Archiv der Kategorie: Bulgarien

über Varna zum Sonnenstrand

17.09. Ab Šabla begeben wir uns wieder auf Abwege und folgen nicht weiter der E87 sondern wenden uns der Küste zu. Wir entdecken den ältesten bulgarischen Leuchtturm an der Schwarzmeerküste von 1857 und eine malerische Bucht mit einem schönen neuen Restaurant. Hier ist ein Cappuccino fällig vor der wunderschönen Aussicht. Die Kalksteinklippen mit der ewigen Flamme für all jene die hier abgestürzt sind finden wir leider nicht. Es fehlt jeglicher Hinweis.

Wir nähern uns Varna und gehen auch hier auf Abwege. Wir verlassen Varna auf der Autobahn nach Westen statt nach Süden. Wir wollen uns in 18 km Entfernung noch den Steinernen Wald ansehen über dessen Entstehung unterschiedliche Theorien existieren. Es handelt sich um unregelmäßige Steinsäulen auf einer Fläche die sich in 800m Länge hinzieht. Gewiss ist, dass sie natürlichen Ursprungs sind.

Um zu unserem heutigen Ziel zu gelangen nehmen wir zunächst die 2 die parallel zur Autobahn Richtung Varna führt. Hier treffen wir zahlreiche junge Mädchen und Frauen, die an der Straße dem ältesten Gewerbe der Welt nach gehen. Das Geschäft muss sich aber wohl nur in der Hauptsaison lohnen. Viel „Verkehr“ ist hier nicht. Wir streifen Varna an der südwestlichen Seite und sind schockiert. Im Unterschied zu den modernen Bauten im Zentrum finden wir hier übelste Behausungen, die uns an die Townships in Südafrika erinnern. Es wird schon dunkel als wir als Letzte am Platz ankommen. Astrid hat immer noch Zahnprobleme. Wir werden morgen einen Zahnarzt aufsuchen müssen. 18.09. Busausflug nach Nessebar. Mit unserer heutigen Stadtführerin hat unsere Reiseleiterin bereits den Zahnarztbesuch verabredet. Nach der Stadtführung ist der Besuch vorgesehen. Zunächst halten wir nach geruhsamer Fahrt, wir glauben der Fahrer ist noch nie Bus gefahren, an einem Aussichtspunkt an, von dem aus man einen Blick auf Nessebar, der historischen Stadt auf einer Halbinsel, werfen kann.

Die Halbinsel ist relativ übersichtlich. 300m lang und 150m breit, und eigentlich bestehend nur aus Kirchen, 44 gab es mal hier, und Restaurants. Und viele, viele Touristen. Im Juli und August wird man hier nicht treten können. Einige der Kirchen betrachten wir von außen, die Stefanskirche auch von innen. Dora unsere Führerin ist sehr sachkundig und erläutert jedes Detail.

Nach der Führung genießen die Anderen die persönliche Freiheit und die Gelegenheit zum Mittagessen, während wir uns mit Dora auf den Weg zum Zahnarzt machen. Sie hat einen Fahrer angeheuert der uns zur Klinik bringt. Bei der zweiten Zahnärztin kommt Astrid zum Zuge, die Erste arbeitet nicht mit der Krankenkasse zusammen, und wird behandelt. Es ist alles sehr ungewohnt primitiv, die Behandlung ohne Betäubung, kein Wasser zum spülen, aber hoffentlich erfolgreich. Der Bus holt uns nahe der Klinik ab. Am Abend folgen wir noch einer Einladung anlässlich eines 42. Hochzeitstages und Astrid isst auch schon wieder. Es besteht also Hoffnung, dass die Behandlung, wenn auch provisorisch, so erfolgreich war, dass wir unsere Tour bis in die Türkei fortsetzen können.

Über die blauen Berge nach Veliko Tarnovo

19.09.

Weiter geht die Fahrt. Wer meint, heute würden wir uns mal an die vorgegebene Route halten, der irrt. Aber nicht vollständig. Zunächst verlassen wir Obzor und fahren wieder Richtung Nessebar. Um nicht durch den Touristenort fahren zu müssen, fahren wir auf Nebenstraßen nach Kableškovo und besuchen den hier jeden Donnerstag stattfindenden Markt. Hier wird alles angeboten, Gemüse und Obst, Klamotten, Schuhe, Werkzeug, Hausrat und anderes. Ich kaufe mir Socken, 1 Lewa (50 Cent) das Paar und Slips für 4 Lewa (2€) das Stück. Etwas Obst und ein Glas Honig erwerben wir auch noch bevor es weiter geht.

Über Aitos geht es nach Karnobat, wo sich über mehrere Kilometer riesige Weinanbauflächen rechts und links der Straße hinziehen. Sie gehören den Brüdern Minkov, die hier, gefördert durch die EU, ein großes Weingut betreiben. Wir steuern es, bei mittlerweile 26° an und finden hier einige Mitreisende. Leider kann man hier nur probieren, wenn man die angebrochene Flasche dann auch erwirbt. Da hat wohl die EU die Hausaufgaben nur zum Teil gemacht. Aber wir nehmen trotzdem ein paar Flaschen mit. Schließlich sind wir noch eine Weile unterwegs.

Wir folgen der 6 Richtung Sliven, zweigen aber kurz hinter dem Ortseingang nach Norden ab. Das ist zwar im Roadbook nicht vorgesehen, aber wir wollen die im Reiseführer erwähnten Blauen Berge sehen, da sollen sich die Heiducken versteckt haben als sie gegen die Türken kämpften. Auf dem Weg dahin haben wir noch eine traurige Begegnung. Wir steuern auf eine vor uns laufende Menschengruppe, vermutlich Roma, zu, die von einer Frau die ein Kreuz trägt angeführt wird. Dahinter ein einspänniger Pferdewagen mit einem offenen Kindersarg. Astrid kann das Kind, ein Baby was nur halb zugedeckt ist erkennen. Etwa 15 Personen folgen. Es dauert einige Zeit bis wir uns wieder miteinander unterhalten. So tief sitzt der Schock.
Auf schmaler Straße schrauben wir uns genau auf 1111m bis wir einem Abzweig folgen und kurz danach an der Bergstation einer Seilbahn ankommen. Ein kurzer Fußweg und wir reihen uns in die Schlange einer Reisegruppe ein. Ein herrlicher Ausblick tut sich auf, ringsum Berge und im Tal Sliven, die Stadt die wir links liegen gelassen haben. Wir wundern uns ein wenig, dass wir nichts bezahlen müssen als wir in dem doppelsitzigen Sessellift Platz nehmen. Über fast 2 km geht die Fahrt durch felsige Landschaft in das Tal Richtung Sliven. Etwas Sorge macht uns, dass die entgegenkommenden Sitze alle unbesetzt sind.
Erst kurz vor dem Ziel kommt uns jemand entgegen und wir sind sicher, dass auch nach oben Personen transportiert werden. Wir dachten schon wir müssen mit einem Taxi zurück fahren. Denn die Busse der Reisegruppe haben sich ins Tal begeben um ihre Schäfchen aufzunehmen.
Aber alles wird gut. Wir bezahlen hier unten erst die Tal- und dann noch die Bergfahrt und kommen fast wohlbehalten oben wieder an. Während ich nach rechts abspringe, bleibt Astrid, die nach links abspringen muss, mit ihrer kurzen Hose hängen und der Helfer hat Mühe, sie zu befreien. Aber auch dies geht gut.

Über kurvenreiche Straßen und durch herrliche Buchenwälder fahren wir auf 1000m den Bergrücken entlang. Die Straße wird immer schmaler, viel geschlagenes Holz ist an den Seiten aufgeschichtet und Waldarbeiter sind unterwegs. Ihre Pferde laufen frei herum.
Im nächsten Ort sind die Frauen unterwegs um ihre Wäsche am Brunnen zu waschen und plötzlich tut sich eine moderne, glatte und durch Leitplanken begrenzte Straße vor uns auf. Passt gar nicht in die Landschaft. Nach dem Ortsausgang sehen wir rechts ein großes Lager mit Zelten. Es sieht nicht sehr sauber aus. Bei den dunkelhäutigen Bewohnern handelt es sich wohl um Roma.
Kurz vor dem Ziel überholen wir noch das Womo der Reiseleitung und haben als Letzte Mühe auf dem etwas abschüssigen Platz noch ein einigermaßen erträgliches Plätzchen zu finden, wo wir die Neigung mit unseren Keilen ausgleichen können. Nach dem Briefing werfen wir den Grill an und sind rechtzeitig wieder im Womo bevor der Regen einsetzt.

Arbanasi und Veliko Tarnovo

20.09.
Busausflug nach Arbanasi und Veliko Tarnovo. Wir starten wieder um 9 Uhr und fahren erst in das nur wenige Kilometer entfernte Arbanasi was auf einem Kalksteinplateau liegt mit schöner Aussicht auf Veliko Tarnovo. Unklar ist bis heute ob der Ort auf die Osmanen oder bulgarischstämmige Bevölkerung zurück geht. Für die Bewachung des Passes nach Veliko Tarnovo genossen die Bewohner jedenfalls Steuererleichterungen und andere Privilegien und wurden so reich. Sie bauten schöne Häuser auf Steinfundamenten, die ein hölzernes Obergeschoss tragen und von Mauern umgeben sind. Wer heute neu bauen will, muss im selben Stil bauen. Das können sich auch heute nur reiche Bulgaren leisten. Die größte Attraktion ist die Kirche Christi Geburt, die wir besichtigen. Ein großer Flachbau der schlicht ist und von außen durch nichts an eine Kirche erinnert, allenfalls durch die daneben an einem Holzgerüst aufgehängte Glocke, beherbergt im Inneren fantastische Fresken von Heiligen und biblische Szenen mit denen die Wände und die Gewölbedecken ausgemalt sind. Leider darf nicht drinnen nicht fotografiert werden. Zahlreiche Darstellungen sind einmalig in Bulgarien oder auch weltweit und machen die Kirche zu einer der schönsten. An manchen Stellen ist noch der Ruß belassen worden der die Malereien lange überdeckt hat. Die Darstellungen sind alle von hohem Symbolgehalt. Heute ist die Kirche entweiht, da sie Museum geworden ist. Deshalb finden in ihr keine Gottesdienste mehr statt.

Nach einem kurzen Rundgang im Ort besteigen wir wieder den Bus und fahren nach Veliko Tarnovo, eine der schönsten Städte Bulgariens. Im Osten befindet sich die vom Fluss Jantra fast völlig umschlossene Ruine der Festung Carevez. Veliko Tarnovo war vom 12. bis 14. Jh. die Hauptstadt des zweiten Reiches. Heute ist sie Universitätsstadt, mit einer schönen Altstadt. Die Bergfestung war seit dem 4.Jahrtausend v. Chr. bewohnt. Im 12.Jh. machte sie Zar Peter zur Hauptstadt des 2. Bulgarischen Reiches. Die Zaren Bulgariens bewohnten den Zarenpalast bis die Osmanen 1393 die Bulgaren schlugen und die Festung schleiften. Einiges ist inzwischen restauriert worden.

Wir bummeln noch ein wenig durch die Altstadt, bis wir um 15 Uhr wieder den Bus besteigen und zu einer Weinprobe fahren. Hier empfängt man uns mit gedeckter Tafel, mit Käse, Wurst und Brot und zahlreichen Probiergläsern. Die Getränke, Weis- und Rotwein, Sekt und Dessertwein werden sachkundig vorgestellt. Mit Ausnahme des Dessertweines handelt es sich ausschließlich um trockene Weine, nichts süßes, wie man es früher aus Bulgarien gewohnt war. Besonders interessant ist ein Sekt der aus mit Gewürzen versetztem Wein hergestellt und nach Herausnahme der Gewürze mit Kohlensäure behandelt wird. Sehr gut als Aperitif zu trinken.

Nicht mehr hungrig und durstig fahren wir zum Campingplatz um aber nur diejenigen abzusetzen, die sich nicht für ein gemeinsames Abendessen nach bulgarischer Art in einem Dorf angemeldet hatten Wir haben uns angemeldet und müssen da jetzt auch noch durch. In einem schönen Garten, in dem es aber bald kühl wird, werden wir empfangen. Und wieder essen und trinken. Manches, besonders das Dessert ist nicht nach unserem Geschmack. Aber wir haben einen schönen Abend, besuchen noch die kleine Schmuckwerkstatt im Haus und sind aber dann doch froh, als es zurück geht.

Über den Schipka – Pass nach Kazanlak

21.09.
Quer durch den Balkan über den Schipka-Pass geht es heute bis kurz vor Kazanlak, die Stadt im Tal der Rosen. Wir verlassen das Camp in Richtung Veliko Tarnovo und nehmen dort am großen Verkehrsknotenpunkt die B5 Richtung Süden nach Gabrovo. Die riesige Steinskulptur nach 20 km mit der Jahreszahl 1876 weist auf das Kloster Drjanovski Manastier hin. Eigentlich wollten wir nur ein Foto von der Skulptur machen, aber als wir in die Straße eingebogen sind merken wir, dass wir nicht zurück sondern nur weiterfahren können, so eng ist die Straße. Also doch zum Kloster, was wir eigentlich ignorieren wollten. Wir werden auf dem Parkplatz eingewiesen, bezahlen einen Lewa und Astrid marschiert forsch vorneweg. Wo wir aber nach einigen Metern bergauf ankommen ist nicht das Kloster, sondern eine Tropfsteinhöhle. Wir bezahlen unsren Eintritt und stellen fest, dass wir schon schönere Höhlen gesehen haben. Wieder zurück finden wir auf Nachfrage das Kloster und sehen beim Blick durch das Tor unser Womo. Hätten wir auch einfacher haben können. In der Klosterkirche muss gerade eine Taufe stattgefunden haben denn viele Menschen strömen aus ihr heraus.

Der nächste Ort, Gabrovo, war eigentlich zur Umfahrung empfohlen. Wir steuern aber mitten hinein, in den mit 10 km längsten Ort Bulgariens, über den viele Witze genacht werden, wegen der besonderen Sparsamkeit seiner Bewohner. So sollen sie, sagt man, mit besonders leisen Sohlen tanzen, damit sie die Musiker sparen um nach der Musik des Nachbarortes ihr Tanzbein zu schwingen. Unser Ziel ist das Humor- und Satiremuseum im Ort. Hier nehmen sich die Gabrover selbst auf die Schippe.

Zum berühmten Schipka-Pass ist es nicht mehr sehr weit. Er ist von nationaler Bedeutung, weshalb ein riesiges Monument auf 1300m Höhe errichtet wurde. Hier schlugen Ende des 19. Jh. die Bulgaren mit Hilfe der Russen die Osmanen in die Flucht. Ich erklimme nicht nur die Stufen zum Monument mit Astrid sondern auch die Treppe im Monument. Auf mehreren Etagen werden Ereignisse und Ausstellungsstücke zur Schlacht dargeboten. Oben pfeift ein ziemlich kalter und starker Wind. Man hat aber eine herrliche Aussicht, auch in das berühmte Tal der Rosen, wo Rosen für die Gewinnung des Rosenöles gezüchtet werden.

Im Gedenken an die Schlacht hat Zar Alexander der II. unterhalb des Passes eine prächtig leuchtende russische Kirche erbauen lassen, die wir als nächstes aufsuchen. Die 17 Glocken wurden aus verschossenen Patronen des Schipka-Passes gegossen.

In nur ein Kilometer Entfernung befindet sich das Thrakergrab „Golyamata Kosmatka“, des thrakischen Herrschers Seuhthes III. aus dem 3. Jh. v. Chr.. Leider ist es schon geschlossen und ich kann nur noch durch die Scheiben einen Blick erhaschen.

Nun steuern wir Kazanlak an, das Zentrum des Rosenöls, wo die „Rosa Damascena“ wächst aus deren Blüten das beste Rosenöl gewonnen wird. Kurz vor Kazanlak befindet sich unser Campingplatz, von dem bereits laute traditionelle Musik ertönt. Es findet im Restaurant des Platzes gerade eine Hochzeit statt. Nach unsrem obligatorischen Briefing nehmen wir das Restaurant in Beschlag, essen gut und genießen ein wenig bulgarische Folklore.

vom Balkangebirge durch die thrakische Ebene zu den Rhodopen

22.09.
Die heutige Etappe ist eigentlich lediglich eine Überführungsetappe in die Nähe von Plovdiv und Sofia, wohin die nächsten beiden Tagesausflüge gehen werden. So richtig passend für einen Sonntag. Wir wollen uns aber in Kazanlak das Thrakergrab ansehen, schließlich Weltkulturerbe, auch wenn tatsächlich nur die Kopie zu sehen ist. Da die Koordinaten nicht bekannt gegeben waren, bemühe ich Wikipedia. Leider führen diese Koordinaten zwar ins Zentrum von Kazanlak, aber nicht zum Grab. Aber ich finde das Grab als POI im Navi und das ist zutreffend. Das Grab auf einem Hügel ist über mehrere Stufen zu erreichen. An der Straße selbst sind wieder die obligatorischen Stände aufgebaut, an denen Touristen etwas verkauft werden soll.
Zunächst gelangt man zum Original, was leider nicht zugänglich ist. Wenige Meter weiter steht die Kopie. Diese ist begehbar. Man gelangt in einen schmalen Gang der im oberen Bereich ausgemalt ist. Daran schließt ein runder Raum mit etwa 4m Durchmesser an, dessen Kuppel ebenfalls mit szenischen Bildern ausgemalt ist.

Nach Kauf einiger Souvenirs für zu Hause, wollen wir auf dem weiteren Weg doch noch einen Abstecher einlegen. Wir suchen einen auf der Landkarte ausgewiesenen Wasserfall am Südhang des Balkan. Wir finden schöne Landschaft im Naturschutzgebiet, aber nicht den Wasserfall. Vielleicht nicht erstaunlich bei dem Wassermangel der überall in den Flüssen zu sehen ist. Auf der weiteren Strecke bis zur Autobahn legen wir auf freiem Feld noch einen Stopp für ein Picknick ein und sonnen uns unter fast wolkenfreiem Himmel.Picknick

Auch am Sonntag sind in vielen Orten Märkte, die Obst und Gemüse anbieten. Wir kaufen auch noch ein, aber nicht die säckeweise Paprika, die für 1 Lewa ( 50 Cent) angeboten werden. Der Sack wohlgemerkt. Leider in der Menge zuviel für uns, obwohl er lecker aussieht. Auf der weiteren Strecke sind nicht nur erneut zahlreiche Denkmäler und Monumente zu sehen, sondern auch Polizisten, die uns vermutlich aus Langeweile anhalten und die Dokumente sehen wollen. Ich zeige lediglich meinen Ausweis den ich nach kurzem Studium zurück erhalte und dann weiter fahren darf. Übrigens haben wir heute die 4000 Reisekilometer überschritten. Wir geben dann die Koordinaten des Campingplatzes ein, müssen noch eine Umleitung fahren und schrauben uns auf 1100m hoch nach Batak an einen schönen Stausee. Die Temperatur fällt von 24° im Tal auf 16°, trotz schönem Sonnenschein.

Plovdiv

23.09.
Plovdiv, die zweitgrößte Stadt Bulgariens steht heute auf dem Programm. 9 Uhr startet der Bus der uns in einer guten Stunde ins Zentrum entlässt. Durch die Fußgängerzone an deren Ende unter dem Straßenniveau die Reste von marmornen Terrassen eines einst riesigen Stadions zu sehen sind und das mal 30.000 Menschen fasste, nähern wir uns der auf drei Hügeln von den Thrakern im 5.Jh. vor Chr. gegründeten Altstadt. Eine der malerischsten Bulgariens. Mit großen Häusern ehemaliger reicher Kaufleute, steilen mit großen Kopfsteinen gepflasterten Straßen, vielen Galerien und schönen Fassaden. In einem an eine Galerie angeschlossenen Restaurant essen wir gut zu Mittag, bummeln ein wenig in der noch verbleibenden Zeit. Astrid geht noch shoppen, während ich mir noch eine Moschee ansehe.

15.30 Uhr bringt uns der Bus zurück. Nach Briefing und einem vergeblichen Versuch im Restaurant noch Fisch zu essen (Ruhetag), beschließen wir den Abend im Womo. Für einen Aufenthalt im Freien ist es etwas zu kühl.

Sofia

24.09.
Heute ist die Hauptstadt dran. Sofia ist mit 1,5 Mio. Einwohnern die größte Stadt Bulgariens. Bereits die Römer haben hier gesiedelt aber ihre Blütezeit erlebte sie erst nachdem die Russen gemeinsam mit den Bulgaren die Türken nach 500-jähriger Herrschaft vertrieben haben. Daraus erklärt sich auch das besondere Verhältnis der Bulgaren zu den Russen, was auch die Zeit des Kommunismus überdauert hat und auch Begründung dafür ist, dass noch heute im ganzen Land viele Statuen und Monumente zu finden sind aus der Zeit des Kommunismus. Nur das Dimitroff-Mausoleum ist beseitigt worden und kommunistische Symbole wie z.B. der rote Stern auf dem ehemaligen Gebäude des ZK. Unseren Rundgang beginnen wir bei der bekannten Nevski-Kathedrale, sehen das Ehrenmal für die russischen Soldaten mit dem Zar Alexander II., weitere Kirchen, so die älteste mit 400 Jahren und erleben die Wachablösung vor dem Präsidentenpalast. Am Archäologischen Museum findet eine Demo statt
Wir sehen Nationaltheater, Dreharbeiten vor der Kunstgalerie, und bummeln in der Markthalle. Eine lebendige, farbenfrohe Stadt die einen sympathischen Eindruck vermittelt.
Mittagessen findet in einem urigen Restaurant statt. Einen Besuch im Archäologischen Museum schenken wir uns und bummeln stattdessen durch die Fußgängerzone. Die zweistündige Rückfahrt endet am Campingplatz als die Sonne längst untergegangen ist.

Ins Rila-Gebirge

 

25.09.
Jetzt heißt es bald Abschied nehmen. Sowohl von der Mehrzahl der Mitfahrer, als auch von Bulgarien.
Zwei weitere Mitfahrer und wir, werden uns am Freitagmorgen von denjenigen verabschieden, die nicht weiter mit in die Türkei reisen. Aber erst einmal steht ein weiteres Highlight auf dem Programm, was wohl nahezu jedem einfällt wenn er an Bulgarien denkt. Das Rila-Gebirge und das gleichnamige Kloster.
Wir starten früh in Batak an dem malerischen Stausee, der noch viel romantischer gewesen wäre, wenn es am Abend nicht so früh abgekühlt hätte.

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Wir verlassen den Platz und weil ich besonders schlau sein will, nehme ich bereits den ersten Weg rechts und wir landen nicht nur auf einer Schotterpiste, sondern in einer Sackgasse, wie wir nach 1,5 km feststellen. Also zurück und den obligatorischen Weg eingeschlagen.
In Velingrad das nächste Hindernis. Die Navi’s führen uns allesamt in eine gesperrte Straße. Statt nach rechts abzubiegen, fahren fast alle nach links, wir auch, und dürfen deshalb ungewollt den Ort ausgiebig erkunden. Zuvor hatten wir uns alle bei Lidl getroffen um die letzten Lewa auszugeben.
Anschließend geht es aber durch malerische Landschaft Richtung Rila-Gebirge. Der gute Eindruck wird nur durch ca. 20 km grottenschlechte Fahrbahn getrübt. Unterwegs begegnen uns wieder zahlreiche Pferdefuhrwerke, finden sich viele Verkaufsstände am Straßenrand, an denen Honig und Wein angeboten wird, und wir können Bauern beobachten, die wie vor hundert Jahren das Heu mit einer dreizinkigen Holzgabel wenden.
Wir kommen pünktlich am Platz in unmittelbarer Nähe des Klosters an, um gegen 15 Uhr an der Führung durch das Kloster teilnehmen zu können.S1550004(1)

Das Kloster ist ein wertvolles Kulturerbe Bulgariens und Weltkulturerbe. Gegründet im X.Jh. vom Eremiten Ivan Rilski, dessen Reliquien hier aufbewahrt werden, entwickelte sich im Mittelalter eine lebhafte künstlerische Tätigkeit und der Besitz vergrößerte sich. In der Epoche der nationalen Wiedergeburt im XVIII. und XIX. Jh. entwickelte sich ein reiches wissenschaftliches, kulturelles und geistiges Leben. 300 Mönchszimmer befinden sich in dem Komplex. Heute leben noch 12 Mönche hier. Das Kloster ist üppig und mit viel Malerei ausgestattet.

Zu Fuß geht es an einem kleinen Flüsschen entlang auf unebenem Weg zurück zum Campingplatz. Astrid stürzt auf dem Weg und zieht sich einige Blessuren zu. Den Abend verbringen wir mit einem anderen Paar sehr angenehm in unserem Womo und tauschen uns über Reiseerlebnisse und Reisepläne aus. Unser besonderes Interesse gilt dabei einer Tour rund um die Ostsee, die beide bereits absolviert haben.

Abschied von Bulgarien

26.09.                                                                                                                                       Wir verlassen das schöne Rila-Gebirge und den idyllisch gelegenen Platz, der allerdings seine Infrastruktur noch verbessern muss. Es gibt nur drei Toiletten hier, die gleichzeitig auch Duschen sind. Sie sind zwar sauber, aber beim duschen wird auch die Toilette und das Papier mit geduscht. Die Entsorgung für die Chemietoilette mutet an wie ein mittelalterliches Plumpsklo und der Strom ist derart schwach, dass unser Kühlschrank automatisch auf Gasbetrieb umschaltet. Aber die Umgebung entschädigt. Am Rila-Kloster halten wir noch einmal an, damit Astrid noch Briefmarken kaufen kann. Die Postkarten müssen noch in den Kasten bevor wir Bulgarien verlassen. Durch das Tal nehmen wir die gleiche Strecke wie gestern und finden den grünen Moskwitsch wieder, den wir unbedingt noch im Bild festhalten wollen.MoskwitschSchweine und Pferde überqueren kurz darauf die Straße und werden auch noch festgehalten. Einem alten Mann der an der Straße Honig verkauft, gibt Astrid unsere letzten Lewa.

Bevor die Straße in die nach Süden führende Hauptstraße mündet entdecken wir den Autofriedhof wieder den wir gestern schon gesehen hatten und halten an. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das Gelände als Sammlung alter Autos, Motorräder und sonstiger Gerätschaften. Wir entdecken viel Bekanntes aus ehemaliger DDR-Produktion.

Wir kommen schnell voran auf der gut ausgebauten Straße und nähern uns schnell der griechischen Grenze. Das gibt uns Gelegenheit kurz nach Melnik abzubiegen, zumal eine Baustelle uns die Weiterfahrt verbietet. Melnik gilt offiziell als die kleinste Stadt Bulgariens und ist ein Zentrum des Weinanbaus. Ein hübsches Städtchen, was aber im Sommer vermutlich sehr stark von Touristen frequentiert ist wie die zahlreichen Hotels vermuten lassen. Umgeben ist der Ort von Sandsteinfelsen, die teilweise wie Pyramiden abgetragen sind.

Wir nehmen die Strecke über die Weinberge und legen hier noch einen Stopp ein, bevor wir uns der Grenze nähern.