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Unterwegs nach Sambia

04. bis 06.07.2016 Auf dem Weg nach Sambia

Wir sind die Letzten die die Kisolanza-Farm verlassen. Es erwartet uns heute auch nur die nicht enden wollende Baustelle mit der wir schon einmal das Vergnügen hatten. Zuvor müssen wir aber noch ein wenig rangieren um von unserem Stellplatz wegzukommen. Astrid postiert sich gleich hinter dem Auto und beschwert sich, weil ich angeblich ihren Anweisungen nicht folge. Aber mit vereinten Kräften kommen wir ganz gut aus unserer schmalen Lücke heraus. Keine neuen Berührungen. Aber der Weg den wir dann einschlagen ist erstmal falsch. Wieder zurückstoßen und neuer Anlauf. Alles geht gut.

Wir biegen nach links auf die Hauptstraße Richtung Mbeya und bewegen uns weiter auf 1.700 m Höhe.

22 km nach Kisolanza durchqueren wir das Städtchen Ifunda. Sehr lebhaft hier.

Dann geht bald die 138 km lange Baustelle los mit durchgängig 50 km/h Maximalgeschwindigkeit und Zwischenstücken die mit 30 km/h ausgewiesen sind. Die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten sind nicht zu übertreffen, zu schlecht ist meist die Fahrbahn. Manchmal Asphalt mit vielen Löchern, meist Erdstraße mit Bodenwellen, Gravelroad und auch hier zusätzlich zahlreichen Humps.k-S2910094

ein Stück der besseren Sorte

aus dem Mais wird wohl nichts mehr bei dem Staub
aus dem Mais wird wohl nichts mehr bei dem Staub

Volle Konzentration ist gefragt, will man nicht irgendwo aufsetzen. Nur eine kurze Espressopause machen wir. Wir durchfahren Makambako und kommen an dem großen Bahnhof der Ta-Za-Ra (Tansania-Zambia-Railway) vorbei. Die Gleise begleiten uns ziemlich parallel zu unserer weiteren Strecke. Von der durchaus reizvollen Landschaft bekommen wir nicht viel mit. Unsere Augen sind nur auf die Fahrbahn gerichtet. Irgendwann ist dann auch die Baustelle zu Ende.

In Mbeya ist der Teufel los. So viel Verkehr wie hier und ohne irgendein System haben wir selten erlebt. Wir wollen eigentlich noch etwas einkaufen, aber die beiden „Supermärkte“ haben ein sehr überschaubares Angebot. Aber wir ziehen noch 200.000 TSH aus dem Automaten.

Bis Uyole ist es dann nicht mehr weit. Der Gipfel ist dann zum Abschluss der heutigen Etappe, die 9 km lange Anfahrt zu unserem Camp, der „Utengule-Lodge“. Wir kämpfen uns durch die mit riesigen und tiefen Löchern bespickte Piste. Achteinhalb Stunden Fahrzeit sind endlich vorbei. Ich bin ziemlich fertig und habe die Nase voll. Wir stehen auf dem Rasen eines Hubschrauber-Landeplatzes. Die Lodge ist sehr gut am Hang gelegen, verfügt über Chalets, einen Pool, Tennisplatz und Squash-Anlage. Laut Reiseführer ist das Restaurant eines der besten und teuersten in Mbeya und Umgebung. Und dann so eine Zufahrt. Nicht zu begreifen. So etwas ist nur in Afrika denkbar.

Hier treffen wir wieder auf Klaus und Beate, die sich hier von ihrer Malariaerkrankung erholt hatte. Große Freude auf beiden Seiten über das Wiedersehen.

Nach dem gemeinsamen Abendessen ziehen wir uns bald zurück. Essen war so ok. Nicht übertrieben gut. Aber der Espresso war Spitze.

Nächster Tag, neues Programm. Wir bleiben eine weitere Nacht auf dem Platz und haben deshalb Gelegenheit, die nahe Kaffee-Farm zu besichtigen die unter schweizerischer Leitung steht. 20 Minuten Fußweg auf schmalem Pfad durch den Wald, immer hoch und runter. Astrid bekommt Probleme mit ihrem Knie und quält sich. Die Führung über die Farm dauert ziemlich lange, ist aber sehr interessant.k-20160705_103709k-20160705_104544

Neben den Sorten Robusta und Liberica wird hauptsächlich die Sorte Arabica hier angebaut. Die mannshohen Büsche können bis zu 40 Jahre alt werden, tragen aber nur drei bis vier Jahre. Deshalb wird dann immer wieder ein Verjüngungsschnitt durchgeführt. An den Büschen befinden sich immer Beeren unterschiedlichen Reifegrades, von grün über gelb bis rot. Die roten sind ausgereift und liefern die beste Qualität. Allerdings ist das, was wir auf den Haufen sehen ziemlich durchmischt. So rein wird also doch nicht sortiert. Die Arbeiter werden schließlich nach Kilogramm bezahlt. Da müssen die Eigentümer ein Auge zudrücken, sonst laufen ihnen die Leute weg. Der geerntete Kaffee wird eingeweicht und gewaschen, von der äußeren Schale befreit und dann getrocknet. Dann ist um jeweils zwei halbe Kaffeebohnen nur noch eine dünne Schale, die in Mbeya in einer Mühle entfernt wird. Der grüne Rohkaffee wird dann exportiert.

sehr interessant
sehr interessant

Jungpflanzen vorn und hinten

k-20160705_105357Zum Abschluss ist Verkostung des Kaffees, als Cappuccino oder Espresso. Auch eine kleine Röstmaschine wird hier betrieben.k-20160705_113722k-20160705_114525

die Röstmaschine oben auf dem Schrank besitzen wir auch
die Röstmaschine oben auf dem Schrank besitzen wir auch

Beim Rückweg ist es dann ziemlich heiß. Astrid nutzt die angebotene Möglichkeit mit einem Auto zurück zu fahren. Der restliche Tag vergeht dann beim Nichtstun und am Abend sitzen wir noch gemeinsam am Lagerfeuer.

Am nächsten Morgen will ich noch unsere Reserven an Kwatscha, der Währung von Sambia, aus dem Tresor holen, damit wir zahlungsfähig sind, sollten an der Grenze noch irgendwelche Gebühren anfallen. Aber nichts da, der Tresor lässt sich nicht mehr öffnen. Das Zahlenschloss reagiert überhaupt nicht, keine Bestätigung für die Eingabe und auch aufschließen, die zweite Alternative, lässt es sich nicht mehr. Wahrscheinlich ist bei den Strecken die wir bewältigt haben und den Erschütterungen der Schließmechanismus völlig verkeilt. Zum Glück sind unsere Pässe nicht im Tresor, sonst kämen wir nicht aus Tansania raus. Also verschieben wir erst einmal weitere Versuche der Öffnung.

Es geht die schwierigen 9 km zurück zur Hauptstraße und dann Richtung Sambia. Gestartet wird in Dreiergruppen, damit der Andrang an der Grenze nicht zu groß wird, denn es stehen nur wenige Parkplätze zur Verfügung. Unsere Gruppe startet um 9. Unterwegs wieder 20 km schlechte Straße. Wir tanken noch einmal und behalten trotzdem 150.00 TSH übrig. Zweieinhalb Stunden benötigen wir für die 90 km und sind dann an der sehr lebhaften und chaotischen Grenze. Wir sind aber gut vorbereitet worden und Jamal steht an der Ausreiseseite und Renate an der Einreiseseite nach Sambia für Problemlösungen zur Verfügung. Unterschiedliche Büros sind aufzusuchen, zahlreiche Papiere vorzulegen und auch die Fingerabdrücke aller zehn Finger werden genommen. Bürokratie in Hochform in chaotischem Umfeld. Und die Durchfahrten im Grenzbereich vom Übelsten. Wir sind aber sicher, in zwanzig Jahren sieht es hier immer noch so aus. Das ist Afrika. Bei einem der meist lästigen Schlepper und Geldwechsler an der Grenze tauschen wir dann noch unsere TSH in Kwatscha, vermutlich zu einem schlechten Kurs. Aber anders werden wir sie nicht mehr los.

Was bleibt von Tansania. Das Land ist während unseres Aufenthaltes in unserer Rankingliste um einiges nach oben gerückt, was nicht nur an den Highlight Sansibar, Ngorongoro-Krater und der Serengeti liegt. Die Menschen sind auch freundlicher als wir es nach unseren ersten Begegnungen, insbesondere mit der Polizei, erwartet hatten. Trotz nicht vorhandener Sicht auf den Kilimandscharo wird es uns in Erinnerung bleiben als interessantes Reiseland mit viel Entwicklungspotential. Aber auch als Land, was sich derzeit nicht wirklich eignet, mit einem Fahrzeug wie unserem bereist zu werden, will man auch interessante Orte abseits der Hauptstraßen besuchen, obwohl auch die Fortbewegung auf diesen schon schwierig ist.

Auch jetzt sind wieder häufig Spurrinnen in den Straßen, besonders wenn es bergauf geht. Vermutlich ist die Hitze im Sommer im Bündnis mit schlechtem Asphalt die Ursache. Auf jeden Fall muss ich höllisch aufpassen, möglichst auf den Bergen der Spurrinnen zu bleiben, will ich nicht mit dem Boden aufsetzen, was doch einige Male passiert. Auch auf den letzten 50 Kilometern ist die Straße schlecht, von Löchern durchsetzt und mit abgebrochenen Kanten. Durch zwei Polizeikontrollen kommen wir unbehelligt durch und erreichen dann die Einfahrt zum Camp Kings Highway. Auch hier miese Zufahrt und wir kratzen mit der Hinterachse über einen Stein. Aber nichts passiert. Ein mulmiges Gefühl besteht aber immer.

Nun ist der Tresor wieder dran. Keine Chance. Er geht nicht auf. Sepp steht mit Bohrmaschine zur Verfügung, aber auch mit einem Schraubenzieher lässt sich durch das Bohrloch die Verriegelung nicht bewegen. Wilfried empfiehlt die Flex, aber das ist mir zu riskant mit den glühenden Spänen. Mit einem Montageeisen bekomme ich dann die Tür aufgehebelt. Dann die Bestätigung meiner Vermutung, die Batterien sind allesamt aus der Halterung gefallen. Der Tresor ist nur noch Schrott.

Aber die Uhren müssen noch zurück gestellt werden. Jetzt gilt wieder deutsche Sommerzeit. Einen Zugang zum Internet haben wir seit dem Grenzübergang leider nicht mehr. Wir hatten gehofft hier in Sambia unsere SIM-Karte von Tansania über Roaming weiter nutzen und unser noch bestehendes Datenvolumen hier aufbrauchen zu können. Bislang allerdings Fehlanzeige. So müssen wir auf WLAN hoffen, denn eine neue Karte gibt es frühestens in Lusaka, dann sind wir aber nur noch zwei Tage im Lande.

Später informiert uns Renate noch über derzeit existierende Probleme unserer weiteren Reise. Die Grenze zwischen Simbabwe und Botswana sei derzeit wegen Unstimmigkeiten zwischen Simbabwe und der Afrikanischen Union, der auch Botswana angehört, geschlossen. Es habe auch Schießereien gegeben und der Grenzübergang sei zur Hälfte abgebrannt. Schauen wir mal, was das für uns bedeutet.

07.07.2016 Sambia mit Zwischenfall

Mit voller Konzentration gelingt es uns, unbeschadet vom Platz auf die Hauptstraße zu gelangen. Vor Herbert und Gabi verlassen wir als Vorletzte den Platz. Den Umstand können sie sich zunutze machen und unserer Slalomfahrt um die vielen Löcher auf den ersten 55 Kilometern bis Isoka folgen. Den 14 km langen Abzweig nach Chinsali ignorieren wir. Hier müssen nur diejenigen von uns hin, die nicht mehr genügend Kraftstoff im Tank haben. Die Tankstellendichte ist hier nicht sehr hoch. Die weiteren Abzweigungen zu Wasserfällen und einem britischen Herrenhaus von 1920 müssen wir leider auslassen. Nur für Allradfahrzeuge geeignet.

Die Straße ist jetzt weitgehend ohne Löcher, aber ziemlich uneben. Das Innenleben unseres Womos wird gewaltig durchgeschüttelt. Da sind ein Halt für einen Espresso oder der Kauf von Tomaten am Straßenrand willkommene Abwechslungen. Etwas irritiert sind wir, als uns zwei Womo’s entgegen kommen. Astrid vermutet schon wir seien falsch, oder die beiden hätten eventuell eine Abzweigung zu einer Sehenswürdigkeit verpasst. Aber wir sind richtig und fahren weiter bis Mpika. Hier gibt es einige wenige Einkaufsmöglichkeiten, eine Bank und einen Bäcker. So kommen wir zu Geld, frischem Brot und einigen Kleinigkeiten im Supermarkt, der ansonsten ein sehr übersichtliches Angebot aufweist.

Von der Tankstelle, wo auch wir jetzt unseren Tank nach den heutigen 330 km auffüllen, sind es nur noch 1,6 km bis zur Tusha-Safari-Lodge. Ein ziemlicher Absatz von der Straße auf den Sandweg, dann sind wir nach 100m vor Ort. Der Stromanschluss erweist sich als nicht sehr konstant und die beiden Zimmer in einem „Chalet“, die für die Nutzung von Toilette und Dusche angemietet wurden, bleiben ohne Kundschaft. Niemand möchte diese etwas versifften Einrichtungen nutzen.

Auf dem Platz fehlen noch die Fahrzeuge von Renate und zwei weiteren Mitfahrern von denen einer wenig später eintrifft und neben einem zwischenzeitlichen Telefonat mit Renate für endgültige Aufklärung sorgt. Das noch fehlende Fahrzeug hatte ein kleines Kind auf der Straße erfasst. Das Kind ist verletzt und beide Fahrzeuge sind mit dem Kind nach Chinsali in die Klinik gefahren, wo das beteiligte Fahrzeug mit Besatzung nach polizeilicher Anordnung noch bleiben muss. Zum Hergang des Unfalls ist vorerst noch keine genaue Information zu haben. Alle sind betroffen. Renate und Jamal sind auch bei den Beteiligten geblieben.

Am Abend gehen wir noch mit einer kleinen Gruppe in die Bar bei der Rezeption. Hier läuft ein Fernseher mit dem EM-Spiel Deutschland-Frankreich. Ergebnis ist bekannt. Hätten wir lieber nicht anschauen sollen.

Wir sind nun schon ein paar Tage in Sambia, aber haben leider kein Internet. Nur heute auf dem Platz ist ein schwaches WLAN vorhanden. Unser Datenvolumen auf der SIM-Karte von Tansania wollten wir eigentlich über Roaming nutzen, aber leider, es funktioniert nicht. Nun noch extra eine SIM-Karte in Sambia zu erwerben lohnt aber nicht, es sind nur wenige Tage die wir noch im Lande sind. 

Übrigens ist die Geschichte mit dem Unfall noch glimpflich abgegangen. Unser Mitfahrer hatte keine Schuld und kann auch die Fahrt fortsetzen.

Zwischenruf

Wir sind in Zambia. Solche Grenzübergänge müsst ihr mal erlebt haben 😨 ein Gewussel von Menschen , Autos und wir mittendrin. Dann noch solche die mein Geld tauschen wollen und sehr sehr hartnäckig sind. Aber alles gut überstanden, schließlich sind wir ja schon Profis 😆.
Aber eigentlich möchte ich noch was zu Tanzania sagen.
Am Anfang der Einreise stand das Land bei uns sehr weit hinten in der Rangfolge, wegen der Polizei 😕. Mit der Zeit hat sich das Bild aber sehr geändert, die Leute sind nach anfänglichen scheuen Reaktionen doch immer mehr aufgetaut. Meiner Lieblingsbeschäftigung in Afrika, das Winken 👋, konnte ich auch hier frönen!! Dann die Liebe zu den Baobabbäumen, ich finde sie einfach unglaublich, sie strahlen so eine Ruhe aus und sind einfach vom Anblick her gigantisch. Schade, dass sie ein bisschen zu groß sind für unser Grundstück 😉. Was uns überhaupt nicht gefiel waren die Humps, Berthe hatte mal mitgezählt und kam zwischen Dodoma und Iringa auf 156 große Humps, das heißt alle 2 km ein riesiger Huppelhaufen und davor und dahinter meistens bis zu 3 mal 3 kleinere Longstripes 😬. Das geht einem einfach aufs Gemüt !! Dann kommen noch die Busfahrer dazu, ich kann euch sagen, Kamikazefahrer ist der richtige Ausdruck. Die brettern über die Piste, sind übervoll beladen und nehmen keine Rücksicht auf alle anderen. Da heißt es nur mithalten !!
Dann das Erlebnis in der Isimilja Stones Age Site. Unser Guide wollte mal wissen was so in Deutschland für Musik gespielt wird. Spontan fielen mir nur die „Toten Hosen“ ein, aber Egon suchte im Handy nach Musik und spielte ihm Helene Fischer , Söhne Mannheims und Sportfreunde Stiller vor. Ich sang natürlich mit, wackelte mit dem Po und er lachte sich kaputt. Das alles mitten in Afrika 😆 an einem abgelegenen Ort. Das alles nach meinem Sturz 😉

Zur Verpflegung noch ein paar Anmerkungen. Unterwegs am Straßenrand kann man hier getrost Obst und Gemüse kaufen, herrlich sind die hiesigen Kartoffeln, ich weiß nicht warum die Bauern zu Hause das nicht so hin bekommen 😯 . Wenn man aber mal ein Stück Käse im Supermarkt kauft, fällt man fast um. Wir haben umgerechnet für einen kleinen Camembert 7,40 € bezahlt, auch Butter ist teuer, aber was solls, mal will man ja was anderes essen 😊

Kurz noch zur Kleiderordnung hier. Alle Frauen tragen Tücher, Kanga genannt, herrliche Farben,keine gleicht der anderen. Auch sind hier Glitzerkleider, wir würden sie als Coctailkleider bezeichnen, viel mit Tüll, der absolute Renner.
Der Höhepunkt in diesem Land aber war die Serengeti. Das werde ich in meinem Leben nie vergessen. Einfach traumhaft 👍👍👍