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Griechenland und 30°

26.09.

Die Grenzabfertigung funktioniert erneut problemlos bis auf die Tatsache, dass ich mit beiden Spiegeln in der schmalen Durchfahrt anecke. Aber nichts passiert.
Griechenland empfängt uns mit 30° und herrlichem Sonnenschein. Leider findet sich auf der kurzen Strecke bis zum heutigen Stellplatz, der eigentlich nur ein schöner Parkplatz an einem Restaurant am Kerkinisee ist, kein Bankomat, sodass ich mir am Abend noch Geld leihen muss.
Im Restaurant wird am Abend ein schmackhaftes Essen geboten und es findet eine herzliche Verabschiedung statt.Platz am Kerkini-See

RestaurantMorgen fahren wir drei Türkei-Fahrer individuell weiter, während der größte Teil der Gruppe mit der Reiseleitung Griechenland über Meteora nach Igoumenitsa durchquert um dann mit der Fähre nach Venedig zu reisen. Wir werden die Reiseleitung am Dienstag wieder treffen.

Ein paar Bemerkungen noch zum Abschluss der ersten Etappe: Die Gruppe hat gut harmoniert und es gab keine wirklichen Außenseiter. Die Länder die wir bisher bereist haben, lohnen alle einen Aufenthalt und wir waren von ihnen angetan. Besonders Rumänien und Bulgarien haben uns angenehm überrascht. Die Menschen sind nett und gastfreundlich, die Landschaft ist schön und abwechslungsreich und die Kultur interessant. Wir haben vieles dazugelernt. Und beide Länder sind vom Preisniveau her besonders attraktiv. Am Angebot gibt es dennoch keine Abstriche. Im Gegenteil, Obst und Gemüse in großer Auswahl und immer frisch. Und der Wein schmeckt auch und hat mit den süßen Weinen, die früher aus diesen Ländern angeboten wurden, nichts mehr gemein. Bekannte Marken wie Lidl, Kaufland und Penny sind vertreten und wir mussten auf nichts verzichten. Allein die Straßen lassen überwiegend noch zu wünschen übrig und es fliegt im Womo schon mal einiges gehörig durcheinander wenn man mal nicht aufpasst und eher Augen für die Umgebung hat. Alles in allem bisher eine Reise die wir nicht bereuen. Griechenland wartet nun mit sommerlichen Temperaturen auf und wir können abends lange draußen sitzen. Wir hoffen, dass das so bleibt und auch in der Türkei nicht nachlässt.

Über Arnea zur Ägäis

27.09.                                                                                                                     Gemeinsam mit weiteren Mitfahrern bringen wir Erika am Morgen ein Ständchen. 77 ist sie heute geworden und noch immer gut drauf. Anschließend macht Renate, unsere Reiseleiterin, mit uns Türkei-Fahrern ein gesondertes Briefing. Erst am Dienstag werden wir uns in Alexandropolis wiedersehen. Während die beiden Schweizer Mädels direkt nach Alexandropolis fahren wollen, machen die Baden-Württemberger noch einen privaten Abstecher. Wir wollen nach Arnea, wo wir 1997 einen schönen Urlaub verlebt und viele Freunde gefunden hatten. Wir wollen nachsehen wie der Ort heute aussieht und ob wir noch Bekannte finden. Die Suche gestaltet sich schwierig. Wir erkennen kaum etwas wieder und auch die kleine Taverne wo wir viele Abende in geselliger Runde bei viel Retsina verbracht haben, finden wir leider nicht. Auf Nachfrage finden wir zwar unser kleines Hotel, aber bei der Taverne kann uns keiner helfen. Auf den Fotos von damals wird ein Bekannter identifiziert, leider ist er schon verstorben.

Wir machen uns etwas traurig auf den Weg Richtung Ägäis, quer durch die Berge auf kurvenreicher Strecke. Unterwegs staunen wir nicht schlecht. Zahlreiche Flussläufe sind ausgetrocknet und der Koroniasee ebenfalls. Hier muss offenbar schon länger Trockenheit herrschen. Am Strand von Asprovalta suchen wir uns ein Plätzchen und stehen frei mit weiteren Campern. Hier wollen wir erst einmal die Seele baumeln lassen. Neben uns stehen Süddeutsche, die bereits seit Mitte August hier ihren Aufenthalt genommen haben. Das wäre uns dann doch zu langweilig. Wir genießen den Abend mit freiem Blick auf das Meer.

Auszeit

28./29.09.                                                                                                                             Also langweilig ist uns nicht geworden. Es ist eigentlich ein idealer Platz. Er kostet nichts, wir stehen direkt am Strand, Wasserversorgung ist durch die Dusche am Strand gesichert, sie hat noch einen extra Hahn, Toilettenentsorgung über die Straße und den nötigen Strom produzieren wir durch unsere Solaranlage selbst. Was will man mehr.

Wenige Meter weiter stehen zwei Schweizer Womo’s, die mit uns die Türkei-Tour absolvieren werden. Mit den Besatzungen haben wir uns bekannt gemacht. Nette Leute. Daneben steht ein Havelländer aus Falkensee, so ein richtiger Weltenbummler. Früher Fleischer, später Betreiber einer Gulasch-Kanone, hat er schon ziemlich die ganze Welt bereist. Oft allein mit Hund, aber ab und an auch mit seiner Frau. Den Winter haben sie oft in Thailand verbracht, aber auch über zwei Jahre den amerikanischen Kontinent, von Alaska bis Feuerland mit dem Wohnmobil bereist. Wir unterhalten uns lange und intensiv, und aus solchen Gesprächen nimmt man immer viel mit für eigene Reisepläne. Eigentlich wollten wir hier auch mal die Umgebung erkunden, aber die Tage sind viel zu schnell vergangen. Auf jeden Fall ein Platz, auf dem wir evtl. wieder einmal Zwischenstation machen werden. Diejenigen, die seit Wochen hier stehen, können wir jetzt besser verstehen, obwohl wir dafür noch nicht alt genug sind und noch viel mehr sehen wollen. Morgen jedenfalls wollen wir nach Alexandropolis und mit den Mädels essen gehen.

Die Zuhause Gebliebenen beneiden wir nicht wirklich.  Ihr habt alle unser Mitgefühl. Und die Aussicht auf den kalten Winter in Deutschland lässt uns nicht an das Ende der Reise denken. Wir überlegen eher wohin es dann gehen kann. Aber vorher berichten wir euch selbstverständlich ausführlich weiter.

auf nach Alexandropolis

30.09.
Heute haben wir wieder eine Überführungsetappe vor uns. Aber zunächst verbringen wir eine unruhige Nacht. Wir sind relativ früh zu Bett gegangen. Astrid hat auf ihrem Smartphon noch gespielt und ich habe auf meinem Smartphon ein Buch über die Türkei gelesen. Zumindest angefangen. Wir sind dann doch ziemlich schnell eingeschlafen. Vielleicht war der Wein zum Abendessen schuld daran, obwohl wir den 3 Liter-Pack nicht geleert haben. Nach Mitternacht werden wir beide wegen eines Geräusches wach. Die erste Vermutung ist dann immer, ob sich wohl jemand an unserem Auto zu schaffen macht. Aber nichts da. Es herrscht sofort wieder absolute Ruhe. Das Geräusch entpuppt sich am anderen Morgen als abgelöster Saughaken in der Dusche. Aber während Astrid wieder einschläft, liege ich wach und lese mein Buch zu Ende. Das war es aber noch nicht. Gegen 5.45 Uhr werden wir von Fahzeuggeräuschen und lautstarken Unterhaltungen geweckt. Astrid geht der Sache auf den Grund, lugt durch das Fenster und sieht wie auf der Straße hinter uns ein Markt aufgebaut wird.

Bei mir war an Schlaf nicht mehr zu denken. Astrid schläft, nachdem sie die Störung als harmlos klassifiziert hat, wieder tief und fest ein. Das Frühstück findet im Womo statt. Es ist ziemlich windig und wir wollen nicht extra die Möbel wieder ausräumen. Bei einem Rundgang auf dem Markt treffen wir noch einmal unseren Bekannten aus Falkensee und verabschieden uns herzlich mit besten Wünschen für die weitere Reise. Wir nehmen etwas Obst und Gemüse, ich kaufe schon wieder Socken und dann wollen wir starten. Gar nicht so einfach. Der Markt erstreckt sich über die gesamte Länge der Strandpromenade und wir kommen nicht durch. Also kehrt und zum anderen Ende. Dieselbe Situation, auch hier kein Durchkommen. Einer will mich über den losen Sand lotsen,  ein anderer unter einem ziemlich tief hängenden Seil hindurch, was die Marktschirme sichert. Ich lehne beide Male ab. Schließlich findet sich einer, der mit einer Stange das Seil anhebt und wir können passieren. Über losen und mit Löchern übersäten Untergrund kämpfen wir uns zur Straße und können endlich unsere Fahrt nach Alexandropolis aufnehmen. Wir wollen aber nicht gleich auf die Autobahn, sondern zunächst ein Stück an der Küste entlang. Die Straße die wir fahren ist Astrid allerdings nicht nah genug an der Küste. Deshalb biegen wir von der gut ausgebauten Straße ab zur Küste,  müssen aber bald erkennen, dass es hier nicht voran geht. Schließlich endet der Weg, der einem Weg im australischen Outback gleicht gänzlich und wir müssen wieder ein Stück zurück um auf die richtige Straße zu gelangen. Bevor wir auf die Autobahn fahren steuern wir noch einen weiteren Ort an der Küste an, gönnen uns griechischen Salat und Espresso.

Auf der Autobahn geht es dann zügig voran. Die Autobahn ist sehr gut und wenig befahren, aber fast alle Schilder am Straßenrand sind beschmiert und wir haben manchmal Mühe sie zu lesen. Für ein Autobahnstück ist dann noch Maut fällig. Wir kommen dann gegen halb vier auf dem Campingplatz in Alexandropolis an. Die Gruppe, die für die Türkei nur noch aus neun Fahrzeugen plus Reiseleitung besteht, ist bis auf ein Schweizer Pärchen schon vollzählig versammelt. Wir machen uns bekannt und gehen anschließend mit den Schweizer Mädels, wie besprochen, zum Abendessen. Es ist immer noch sehr warm als wir wieder am Platz ankommen. Wir verkriechen uns ins Womo denn ich will das Vorhandensein eines guten WLAN-Netzes sofort für den heutigen Bericht auf der Homepage nutzen.

Schittwetter und mehr

01.10.
Jetzt hat es uns erwischt. Gewitter und Regen in der Nacht. Am Morgen lockert zwar der Himmel vorübergehend etwas auf, aber es reicht nur um mal nach draußen zu gehen und die Toilette zu entleeren. Im Moment stört das Wetter weiter nicht. Ich will ohnehin die Homepage aktualisieren, wie versprochen, und Astrid legt sich nach dem späten Frühstück wieder hin. Eigentlich sollte sie mir die Haare schneiden. Aber nachdem ich die Wettervorhersage gelesen habe, ist mir bereits klar, dass das heute nichts mehr wird. So kommt es dann auch. Astrid verlässt zwar nochmals in einem trockenen Augenblick das Womo und geht zum Strand und gleich ruft sie nach mir. Ich soll schnell kommen, mit dem Fotoapparat, eine große Schildkröte sei am Strand. Das kann ich mir nicht entgehen lassen. Die Schildkröte ist etwa 70 bis 80 cm lang, aber sie rührt sich nicht. Ich werfe erst mit kleinen Steinchen, nähere mich dann mit einem Stock, aber keine Reaktion. Sie ist tot und offenbar in der Nacht von der aufgewühlten See angespült worden.k-S1610005 k-S1610001

Der Tag geht trotzdem zügig voran. Ich bin voll beschäftigt und Astrid sorgt für etwas Ordnung und Sauberkeit im Womo. Für 18 Uhr ist Briefing angesetzt. Ich bin gespannt, wo dies bei dem Wetter stattfinden wird. 

Da bis dahin noch ein wenig Zeit bleibt, noch ein paar Bemerkungen: Gestern haben wir die 5000 km-Marke überschritten. 46.500 km haben wir jetzt insgesamt auf dem Tacho und bei 45.000 war Durchsicht fällig. Wird schon gut gehen.
Und noch etwas:
Astrid meint immer, ich würde zu sachlich und mit zu wenig Emotion berichten. Vielleicht hat sie recht. Aber mit so einer Homepage bewegt man sich auch auf Glatteis. Gern würde ich auch einmal eine Einschätzung zu den Mitreisenden abgeben oder sie in nicht immer glücklichen Positionen ablichten. Aber schnell gerät man dann an urheber-, zivil-, oder gar strafrechtliche Grenzen, wenn die Dinge wie eben auf einer Homepage, öffentlich werden. So berichte ich eben über Astrid und die Tatsache, dass sie tatsächlich „zu gut für diese Welt“ ist.
Nicht nur, dass sie in verschiedenen Kirchen und Klöstern Kerzen gestiftet und aufgestellt hat und dabei an unsere Kinder und Enkel denkt, nein, es geht noch mehr.
Als wir unsere Strandtage verlebt haben, war es auch mal Zeit die Vorräte zu sichten. Einiges war dann doch nicht mehr so appetitlich und Astrid hat dies im Container an der Straße hinter uns entsorgt. Später beobachtet sie dann, wie sich ein ärmlich gekleideter Mann daran zu schaffen macht. Das kann sie nicht mit ansehen und drückt ihm, weil sie keinen 5 €- Schein hat, 10 € in die Hand. Er schaut ungläubig, bedankt sich überschwänglich und kommt später noch einmal um das Womo, zeigt den Schein, offenbar um sich zu vergewissern, dass der tatsächlich für ihn bestimmt ist. Ja, so ist sie halt, meine Astrid.