Archiv der Kategorie: Bündner Oberland, Ober-und Unterengadin und Reiseende in Scuol

Eine ungewöhnliche Kirche und noch ein Pass

07.07.
Wir starten vor den Mädels bei herrlichem Sonnenschein.  Ruth leidet unter Migräne und sie wollen noch warten bis sich Besserung eingestellt hat.
Wir fahren durch das Surselva, ein Tal entlang des Vorderrheins und zum Teil entlang der Route des Glacier – Express bis Reichenau wo wir uns nach Süden wenden. Diese Richtung ist uns bekannt,  denn wir bewegen uns parallel zur Autobahn A13, die hier von Chur kommend durch den San Bernardino bis nach Bellinzona führt und uns einige Male zum Lago Maggiore geleitet hat. In den Ortschaften sehen wir viele Schilder und Schriftzüge die uns an Italien denken lassen.  Allerdings handelt es sich um romanisch, was hier in einem eigenen Dialekt gesprochen wird.
Wir wollen über Thusis nach Zillis um uns eine sehenswerte Kirche anzusehen. In Cazis erblickt Astrid drei ineinandergreifende große Betonkugeln die eher wie Eier aussehen. Wir halten an um der Sache näher auf den Grund zu gehen. Sofort bietet uns ein älteres Ehepaar,  das gerade mit dem Auto starten will seine Hilfe an. Zum wiederholten Male treffen wir so auf sehr freundliche Schweizer.  Die „Eier“ seien eine Steinkirche, die man besichtigen könne sagen sie uns. Gesagt getan.  Jeder der drei wie große Kiesel wirkende und aus Spritzbeton geformten Steine enthält einen Raum.  Der erste ist der Gottesdienstraum, dessen Fenster in den Himmel gerichtet ist;  der zweite und kleinste enthält einen Unterrichtsraum, durch dessen Fenster das Zusammentreffen von Himmel und Erde erkennbar ist und der dritte einen Gesellschaftsraum. Durch dessen Fenster,  was bis auf den Boden führt, kann man die Straße und die Menschen sehen. Alles voller Symbolik.


Über Thusis erreichen wir durch die Via Mala Zillis. Der Parkplatz zur Besichtigung der  Kirche St.Martin ist mit zwei Bussen und mehreren Pkw belagert.  Wir stellen uns dazu und wenden uns wenige Schritte zur Kirche,  die eine seltene und sehenswerte Holzdecke aus dem 12.Jh. ihr Eigen nennt. In allen quadratischen Elementen sind Malereien aus der Heilsgeschichte,  die man mit bereitliegenden Spiegeln bequem im Sitzen betrachten kann.


Die erworbene Eintrittskarte gilt auch für die Ausstellung im Ort, die detailliert über die Kirche und deren Geschichte Aufschluss gibt.
Zurück in Thusis wenden wir uns nach rechts und gehen den Julierpass an, der im Vergleich zu den gestrigen Pässen auf breiteren Straßen entspannter anzufahren ist.  Wir kommen wieder auf mehr als 2200m Höhe,  aber die Berge hier sind anders, mit Flanken voller Geröll und breiteren Tälern dazwischen.  400m Meter hinab durchqueren wir St.Moritz, was von einigen an den Hängen gelegenen ehrwürdigen Hotels abgesehen,  nicht wirklich mondän und einladend wirkt.  Hinter dem St.Moritzer See erreichen wir unseren heutigen Platz in Samedan, den „Punt Muragl“.

Wandertag im Engadin

08.07.
Wir bleiben heute noch auf dem Platz und unternehmen eine Wanderung. Es ist kühl hier auf 1738m aber die Sonne zeigt sich. Wir gehen nur wenige Meter über die Straße zur Talstation Punt Muragl nachdem wir vorher Mario per Telefon noch zu seinem 40. Geburtstag gratuliert hatten. Mit der Standseilbahn überwinden wir mehr als 700 Höhenmeter und landen auf dem Muottas Muragl. Hier empfangen uns Alphornbläser die eine Übungsstunde abhalten. Wie für uns bestellt.

Wir wandern in das Val Muragl und legen noch 300 Höhenmeter zu. Wir wandern in das Tal auf dieser Höhe und auf der anderen Seite wieder hinaus, sehen unterwegs Murmeltiere, und nehmen dann den Panoramaweg bis wir nach 5km ein kleines Rasthaus am Unteren Schafberg erreichen. Ein Brett mit Wurst, Käse und Birnbrot, sowie normales Brot stärkt uns und danach gibt es ein geteiltes Stück Rhabarberkuchen. Sehr lecker.


Bei einsetzendem Nieselregen wandern wir weiter und kommen 400m weiter unten in Pontresina an, wo wir noch einmal einkehren,  den Regen abwarten und dann mit dem Postbus nach 4 Stationen wieder am Ausgangspunkt ankommen.  Eine schöne Wanderung geht zu Ende und wir machen erst einmal ein Nickerchen bevor wir uns mit Spaghetti am Abend das wieder drauf futtern,  was wir hoffen am Tag verloren zu haben.

Zernez und Scuol

09.07.
Zum letzten Etappenziel unserer Schweizreise starten wir als Erste,  nachdem wir alles entleert und Frischwasser getankt haben. Über Samedan geht es auf der 27 Richtung Zernez. Hier schauen wir uns die Ausstellung des Naturparkzentrums an. Zernez ist das Tor zum Schweizerischen Nationalpark,  der bereits seit 1904 besteht.  Eine sehr informative Ausstellung über die Geschichte des Nationalparks und dessen Flora und Fauna erwartet uns. Auch für Kinder ideal,  denn vieles ist zum Anfassen und Mitmachen.
Am nahen Sportplatz nehmen wir noch einen Cappuccino in der Cafeteria bevor wir auf der 27 weiter fahren. Nach einem kurzen Halt für einen Picknick verlassen wir die Hauptstraße und fahren nach Artez, einem sehenswerten Ort mit zahlreichen Häusern die mit für den Engadin typischen Scraffiti, mit Farbe hervorgehobenen Ritzungen im Putz, verziert sind.  Fast meint man in einem Museumsdorf zu sein. Auf einer sehr schmalen Straße durchqueren wir den Ort, bis wir einen Parkplatz finden. Die Suche hat sich gelohnt und der Besuch im Ort noch mehr.

Wiederum auf äußerst schmaler und gewundener Straße, 2,30m sind angegeben,  fahren wir über Ftan nach Scuol. Scheint ein Urlaubsort zu sein, denn es sind viele Menschen unterwegs.  Einen Eisladen entdecken wir auch. Den wollten wir bei einem Spaziergang noch aufsuchen. Aber wieder macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Pünktlich zur Ankunft setzt der Regen ein. Zum Abendessen haben wir heute eingeladen.  Es gibt Gulasch,  von Astrid zu Hause vorgekocht und eingefroren. Kommt super an.

rund um Scuol

10.07.
Letzter Tag und letzte Wanderung. Das Wetter spielt mit,  obwohl die Mädels ab 14 Uhr Regen prognostiziert haben.  Wir gehen vom Platz über eine lange und hohe Brücke über den Inn in den alten Teil des Ortes und nehmen den Bus bis zur Talstation der Seilbahn mit der wir auf den 2146m hohen Motta Naluns fahren. Auf einem bequemen Wanderweg gelangen wir entspannt auf den nächsten Gipfel,  den Prui. Wir haben ausreichend Gelegenheit die Alpenpflanzen am Wegesrand zu betrachten und die schönen bunten Wiesen zu bewundern. Auf dem Prui kehren wir ein und genießen bei einem Getränk,  Astrid und die Mädels trinken Prosecco mit Melisse als Apero, und bewundern die schöne Aussicht.

Weiter geht der Weg Richtung Ftan, wobei wir einen Umweg über ein ehemaliges Mädcheninstitut in Kauf nehmen,  in dem Barbara 4 Jahre ihrer Jugend verbracht hat.  Sie macht mit uns eine Privatführung und trifft auch noch eine ehemalige Mitschülerin.

In Ftan angekommen warten wir auf den Bus der uns zurück zum Platz bringt. Einen weiteren Besuch im Ort schenken wir uns, wir sind zu müde. Die Sonne vor dem Womo zu genießen gelingt nur kurz. Es regnet.  Also noch ein Nickerchen im Womo,  bevor wir uns um 19Uhr im Platzrestaurant treffen. Es gibt Gerstensuppe mit Rauchwurst aus Hirsch. Ich bin skeptisch und lasse mich aber positiv überraschen. Nach einem netten Gespräch mit dem Platzwart ziehen wir uns zu den Mädels zurück,  die uns zum Abschied noch die Texte zu den absolvierten einzelnen Etappen überreichen.

Abschied und Heimreise

11.07.
Am Morgen nehmen wir noch einmal Abschied von den beiden Mädels und bedanken uns für die schöne Reise durch die Schweiz.
Beim bezahlen dann noch mal ein Schock. Ganze 56 CHF kostet hier eine Übernachtung. Wir wollten den Platz eigentlich nicht kaufen.

Wir verlassen das untere Engadin,  vorbei am Abzweig zum zollfreien Gebiet von Samnaun und überqueren kurz darauf die Grenze nach Österreich. Wir fahren Richtung Landeck, tanken auf für 1,38 €/l, welch ein Unterschied,  und fahren weiter über den Fernpass und Lermoos und dann nach Deutschland und hinter Garmisch-Partenkirchen auf die Autobahn Richtung München. Durch München geht es ziemlich stockend wegen großer Baustellen und wir entschließen uns nur noch bis Ingolstadt zu fahren.
Hier stehen wir auf für Womos ausgewiesenen Plätzen auf einem großen Parkplatz,  und das für 5 €  für 24h. Inklusive Strom.
Wir machen einen schönen Stadtrundgang und beschließen noch einmal hierher zu kommen.

12.07.                                                                                                                                       Wir fahren beizeiten los und kommen nach rund 2.750 km gut wieder zu Hause an.