Archiv der Kategorie: Von Wien nach Ungarn

ein Tag in Wien

30.08.
Der Tag beginnt wenig spektakulär. Ausschlafen, das erste Mal draußen frühstücken, Wien besichtigen und wieder zurück. Wien kennen wir schon aus früheren Besuchen, deshalb fällt der Aufenthalt im Stadtzentrum relativ kurz aus. Zu einem Mittagsschlaf kommen wir dennoch nicht. Unsere Schweizer Freundinnen reisen an und nach und nach kommen weitere Reiseteilnehmer dazu. Alle recht nett beim ersten Eindruck. Aber bislang stehen auch erst sieben von vermutlich 20 Fahrzeugen hier.
Am Abend zieht es uns nach Grinzing zum Heurigen. Einem Tipp von Einheimischen folgend, die wir im Bus treffen, landen wir im „Feuerwehr-Wagner“, einem der ältesten Weingüter in Grinzing und etwas abseits vom Zentrum, wo nicht zahlreiche Touristenbusse davor stehen. Wir lassen uns belehren, dass beim Heurigen nur die Getränke am Tisch gereicht werden. Essen wählt man am Tresen aus, bezahlt gleich und nimmt es mit zum Tisch. Ein reichhaltiges Angebot lässt jeden etwas finden und der servierte Wein, ein Zweigelt, trägt seinen Anteil zu einem gelungenen, feucht-fröhlichen Abend, bei.
Als wir gegen Mitternacht auf dem Platz eintreffen, herrscht schon überall Ruhe.

und nochmal Wien

31.08.
Wir machen uns nach dem Frühstück nochmals auf ins Zentrum. Mit U2 und U4 landen wir am Schwedenplatz und wollen von hier eine Schiffstour unternehmen. Nach anfänglichem Zögern entscheiden wir uns für die kürzeste der Touren, über 1 1/2 Stunden eine Donaukanaltour. Eigentlich 19 € pro Person, aber es werden noch je 2 € Kraftstoffzuschlag erhoben. Fazit der Tour: sie war das Geld nicht wert. Man kann es auch als Abzocke bezeichnen, es sei denn, man findet viel befahrene Straßen, sowie Industrie- und Verwaltungsbauten am Ufer sehenswert. Einziger Lichtblick ist ein von Friedensreich Hundertwasser gestaltetes Ensemble, aber auch dies ein Industriebau, die Müllverbrennungsanlage von Wien.
17 Uhr erstes Briefing mit unserer Reiseleiterin Renate und ihrem Tourpartner Jamal, die wir bereits vorher herzlich begrüßt haben. Bereits auf unserer Marokko-Tour 2012 waren sie unsere verlässlichen und netten Begleiter.
Erstmals sind jetzt alle Reiseteilnehmer versammelt. Bis wir alle mit Namen kennen werden wohl, trotz Namensschilder, einige Tage vergehen.

von Wien nach Szombathely

01.09.
Heute wollen wir nicht nur Wien, sondern auch Österreich verlassen. Anders als die meisten Mitreisenden, werden wir auf die Benutzung der Autobahn verzichten. Einerseits, weil wir nicht für die letzten 30 km noch eine Vignette kaufen wollen, andererseits, weil wir Autobahn langweilig finden. Wir verlassen deshalb Wien Richtung Schwechat, vorbei am Flughafen, fahren dann zum Neusiedler See und machen in Illmitz noch einmal Halt für einen Cappuccino und ein Eis, bevor wir dann gleich über die ungarische Grenze kommen und nach Fertöd weiter fahren. Das war dann die Alternativstrecke zur empfohlenen Route, auf der der Neusiedler See aber nur bei der Anfahrt zu sehen war. Aber es geht durch schöne Weinorte und Illmitz ist bestimmt auch noch einmal einen Aufenthalt wert. Schloss Esterhazy, das Versailles Ungarns und Bestandteil des Weltkulturerbes der UNESCO, ist jetzt unser Ziel. Hier erwartet uns eine sachkundige und vergnügliche Führung durch das Schloss, welches zu 90% aus EU-Mitteln und 10% aus dem Staatshaushalt Ungarns wieder aufgebaut und restauriert wird.  Zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch ein kleines Jagdschloss, wurde es unter Fürst Nikolaus I. nach dem Vorbild von Versailles in einem Zeitruam von 64 Jahren aufwändig umgebaut. Hier wirkte auch über drei Jahre Joseph Haydn als Hofkomponist und seine „Abschiedssymphonie“, in deren Verlauf ein Musiker nach dem anderen seine Noten zusammenfaltete und die Bühne verließ, wurde hier uraufgeführt.

Meine 200-Forint-Scheine aus einem früheren Aufenthalt in Budapest werden wir am Parkplatz nicht los. Erst bei einem Bäcker in Szombathely erfahren wir, dass sie inzwischen ungültig sind.
Weiter geht’s über sehr wellige aber weitgehend lochfreie Landstraßen zum Tagesziel nach Szombathely, dem antiken Savaria und späteren Stein am Anger. Köszeg lassen wir aus und sehen uns stattdessen die Altstadt von Szombathely an. Die Stadt liegt direkt an der von Kaiser Tiberius (14-37 n. Chr.) begonnenen Bernsteinstraße und verdankt diesem Umstand seine Entwicklung. Sie ist wahrscheinlich die älteste römische Stadtgründung in der römischen  Provinz Pannonien.

Wir sind dann rechtzeitig auf dem Stellplatz um pünktlich um 18 Uhr am Briefing teilzunehmen. 19.30 Uhr ist Abmarsch zum nahen Restaurant zum gemeinsamen Abendessen, gesponsert von der Reiseleitung. Sehr schmackhaft, der Rotwein und der Palinka schmecken auch, angenehme Unterhaltung und am Ende gehören wir wieder zu den Letzten die den Campingplatz erreichen.

 

auf zum Balaton

02.09.
Wir haben uns entschlossen heute völlig abweichend von der vorgeschlagenen Tour zu reisen. Wir wollen lieber hinter Sarvar, wo die Burg eher unspektakulär und das Museum am Montag geschlossen ist, die Route verlassen und in südlicher Richtung weiter fahren und über Sümeg durch den Nationalpark nach Keszthely, der heimlichen Hauptstadt des Balaton. Als wir uns Sümeg nähern erblicken wir eine kugelförmige Erhebung und vermuten zunächst eine Halde. Beim näher kommen entdecken wir aber eine Burganlage auf dem Berg. Wir schlagen im Reiseführer nach, finden allerdings weder den Ort, noch die Burg verzeichnet. Über mehrere Kehren versuchen wir uns zu nähern, was nach einiger Zeit über schmale Straßen auch gelingt. Die Burg ist zwar nicht neu, sie wurde im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt, aber neu restauriert, ebenso wie das umliegende großzügige Gelände, was mittelalterlich anmutet mit Zelten und einer Arena für Reiterspiele und weiteren Anlagen. Alles erst die erste Saison in Betrieb. 

Die Burg ist sehenswert und die Erläuterungen auch in Deutsch. Wir verbringen einige Zeit hier, essen auch gut und preiswert im angeschlossenen Restaurant. Weiter geht es durch einen Nationalpark nach Keszthely, an der Westspitze des Balaton, wo uns zuerst das Festetics-Schloss erwartet. Ein Palast im neobarocken Stil, in dessen Innerem und auf dem weitläufigen Gelände zahlreiche Museen zu finden sind.


Das nächste Ziel ist Tapolca bzw. die in der Nähe liegende Höhle mit einem See, der mit dem Boot befahrbar sein soll. Da eine Adresse dazu nicht zu finden und die Ausschilderung zu wünschen übrig lässt, vertrödeln wir soviel Zeit, dass die Kasse bereits geschlossen hat als wir ankommen. Mittlerweile ist es auch so spät, dass wir nun direkt zum Campingplatz in Balatonfüred fahren. Nach dm Briefing entsagen wir heute allen Ausschweifungen und verbringen den Abend am Platz.

über Szekesvehervar nach Budapest

03.09.
Wir gehören heute zu den Ersten die den Platz verlassen. Frühstück verschieben wir bis zum Besuch der Markthalle am Ort, die wir zunächst ansteuern. Hier lassen wir uns Zeit und studieren in aller Ruhe das Angebot. Fleischer, Bäcker, alles da und ein reichhaltiges Obst- und Gemüseangebot.  Nachdem wir alles, was wir erworben haben, verstaut haben, entschließen wir uns, den erfolglosen Anlauf von gestern, als wir zu spät an der Höhle ankamen, nochmals, jetzt hoffentlich erfolgreich, zu wiederholen. Also 30 km in die zur heutigen Route entgegen gesetzte Richtung und wir haben Glück. Es ist offen, der Andrang hält sich in Grenzen und bald sitzen wir im Boot und befahren den unterirdischen See. Astrid ist für die Fortbewegung zuständig und ich sorge für die Fotos. Die Höhle befindet sich in einem Kalksteinfels ohne Tropfsteine. Das Wasser ist klar und hat 20°. Nur ziemlich eng ist es und bisweilen müssen wir uns im Boot fast flach legen, so niedrig hängt die Decke. Es ist ein schöner Spaß und hat sich gelohnt. 

Wir wenden uns jetzt der Küste des Balaton zu und fahren bis Balatonfüred. Hier ist alles auf Touristen eingestellt, aber man spürt, dass die Saison bereits gelaufen ist.

Von hier geht es ein Stück ins Landesinnere bis nach Veszprem. Wir suchen die Altstadt und finden sie nach einigen Runden und besichtigen die Burg und die übersichtliche aber malerische Altstadt, die sich direkt anschließt.

Das nächste Ziel lautet Szekesfehervar. Auch hier ist die Altstadt sehr sehenswert, wenn man sie denn eingekeilt zwischen neuerer Bebauung dann gefunden hat. Wir haben, und besichtigen wieder einige der zahlreichen Kirchen. Zeit für einen Latte‘ bleibt auch noch.

Aber nun müssen wir uns sputen, bis Budapest sind noch einige Kilometer. Es ist schon dunkel als wir auf dem Platz ankommen und trotz Enge finden wir noch ein Plätzchen. Die Stromversorgung steigt zwar immer mal aus, aber wir sind für alles gewappnet. 

Ein Nachsatz noch zu den bisherigen Tagen: Hier sind auf den Straßen noch jede Menge Trabbis, Wartburgs und IFA W50 aus DDR-Produktion zu sehen.

Budapest den ganzen Tag

04.09.

Heute ist Sightseeing angesagt. Budapest in vollen Zügen.

Wir werden mit dem Bus vom Platz abgeholt und fahren direkt ins Zentrum. Heldenplatz, Gellertberg, Fischerbastei und weitere Highlights stehen auf dem Programm, bevor wir dann mit dem Bus weiter zum 11 km entfernten Szentendre fahren, einem kleinen Ort mit sieben Kirchen,  griechisch-orthodox, die ihr Bestehen aus der Tatsache ableiten,  dass der Ort von griechischen Auswanderern gegründet wurde, die seinerzeit vor den Osmanen geflüchtet waren. Später wurde es ein Künstlerdorf und heute ist es leider nur noch ein Ort in den Touristen mit Bussen gekarrt werden.

Von hier geht es dann mit dem Schiff zurück nach Budapest. Dort wartet bereits der Bus für die Rückfahrt zum Campingplatz. Wir und unsere schweizerischen Freundinnen entschließen uns in der Stadt zu bleiben und noch ein wenig das Nachtleben zu genießen.  Das tun wir auch, essen gut und lassen uns später mit dem Taxi zum Platz bringen.

Tanya Csarda in der Puszta

05.09.
Wir starten beizeiten, weil wir nicht länger schlafen konnten. Über uns scheint die Einflugschneise des Budapester Flughafens zu verlaufen. Ein Glück, dass hier offenbar Nachtflugverbot herrscht. 20 km lang ist unsere erste Etappe bis nach Gödöllő. Unser Ziel ist das Königliche Schloss, welches Königin Elisabeth (Sisi) als beliebter Erholungsort diente. Nach dem 2. Weltkrieg war es dann sowjetische Kaserne, dann Sozialheim und verfiel mehr und mehr. Erst Anfang der 90-iger Jahre wurde mit Renovierungsarbeiten begonnen und seit 1996 kommen Gäste aus aller Welt. Es ist noch nicht alles fertig, aber ein schönes Museum ist zu besichtigen, der Park ist hergerichtet, ein Theater ist vorhanden, aber nur mit Führung zu sehen. Sisi wird in Ungarn sehr verehrt und das spürt man auch.

 

Wir fahren ein Stück zurück Richtung Budapest und dann weiter über die 5 zum Gestüt „Tanya Csarda“ und finden einen sehr schönen Platz auf Rasen unter Bäumen. Hier erwarten uns eine Kutschfahrt über das weitläufige Gelände, eine beeindruckende Reitervorführung und ungarischer Gulasch zum Abendessen. Einige, auch ich, nutzen die Gelegenheit auch selbst einmal aufs Pferd zu steigen und mit der Peitsche gelingt es mir anschließend eine Flasche vom Geländer zu schlagen, was uns eine Flasche Rotwein einbringt. Astrid hatte es vorher auch versucht, die Flasche aber nur leicht berührt, aber ich konnte mich schon mal daran orientieren. Beim Abendessen gab es als Zugabe ungarische traditionelle Musik. Den weiteren Abend haben wir dann mit Freunden und einigen weiteren Flaschen Wein auf dem Platz verbracht.

Über Kecskemet, Opusztaszer und Szeged nach Rumänien

06.09.
Wir verlassen das schöne und gastfreundliche Gestüt, legen die CD mit Musik von den Musikern des gestrigen Abends ein und starten nach Süden Richtung Kecskemet. Immerhin die achtgrößte Stadt Ungarns. Wir finden im Zentrum einen Parkplatz und beginnen unseren Rundgang im Herzen der Stadt, der großen Parkanlage zwischen Freiheitsplatz und Kossuth-Denkmal. Ringsum stehen viele prachtvolle Gebäude, mehrere davon im Jugendstil. Das Rathaus, von dessen Glockenturm dreimal am Tag Melodien erklingen, beherbergt die Touristinformation. Die spätbarocke Hauptkirche mit sehenswerten Wand- und Deckenmalereien steht gleich daneben. Sie wird gerade für das Erntedankfest vorbereitet.

Wir treffen einige der Mitreisenden, trinken gemeinsam einen Cappuccino und verlassen die Stadt über die B5, füllen unterwegs bei Tesco unsere Vorräte auf und erreichen Kiskun-felegyhaza, was wir durchfahren, denn die Zeit wird wieder einmal knapp. Wir müssen uns wohl doch angewöhnen am Morgen früher zu starten. Wir erreichen den Campingplatz in Opusztaszer gegen halb vier, fahren daran wenige Meter vorbei und besuchen den Emlekpark, den Nationalen Historischen Gedenkpark Ungarns, den jeder Ungar gesehen haben muss. Hier versammelten sich 896 die Magyaren, sieben Stammesfürsten unter Führung von Arpad, um das zuvor eroberte Land aufzuteilen. Die sogenannte „Landnahme“. Hier wird die Geschichte Ungarns in einem riesigen Freilichtmuseum dargestellt, es finden Reiterspiele statt und in einer großen Rotunde ist die Landnahme in einem großen Panorama dargestellt, welches anlässlich der 1000-Jahrfeier, dem Millennium geschaffen wurde.

Auch hier bleibt uns zu wenig Zeit, müssen wir doch noch unseren Anteil für das gemeinsame Abendbuffet vorbereiten und unseren Grill bereit machen. Ähnlich wie auf der letztjährigen Marokko-Tour leistet heute jeder seinen Beitrag zum Abendessen mit Salaten und anderen Speisen. Und diejenigen die Grills dabei haben wie wir, stellen diese allen zur Verfügung.

07.09.
Heute kommen wir früher weg, denn wir wollen Szeged, der Universitätsstadt an der Theiß, noch einen Besuch abstatten, bevor wir dann Ungarn verlassen werden. Es lohnt sich. Auch hier viel Grün, prachtvolle Bauten, ein Dom, dessen Malerei beeindruckt und große weitläufige Plätze mit südländischem Charme.

Unser Navi leitet uns zu einer Fähre über die Theiß, aber der Fährmann nimmt uns nicht mit nachdem wir bereits eine viertel Stunde auf ihn gewartet haben und die Fähre eigentlich für Fahrzeuge bis 10 t zugelassen ist. Wir seien zu lang. Also zurück, über die Brücke und auf die 43 Richtung Rumänien. Der Grenzübergang gestaltet sich problemlos. Auf ungarischer Seite einfach durchfahren und bei den Rumänen reicht der Ausweis. Die „Rovinette“ müssen wir noch erwerben, die rumänische Straßenbenutzungsgebühr, und sieben Kilometer hinter der Grenze tauschen wir die ersten Lei an einer Wechselstube. 80 km auf eintöniger Straße nähern wir uns Timisoara, dem früheren Temeschburg im Banater Land wo einst die „Donauschwaben“ siedelten.

Timisoara verfügt ebenfalls über einen barocken Stadtkern und wartet damit auf, dass hier die erste Straßenbahn Rumäniens fuhr, die erste Wasserleitung verlegt und die ersten Gaslaternen aufgestellt wurden. Hier begann auch 1989 die rumänische Revolution.
Die Gebäude hier sind allerdings in weniger gutem Zustand als in Ungarn, obwohl auch dort noch einige auf ihre Renovierung warten. Zu Ungarn generell noch ein paar Worte: Es ist ein schönes und preisgünstiges Reiseland mit Entwicklungspotential. Die Menschen sind nett und hilfsbereit, man sieht keine Graffiti, kaum Hunde und es ist sauber. Wir sind gespannt, was uns Rumänien weiter bieten wird.
Zum Wetter noch: Seit Wien begleitet uns die Sonne, bei 25° und darüber