Archiv der Kategorie: über Griechenland und Venedig nach Hause

Alexandropolis

24.10.
Heute liegt nichts Spektakuläres an. Wir verlassen Edirne und wollen nach Alexandropolis auf den gleichen Platz von dem aus unsere Türkei-Rundreise begonnen hatte. Die gut ausgebaute Landstraße verlassen wir nur 35 km vor Alexandropolis und durchqueren einen Nationalpark, der das waldreichste Gebiet Griechenlands umfassen soll. Eine schöne und kurvenreiche Strecke. Der Wald wirkt eher jung. Mehr Strauchwerk und niedrige Bäume. Ich vermute, dass der ehemalige Wald wohl mal abgebrannt sein muss und sich jetzt wieder erholt.
In Alexandropolis stehen wir wieder direkt am Strand und können hier noch einmal ein richtiges Sonnenbad genießen. Am Abend ist gemeinsames Grillen angesagt. Jeder bringt was mit für das Buffet. Wir machen wieder unsere berühmte Gemüsepfanne, die wegen der verwendeten Wurst ordentlich scharf ausfällt. Deshalb muss hinterher gut getrunken werden und es wird ziemlich spät.

Platamon

25.10.
Heute fahren wir nur Autobahn. Über 390 km geht es vorbei an Thessaloniki, dann Richtung Athen bis Platamon am Fuße des Olymp. Der verhüllt sich allerdings in Wolken als wir ankommen. Der Platz ist direkt am Meer gelegen aber verwaist. Die vielen Dauercamper haben ihre Stellplätze bereits winterfest gemacht und die Versorgungseinrichtungen am Platz haben auch schon Winterpause. Wir haben alles und genießen deshalb die Ruhe am Strand. Mit der heutigen Etappe haben wir uns einen günstigen Ausgangspunkt geschaffen um noch die Meteora – Klöster zu besuchen, das letzte Highlight auf unserer Rundreise bevor wir am Montag nach Venedig übersetzen.

Meteora – Klöster

26.10.
Mit einem letzten Blick auf die naheliegende Kreuzfahrerburg und auf die Ägäis verabschieden wir uns vom Strand und fahren in das Landesinnere zu den Meteora – Klöstern.Kreuzfahrerburg

Wir wollen genau aufpassen, damit wir die neu angegebene Zufahrt in die Berge finden. Also war die Unterführung zur Autobahn zu passieren. Aber ob nun unten durch, oder daran vorbei, dass wusste ich nicht mehr so genau. Astrid hatte zwar den Plan in der Hand, aber die wesentliche Information deckte sie genau mit ihrem Daumen ab. Es kommt wie es kommen muss, wir fahren unten durch und landen auf der Autobahn und auch gleich an der Mautstelle. 5 € werden fällig. Nun will ich wenigstens die Gelegenheit nutzen um an der nächsten Tankstelle zu tanken, denn meine Tankanzeige leuchtet schon. Und so will ich nicht in die Berge fahren. Aber die Tankstelle hat geschlossen und wir fahren schleunigst von der Autobahn ab. Im letzten Ort vor den Bergen gab es auch keine Tankstelle. Also nochmals zurück Richtung Strand, dort tanken und dann endlich in die Berge. Auf schöner Strecke mit fantastischen Ausblicken schrauben wir uns auf knapp 1200m und passieren rechts von uns den Olymp der leider im Dunst verschwindet. Unterwegs halten wir noch an einer Apotheke um mich mit Mitteln gegen meine Erkältung zu versorgen. Vor der Apotheke steht ein Fahrzeug mit dem Kennzeichen von Dortmund-Unna. Ein älterer Herr in der Apotheke hilft uns dann mit seinen Deutschkenntnissen. Er gehört zu dem Auto. Ein Grieche, der seit 45 Jahren in Deutschland lebt. Später halten wir noch in einem Straßenrestaurant und essen hier gut zu Mittag. Griechischen Salat und Souflaki. Sehr lecker und ein Dessert gibt es gratis dazu.


Wir kommen wieder als Letzte in Kalambaka, unserem heutigen Ziel, an. Wir fahren deshalb nicht auf den Platz, sondern wollen gleich heute noch einige der Meteora-Klöster besuchen. Auch ein Weltkulturerbe. Es ist ein außergewöhnlicher Ort und gehört zu den Meistbesuchten. Glatte hohe und steil aufragende Felsen, auf denen sich die Klöster befinden. Ursprünglich lebten hier im 11. Jh. Einsiedlermönche in Felshöhlen, bevor sie sich im 14. Jh. vor den türkischen Einfällen dadurch schützten, indem sie ihre Klöster auf den Felsen errichteten. Die Klöster sind zwar heute durch eine Straße gut erschlossen, aber um zu ihnen hinauf zu kommen, sind viele steile Treppen und Stufen zu überwinden. Die Klöster sind von Kastraki aus gut zu erreichen. Das Nächstliegende ist das Moni Agios Nikolaos Anapafsas was wir auch als erstes erklimmen. Es wurde im 15. Jh. erbaut und hat eindrucksvolle Fresken. Das einzige Nonnenkloster ist das Moni Agias Varvaras Roussanou und wird als nächstes bestiegen. Durch schöne Buntglasfenster ist die Kirche erleuchtet. Es ist eine sehr steile Anlage, die heute noch 15 Nonnen beherbergt. Eines geht noch sagen wir uns, und nehmen noch das große Meteora – Kloster, das Moni Megalo Meteoro in Angriff. Von weitem sieht es so aus, als könnte man mit dem Auto bis auf das Niveau des Klosters hinauf fahren. So ist es auch. Aber um zum Kloster zu gelangen, muss man hier erst tief hinab, eine Schlucht überqueren und an der anderen Seite wieder hoch hinauf. Das Kloster liegt mit 613m auf dem höchsten Felsen des Tales und wurde im 14. Jh. errichtet. Es ist das reichste und größte Kloster, weil der serbische Kaiser Symeon Uros dem Kloster seine Reichtümer vermachte und selbst Mönch wurde. Es ist der Höhepunkt unserer Klosterbesuche hier.
Am Abend findet ein letztes gemeinsames Essen im Restaurant am Platz statt und es macht sich etwas Wehmut breit weil sich unsere Reise nun unaufhaltsam dem Ende nähert.

nach Igoumenitsa

27.10.
Wir lassen uns Zeit, denn die drei Klöster gestern haben uns einen hinreichenden Eindruck vermittelt, sodass wir auf weitere Besuche verzichten. Wir frühstücken deshalb in aller Ruhe und Gelassenheit. Nur 180 km bis Igoumenitsa sind zu bewältigen und dazu fast nur Autobahn. Bis Katara folgen wir der kurvigen Landstraße und wollen hier den Pass nehmen um der Eintönigkeit der Autobahn zu entgehen. Wir richten uns nach dem Hinweisschild, biegen rechts den Berg hinauf und stehen vor einem Sperrschild. Es geht nicht weiter, der Pass ist nicht passierbar. Hätten sie auch an der Kreuzung bereits darauf hinweisen können. So müssen wir rückwärts wieder runter und dann doch unfreiwillig auf die Autobahn. Dreißig Kilometer vor Igoumenitsa verlassen wir sie noch einmal, aber eher unbeabsichtigt. Wir wollen auf einen Parkplatz und ich bin zu früh abgefahren. So kommen wir nicht zurück auf die Autobahn, aber können stattdessen über eine kurvenreiche Strecke hinab nochmals die schöne Landschaft genießen. Zurück auf der Autobahn geht es zur Bucht von Igoumenitsa und plötzlich öffnet sich bei der Bergabfahrt der Blick auf das Ionische Meer und in der Ferne die Insel Korfu. Nach der Autobahnabfahrt folgen wir der Küstenstraße 8 km Richtung Preveza und erreichen unser Camp in Igoumenitsa direkt am Meer. Es geht steil hinab zum Platz und obwohl wir fast die Letzten sind bekommen wir noch einen traumhaften Platz in erster Reihe. Das Wasser ist angenehm warm. Genau richtig für ein letztes Bad. Heute Morgen hatten wir die Uhr umgestellt und deshalb wird es früh dunkel. In kleiner Runde, die meisten Mitfahrer essen im Restaurant, verbringen wir den Abend bei Wein, Gebäck und angenehmer Unterhaltung. Danach heißt es Wecker stellen, denn morgen ist bereits um 6.30 Abfahrt zur Fähre.

Abschied von Griechenland

28.10.
Der Wecker war eigentlich auf zehn nach sechs gestellt aber um sechs stehen wir auf. Es macht sich draußen Unruhe breit. Die Morgentoilette ist schnell erledigt, die Toilette entleert, der Strom abgeklemmt und wir sind zur Abfahrt bereit. Wir können aber nicht weg, denn hinter uns steht Renate. So sind alle anderen bereits vom Platz als wir dann wenden können und auch den schönen Campingplatz verlassen. Die wenigen Kilometer bis zum Hafen sind schnell bewältigt und wir reihen uns ein vor der bereits bereitstehenden Fähre. Astrid will den Frühstückskaffee aufsetzen, da kommt schon Bewegung in das Geschehen. Als die rechte Reihe zum Zuge kommt wechsle ich dahin und schnell sind wir auf der Fähre. Wir werden auf einen Platz eingewiesen, suchen uns einen Stromanschluss und haben Camping an Bord. Nur hat Astrid eine etwas exotische Vorstellung davon. Sie hatte erwartet, wir würden alle mit unseren Fahrzeugen mit Aussicht auf das Meer an der Reling stehen. Nichts davon. Camping an Bord heißt nichts anderes, als dass man im Womo übernachten kann, Stromanschluss gestellt bekommt und keine Kabine anmieten muss. Im Übrigen stehen die Fahrzeuge wie auf jeder anderen Fähre auch in Reih und Glied. Nach dem Frühstück im Womo holen wir erst einmal den fehlenden Schlaf nach, bevor wir die Fähre erkunden. An Bord ist alles vorhanden. Sonnendeck, Restaurant, Bar und auch WLAN-Zugang. Der erfolgt hier allerdings über Satellit und erlaubt nur Downloads. Zwei Stunden für 3 €. Ich melde mich mit meinem Tablet an. Als ich mich nach erfolgloser Aktualisierung der Homepage mit den Zugangsdaten mit dem Smartphon anmelden will, wird dies verweigert. Nur ein Gerät ist möglich. Also nichts mit WhatsApp und wieder nichts mit dem Hochladen der restlichen Bilder. Werde ich wohl erst in Venedig erledigen können. Ein Mobilfunknetz ist auch nicht vorhanden. Auf dem Sonnendeck kommt dann doch etwas Wehmut auf über das Ende der Reise. Am Abend sitzen wir in einer Lücke zwischen den Fahrzeugen nochmals in netter Runde zusammen und lassen die Reise ein wenig Revue passieren. Das Meer ist ausgesprochen ruhig und einem guten Schlaf steht nichts im Wege. Nur die Antriebsmotoren sorgen für ein sanftes Schaukeln.

Ankunft in Venedig

29.10.
Bereits gegen sechs Uhr macht sich Unruhe breit und wir sind auch schon wach. Draußen dämmert es schon ein wenig, aber erst ist Frühstück dran und zwar ordentlich, mit einem Ei. Im Womo zeigt mittlerweile fast jede Uhr eine andere Zeit an. Erst nach Griechenland eine Stunde vorgestellt, jetzt auf dem Schiff wieder zurück auf mitteleuropäische Zeit und dazwischen lag am Wochenende auch noch die Umstellung auf die Winterzeit. Kein Wunder wenn man durcheinander kommt. Und dazu sind wir nicht sicher ob die Handys sich die Zeit aus dem Netz automatisch geholt haben und wenn ja welche. Wir sind schließlich auf einem griechischen Schiff, aber näher an Italien als an Griechenland und meist haben wir auf dem Schiff überhaupt kein Netz. Also ziemlich verwirrend. Aber wir liegen gut im Rennen, verfolgen die Bewegungen auf dem Schiff und registrieren auch, als uns das Bordpersonal vom Strom getrennt hat. Der Blick nach draußen gibt nicht wirklich Aufschluss. Das Ufer liegt im Nebel.

Als wir aber Venedig näher kommen klart es doch noch etwas auf und wir verfolgen die Drehung der Fähre auf der Stelle, damit sie mit dem Heck anlegen kann. Wir nutzen die Zeit um uns von den Mitreisenden herzlich zu verabschieden. Ein großer Teil bleibt uns aber noch erhalten, da sie wie wir noch Venedig einen Besuch abstatten wollen und deshalb auch den Campingplatz Venezia in Mestre anlaufen. Diesen Platz kennen wir schon von unserer letztjährigen Italientour. Die Anfahrt gestaltet sich nur diesmal etwas komplizierter, da die direkte Strecke gesperrt ist. Wir finden aber hin, haben einen schönen Platz und vernünftigen WLAN-Zugang. Nach einem Espresso in der Cafeteria fahren wir mit dem Bus die 8 km in die Stadt, direkt zum Piazzale Roma. Da wir Venedig im vergangenen Jahr ausgiebig erkundet hatten, beschränken wir uns auf die Insel Murano und die Isola di St. Michele, die Friedhofsinsel, die wir letztes Jahr ausgelassen hatten. Wir erreichen sie mit dem Boot. Erst nach Murano, wo das berühmte Glas herkommt. Am Anleger Colonna steigen wir aus und pilgern an den unzähligen Glasgeschäften und Manufakturen entlang.

Am Bankomat überrascht uns ein Regenschauer mit Gewitter und wir flüchten zunächst in eine Pizzeria, nachdem mir Astrid ohnehin schon die Ohren vollgejammert hatte, sie habe sooo einen Hunger. Satt bis zum Übermaß, zum Glück hatten wir auf eine Vorspeise verzichtet, verlassen wir das Lokal. Der Regen hat auch aufgehört. Inzwischen ist es 14.30 und wir suchen uns den naheliegenden Anleger und setzen zur Friedhofsinsel über. Eine sehr gepflegte und riesige Friedhofsanlage mit alten und neuen Gräbern erwartet uns. Viel Blumenschmuck auf den Gräbern. Die meisten Gräber sind aufwändig gestaltet, aber auch einfache Grabplatten, die in die Wände eingelassen wurden, sind zu finden.

Nach einem ausgiebigen Rundgang, Astrid hat mittlerweile Schmerzen vermutlich an der Achillessehne und kann kaum laufen, verlassen wir die Insel. Das Boot ist sehr voll wie auch der Bus zum Campingplatz auf den wir ewig warten müssen. Nachdem wir uns vor Abfahrt noch ein Eis gegönnt haben, fällt Abendbrot heute aus.

Malcesine am Gardasee

30.10.
Heute hatten wir seit langer Zeit kein Weckerklingeln. Trotzdem sind wir wach wie immer. Ich noch etwas eher, weil um 6.56 Uhr auf meinem Handy eine Nachricht eingeht. Schönen Dank auch.
Astrid’s Fuß ist über der Ferse ziemlich geschwollen. Viel laufen fällt damit aus. Wir entschließen uns deshalb auf die Biennale zu verzichten und doch heute schon abzureisen. Wir verabschieden uns nun endgültig von den restlichen Mitreisenden. In das Navi geben wir Verona als Ziel ein, aber vermeiden Mautstraßen und damit die Autobahn. Über Landstraßen geht es zwar nicht so schnell voran, aber die Fahrt ist interessanter. In einem gut sortierten Aliper-Supermarkt schlagen wir noch einmal so richtig zu. Auf einem Parkplatz machen wir Mittagspause und überlegen uns, wegen Astrid’s Fussproblemen auf Verona zu verzichten und direkt den Gardasee anzusteuern. Eine gute Entscheidung wie wir feststellen, nachdem wir uns über eine landschaftlich sehr schöne Straße über zahlreiche Serpentinen zum FugazzePass hoch schrauben. Zuvor waren wir nördlich an Padova vorbei gefahren und von Schio aus in die Berge gestartet.

Tiefe Schluchten und steil aufragende Felsen begleiten uns bis wir schließlich Rovereto und dann bei Torbole den Gardasee erreichen. In Malcesine, ein Ort in dem wir vor etwa zwanzig Jahren schon einmal waren, suchen wir uns einen Stellplatz. Hier haben wir damals unsere große italienische Kaffeemaschine gekauft, die wir heute noch im Womo nutzen.
Eins muss ich noch anmerken, es ist schon ein komisches Gefühl wenn uns bei 15 % Abfahrt das Auto sagt, dass die Bremsen nicht so richtig funktionieren und wir nicht weiter fahren sollen! Aber wie sagen wir jetzt immer “ Inch’Allah „und wir hatten eine sehr tolle Abfahrt.

Trento

31.10.
Gestern bei der Abfahrt vom Pass hatte zum zweiten Mal auf unserer Tour ein rotes Warnsignal im Display des Womo’s ausgeleuchtet und uns signalisiert, dass zu wenig Bremsflüssigkeit vorhanden sei und ich nicht weiterfahren dürfe, so wie Astrid gestern schon angemerkt hat. Das orange Signal mit der Botschaft den Dieselfilter zu überprüfen begleitete uns schon seit der Türkei. Dies zusammen mit Astrid’s Fussproblemen veranlasst uns hier doch heute schon die Zelte abzubrechen und eine Werkstatt im wenige Kilometer entfernten Arco aufzusuchen, die ich in meiner Fiat-Camper-App auf meinem Smartphon gefunden habe. Ein Fußmarsch in das Zentrum von Malcesine wäre ohnehin zu weit gewesen wie wir feststellen, als wir dort noch eine Runde mit dem Womo drehen. Vielleicht andermal. Wir sind schließlich nicht das letzte Mal in Italien. Wir fahren zur Nordseite des Gardasees und über Riva nach Arco. Wir finden, dank Navi, sofort die Werkstatt. Hier sagt man uns allerdings, es ist 10.45 Uhr, das gleich Mittagspause sei und wir um 14 Uhr wiederkommen sollen. Gleichzeitig sind wir froh, dass wir uns heute auf den Weg gemacht haben, denn morgen ist Feiertag. Was machen wir nun? Wir fahren zurück nach Riva, stellen das Womo auf einen Busparkplatz und schlendern so gut es geht ein wenig durch Riva, nachdem wir uns endgültig entschlossen haben doch bis 14 Uhr zu warten und kein Risiko einzugehen. Weit kommen wir nicht. Ein Drink muss her und ein kleiner Snack. Am Hafen stehen unzählige kleine Segelboote aus vielen Ländern. Vermutlich findet hier eine Regatta statt. Irgendwann ist die Zeit dann doch um und wir fahren wieder zur Werkstatt. Nicht ganz pünktlich öffnet sie wieder und unser Womo wird gleich in die Halle gefahren. Bereits am Vormittag hatte uns die nette deutsch sprechende junge Frau am Service mitgeteilt, dass wohl der Dieselfilter gewechselt werden muss und die Ursache für die rote Lampe auch abgefahrene Bremsbeläge sein könnten. Das müsse nun geprüft werden. Nach einer Stunde frage ich dann mal nach und sie begleitet mich später in die Werkstatt. Alle Räder sind ab und der Dieselfilter ausgebaut. Es war tatsächlich Wasser drin. Die Bremsbeläge sind noch knapp vor der Verschleißgrenze. Mit etwas mehr Bremsflüssigkeit sollte es noch bis nach Hause reichen. Also mit Räder wieder dran und 120 € ärmer verlassen wir halb fünf endlich die Werkstatt. Weit kommen wir heute nicht mehr und Astrid hält im Stellplatzführer schon einmal Ausschau. Trento, eine alte Stadt die in ihrer Geschichte schon fast 800 Jahre Hauptstadt einer Provinz des Heiligen Römischen Reiches war, ist nicht allzu weit und hat kostenfreie Womostellplätze auf einem zentrumsnahen Parkplatz. Wir haben Glück und erwischen den letzten Platz. Das Womo hinter uns geht leer aus und muss den Platz wieder verlassen. Durch eine Eisenbahnunterführung hindurch gelangen wir mitten in das attraktive Zentrum. Zahlreiche Palazzi und ein großer Dom sind hier zu bestaunen. Im Dom befinden sich rechts und links vom Eingang mit Türen verschlossene Beichtkämmerchen die ausnahmslos belegt sind und vor denen Gläubige oder vielleicht besser „arme Sünderlein“ Schlange stehen. Hier sind wohl heute mehrere Geistliche im Sondereinsatz um vor dem morgigen Feiertag, der bei uns Allerheiligen heißt, Vergebung zu gewähren. Ist doch eine prima Einrichtung. Man sündigt, beichtet, bekommt Vergebung und ist frei. Auf ein Neues.


Da es bereits dunkel ist, entschließen wir uns am morgen den Stadtrundgang zu wiederholen. In einem der zahllosen Straßenrestaurants nehmen wir noch einen Drink, bevor wir uns dann zum Womo begeben. Zum Drink werden kleine Weißbrotstücken mit Parmaschinken und Käse, mexikanische Nachos mit scharfer Soße, Kartoffelchips und ein Schälchen Erdnüsse gereicht. Ein echter Ersatz fürs Abendbrot.

von Trento nach Bruneck

01.11.
Um sieben hatten wir das Gefühl, alle Kirchenglocken der Stadt werden gemeinsam geläutet. Wird wohl auch so gewesen sein, denn schließlich ist heute Allerheiligen. Direkt neben einer Kirche würden wir nie wohnen wollen. Wie geplant, gehen wir am Morgen noch einmal in die City von Trento. Vom Womo aus hatten wir bereits die Seilbahn gesehen, die auf den Berg am anderen Ufer der Etsch fährt. Die Aussicht von dort oben wollen wir auch genießen. Leider versteckt sich später der Gipfel im Hochnebel. So beschränken wir uns auf das Stadtzentrum, dass um diese Zeit kaum bevölkert ist. So gut es eben mit Astrids Fuß geht, schlendern wir ein wenig durch die malerischen Straßen und betrachten die schönen Fassaden, die wir gestern nur im Halbdunkel gesehen hatten, bei Sonnenlicht. Auch die Löwen vor dem Dom entdecken wir, die uns gestern entgangen waren. Noch einen Cappuccino am Domplatz, zurück zum Womo und ab Richtung Dolomiten.

Durch die ausgedehnten Weinanbaugebiete des Trentino fahren wir Richtung Bozen und schwenken in Montan rechts ab in die westlichen Wintersportgebiete der Dolomiten. Über Predazzo, Moena und Canazei nähern wir uns über 27 Kehren (Torente) dem Gipfel des Pordoi-Passes auf 2239 m. 8° zeigt das Thermometer. Wir genießen die herrlichen Ausblicke auf die umliegenden Gipfel und auch die Sonne meint es gut mit uns.

Wieder eine Strecke ganz nach unserem Geschmack. Die Wintersportgebiete sind noch verwaist, warten auf den Schnee und den Saisonbeginn. Die meisten Hotels und Restaurants haben noch geschlossen. Fast jeder Hang ist mit Seilbahnen, Sesselliften und Schneekanonen erschlossen. Im Winter steppt hier der Bär. So wie jetzt ist es uns lieber, zumal wir keinen Wintersport treiben. Über 33 Kehren geht es wieder hinab bis nach Arabba, bis dann mit 1880 m der nächste Pass, der Campolongo, vor uns liegt. Von dort geht es beständig umrahmt von hohen Bergen bergab und wir nehmen die letzten 30 km bis Bruneck in Angriff.

Bereits im letzten Herbst waren wir in Bruneck und haben auf Schloss Bruneck das Ripa-Museum vom Reinhold Messner besucht.  Die Stadt hatten wir seinerzeit ausgelassen.

Heute hat uns Astrid einen kostenlosen Stellplatz am Stegener Marktplatz herausgesucht. Er bietet zwar keinerlei Infrastruktur, aber in wenigen Minuten ist das Stadtzentrum erreicht. Wir passieren den Bahnhof, steuern das nächstgelegene Cafè an und genehmigen uns seit langem das erste Stück Torte. Leider wird es schon dunkel, aber das Schloss ist noch gut sichtbar als wir die „Graben“ genannte Hauptachse des Zentrums erreichen, vorbei an der Touristeninfo.  Am Rathausplatz genehmigen wir uns noch einen Drink, bevor wir wieder zum Womo schlendern. Ich glaube wir werden auch noch ein drittes Mal hierher kommen, um mehr von der schönen Stadt zu sehen.

Schlussakkord

02.11.
Heute werden wir Italien verlassen und unseren Sohn und seine Familie in Oberösterreich besuchen, auf der weiteren Fahrt nach Hause dann noch meine Mutter in Sachsen. Das wollen wir zum Anlass nehmen um nach 10.000 km (am Ende werden es 11.000 sein) unsere Reiseberichterstattung über unsere Südosteuropatour und die Türkei – Tour, die wir am 27.08. begonnen haben, abzuschließen. Es war eine wunderbare Tour mit vielen schönen Erfahrungen, Eindrücken und neuen Freunden. Wir bedanken uns für das große Interesse an unseren Erlebnissen und für die vielen netten Grüße und Kommentare auf unserer Homepage. Es hat Spaß gemacht diese zu füllen, auch wenn es mit viel Aufwand verbunden war. Unserer Tochter danken wir dafür, dass sie sich in dieser Zeit um Haus, Hof und unsere Pflanzen gekümmert hat. Wir hoffen es haben einige überlebt. Beiden Kindern danken wir sehr für ihren jeweiligen Anteil am Wohlergehen meiner Mutter während unserer Abwesenheit. Jetzt kehren wir in das kalte und nasse mitteleuropäische Klima mit vielen dunklen Tagen zurück. Eigentlich verrückt, jetzt zurück zu kommen, anstatt im Süden zu überwintern. Das werden wir künftig ändern. Ihr seht also, unsere Reiseplanungen laufen bereits wieder an. Lasst euch überraschen, wohin uns unser Womo dann führen wird. Bis dahin, alles Gute und eine schöne Zeit.
Auch ich möchte euch Tschüß sagen. Wir hatten eine ganz ganz tolle Zeit. Ob es Bulgarien oder Rumänien war, wo die Vorurteile, die man dem Land gegenüber hatte, sich bei weitem nicht bestätigt hatten. Es waren herrliche Landschaften, sehr nette Leute und eine wahre Hilfsbereitschaft. Die Türkei und Griechenland haben uns bestimmt auch nicht zum letzten Mal gesehen! Oft fand ich es schon erschreckend (im positiven Sinne) wie nett, freundlich und hilfsbereit die Menschen waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Deutschen fremden Menschen gegenüber so offen sind und sie einladen an unserem Tisch Platz zu nehmen. Trotz der Sprachprobleme haben wir uns immer sehr gut verstanden. Manchmal hilft schon ein Lächeln.
Jetzt müssen wir aber nach Hause, die Baustellen rufen und Familie und Freunde warten auf erste Lifeberichte. Die Kontakte die wir unterwegs geknüpft hatten, wollen auch gepflegt werden. Ihr seht, wir haben voll zu tun!
Eins muss ich zum Schluss noch los werden. Manchmal ging mir ja das Geschreibsel von Egon jeden Abend auf den Senkel, aber im Nachhinein bin ich ihm doch sehr dankbar dass er sich soviel Mühe machte. Wenn wir uns jetzt über die Reisen unterhalten, weiß ich schon oft nicht mehr wo was war.
Also mach weiter so, aber vielleicht nicht jeden Abend! Küsschen!!

Habt Dank liebe Kinder, wir haben euch ganz doll lieb