecher mit ca. 30 bis 40 km. Aber es lohnt sich. Dedza ist ein Städtchen am Waldesrand mit Blick auf den Dedza-Berg umgeben von grünen Hügeln. Hier ist u.a. die malawische Töpferkunst zu Hause. Aber wir entdecken auch eine kleine Werkstatt in der Papier hergestellt wird. Wir haben zwar von Malawi keinen Reiseführer, aber noch einen Prospekt von der ITB Berlin. Darin hatte Astrid einen Hinweis auf ein UNESCO-Weltkulturerbe nahe Dedza entdeckt. Die Chongoni Rock Art Area. Da wollen wir hin. Im Navi finde ich einen von Wikipedia eingetragenen POI. Allerdings scheinen die Koordinaten nicht ganz exakt zu sein. Wir zweigen hinter dem Ortseingang von Dedza ab, dann auf einer Sandpiste mitten ins Gelände auf die Berge zu. Kein Hinweis auf das Weltkulturerbe zu finden. In der kleinen Papierwerkstatt erhalten wir Auskunft, dass wir auf der richtigen Spur sind. Als wir aber den Wald erreichen, wissen wir nicht mehr weiter. Wir treffen drei junge Männer und bitten diese um Hilfe. Einer weiß offensichtlich Bescheid und wir nehmen ihn ins Auto Es ist Sten, 22 Jahre, aus der Nachbarschaft, der uns helfen will, die Felsmalereien zu finden. Immer weiter geht es auf sandigem und erheblich unebenen Weg in die Berge und durch den Wald. Endlich entdecken wir auch ein verwittertes Hinweisschild.k-20160608_113746

Mehrfach halten wir an um zu prüfen, ob der Weg auch noch befahrbar ist. Auf einer Wegkreuzung stoppen wir dann. Hier kann ich wenigsten noch wenden. Durch das Gelände mit niedrigen Büschen wandern wir dann das letzte Stück, müssen dann noch ein wenig klettern und stehen vor einigen der hier entdeckten Malereien von Jägern aus der Steinzeit.

Diese Stätten hier haben bis heute eine hohe kulturelle Bedeutung für die Stämme der Chewa. Leider werden sie weder gut geschützt noch touristisch vermarktet, wie das z.B. in Südafrika geschieht. Da wäre längst ein Gate errichtet und es würden Eintrittsgebühren fällig, die hier der Gemeinde zugute kommen könnten und den Erhalt dieser Stätten garantieren könnten.k-S2750046

Wir setzen Sten wieder ab wo wir ihn aufgenommen hatten, er schreibt uns noch Namen und Adresse auf und wir versprechen ihm eine Postkarte aus Germany. Seiner Einladung zu sich nach Hause können wir leider nicht folgen, was wir ein wenig bedauern, aber wir wollen noch ein Highlight besuchen und sind spät dran.

Hinter Dedza führt uns eine wunderbare Pass-Straße über den Golomati-Pass über 29 km auf sehr gut ausgebauter kurvenreicher Strecke von 1500m auf 500 m hinunter.k-S2750058 Hier oben gibt es eine Spezialität am Wegesrand. Aus Holz geschnitzte Autos und Fahrräder und andere Kunstwerke werden hier hergestellt und verkauft. Drei Wochen schnitzen die Handwerker an einem voll beweglichen Auto und verdienen beim Verkauf umgerechnet einen Euro pro Herstellungstag.k-S2750059

Ab Golomati folgen wir der M5 bis nach Mua. Hier soll es laut Landkarte eine historische Mission und ein Museum geben. Wir entdecken zwar einen Abzweig von der Hauptstraße, aber das Navi führt uns weiter. Wir wären auch ungern hier hinein gefahren, da der abzweigende Sandweg links und rechts voll mit Verkaufsständen eines Marktes der Einheimischen ist und der Weg kaum passierbar vor so vielen Menschen. Am nächsten Abzweig biegen wir ab und sind natürlich falsch wie uns ein netter Malawi erklärt den wir um Rat bitten. Er erklärt uns den Weg, aber da wir der Beschreibung nicht ganz folgen können setzt er sich mit seinem Kleinbus vor uns und wir folgen, genau durch diesen Weg den wir vorher gemieden hatten. Aber er macht uns den Weg frei und wir folgen ihm durch den Wald und wieder über schlecht befahrbaren und durch Längsrillen durchzogenen Sand in die Berge. An der Mua-Mission bedanken wir uns für die Hilfe und verabschieden uns herzlich. Die Mua-Mission ist 1902 von den sog. weißen Vätern, darunter David Livingston gegründet worden. Heute befindet sich neben der sehenswerten Kirche und anderen Missionsbauten ein Museum hier und ein Zentrum für Kunsthandwerk. Wir besuchen mit einem Führer das Museum und er erklärt uns die Geschichte der Mission und Malawis. Wir können zwar nur eingeschränkt folgen aber bedauern es dann doch, dass wir ihn zur Eile treiben müssen.

Uns erwarten noch 100 km Fahrstrecke und die Zeit ist bereits fortgeschritten. Wir verlassen deshalb diese interessante Stätte und kommen dann in der beginnenden Dämmerung in Salima an. Unterwegs sehen wir so viele Baobab-Bäume wie sonst noch nirgends hier. Sie sind mit ihren mächtigen Stämmen sehr beeindruckend.k-S2750064 Von Salima sind es noch 14 km bis Senga Bay und als wir ankommen haben sich die anderen schon Sorgen um uns gemacht.

Senga Bay ist die Stadt am See, die von der Hauptstadt aus am schnellsten zu erreichen ist. Dementsprechend touristisch ausgebaut nach afrikanischen Verhältnissen ist dieser Ort. Das gemeinsame Grillen am Abend schenken wir uns notgedrungen. Unser aufgetautes Fleisch riecht nicht mehr sehr gut. Wir essen deshalb im Restaurant des Hotels zu dem unser Camp gehört.

Dorfbesuch

09.06.2016 Ruhetag und Wanderung

unsere sanitären Anlagen
unsere sanitären Anlagen
Bild vom Platz aus
Bild vom Platz aus

Heute bleibt das Womo stehen. Sehr angenehm nach der vielen Fahrerei der letzten Tage. Dafür steht eine kurze Wanderung in zwei nahe dem Camp gelegene Dörfer auf dem Programm. Hier können wir einiges von der Lebensweise, der Höfe, Häuser und Geschäfte und der Handwerkskunst der Einwohner entdecken. Ein Führer leitet uns drei Stunden sachkundig durch diese uns fremde Lebenswelt Dabei sind einige schöne Bilder entstanden.

k-20160609_110147

Toilette und Badehaus
Toilette und Badehaus

Als besonderen Höhepunkt gibt es eine Rückfahrt mit dem Motorrad.k-20160609_131211

Zwischenruf

Man war das gestern aufregend!!! Bei der Tour zu den Felsmalereien ging ich teilweise mit unserem netten Führer vor dem Womo her um zu schauen, ob wir überhaupt durch kommen. Also um es ehrlich zu sagen, hätte ich es gern abgebrochen 😯 ich fand es viel zu gefährlich, zumal uns bestimmt hier niemand gefunden hätte !!!
Aber es hat ja geklappt und Dank des Jungen haben wir es auch gefunden. Eigentlich sehr erstaunlich, dass so etwas nicht ausgeschildert ist. Bedauert habe ich nur, dass wir mit Sten nicht mit gegangen sind, hätte mich doch stark interessiert zu sehen wie sie wohnen 😉 aber die Zeit ?!?!
Wie Egon schon schrieb, war die Tour zu der Mission auch nicht einfach. Der Weg war am Schlimmsten, ich hatte die ganze Zeit den Kühlschrank samt Tiefkühltruhe und den Backofen ( alles ein Gesamtkomplex) festgehalten und die Angst, dass alles aus der Verankerung kommt, war schon groß 😟 Egon behauptete später, ich hätte so dagegen gedrückt, dass bald alles aus der Wand gekommen wäre. Ha – Ha 😜
Gerne wären wir da noch länger geblieben, vor allem als ich mit bekam, das dort gesungen wurde, wahrscheinlich ein Gottesdienst im Freien. Aber wie gesagt, die Zeit fehlte uns. Denn die Rückfahrt im Dunkeln ist nicht so prickelnd, zumal sie auf ihren Rädern so manches Ungetüm transportieren , sogar riesige Holzbalken und die dann auch noch quer 😱 Wenn man so etwas erwischt, na dann Danke !!!
Übrigens wissen wir jetzt wie sich die Afrikaner untereinander begrüßen, dreifach, erst Hand dann Daumen dann wieder Hand, schon ist man herzlich willkommen!!
Alles in Allem war der Tag wunderschön und aufregend, ganz nach unserem Geschmack 👍

Chinteche und Chitimba

10./11.06.2016 Chinteche und Chitimba

Nach zwei Nächten in Senga Bay war wieder Fahrtag angesagt. Es geht am Malawisee entlang nach Norden. Wir genießen den schönen Ausblick auf den See und nehmen die Eindrücke von dem Leben an der Straße auf. Hier wird geschlachtet, Fisch und Mais getrocknet und vor allem gehandelt.

Eine Holzbrücke gibt es auch die wir überqueren müssen. Sie hat gehalten.k-S2770013k-S2770015

Und an den Flüssen unter den Brücken wird meist die Wäsche gewaschen.k-S2770005

Das Camp ist sehr schön angelegt, wir stehen gut und haben es auch zum abendlichen Buffet nicht weit, das gleich neben uns serviert wird. Und Besuch ist auch da.k-20160610_145047k-20160610_144953

k-S2770034Tags darauf geht es weiter nach Chitimba, noch weiter nördlich am Malawisee. Es wird unser letzter kompletter Tag in Malawi. Schade eigentlich. Malawi gefällt uns sehr gut. Herrliche Landschaft, freundliche Menschen und man vergisst wegen des Malawi-Sees der etwa so groß ist wie Belgien, dass Malawi ein Binnenland ist.

Erst geht die Strecke nah am See entlang, bevor wir in die Berge fahren. Hier wachsen Kautschukbäume und der Kautschuk wird auch gewonnen. Am Straßenrand werden Bälle verkauft die aus Kautschukfasern gewickelt sind. Fast beim letzten Straßenverkäufer entschließen wir uns doch noch zum Kauf. Von 5.000 Malawi-Kwatscha, handele ich auf 4.000. Hört sich viel an, aber sind nur 5,50 €.k-S2780010k-S2780003

k-S2780008Überhaupt ist es mit den Währungen so ein verrücktes Rechnen. Hier etwa 1:740, in Tansania dann etwa 1€: 2200 Tansanische Schilling. Bei so vielen Ländern und Währungen kommen wir schon manchmal durcheinander. Gut, dass es für alles eine App gibt.

Wir fahren weiter in die Berge zur größten Stadt am Malawisee nach Mzuzu. Die Straßen sind so ausgebrochen an den Rändern, dass kaum zwei Fahrzeuge aneinander vorbei kommen. Und hier erleidet einer unserer Mitreisenden auch einen unverschuldeten Unfall. Ein PKW der zu schnell unterwegs war, musste wegen Gegenverkehr zwischen zwei Womo’s einscheren. Aber mit der überhöhten Geschwindigkeit hat er es nicht mehr geschafft ausreichend zu bremsen und fuhr auf das vordere Womo auf. So wie der PKW aussah ist es erstaunlich, dass am Womo nicht mehr zu sehen war als die völlig zerstörte untere Heckverkleidung. Aber vermutlich ist auch der Rahmen verzogen und das ist mit großem Aufwand und Kosten verbunden. Aber er kann weiter fahren. Dank Dashcam im nachfolgenden Womo konnte auch die Schuldfrage zweifelsfrei geklärt werden. Ob’s bei der Schadenregulierung hilft?

In Mzuzu geben wir unsere letzten Kwatcha im Supermarkt aus und müssen uns dann was leihen. Wir hatten völlig vergessen, dass wir noch eine der letzten Hängebrücken über den South-Rukuru bestaunen wollen. Für 1.000 Kwatcha bringt der Guide uns hin.

Eine abenteuerliche aus Ästen geflochtene Konstruktion. Ich wage mich bis in die Mitte, dann werden die Löcher immer größer und ich kehre um.k-S2780039k-S2780023k-S2780030k-S2780031

Dann geht es noch einmal steil hinauf nach Chiweta und dann steil hinunter und sehr kurvig, aber mit grandiosem Ausblick auf den See.k-S2780040

Kurz vor Chitimba geht es dann zum Chitimba-Camp, wieder am See gelegen. 750 m geht es auf schwierigem Terrain dort hin. Wir denken schon wir sind falsch abgebogen, aber entdecken dann doch die Frühankömmlinge auf dem Platz.

Am Abend leichte Panik bei mir. Mein Tablet, dass ich auch als Navi benutze, tut nichts mehr. Lässt sich weder starten noch laden und zeigt auch sonst keine Regung. Meine Sygic-Navi-App habe ich auch auf dem Handy, aber nicht die entsprechenden Karten geladen. An der Bar, wo es WLAN gibt, dauert es so 2 Stunden etwa, bis 17 MB auf das Handy geladen sind. Also nochmal Geld leihen um die Zeit mit einem Getränk zu überbrücken. Der Tag geht zu Ende mit einem unerwarteten Erfolg. Mit einem Spezialgriff auf alle Tasten des Tablet’s gelingt ein Neustart. Auch das Navigieren funktioniert wieder. Allerdings lässt es sich nicht mehr mit den Fingern und einem Wisch bedienen, sondern nur noch mit dem Stift. Besser als gar nichts.

Zwischenruf

Eins möchte ich an dieser Stelle allen die uns immer so rege verfolgen und auch Kommentare schreiben sagen, es hatte uns zutiefst mitgenommen als wir gemerkt hatten, dass ihr euch Sorgen um uns gemacht habt, als wir leider nicht online sein konnten.
Habt keine Angst, Unkraut vergeht nicht 😉 ( hoffen wir !!)

Nur noch einige kurze Anmerkungen zu Malawi.
Morgen ist der letzte Tag hier und ich habe bis jetzt hier keine Postkarten ( so wie in Mosambik! !) bekommen 😕 ich hätte gern welche verschickt, sorry !!!

Dass es hier überall nach Qualm riecht hat folgende Ursache, sie brennen meistens unkontrolliert, einfach am Straßenrand die Gräser ab, so sparen Sie sich das mähen . Wenn gemäht wird geschieht das mit der Machete und dann gleich in Gruppen 😉 An den einspurigen Brücken steht immer : Single Lane – Brigde ahead !!
dann ahnen wir schon was kommt, meist ganz viele Querrillen ( Rumble Strips ) und das im 3er Pack 😠 man meint, die Zähne fallen einem raus 😆
Zu den Fischerbooten muss ich auch noch was erzählen. Die Kleinen sind aus einem Baumstamm geschnitzt, sehr schmal die Öffnung,( ich hatte mich schon gefragt wie ich da reinpassen würde 😯) man sitzt nämlich oben drauf, nur die Beine werden hintereinander gestellt. Zum Fischen fahren immer 2 kleine und ein großes Boot hinaus. Auf den kleinen “ Baumstämmen “ werden Lichter befestigt die die Fische anlocken, wenn sie merken das sich Fischschwärme nähern, dann kommen die großen ins Spiel. Sie werfen die Netze aus und die kleinen Boote ziehen sich zurück. Das hatte uns unser Guide bei der Dorfwanderung erzählt.

 Also Malawi kann ich sehr empfehlen als Reiseziel, es nicht touristisch überlaufen und hat wunderschöne Ecken. Die Natur ist einmalig und die Menschen sehr sehr nett und freundlich, aber auch sehr arm. Fahrt also her und bringt das Geld ins Land 😆