Kloster und Märchenschloß in Sinaia und Stadtführung in Bukarest

12.09.
Heute geht es in die Hauptstadt nach Bukarest. Wir nehmen dazu die empfohlene Strecke, denn die Alternativstrecke hatten wir bereits vorgestern absolviert, als wir die üble Querverbindung hinter uns gelassen hatten. Diese Strecke, die nur wir bewältigt hatten, haben wir heute Anderen wegen der landschaftlichen Schönheit zur Nachahmung empfohlen. Allerdings ahnten wir da noch nicht, dass die heutige Strecke noch schöner ist und wir uns fast wie in der Schweiz fühlten. Viele herausgeputzte und auf Tourismus eingestellte Orte vor malerischer Bergkulisse auf 1200m. Und selbst die Straßen sind hier gut.
Unser Zwischenziel ist Sinaia und das dort befindliche Schloss Peleş. Sinaia zu finden ist nicht so schwierig, aber die Zufahrt zum Schloss. Alle Zufahrtsstraßen die wir ansteuern sind gesperrt wegen Bauarbeiten. Astrid will schon aufgeben, aber der Hinweis im Reiseführer, dies sei das schönste Schloss Rumäniens, entfacht meinen Ehrgeiz. Zufällig treffen wir noch ein Paar aus unserer Gruppe, das uns auf einen Parkplatz hinweist von dem aus wir den Aufstieg zu Fuß in Angriff nehmen. Nur 930m bergauf sagt mein Smartphon, dass ich mit Sygic seit einigen Tagen zum navigieren nutze. Das im Womo eingebaute Navi deckt Rumänien nur unzureichend ab, während Sygic nahezu jeden Feldweg kennt. Am Ende gehören wir zu den Wenigen, die das Schloss besucht haben und das sich tatsächlich als ein sehr schönes, üppig ausgestattetes und fast märchenhaftes Schloss erweist. Zuvor entdecken wir noch ein schönes Kloster und investieren hier Eintrittsgeld für einen lohnenden Besuch. Das Kloster Sinaia ist sehenswert und beherbergt heute ein Museum für religiöse Kultur.

Nur ein kurzer Weg an obligatorischen Verkaufsständen vorbei führt uns dann zum eigentlichen Ziel. Für das Schloss was sich unserem Anblick bietet, wurde 1875 unter König Karl I. der Grundstein gelegt. Im Stil der italienischen Neorenaissance erbaut, verfügte es bereits um 1900 über eine Zentralheizung, Aufzüge und Telefon. Über ein eigenes Elektrizitätswerk war es möglich das Glasdach elektrisch zu öffnen. In diesem Schloss fand im eigenen Theatersaal 1906 die erste Filmvorführung Rumäniens statt. Es ist mit edlen Materialien sehr abwechslungsreich und fast schon überladen ausgestattet. Ein richtiges Märchenschloss eben, dass seit 1989 als Museum zugänglich ist. Der Besuch ist nur im Rahmen einer Führung möglich, leider nicht auf Deutsch. Aber es lohnt sich allemal, was die vielen Bilder die ich hier geschossen habe belegen.

Wir nähern uns Bukarest bei 30° und mit ungewohnten 100 km/h auf gut ausgebauter Straße und sind gespannt, ob uns hier tatsächlich rudelweise aggressive Hunde erwarten. Dazu gab es gestern Abend ein Erlebnis, wie bei der sog. „stillen Post“. Ein Mitreisender wusste zu berichten, dass das Auswärtige Amt eine Reisewarnung heraus gegeben habe für Bukarest, wegen der großen Zahl streunender Hunde. Tatsächlich lag dem zugrunde, dass in der deutschen Zeitung für Siebenbürgen, die ich auch gelesen hatte ein Artikel stand, dass in Bukarest über 60.000 herrenlose Hunde umher streunen, die tatsächlich in Rudeln einzelne Personen angefallen hätten, wobei es auch Todesfälle gegeben haben soll. Auf jeden Fall schlimm genug.
Am Abend auf dem Campingplatz entschließen wir uns das nahegelegene Restaurant aufzusuchen. Nach dem Essen werden wir hier von Regen und Gewitter überrascht und ich muss zum Platz joggen, weil die Dachfenster am Womo offen stehen. Mit Schirmen bewaffnet kehre ich zurück und erhalte dafür große Anerkennung obwohl wir sie am Ende nicht mehr brauchen. Allerdings bin ich ziemlich nass geworden.

13.09.
Stadtbesichtigung von Bukarest steht auf dem Programm. Mit dem Bus und zu Fuß erkunden wir, begleitet von einer sehr kundigen Stadtführerin die Hauptstadt mit ihren vielen stark renovierungsbedürftigen Bauten und den Prunk- und Protzbauten der Ceauşescu-Zeit. Das Parlamentsgebäude erschlägt einen förmlich in seinen Dimensionen. Wir besichtigen den Palast mit einer jungen Führerin, die uns die weitläufige Anlage sachkundig erläutert. Am Ende, so sagt sie, haben wir gerade mal 2% des Gebäudes gesehen.

 

 

Vieles in der Stadt wirkt grau, man erkennt aber die schlummernde Bausubstanz und in anderen Bereichen pulsiert das Leben. Zahlreiche Bausünden sind hier begangen worden, auch in der Zeit nach 1989 und die Stadt erstickt an ihrem Verkehr, obwohl auffällt, dass so gut wie keine alten Autos unterwegs sind. Der Personenkult aus der Ceauşescu-Ära ist allgegenwärtig und prägt das Stadtbild. Aber die Stadt hat Potential.