Hattuşa

17.10.
Zunächst einmal ein Dank an die Kommentatoren unserer Website für die guten Wünsche für meine Gesundheit. Auch hier in der Gruppe erkundigen sich ausnahmslos alle nach meiner Gesundheit und wünschen gute Besserung. Am Morgen geht es mir auch besser, endlich hat sich der Magen entspannt nach der Dosierung von Iboprofen, das mir zwar bei meinen Grippesymptomen geholfen hat aber schwer auf den Magen geschlagen ist. Kein Wunder bei so einer Gewaltkur. Aber für sanfte langwierige Maßnahmen fehlt auf so einer Tour die Zeit. Astrid und unserm Doktor Dank für die Fürsorge.
Ich bin jedenfalls soweit hergestellt, dass ich die heutige Tour über 220 km auf ziemlich gerader Strecke in Angriff nehmen kann. Wir starten wieder am Ende der Gruppe, haben aber bis zum 160 km entfernten Baktat-Markt, bis auf die beiden solo fahrenden Männer, alle anderen Fahrzeuge eingeholt. Unsere Fahrt führt heute nach Westen, erst auf einem Teilstück der gestrigen Strecke bis Kirikkale, danach bis zum Nationalpark Hattuşa in Boğazkale, einem weiteren Weltkulturerbe. Auf der Strecke gelingt uns ein Manöver, was dem ehemaligen DDR-Slogan „Überholen ohne Einzuholen“ in perfekter Weise Rechnung getragen hätte. Auf Astrid’s Hinweis nehmen wir eine Abkürzung, die wir gestern schon gesehen hatten und finden uns unvermittelt vor dem Fahrzeug von Heinz und Yvonne, die über viele Kilometer vor uns fuhren. Beim Baktat – Markt treffen sich dann alle wieder. Dieser Markt handelt keine Frischware, sondern nur Abgepacktes und Konserven. Da dieses Unternehmen auch die türkischen Händler in Deutschland beliefert, finden sich auf den meisten Artikeln auch deutsche Beschriftungen, was das Einkaufen ernorm erleichtert. Kurz nach 13 Uhr kommen wir auf unserem Platz am Başkent-Hotel in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ausgrabungsstelle Hattuşa an, was uns Gelegenheit gibt, nochmals kurz die Füße hoch zulegen, denn um 14 Uhr ist Abfahrt zur Besichtigung. Ein Kleinbus steht zur Verfügung, der aber nicht ausreichend Plätze hat, sodass wir gemeinsam mit den Mädels im PKW eines Kurden, wie er uns sagt, mitfahren, der hier sowohl Bürgermeister, als auch unser Führer ist, wie sich dann herausstellt. Er erzählt uns auch von dem Kurdenproblem in der Türkei. Die 20 Mio. Kurden, immerhin mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung der Türkei, werden von lediglich 21 Abgeordneten im Parlament vertreten und Kurdisch ist keine offizielle Sprache und wird deshalb nur in den Familien gesprochen. Während die Kinder in der Schule auch Englisch, Französisch und Deutsch lernen können, gehört Kurdisch nicht dazu.
Die Ausgrabungen im Nationalpark Hattuşa, sind erst vor 105 Jahren von deutschen Archäologen begonnen worden freizulegen. Erst dreißig Prozent sind bis heute freigelegt.
Seit 5000 Jahren ist dieser Ort besiedelt. Erst vom Volk der Hatti, später von den Hethitern, die Hattuşa zu ihrer Hauptstadt machten. Auch die Assyrer betrieben hier mal eine Handelskolonie.
Hattuşa ist eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten ganz Anatoliens, weil hier Tausende von Steintafeln gefunden wurden, die Auskunft über die Kultur der Hethiter gaben. Die Stadt war von einer sieben Kilometer langen Mauer mit mehreren Toren umgeben, von denen das Sphinx-, das Löwen- und eine Rekonstruktion des Königstores zu sehen sind. Reste des großen Tempels der Zitadelle und andere Grundmauern sind ebenso zu bestaunen, wie ein etwa ein einen Kubikmeter großer grüner Stein, dessen Herkunft ungeklärt ist. Aber wenn man seine Hand auf die entsprechenden Vertiefungen legt und sich was wünscht, sollen die Wünsche in Erfüllung gehen. Mal sehen.

Auf dem Rückweg fahren wir noch zum Verkaufsraum einer Kooperative, in der ca. 200 kurdische Frauen Teppiche herstellen, allerdings nicht geknüpft, sondern gewebt u.a. auch aus Kamelwolle, an denen eine Frau je nach Größe bis zu acht Monate arbeitet und die dann hier für bis zu 450 € angeboten werden. Sie werden uns präsentiert, wir haben keine Verwendung dafür, genießen aber den angebotenen Tee.

Astrid schont mich und geht bei einsetzendem Regen allein zum Briefing und anschließendem Abendessen. Ich sitze bei Wasser und Brot im Womo. Der Versuch ein paar Weinbeeren zu essen scheitert kläglich.
Ich glaube, ich habe jetzt doch Lust am Schreiben bekommen! Auf jeden Fall werde ich jetzt öfter meinen „Senf“ dazu geben. Also nochmals zu gestern. Beeindruckend war auch die Tatsache, dass zwischen dem Regierungspalast und dem Mausoleum von Atatürk genau 1923 m liegen. Exakt das Gründungsjahr der Türkei.
So, jetzt muss ich mich um den Kranken kümmern damit wir morgen Safranbolu unsicher machen können. Spaß beiseite, ich hoffe wirklich das er langsam wieder der “ Alte“ wird, denn immer alles alleine zu essen bekommt mir auch nicht so gut.

2 Gedanken zu „Hattuşa“

  1. Danke für die spannenden Berichte aus der Türkei. Gesundheitlich bist Du hoffentlich längst wieder auf dem Damm. Wir wünschen trotzdem und reichlich verspätet gute Besserung. Verspätet weil auch wir noch etwas unterwegs waren – internetfrei sozusagen.

    Falls Dein Magen noch immer so starke Medikamente nehmen musst, empfehle ich zusätzlich einen „Magenschutz“ einzunehmen, z.B. Pantoprazol 20 mg.

    Grüsse aus der Schweiz

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