Durch das „Dorf des Windes“

07.05.2017

Von der Küste weg geht unser Weg wieder ein Stück in das Landesinnere. Weit kommen wir nicht, denn in Irgoli werden wir von einer Straßensperre ausgebremst, weil wir durch die schmale Umleitungsstrecke nicht durchkommen.

Leider hat Egon vergessen zu erwähnen, das ich immer diejenige war, die die schweren Absperrungen zur Seite schleppen musste !!!! Damit nicht genug, dachten doch die Autofahrer hinter uns auch noch durch zu fahren. Aber nicht mit mir !! Nach etlichen Handküssen und ein „Ciao Bella“ lies ich mich erweichen. Ach diese Italiener- die verstehen es schon !!!!!!

So haben wir aber das Vergnügen Reiter auf Pferden zu sehen, die mit diesen bis vor die Kneipe reiten. Wir entschließen uns hier zu stoppen und werden nicht enttäuscht. Vor der Kirche St. Nicola haben sich viele Menschen versammelt, einige davon in schönen Trachten. Wir wissen nicht was hier gefeiert wird, aber die Tatsache, dass später in einem Zug von Reitern, Trachtengruppen, einem Ochsenkarren und weiteren Teilnehmern eine kirchliche Statue transportiert wird, schließen wir daraus, dass es wohl um den heiligen St. Nicola gehen wird. Jedenfalls ein buntes Treiben hier und wir bleiben bis der Tross das Zentrum verlässt.

Bei Lula besuchen wir die malerische Landkirche San Francesco, bei der jedes Jahr vom 1. bis 10. Mai eines der wichtigsten Pilgerfeste Sardiniens stattfindet. Es findet gerade ein Gottesdienst statt als wir ankommen. Pilger sind allerdings nicht zu sehen. Dafür aber die obligatorischen Händler, die immer zur Stelle sind.

Wir fahren weiter nördlich Richtung Bitti. Bevor wir den Ort erreichen schwenken wir Richtung Süden auf gut ausgebauter kurvenreicher Asphaltstraße. Orune, verschrien als die Heimat notorischer Messerstecher und Viehdiebe, mit dem Beinamen „Dorf des Windes“ (es weht auch ein ziemlich starker Wind), ist unser Zwischenziel auf dem Weg zum nuraghischen Brunnenheiligtum „Su Tempiesu“. Durch Orune geht es auf äußerst schmalen Straßen, selbst das Navi hat seine liebe Not und will uns schon über eine Steintreppe weiter führen. Es kommt aber noch besser. Die Zufahrtsstrecke nach „Su Tempiesu“ führt nicht nur wechselnd steil bergan und bergab, sondern es gibt stellenweise kaum bis keine Ausweichmöglichkeiten.

Die letzten 200m haben es dann in sich, steil und auf Schotter. Selbst Schuld, merken wir später. Dieser Abschnitt war für Busse und Camper gesperrt. Dieses Schild haben wir glatt übersehen. Wir werden entsprechend empfangen. Mit der Eintrittskarte in der Tasche geht es dann über einen Naturlehrpfad 900 m steil bergab bis zum Brunnenheiligtum. Unten angekommen, erwartet uns an steilem Hang das um 1200 bis 800 v.Chr. erbaute Pozzo Sacro Su Tempiesu, das einzige Brunnenheiligtum auf Sardinien, dessen oberirdischer Aufbau aus präzise behauenen Trachytblöcken besteht und fast vollständig erhalten ist. Eine gewisse Magie geht von dem Ort aus. Aber die 900 m nach oben müssen auch wieder bewältigt werden.

Wenden auf dem kleinen Parkplatz wird zur artistischen Übung, die wir aber mit gemeinsamer Anstrengung meistern. Die ersten kritischen 200m geht Astrid voraus. Nicht nur extrem schmal ist der Weg, sondern an der linken Seite befindet sich noch ein Graben und oben ist auf beiden Seiten auf die herabhängenden Äste zu achten. Alles geht gut und zurück über Orune geht es Richtung Norden auf gut ausgebauter Straße durch endlose Korkeichenwälder.

Irgendwann reicht es uns, einen Campingplatz erreichen wir heute auf dieser Strecke ohnehin nicht mehr, und wir entschließen uns kurz vor Boddusa an der Nuraghe Loelle, einem idyllischen Platz zwischen Felsbrocken und Korkeichen unseren Übernachtungsplatz einzunehmen. Es dauert nicht lange und wir stehen hier einsam. Selbst Telefon und Internet funktionieren hier nicht.

Hatten wir uns nicht geschworen nie wieder enge Durchfahren zu passieren ?!?! Und dann das ! Erst die sehr schmale Straße zum Brunnenheiligtum „Su Tempiesu“, die war schon riskant so eng und in Serpentinen entlang. Aber die letzten 200 m hatten es in sich 😲

Oben angekommen schlug der Besitzer die Hände über den Kopf zusammen und redete erregt auf uns ein, natürlich auf italienisch !! Verstanden haben wir es trotzdem, das der Weg für Camper und Busse gesperrt ist. Wir hatten das Schild überhaupt nicht gesehen uns bloß gewundert das man solchen Weg frei gibt !! Aber die Schotterpiste wieder runter war noch viel schlimmer. Ich also vornweg und versucht Egon die beste Spur zu zeigen. Letztendlich war alles gut gegangen.

Nun stehen wir hier auf einem einsamen Platz zwischen lauter Korkeichen, fertig mit der Welt und werden hier die Nacht verbringen.