KdF-Bad Prora

04.07.

Es wird wieder ein heißer Tag werden und wir haben ein volles Programm. Wir satteln die Fahrräder, nehmen Badezeug mit und fahren zunächst durch den Wald, überqueren die Straße nach Binz und suchen die Dokumentationsstelle zur Geschichte des „KdF-Bades“ Prora auf, die unter dem Namen „MACHTUrlaub“ eine beeindruckende Ausstellung bietet. Hier haben wir auch einmal Glück und kommen rechtzeitig zum Beginn der Führung an. An einem Modell werden zunächst der politische Hintergrund, die gigantischen Ausmaße und die Geschichte der Anlage anschaulich erläutert. Die riesige Anlage erstreckt sich über 4,5 km am Prorer Wiek und sollte 20.000 Menschen Platz zur Ertüchtigung und Erholung bieten. Die Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF), eine Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront, die nach Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nazis geschaffen wurde, wollte hier Urlaub für Arbeiterfamilien für acht bis zehn Tage für 2 RM pro Person anbieten. Ab 1936 wurde hier gebaut. Große Empfangshallen, ein riesiger Festplatz für 20.000 Menschen, Schwimmhallen, unterirdischer Busbahnhof und vieles mehr. Nicht alles ist vollendet worden, aber die Bettenhäuser und weitere Gebäude waren bis 1939 rohbaufertig, bis der Weiterbau wegen des Kriegsbeginns eingestellt wurde. Fünf solche Anlagen sollten damals entstehen, aber nur in Prora wurde gebaut. Dies alles waren keine sozialen Wohltaten, sondern dienten dem Zweck, die Bevölkerung physisch und moralisch auf den kommenden Krieg einzustellen.

Nach dem Krieg wurde die Anlage später militärisch genutzt durch KVP und später NVA und auch ich habe hier das erste halbe Jahr meiner NVA-Zeit als Unteroffiziersschüler zugebracht und viele Erinnerungen. Nicht alles erkenne ich wieder, denn die gesamte Umgebung ist durch Bewuchs der Flächen in ihren Strukturen verloren gegangen.

Die Anlage ist im Oktober 1990 an die Bundeswehr übergeben und 1992 geschlossen worden.

Was für uns völlig neu war ist die Tatsache, dass hier über diese Anlage und den nahen Hafen Mukran,der auch Eisenbahnfährhafen mit russischer Breitspur war, fast der gesamte Abtransport der russischen Armee Anfang der 90-iger Jahre nach Russland erfolgte.

Heute befinden sich in der Anlage einige Museen, eine Jugendherberge und am südlichen Ende werden hochpreisige Eigentumswohnungen geschaffen. Nur ein Bettenhaus ist noch Original erhalten. Die übrigen Flächen sind Spekulationsobjekte. Durch die Anlage spazieren tausende Badelustige zum Strand, wahrscheinlich ohne Kenntnis der historischen Dimension dieses Objektes.

Anschließend an die Führung betrachten wir noch eine alte Filmdokumentation und begeben uns dann zum NVA-Museum in einem weiteren Komplex. Hier ist ein Bettenhaus mit all seinen damaligen Einrichtungen zu besichtigen und es kommen Erinnerungen beim betrachten der Schlaf- und Aufenthaltsräume und besonders der gefliesten Flure, die wir häufig schruppen mussten.

Der Gründer des Museums
Der Gründer des Museums

k-20150704_165042

 

Von den zahlreichen weiteren Museen, besuchen wir noch die „DDR-Motoradwelt“ und erkennen die alten Maschinen wieder, die wir teilweise selbst gefahren haben.

 

Der Tag ist so gut wie vorbei und wir haben nicht gebadet. Am Hundestrand, der sich direkt bei dem Museum befindet, war es auch nicht gerade einladend dazu.

2 Gedanken zu „KdF-Bad Prora“

  1. Ich lese nur, das ihr eine Rundfahrt, Spaziergang etc. nach dem anderen macht. Wann seid ihr dann mal ins Wasser gegangen, wenn man schon mal bei solch herlichem Wetter an der Ostsee ist.
    So, ich werde mich mal schick machen, und dann das tolle Wetter am Bahnhof genießen, das ist kein Neid, ich „gönne“ es euch! Heul, heul….

Kommentare sind geschlossen.