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in die Türkei

 02.10.                                                                                                                                        Also das gestrige Briefing fand erst bei Renates Auto, bei einem Ouzo, und dann im Restaurant statt, was bei dem Wetter ganz angenehm war. Anschließend trafen wir uns wieder bei Renate um etwas zu trinken und zu essen und uns näher bekannt zu machen.

In der Nacht hat es immer wieder geregnet und zum Morgen hin ist es immer kühler geworden. Ein Glück, dass Astrid mal raus musste, da hat sie gleich die Gelegenheit genutzt um ihr und mir die Bettdecke auf den Bettbezug zu legen mit dem wir seit Asprovalta wegen der Hitze nur geschlafen hatten.
Mit 15,76 € sind wir dabei für die erste Nacht auf dem Platz. Die Tanks sind voll, Toilette geleert und schon kann es losgehen, quer durch Alexandropolis, direkt auf die Autobahn. Die landschaftlich vermutlich schönere Strecke sparen wir uns auf. Wir kommen am Ende der Tour nochmals hierher. Hoffentlich bei schönerem Wetter.
Wir kommen Richtung Grenze gut voran und passieren die griechische Seite problemlos. Die Türken wollen etwas mehr, schließlich verlassen wir die EU. Da werden der Pass verlangt, die grüne Versicherungskarte und die Fahrzeugpapiere. Das Fahrzeug wird im Pass eingetragen. Ein Formular, wie angekündigt, erhalten wir nicht, diese Regelung ist abgeschafft. Durch trockene und karge Landschaft folgen wir der Autobahn in Richtung Kesan und schwenken dann nach rechts auf die Halbinsel Gallipoli. Nur die Dardanellen trennen uns jetzt vom asiatischen Teil der Türkei. In Gelibolu verlassen wir die Autobahn, wir wollen im Ort einkaufen und Geld am Automaten ziehen. Ziemlich schmale Straßen führen ins Zentrum und keine Gelegenheit zum Parken. Jedenfalls nicht in Nähe einer Bank. Wir quälen uns ebenso mühsam wieder aus dem Ort, finden aber noch einen Kipa, einen türkischen Supermarkt, wo wir einkaufen und mit Karte bezahlen können. Aber Bargeld haben wir noch nicht. Deshalb ein neuer Versuch kurz vor der Fähre in Eceabat. Am Automaten am Hafen erhalte ich eintausend türkische Lira zum Kurs von 1 € : 2,7 Lira. In einer Lokanta, einem einfachen Restaurant, vor dem sich ein Handyladeautomat befindet, nehmen wir einen Tee. Ziemlich stark, man braucht viel Zucker. Nun geht es zur Fähre, mit der wir in rund 10 Minuten in Canakkale ankommen. 50 Lira sind für die Überfahrt fällig. Der Fährhafen liegt mitten in der Stadt und wir müssen uns wieder durch dichten Verkehr kämpfen, auch weil ich eine Alternativstrecke an der Küste gewählt habe. Der erste Eindruck gleicht dem von Marokko, als wir von Tanger aus ins Landesinnere fuhren. An der Küste aber stehen einige stattliche Villen. Wir kommen aber nicht weit, weil die Straße gesperrt ist. Deshalb zurück und auf die neue Fernverkehrsstraße, die allerdings das Navi noch nicht kennt. Wir finden dennoch über einen Abzweig und durch Nebenstraßen unseren Platz, der ziemlich knapp bemessen ist. Wir stehen Tür an Tür, aber nur jeweils einer kann seine Tür öffnen. Im Restaurant am Platz sehen wir noch ein Einführungsvideo für Troja, kaufen im angeschlossenen Laden noch etwas ein und treffen uns nach dem Briefing wieder zum Abendessen. Sehr netter Abend an dem viel gelacht wird. Sorge haben wir nur um die Wäsche auf dem Wäscheständer. Es herrscht starker Wind. Wegen der Enge komme ich nicht an die Heringe um den Ständer zu sichern. Mal schauen wo wir morgen früh unsere Wäsche finden.

Troja und Assos

03.10.
Tag der deutschen Einheit.

Aber daran denken wir nicht als wir am Morgen aufwachen. 

Gestern Abend musste ich noch einmal das Womo verlassen. Es wurde einfach zu stürmisch und die Wäsche war in Gefahr. Also im Dunkeln alles abnehmen und das Zubehör wieder verstauen. Gar nicht so einfach, wenn man auch noch die Tür festhalten muss damit sie nicht ans Nachbarfahrzeug schlägt.
Zu der Halbinsel Gallipoli von gestern noch ein Nachsatz: Hier fand im 1. Weltkrieg eine entscheidende Schlacht zwischen den Alliierten und den mit Deutschland verbündeten Türken statt, bei der sich General Kamal, der spätere Atatürk, entscheidend hervorgetan hat. Diese Schlacht gilt als Gründungstag der modernen Türkei.

Die Nacht verlief ruhig, wir haben gut geschlafen, wir hatten auch die Bettdecken wieder eingezogen, und am Morgen habe ich die Heizung angemacht. Da waren 13° im Womo. Um viertel nach sieben war die Nacht vorbei, denn eine Stunde später war bereits Abmarsch zur nur 500m entfernten Ausgrabungsstelle von Troja. Hakan, unser türkischer Führer, hat uns sehr sachkundig über das Gelände geleitet und uns mit seinem Wissen beeindruckt. Insbesondere seine detaillierten Kenntnisse über Homer, dessen Illias und Odysseus, aber selbst Schiller haben uns beeindruckt. Da müssen wir erst in die Türkei reisen um so etwas zu hören. Schon beschämend und Ansporn zugleich, sich doch einmal näher damit auseinander zu setzen. Eineinhalb Stunden dauert die interessante Führung, aber wir wünschen doch das Ende herbei weil es einfach saukalt und ziemlich windig ist.

Nach einem heißen Tee am Platz starten wir bald und nehmen zunächst die Mädels ins Schlepptau, weil sie darum gebeten haben. Als wir jedoch nach Assos abzweigen, verlassen sie uns. Schade eigentlich, denn der Abstecher hat sich gelohnt. Assos liegt auf einem Berg mit herrlicher Aussicht auf die Ägäis. Der Ort galt in der Antike als der schönste Ort Kleinasiens. Aristoteles hat hier eine Philosophenschule gegründet und Apostel Paulus soll hier auf seiner dritten Pilgerreise durchgekommen sein. Steile grob gepflasterte Straßen führen zur Zitadelle und der Moschee und von der Akropolis sind noch einige Säulen erhalten. An den steilen Straßen befinden sich viele Verkaufsstände, von denen die meisten allerdings jetzt, außerhalb der Saison, nicht mehr betrieben werden.
Wir essen in einem urigen Restaurant noch gut türkisch zu Mittag, während an einem Tisch im Gartengeschoss drei Männer gemeinsam Wasserpfeife rauchen.
Ein Abstecher noch zu der osmanischen Brücke am Stadtrand, dann geht es weiter.

Wir fahren aber nicht die 18 km zur Fernstraße zurück,  sondern wenden uns zur Küste. Eine malerische Straße durch Olivenhaine, wenige Meter von der Küste, an der sich zahlreiche Restaurants, Campingplätze und Hotelanlagen befinden. Sehr schön hier, mit Blick über das Meer bis nach Griechenland.

Nach etwa 20 km landen wir wieder auf der langweiligen Schnellstraße, die wir aber für eine Weiterfahrt durch das Hinterland bald wieder verlassen wollen. Leider verpassen wir die Ausfahrt und müssen der Fernstraße dann doch bis Bergama (Pergamon) folgen, unserem Ausflugsziel für Morgen.
Am Abend findet ein gemeinsames Abendessen statt mit typisch türkischer Küche. Sehr schmackhaft und Gelegenheit sich wieder näher zu kommen.

Bergama ( Pergamon )

04.10.
Heute Morgen geht es schon wieder so früh raus. Viertel nach acht fährt der Bus zur großen Akropolis. Er braucht nur etwa 15 Minuten durch Bergama und mit Fahrstuhl und Seilbahn sind wir in weiteren 5 Minuten an der Akropolis. Diese ist eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten der Türkei, gelegen auf einem Hügel über der Stadt. Vom 8. Jh. vor Chr. an siedelten hier Griechen, später regierten hier Generäle Alexanders des Großen. Attalos der III. übergab das Königreich an Rom und Pergamon wurde Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Pergamon, heute Bergama, war ein bedeutendes Zentrum der Wissenschaft. Wir sehen den Trajan-Tempel, Reste der Stadtmauer, Ruinen der Bibliothek, eine der größten der Antike, den Zeus-Altar, das im 3.Jh. vor Chr. erbaute Theater mit Platz für 10.000 Zuschauer und den Sockel des Pergamon-Altars. Der Altar selbst steht bekanntermaßen in Berlin. Erneut haben wir einen sehr sachkundigen einheimischen Führer der sehr ausführlich auf die Geschichte, die historischen Zusammenhänge, aber auch die Bezüge zur Mythologie, eingeht. Von Vorteil ist auch, dass wir sehr früh dran sind und die Akropolis nahezu ungestört auf uns wirken lassen können.

Wieder zurück mit dem Bus zum Camp erledigen wir noch das Nötigste und starten dann aber doch als Letzte vor der Reiseleitung. Wir folgen der E 87 bis Izmir und wollen hier die Alternativstrecke Richtung Çesme nehmen statt der Autobahn. Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei und wohl am meisten westlich geprägt. Eine moderne und pulsierende Stadt mit einer einzigartigen Lage am Meer.

Wir finden die Strecke nach Çesme, aber weil ich im Kreisverkehr die falsche Ausfahrt nehme, müssen wir doch 5 km Autobahn in Kauf nehmen bevor wir auf reizvoller Strecke quer über die Berge von einer Seite auf die andere der vorgelagerten Halbinsel fahren. Eine Landschaft sehr karg und ohne nennenswerten Baumbewuchs, bis sich eine fruchtbare Ebene auftut, in der Zitrusfrüchte, Oliven, Zucchini und anderes angebaut wird. Über eine weitere Bergkette gelangen wir dann wieder an die Küste und genießen den herrlichen Panoramablick. Durch zahlreiche Touristenorte nähern wir uns Selçuk und erreichen kurz davor unseren Campingplatz direkt am Strand. Nachdem ich geduscht und Astrid mir die Haare geschnitten hat, genießen wir mit einem Glas Wein den Sonnenuntergang.

Ephesos

05.10.
Es war wieder kalt in der Nacht. Am Morgen sind nur 9° im Womo. Selçuk bildet für uns die Basis um heute von hier aus Ephesos zu besuchen. Nach zehn Minuten Busfahrt kommen wir bereits am Obertor an. Im Unterschied zu Troja, Assos und Pergamon stehen hier bereits unzählige Busse und schütten die Touristen aus. Auch von Kreuzfahrtschiffen werden sie hierher gebracht, das Meer ist nicht weit. Früher reichte das Meer bis Ephesos heran, hier war in der Antike ein bedeutender Hafen, nachdem Bergama aufgegeben wurde, weil der dortige Hafen versandete und das Meer sich bis auf 18 km entfernte.
Mit Ephesos haben wir auch gegenüber den vorangegangenen Orten die absolute Steigerung vollzogen. In der Reihenfolge wie wir die Orte Troja, Assos und Bergama besucht haben, wuchs auch in der subjektiven Wahrnehmung deren Bedeutung, wenn man sie daran festmacht, wie viel zu sehen ist. Ephesos bildet nun das absolute Highlight. Es gehört zu den größten Ruinenstätten der westlichen Welt. 1000 v. Chr. erbaut, geht die Stadt, deren Reste heute zu sehen sind auf den Nachfolger Alexanders des Großen zurück. Erbaut im 4. Jh. v. Chr. Unter den Römern war hier der größte Hafen der Ägäis. Er verschlammte später und die Stadt verfiel. Zum Glück ist die Stadt aber nie überbaut worden. Auf den Trümmern und den darüber befindlichen Ablagerungen wurden Landwirtschaft betrieben und Olivenhaine angepflanzt. Das hat die spätere Freilegung erleichtert und vieles erhalten.
Wir sehen u.a. den Hadrian-Tempel, das Herkules-Tor, das riesige Theater, die Kolonadenstraße, das Freudenhaus und eine antike Toilettenanlage. Einen Höhepunkt bildet selbstverständlich die Celsus-Bibliothek. Nach drei Stunden endet die Führung und wir sind ziemlich kaputt.

Der Bus bringt uns ins Zentrum von Selçuk, wo wir zu Mittag essen und anschließend über den Markt schlendern, die Vorräte mit frischem Obst und Gemüse auffüllen, bevor er uns am Campingplatz absetzt.

Astrid macht noch Wäsche, wir bewundern erneut den schönen Sonnenuntergang und verziehen uns dann bald ins Womo. Hoffentlich wird es bald wärmer und der Wind, der Astrid Kopfschmerzen bereitet, lässt nach. Morgen bleiben wir noch hier bevor es am Montag weiter geht nach Pamukkale.

Pamukkale

07.10.
Also den gestrigen Tag können wir einfach überspringen. Astrid hat den ganzen Tag unter Kopfschmerzen gelitten. Ich bin in der türkischen Ägäis baden gegangen, war gar nicht so kalt wie befürchtet, und am Abend haben wir bei einem Drink den Sonnenuntergang genossen. Das war’s, wir hatten schließlich Ruhetag.k-20131006_133011
Heute haben wir uns von unserem schönen Platz am Meer verabschiedet. Es geht ins Binnenland nach Pamukkale. Wir fahren durch Selçuk und erinnern uns an die Beschilderung zum Haus, in dem die Jungfrau Maria, die Mutter von Jesus, ihre letzten Jahre verbracht haben soll. Laut Bibel hatte Jesus Apostel Johannes gebeten, sich um seine Mutter zu kümmern. Dieser nahm sie im Jahr 37 mit nach Ephesos, wo sie in einem bescheidenen Steinhaus in Meryemana, acht Kilometer vom Zentrum ihre letzten Jahre verbrachte. Das Heiligtum wird von Muslimen und Christen verehrt. Am 15. August besuchen Pilger beider Religionen diese Stätte. Und heute auch wir.
Um dahin zu gelangen, fahren wir wieder bis zur Ausgrabungsstelle von Ephesos, am Eingang vorbei und danach 7 km über zahlreiche Serpentinen in die Berge. Auf halber Strecke steht eine überlebensgroße vergoldete Marienstatue. Oben angekommen, entrichten wir das Eintrittsgeld und wollen 50 m den Berg runter vor dem Eingang parken, was unmöglich ist, weil hier bereits zahlreiche Touristenbusse, Dolmuş (Kleinbusse) und Taxen stehen. Also wieder hoch und oben parken und zu Fuß nach unten.
Zunächst erblicken wir die Fundamente, auf denen das Wohnhaus gestanden haben soll. In der nahen Kapelle wird jeden Tag die hl. Messe gefeiert. Unterhalb der kleinen Kapelle ist es Brauch, für jeden Wunsch ein Stück Stoff oder Papier an die Felswand zu heften.

Auf dem Rückweg kommen wir noch an einem Abzweig zur Grotte der Sieben Schläfer vorbei. Hier hat der Siebenschläfer-Tag seinen Ursprung. Hier sollen sich im 3. Jh. sieben christliche Jünglinge vor Verfolgung versteckt haben. Als der Zufluchtsort entdeckt wurde, vermauerten die Häscher die Höhle während die jungen Männer schliefen. 200 Jahre später stürzte die Mauer nach einem Erdbeben ein. Die jungen Männer erwachten. Bis heute hält der Siebenschläfer-Tag (27. Juni), die Erinnerung daran wach.

Zurück durch Selçuk folgen wir der Straße strikt nach Osten bis kurz vor Denizli und zweigen hier nach Pamukkale ab. Wir stehen auf einem schönen Platz direkt unterhalb der berühmten Sinterterrassen. Wir genießen noch den Blick, machen erste Fotos und freuen uns auf Morgen. Da wollen wir bei Sonnenaufgang nach oben.

Unweit des Platzes steht eine Moschee und der Ruf des Muezzins zum Sonnenuntergang ist ziemlich laut zu vernehmen. Üblicherweise ruft er auch nochmals in der Nacht. Wir sind gespannt.

 Ruf des Muezzin

immer noch Pamukkale

08.10.
Pamukkale. Wir wollten eigentlich früh aufstehen und zum Sonnenaufgang zu den Kalksinterterrassen wandern. Aber die Tatsache, dass vorn im Womo nur 8° sind hält uns davon ab und wir drehen uns nochmals um. Nach dem Frühstück scheint uns aber die Zeit reif für einen Aufstieg, Wir haben einen idealen Ausgangspunkt und deshalb nur wenige Meter bis zum Tor. Wir bezahlen den Eintritt und müssen kurz danach die Schuhe ausziehen. Die Kalkablagerungen dürfen nur barfuss betreten werden. Die Kalksinterterrassen von Pamukkale bei Hierapolis sind eine der beliebtesten und meist fotografierten Attraktionen der Türkei. Sie entstehen durch die Ablagerungen von Travertin aus den heißen Quellen.
Astrid hat ohnehin Probleme mit barfuss laufen. Und hier muss man aufpassen, weil an bräunlich gefärbten Stellen der Untergrund meist glitschig ist. Wir bewegen uns deshalb langsam nach oben. Viele Menschen, vor allem Russen, sind bereits unterwegs. Manche baden oder sitzen in den Kanälen um sich vom Wasser umspülen zu lassen. Wir haben auch Badesachen dabei, aber das antike Bad ist so voll, dass wir uns hier zurück halten. Wir lassen uns erst einmal die Füße von kleinen Fischen reinigen. 25 Minuten lang knappern die kleinen Dinger unsere Schuppen ab. Ungewohnt, aber sehr angenehm. Wir wandern anschließend weiter durch die Ruinen von Hierapolis, ein beliebtes Kurbad in hellenistischer Zeit. Auf sehr weitläufigem Gelände sehen wir noch einige Zeugnisse aus dieser Zeit, wie das Theater aus dem Jahr 200 v. Chr., die Grabkirche des Apostels Philippus, den Domitiansbogen und einige Nekropole.
Die Anlage ist sehr schön gestaltet und es macht Vergnügen hier entlang zu wandern.
Der Abstieg über die Kalksinterterrassen erfordert wieder unsere ganze Aufmerksamkeit aber es bleibt Zeit, den jungen Mädchen zuzuschauen, die für mehr oder weniger gelungene Fotos hier posieren.

Zurück am Platz, nach fünf Stunden, werfen wir den Grill an für Köfte mit Salat und gegrillten Kartoffeln. Nach dem Briefing um 18 Uhr, gibt Gerhard noch einen aus. Er hat heute Geburtstag.
Ein rundum schöner Tag.

Kaş am Mittelmeer

09.10.
Es geht ans Mittelmeer. Insgesamt 300 km sind heute zu absolvieren. Wir verlassen Pamukkale Richtung Denizli, eine relativ große Stadt, und folgen der E 87 Richtung Söğüt. Es geht über landschaftlich schöne Strecken und auf gut ausgebauten Straßen voran. Bis auf 1400 m Höhe gelangen wir. Was wir immer wieder erstaunt zur Kenntnis nehmen ist die große Anzahl von Straßenbaustellen, wie in der Türkei überhaupt viel gebaut wird. In Söğüt schwenken wir nach Südwesten. Unser erstes Ziel heute heißt Xanthos, eine weitere Ausgrabungsstelle und ein weiteres Weltkulturerbe. Zuvor erblicken wir am Straßenrand zwei Womo’s aus unserer Gruppe. Eines hat eine Warnweste über dem Außenspiegel hängen, vereinbartes Erkennungszeichen für eine Panne. Rolf aus der Schweiz mit seinem kleinen Fahrzeug ist betroffen. Wir halten an und fragen nach. Der Motor tut’s nicht mehr. Über den schweizerischen ADAC organisiert er bereits einen Abschleppdienst. Wir können deshalb weiter fahren. Auch die anderen Schweizer, die vor uns schon angehalten hatten folgen uns. Wenige Meter weiter steht links ein Fahrzeug der Gendarmerie und man bedeutet uns zu stoppen, was wir auch tun. Dem Fahrzeug entsteigt neben den Gendarmen auch Jürgen, der mit den Gendarmen unterwegs war um für Rolf Hilfe zu organisieren. Hier zeigt sich jedenfalls der Vorteil der Gruppenfahrt. Später stellt sich allerdings heraus, dass ein kapitaler Motorschaden vorliegt und Rolf leider die Reise nicht fortsetzen kann.
Nach sechs Kilometer erreichen wir um 12.30 Xanthos. Da die Führung erst für 14.00 vorgesehen ist und die Anlage für uns nicht so spektakulär scheint, nachdem, was wir bisher schon gesehen haben, erkunden wir das Gelände selbstständig und setzen danach unsere Fahrt auf traumhafter Küstenstraße bis nach Kaş, unserem heutigen Ziel fort.

Vorbei an einem schönen Hafen finden wir schnell unseren Platz, der direkt am Mittelmeer liegt. Kaum das Fahrzeug gesichert nehmen wir ein Bad und lassen den Abend auf uns zukommen.

Eigentlich wollten wir zunächst im Restaurant am Platz essen. Da wir aber bereits beim beabsichtigten Kaffee trinken am Nachmittag vergebens auf die Bedienung gewartet haben, sollte es nach dem Briefing Nudeln geben. Aber dann kamen die Mädels mit dem Vorschlag,  im Ort am Hafen Essen zu gehen.  Den haben wir dann angenommen und fanden uns plötzlich mit drei Schweizer Paaren am Tisch. Es wurde daher Schweizerdeutsch gesprochen.  Nicht so einfach für uns. Bei sehr mildem Wetter konnten wir draußen sitzen und unser Menü genießen. Fisch für zwei,  mit Vor- und Nachspeise.  Sehr lecker. Zurück am Platz, war bereits alles ruhig und von Renate und Jamal nahmen wir noch die erfreuliche Botschaft entgegen,  dass für Rolf bzw.  sein Auto noch Hoffnung besteht.

St. Nikolaus und Myra

10.10.                                                                                                                                            Ist das schön, am Morgen aufwachen und immer noch 20° im Womo ohne die Heizung anzuwerfen. Wir genießen den schönen Morgen mit einem Blick auf das Meer und wollen hier gar nicht wieder weg. Dieser Platz erhält auf jeden Fall ein Sternchen, für den Fall, dass wir je wieder in die Nähe kommen sollten.

Wir starten als Letzte vor Renate und Jamal. Durch Kaş hindurch geht es dann den Berg hinauf und wir haben nochmal einen schönen Blick auf den Ort und das Meer. Immer an der herrlichen Küste entlang fahren wir bis Demre, dem früheren Myra. Hier wollen wir uns die Kirche des hl. Nikolaus ansehen. Ein bedeutender Wallfahrtsort der griechischen und russischen Orthodoxen. Das spürt man bereits bei der Annäherung. Alles auf russisch. Und viele Souvenirläden. Besonders Ikonen werden hier angeboten. Wir finden problemlos den Parkplatz, dessen Koordinaten wir erhalten haben. Etliche Busse stehen hier und noch mehr Menschen befinden sich in der Ruine der Kirche. Die Kirche ist über dem Grab des später heilig gesprochenen Bischofs Nikolaus von Myra errichtet worden. Bei einem Erdbeben und einem späteren arabischen Überfall hat sie schwer Schaden genommen. Der russische Zar Nikolaus der I. ließ sie 1853 wieder herrichten. Der Namensgeber der Kirche ist nach der Heiligsprechung zum Schutzheiligen der Fischer und der Kinder erklärt worden. Er ist derjenige, der noch immer weltweit den Kindern am 6. Dezember Süßigkeiten in die Schuhe steckt.

Zurück im Zentrum kaufen wir noch Gemüse, 4,5 türkische Lira für alles in unseren Beuteln. Wenige Häuser weiter essen wir gut zu Mittag. Leckere Salate, Chicken und Leber, alles vorher am Buffet ausgesucht. Ich trinke Ayran dazu, ein Joghurt, gesalzen und mit Wasser verdünnt. Sehr erfrischend.

Versteckt hinter Gewächshäusern finden wir die Ruinen von Myra. Erwähnenswert sind hier das Theater und Felsen mit monumentalen Hausgräbern.

Es gibt auch Gelegenheit im Wasser versunkene Ruinen mit einem Glasbodenboot zu besichtigen. Allerdings dauert die Tour fast drei Stunden. Soviel Zeit haben wir leider nicht. Deshalb geht unsere Fahrt weiter Richtung Antalya. Eine sehr schöne aber kurvenreiche Strecke. 20 km vor Antalya befindet sich in Beldibi unser Campingplatz direkt am Meer. Nicht so schön wie der Gestrige, aber ausreichend für eine Nacht. Wir stehen vor einer älteren türkischen Familie mit einem Wohnwagen und Astrid, neugierig wie sie ist, fragt erst einmal nach ob sie mal sehen darf, was sie Leckeres auf ihrem Teller haben. Wenig später kommt die Frau und bringt uns einen Teller ihres Gebäcks. Astrid revanchiert sich später mit Süßigkeiten aus Deutschland. Der Abend bringt dann noch eine positive Überraschung. Nicht nur, dass wir bei Renate noch einen Rotwein und mit Jamal eine Wasserpfeife, mit der kleinsten Wasserpfeife der Welt, genossen haben, nein, Rolf ist wieder da. Sein Hymer fährt wieder. Die gelöste Batterieabdeckung hat zwar den Zahnriemen zerstört, aber der Motor ist heil geblieben. Herzlich haben wir ihn wieder in der Runde aufgenommen.

Über Antalya ins Hinterland

11.10.
Von Beldibi starten wir Richtung Antalya immer an der Küste entlang. Links ein Hotel neben dem Anderen und rechts die Badestrände, meist mit Kies, so präsentiert sich der Urlaubsort der mit dem naheliegenden Flughafen bequem erreicht werden kann. Sicher ein schönes Ziel für Badeurlauber die sich im Hotel dann gern rund um die Uhr verwöhnen lassen. Auch für Kinder sicher ideal, aber weniger unser Ding. Als wir rechts von uns den Flughafen passiert haben, wenden wir uns nach links nach Perge. Ebenfalls ein Ruinenfeld, wie wir schon einige gesehen haben, aber mit einer Besonderheit. Hier befindet sich das größte und besterhaltene antike Stadion der Türkei. Den Eintritt sparen wir uns, denn das Stadion, worauf es uns ankommt, ist bereits vor dem eigentlichen Eingang zu sehen.

Wir fahren weiter auf der 400, lassen Side für dieses Mal rechts liegen, kaufen noch beim Migros ein, treffen dort zwei weitere Fahrzeugbesatzungen und schwenken dann hinter Manavgat ins Landesinnere. Wieder einmal halten wir uns nicht an das Roadbook und nehmen den höheren Pass über 1825 m. Waren es im Tal schon 30°, so sind es hier oben immer noch 24°. An einem Gözleme, was auch immer das heißt, halten wir zur Mittagspause. Jedenfalls, wenn wir ein derartiges Hinweisschild sehen, handelt es sich meist um eine einfache Lokanta am Straßenrand. Hier essen in der Regel die Einheimischen, die Kraftfahrer und Bauarbeiter. Das Essen ist gut und wir werden auch heute nicht enttäuscht, nachdem Astrid am Nachbartisch, besetzt mit mehreren Männern, nicht nur geschaut hat was dort gegessen wird, sondern gleich zum Kosten eingeladen wird.
Auf gut ausgebauten Straßen und durch schöne Berglandschaft erreichen wir zunächst Seydisehir und schließlich Beysehir am Gölü-See. Nach weiteren 12 km erreichen wir unseren Platz mit Seeblick. Beim Briefing gibt Rolf einen aus auf seine glückliche Rückkehr zur Gruppe.Blick zum Gölü-See

Moschee, Kloster und Kappadokien

12.10.
Hatten wir gestern Abend 289 km auf dem Tacho, so stehen uns heute 360 km bevor. Wir wollen bis Göreme in Kappadokien. Wir verlassen das Camp deshalb recht früh am Morgen. Obwohl wir eigentlich nach links Richtung Beysehir zurück wollen, müssen wir zunächst nach rechts. Es gibt keine Überfahrt auf die andere Fahrbahn. Zwischen beiden Fahrbahnen ist hier, wie so häufig, ein unüberwindlicher Graben. Also erst ein paar Kilometer in die falsche Richtung bis endlich eine Wendemöglichkeit kommt. In Beysehir besuchen wir die Esrefoğlu-Moschee von 1297. Die Holzmoschee ruht auf 48 Kiefersäulen. Sie gehört zu den schönsten Bauwerken aus der Beylik-Periode. In dieser Zeit regierten die Mongolen in Anatolien und rebellische Turkmenen gründeten die ersten sog. Beylik-Staaten. Vor der Moschee sitzen drei ältere Türkinnen, die Schmuck und Strickwaren anbieten. Eine von ihnen legt Astrid noch ein weiteres Tuch um, denn Frauen dürfen diese Moschee nur mit bedecktem Kopf und bedeckten Armen betreten. So wie hier, mit dem vielen Holz, haben wir noch keine Moschee innen gesehen. Als Dank für das Tuch kauft Astrid noch ein paar gestrickte Handschuhe.

Wir nehmen nun Fahrt auf bis in das rund 95 km entfernte Konya. Als wir uns dem Ort in einer Bergabfahrt nähern, liegt über der Stadt eine fast undurchsichtige Smogwolke. Ob sie natürlichen Ursprungs oder von Industrieabgasen hervorgerufen ist, wissen wir leider nicht. Wir befinden uns aber auf einer eher unwirtlichen Hochebene inmitten der anatolischen Steppe. Vielleicht ist dies die Ursache. Konya ist eine Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern, sehr aufgeräumt, modern und mit schicken Grünanlagen, obwohl es sich um eine antike Stadt handelt, deren Einwohner im ganzen Land für ihre Treue zum Islam bekannt sind. So viele verschleierte Frauen wie hier haben wir bislang auch noch nirgends gesehen.
Laut unserem Roadbook sollen wir die Innenstadt umfahren um zum Mevlâna-Museum zu gelangen. Die Innenstadt sei nahezu undurchdringlich. Da wir aber zum Museum selbst keine Koordinaten haben, will ich es wissen. Ich suche mir den entsprechenden POI im Navi und wir fahren mitten durch. Es lohnt sich. Hier pulsiert das Leben. Viele Handwerker, Händler und Kleingewerbetreibende verdienen hier ihren Unterhalt. Und wir nahe dran. Das gefällt uns und erinnert ein wenig an Marokko. Wir fahren zunächst am Museum, eigentlich ein Derwischkloster, vorbei und finden auch einen Parkplatz. Bevor wir das Kloster besuchen, schauen wir erst in die daneben liegende Sultan-Cami-Moschee. Vor der Tür heißt es Schuhe ausziehen. Im Inneren finden leider Bauarbeiten statt. Ich mache trotzdem ein paar Fotos und plötzlich ist Astrid verschwunden. Ein alter Mann, die Aufsicht, hat sie zu einem Glas Tee animiert und sie aufgefordert auf dem Teppich hinter einer Absperrung Platz zu nehmen. Ich bekomme auch einen Tee gereicht nachdem er auch mich herangewinkt hat. Ich nehme auch auf dem Teppich Platz und wir beeilen uns, da diese Sitzposition reichlich unbequem ist. Ich gebe dem Alten 2 TL und er schenkt Astrid noch einen Rosenkranz der seitdem im Auto am Spiegel hängt.

Nun stürzen wir uns noch in das pralle Leben, mitten in den türkischen Alltag. Schauen den Handwerkern zu, schnuppern an den Gewürzen und studieren die Auslagen. Hier wird alles angeboten, auch Gebrauchtes. Wir nehmen noch einen Chicken-Döner, der hier im großen Brötchen gereicht wird, für 1,50 TL und ich trinke wieder Ayran dazu.

Nun wollen wir aber doch zum Derwischkloster, denn wir haben anschließend noch einige Kilometer vor uns. Hier müssen wir nicht die Schuhe ausziehen, sondern Kunststoffgamaschen überstreifen. Es herrscht ziemlicher Andrang. In dem Kloster befindet sich das Grab von Celaleddin Rumi, der Mevlâna genannt wird, und der den Mevlevi-Orden gegründet hat, besser bekannt als tanzende Derwische. Er lebte im 13. Jh. und gilt als einer der größten islamischen Mystiker. Zum Museum im erweiterten Kloster gehören das Grab, der Zeremoniensaal und Ausstellungen mit Manuskripten und Memorabilien.

Weiter durch die anatolische Steppe geht es bis Sultanhani, einer Karawanserei. Sie diente dem Schutz der Kaufleute entlang der römisch-byzantinischen Karawanenrouten. Bevor wir uns an die Besichtigung machen können, müssen wir an der Kreuzung erst einem Unfall zwischen einem LKW und drei PKW ausweichen. Der erste Unfall den wir sehen seit wir in der Türkei unterwegs sind. Die Türken fahren eigentlich nicht aggressiv, aber haben schon ihre Macken. So können sie es nicht erwarten bis eine Ampel auf Grün wechselt, obwohl die verbleibenden Sekunden der Rotphase angezeigt werden. Bereits vor Ablauf rollen einige bereits bis auf die Kreuzung oder starten wenn noch 3 Sekunden angezeigt werden. Andere fahren gleich rechts vorbei, obwohl alle Fahrspuren belegt sind. Aber nett sind sie und warnen schon mal, wenn eine Polizeikontrolle lauert.
Die Karawanserei ist eigentlich nicht spektakulär. Ein massiger Baukörper mit nur einem Zugang und mehrschiffigen Lagerhallen mit Tonnengewölbe und Unterkunftsräumen. Im Innenhof befindet sich eine kleine Moschee. Mit etwas Fantasie kann man sich aber vorstellen, dass hier viele Menschen ihre Kamele und große Warenmengen Unterschlupf fanden.

140 km auf rauhem Asphalt, der selbst die Radiomusik übertönt, liegt noch vor uns bevor wir in völlig veränderter Landschaft, errodiertem Tuffgestein und hartem Vulkangestein, unseren Campingplatz erreichen. Wir befinden uns jetzt in Zentralanatolien, in Kappadokien und rund 7000 km liegen hinter uns, seit wir am 27. August in Brandenburg gestartet sind.