Archiv der Kategorie: Südosteuropa und Türkei Herbst 2013

Südosteuropa und Türkei vom 27. August bis 5. November 2013

Wir haben uns, wie bereits 2012 mit der Marokko-Tour, für eine organisierte Reise mit „Seabridge“, einem Womo-Reiseveranstalter aus Düsseldorf entschieden. Obwohl diese Form der Reise vermutlich teurer als eine Individualreise ist, hat sie auch Vorteile. Die Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten entfällt, um Fährbuchungen muss man sich nicht kümmern und auch Ausflüge und Stadtbesichtigungen sind organisiert. Neue Bekanntschaften werden geschlossen und neue Freunde gefunden. Und die Geselligkeit kommt nicht zu kurz, wenn sie gewollt ist. Aber, und das war für uns mitentscheidend, jeder fährt für sich. Keine Fahrt in Kolonne.

Unsere Reise führt uns über Wien nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien nach Griechenland. Hier endet die erste Tour. Während die meisten Mitreisenden sich hier verabschieden werden um mit der Fähre nach Venedig zu fahren, genießen wir 3 freie Tage bevor wir ab Griechenland die die zweite Tour, dann durch die Türkei, in Angriff nehmen, die ebenfalls wieder zurück über Griechenland in Venedig ihren Abschluss finden wird.Reiseroute Südosteuropa und Türkei

 

1.Etappe mit einem Problem am Ende

27.08.
Wir und unser Womo sind reisefertig. Alles gepackt und verstaut und wahrscheinlich wieder viel zu viel.
Gegen Mittag starten wir zunächst Richtung Sachsen. Wir wollen meine Mutter besuchen bevor wir uns für gut 2 Monate aus Deutschland verabschieden werden. Am Nachmittag kaufen wir noch ein und tanken nach, da uns das Internet darüber Auskunft gibt, dass der Diesel in Tschechien auch nicht günstiger ist als in Deutschland. In Berggießübel wollen wir uns einen Übernachtungsplatz suchen, nachdem wir meine Mutter besucht haben, möglichst mit freier Sicht auf den Satelliten Astra. Aber leider zu viele Bäume und Häuser ringsum. Also nichts mit Fernsehen. Zu allem Überfluss stellen wir dann noch fest, dass unsere Bordbatterie völlig leer ist, obwohl das Womo die letzten 3 Tage am Netz hing. Also morgen erst zu ATU, Batterie prüfen und ggf. wechseln lassen. Das geht ja gut los.

Fahrt nach Österreich

28.08.

Auf dem Parkplatz vor dem Erlebnisbad, den wir uns für die Übernachtung ausgewählt hatten, haben wir eine ruhige Nacht verbracht. Dennoch stehen wir bereits um 7.00 Uhr auf, müssen aber mangels Strom und deshalb nicht funktionierender Wasserpumpe auf die Morgentoilette verzichten. 7.30 Uhr stehen wir bei ATU, allerdings wird erst um 8.00 Uhr geöffnet. Wir nutzen die Zeit für ein Frühstück an der Tankstelle.

Zurück zu ATU, sind die Kollegen ein wenig ratlos darüber, wie denn an die unter dem Beifahrersitz befindliche Bordbatterie zu kommen sei. Sie schicken uns deshalb zu einer ehemaligen FIAT-Werkstatt, deren Chef uns dann nach Dresden zu „Schaffer-Mobil“ verweist. Das war ein richtig guter Tipp. Großes Womo-Unternehmen mit guten Fachleuten und überaus nettem Personal. Sehr kompetent. Und mit eigenem Womostellplatz.
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Die Batterie wird innerhalb kurzer Zeit ersetzt, wir erhalten die Rechnung und staunen, dass dort von der Umstellung auf Gel-Batterie zu lesen ist. Auf Nachfrage erhalten wir Klarheit. Vorher war eine erheblich preisgünstigere Blei-Säure-Batterie verbaut, die im Innenraum keine Verwendung finden dürfte und für die Beanspruchung als Aufbaubatterie ungeeignet ist. So ein Schlitzohr, unser Womohändler.
Kurz vor Mittag geht es endlich auf Tour zu unseren Enkeln nach Oberösterreich, wo wir am Abend im Regen und bei nur noch 15° ankommen. Die Freude ist dennoch groß, es geht lebhaft zu und es wird ziemlich spät bevor die Kinder wieder zur Ruhe kommen.

Über Linz und Melk nach Wien

29.08.
Wir frühstücken noch mit den Kindern und verabschieden uns herzlich. Nach einem kurzen Abstecher nach Linz, folgen wir mehr oder weniger dem Verlauf der Donau bis nach Wien. In Melk machen wir einen Halt um dem Stift Melk, einem der schönsten und größten einheitlichen Barockensembles Europas einen Besuch abzustatten. Schon aus einiger Entfernung ist die imposante Anlage zu sehen, die wir bereits früher bei unseren Reisen nach Wien von der Autobahn aus bestaunt haben. Die Geschichte Österreichs ist eng mit dem Stift, in dem seit 1089 ununterbrochen Benediktinermönche leben, verbunden. Einige der ersten Herrscher sind hier bestattet.
Auf relativ ruhiger Landstraße gelangen wir bis Wien, überqueren die Donau und finden unseren Campingplatz nahe der Donauinsel. Wir melden uns an, geben uns als Teilnehmer der Seabridge-Gruppe zu erkennen und erhalten einen der reservierten Plätze zugewiesen. Dort stehen bereits ein Concorde aus Heppenheim und ein Knaus-Womo aus Zürich. Wir machen uns bekannt, schließen uns am Strom an, Tisch und Stühle raus und nun beginnt das eigentliche Camperleben.

ein Tag in Wien

30.08.
Der Tag beginnt wenig spektakulär. Ausschlafen, das erste Mal draußen frühstücken, Wien besichtigen und wieder zurück. Wien kennen wir schon aus früheren Besuchen, deshalb fällt der Aufenthalt im Stadtzentrum relativ kurz aus. Zu einem Mittagsschlaf kommen wir dennoch nicht. Unsere Schweizer Freundinnen reisen an und nach und nach kommen weitere Reiseteilnehmer dazu. Alle recht nett beim ersten Eindruck. Aber bislang stehen auch erst sieben von vermutlich 20 Fahrzeugen hier.
Am Abend zieht es uns nach Grinzing zum Heurigen. Einem Tipp von Einheimischen folgend, die wir im Bus treffen, landen wir im „Feuerwehr-Wagner“, einem der ältesten Weingüter in Grinzing und etwas abseits vom Zentrum, wo nicht zahlreiche Touristenbusse davor stehen. Wir lassen uns belehren, dass beim Heurigen nur die Getränke am Tisch gereicht werden. Essen wählt man am Tresen aus, bezahlt gleich und nimmt es mit zum Tisch. Ein reichhaltiges Angebot lässt jeden etwas finden und der servierte Wein, ein Zweigelt, trägt seinen Anteil zu einem gelungenen, feucht-fröhlichen Abend, bei.
Als wir gegen Mitternacht auf dem Platz eintreffen, herrscht schon überall Ruhe.

und nochmal Wien

31.08.
Wir machen uns nach dem Frühstück nochmals auf ins Zentrum. Mit U2 und U4 landen wir am Schwedenplatz und wollen von hier eine Schiffstour unternehmen. Nach anfänglichem Zögern entscheiden wir uns für die kürzeste der Touren, über 1 1/2 Stunden eine Donaukanaltour. Eigentlich 19 € pro Person, aber es werden noch je 2 € Kraftstoffzuschlag erhoben. Fazit der Tour: sie war das Geld nicht wert. Man kann es auch als Abzocke bezeichnen, es sei denn, man findet viel befahrene Straßen, sowie Industrie- und Verwaltungsbauten am Ufer sehenswert. Einziger Lichtblick ist ein von Friedensreich Hundertwasser gestaltetes Ensemble, aber auch dies ein Industriebau, die Müllverbrennungsanlage von Wien.
17 Uhr erstes Briefing mit unserer Reiseleiterin Renate und ihrem Tourpartner Jamal, die wir bereits vorher herzlich begrüßt haben. Bereits auf unserer Marokko-Tour 2012 waren sie unsere verlässlichen und netten Begleiter.
Erstmals sind jetzt alle Reiseteilnehmer versammelt. Bis wir alle mit Namen kennen werden wohl, trotz Namensschilder, einige Tage vergehen.

von Wien nach Szombathely

01.09.
Heute wollen wir nicht nur Wien, sondern auch Österreich verlassen. Anders als die meisten Mitreisenden, werden wir auf die Benutzung der Autobahn verzichten. Einerseits, weil wir nicht für die letzten 30 km noch eine Vignette kaufen wollen, andererseits, weil wir Autobahn langweilig finden. Wir verlassen deshalb Wien Richtung Schwechat, vorbei am Flughafen, fahren dann zum Neusiedler See und machen in Illmitz noch einmal Halt für einen Cappuccino und ein Eis, bevor wir dann gleich über die ungarische Grenze kommen und nach Fertöd weiter fahren. Das war dann die Alternativstrecke zur empfohlenen Route, auf der der Neusiedler See aber nur bei der Anfahrt zu sehen war. Aber es geht durch schöne Weinorte und Illmitz ist bestimmt auch noch einmal einen Aufenthalt wert. Schloss Esterhazy, das Versailles Ungarns und Bestandteil des Weltkulturerbes der UNESCO, ist jetzt unser Ziel. Hier erwartet uns eine sachkundige und vergnügliche Führung durch das Schloss, welches zu 90% aus EU-Mitteln und 10% aus dem Staatshaushalt Ungarns wieder aufgebaut und restauriert wird.  Zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch ein kleines Jagdschloss, wurde es unter Fürst Nikolaus I. nach dem Vorbild von Versailles in einem Zeitruam von 64 Jahren aufwändig umgebaut. Hier wirkte auch über drei Jahre Joseph Haydn als Hofkomponist und seine „Abschiedssymphonie“, in deren Verlauf ein Musiker nach dem anderen seine Noten zusammenfaltete und die Bühne verließ, wurde hier uraufgeführt.

Meine 200-Forint-Scheine aus einem früheren Aufenthalt in Budapest werden wir am Parkplatz nicht los. Erst bei einem Bäcker in Szombathely erfahren wir, dass sie inzwischen ungültig sind.
Weiter geht’s über sehr wellige aber weitgehend lochfreie Landstraßen zum Tagesziel nach Szombathely, dem antiken Savaria und späteren Stein am Anger. Köszeg lassen wir aus und sehen uns stattdessen die Altstadt von Szombathely an. Die Stadt liegt direkt an der von Kaiser Tiberius (14-37 n. Chr.) begonnenen Bernsteinstraße und verdankt diesem Umstand seine Entwicklung. Sie ist wahrscheinlich die älteste römische Stadtgründung in der römischen  Provinz Pannonien.

Wir sind dann rechtzeitig auf dem Stellplatz um pünktlich um 18 Uhr am Briefing teilzunehmen. 19.30 Uhr ist Abmarsch zum nahen Restaurant zum gemeinsamen Abendessen, gesponsert von der Reiseleitung. Sehr schmackhaft, der Rotwein und der Palinka schmecken auch, angenehme Unterhaltung und am Ende gehören wir wieder zu den Letzten die den Campingplatz erreichen.

 

auf zum Balaton

02.09.
Wir haben uns entschlossen heute völlig abweichend von der vorgeschlagenen Tour zu reisen. Wir wollen lieber hinter Sarvar, wo die Burg eher unspektakulär und das Museum am Montag geschlossen ist, die Route verlassen und in südlicher Richtung weiter fahren und über Sümeg durch den Nationalpark nach Keszthely, der heimlichen Hauptstadt des Balaton. Als wir uns Sümeg nähern erblicken wir eine kugelförmige Erhebung und vermuten zunächst eine Halde. Beim näher kommen entdecken wir aber eine Burganlage auf dem Berg. Wir schlagen im Reiseführer nach, finden allerdings weder den Ort, noch die Burg verzeichnet. Über mehrere Kehren versuchen wir uns zu nähern, was nach einiger Zeit über schmale Straßen auch gelingt. Die Burg ist zwar nicht neu, sie wurde im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt, aber neu restauriert, ebenso wie das umliegende großzügige Gelände, was mittelalterlich anmutet mit Zelten und einer Arena für Reiterspiele und weiteren Anlagen. Alles erst die erste Saison in Betrieb. 

Die Burg ist sehenswert und die Erläuterungen auch in Deutsch. Wir verbringen einige Zeit hier, essen auch gut und preiswert im angeschlossenen Restaurant. Weiter geht es durch einen Nationalpark nach Keszthely, an der Westspitze des Balaton, wo uns zuerst das Festetics-Schloss erwartet. Ein Palast im neobarocken Stil, in dessen Innerem und auf dem weitläufigen Gelände zahlreiche Museen zu finden sind.


Das nächste Ziel ist Tapolca bzw. die in der Nähe liegende Höhle mit einem See, der mit dem Boot befahrbar sein soll. Da eine Adresse dazu nicht zu finden und die Ausschilderung zu wünschen übrig lässt, vertrödeln wir soviel Zeit, dass die Kasse bereits geschlossen hat als wir ankommen. Mittlerweile ist es auch so spät, dass wir nun direkt zum Campingplatz in Balatonfüred fahren. Nach dm Briefing entsagen wir heute allen Ausschweifungen und verbringen den Abend am Platz.

über Szekesvehervar nach Budapest

03.09.
Wir gehören heute zu den Ersten die den Platz verlassen. Frühstück verschieben wir bis zum Besuch der Markthalle am Ort, die wir zunächst ansteuern. Hier lassen wir uns Zeit und studieren in aller Ruhe das Angebot. Fleischer, Bäcker, alles da und ein reichhaltiges Obst- und Gemüseangebot.  Nachdem wir alles, was wir erworben haben, verstaut haben, entschließen wir uns, den erfolglosen Anlauf von gestern, als wir zu spät an der Höhle ankamen, nochmals, jetzt hoffentlich erfolgreich, zu wiederholen. Also 30 km in die zur heutigen Route entgegen gesetzte Richtung und wir haben Glück. Es ist offen, der Andrang hält sich in Grenzen und bald sitzen wir im Boot und befahren den unterirdischen See. Astrid ist für die Fortbewegung zuständig und ich sorge für die Fotos. Die Höhle befindet sich in einem Kalksteinfels ohne Tropfsteine. Das Wasser ist klar und hat 20°. Nur ziemlich eng ist es und bisweilen müssen wir uns im Boot fast flach legen, so niedrig hängt die Decke. Es ist ein schöner Spaß und hat sich gelohnt. 

Wir wenden uns jetzt der Küste des Balaton zu und fahren bis Balatonfüred. Hier ist alles auf Touristen eingestellt, aber man spürt, dass die Saison bereits gelaufen ist.

Von hier geht es ein Stück ins Landesinnere bis nach Veszprem. Wir suchen die Altstadt und finden sie nach einigen Runden und besichtigen die Burg und die übersichtliche aber malerische Altstadt, die sich direkt anschließt.

Das nächste Ziel lautet Szekesfehervar. Auch hier ist die Altstadt sehr sehenswert, wenn man sie denn eingekeilt zwischen neuerer Bebauung dann gefunden hat. Wir haben, und besichtigen wieder einige der zahlreichen Kirchen. Zeit für einen Latte‘ bleibt auch noch.

Aber nun müssen wir uns sputen, bis Budapest sind noch einige Kilometer. Es ist schon dunkel als wir auf dem Platz ankommen und trotz Enge finden wir noch ein Plätzchen. Die Stromversorgung steigt zwar immer mal aus, aber wir sind für alles gewappnet. 

Ein Nachsatz noch zu den bisherigen Tagen: Hier sind auf den Straßen noch jede Menge Trabbis, Wartburgs und IFA W50 aus DDR-Produktion zu sehen.

Budapest den ganzen Tag

04.09.

Heute ist Sightseeing angesagt. Budapest in vollen Zügen.

Wir werden mit dem Bus vom Platz abgeholt und fahren direkt ins Zentrum. Heldenplatz, Gellertberg, Fischerbastei und weitere Highlights stehen auf dem Programm, bevor wir dann mit dem Bus weiter zum 11 km entfernten Szentendre fahren, einem kleinen Ort mit sieben Kirchen,  griechisch-orthodox, die ihr Bestehen aus der Tatsache ableiten,  dass der Ort von griechischen Auswanderern gegründet wurde, die seinerzeit vor den Osmanen geflüchtet waren. Später wurde es ein Künstlerdorf und heute ist es leider nur noch ein Ort in den Touristen mit Bussen gekarrt werden.

Von hier geht es dann mit dem Schiff zurück nach Budapest. Dort wartet bereits der Bus für die Rückfahrt zum Campingplatz. Wir und unsere schweizerischen Freundinnen entschließen uns in der Stadt zu bleiben und noch ein wenig das Nachtleben zu genießen.  Das tun wir auch, essen gut und lassen uns später mit dem Taxi zum Platz bringen.