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Ballonfahrt, Göreme und Derwische

14.10.
4.59 schaue ich auf die Uhr und um fünf meldet sich Astrid’s Wecker auf ihrem Smartphon. Eigentlich brauche ich keinen Wecker. Wenn ich weiß ich muss zu einer bestimmten Zeit aufstehen, dann bin ich auch zur rechten Zeit wach. Aber sicher ist sicher. Die Zeit reicht zum Frischmachen, für einen Espresso und einen Keks, dann müssen wir auch schon zum Shuttle, das uns zum Treffpunkt für unsere Ballonfahrt bringt. In dem Vorraum geht es ein wenig chaotisch zu, aber es gibt kostenlos Getränke und Gebäck. Hunderte Menschen unterschiedlicher Nationalitäten tummeln sich hier. Es dauert ein wenig bis wir aufgerufen werden. Die meisten Anderen sind bereits auf dem freien Feld, wo die Ballons zunächst mittels Gebläse mit Luft gefüllt werden. Die dunkle Nacht geht allmählich in die Morgendämmerung über und die nun gezündeten Gasflammen zum Aufrichten der Ballons liefern ein farbenfreudiges Bild. Über eine Trittleiter besteigen wir den in 4 Abschnitte unterteilten Ballon. Etwa 20 Personen sind an Bord. Nach kurzer Einweisung für den Fall einer etwas unsanfteren Landung hebt unser Ballon im Reigen mit fast einhundert anderen langsam vom Boden ab. Ein fantastisches Bild. Sanft schweben wir über die bizarre Landschaft Kappadokiens, bis wir später bis auf 950 m steigen. Man kann sich kaum satt sehen an den verschiedenfarbigen Ballons und der schönen Landschaft in der aufgehenden Morgensonne. Kurz nach acht ist die schöne Fahrt vorbei und wir machen eine Punktlandung direkt auf dem Transportanhänger für den Korb. Relativ schnell fällt der Ballon in sich zusammen, wird verpackt und wir können den Korb verlassen. Ein Stück Kuchen und ein Glas Sekt beschließen das Erlebnis, bevor noch die obligatorischen Urkunden ausgehändigt werden.

Nach kurzer Fahrt sind wir zurück am Camp und feiern das Erlebnis, noch voll Adrenalin, mit einem Glas Sekt. Vor unserem Womo nehmen wir anschließend ein ausgiebiges Frühstück zu uns und lassen nun den Tag ruhig weiter anlaufen.
Gegen Mittag machen wir uns mit der Nachbarbesatzung auf den Weg in das Freiluftmuseum in Göreme. Hier sind viele Touristen unterwegs in den zahlreichen im Fels befindlichen Kirchen. Man könnte fast meinen, sie seien für einen Freizeitpark extra angelegt worden. Fotografieren ist in den Kirchen nicht erlaubt. Kein Vergleich zu dem Erlebnis von gestern. Wir halten uns deshalb nicht sehr lange auf und marschieren die steile Strecke zum Camp wieder nach oben auf die Ebene und gönnen uns anschließend ein wenig Ruhe.

Am Abend ist Folklore angesagt. Erst fahren wir in ein Hotel zum Abendessen. Gemeinsam mit zahlreichen Hotelgästen bedienen wir uns am gut sortierten Buffet. Es ist alles zu haben und wird auch sofort aufgefüllt. Trotzdem ist diese Massenabfertigung so nicht nach unserem Geschmack. Anschließend geht die Fahrt mit unserem Dolmuš zu einer Karawanserei. Hier nehmen wir an einer Zeremonie der Derwische teil. Gemessenen Schrittes marschieren sie ein, es folgt der Gesang eines einzelnen Derwischs, bis dann zunächst verhalten, später stärker Musik von Flöte, Zupfinstrument und Trommel einsetzt. Die Derwische erheben sich, gehen mit verhaltenen Drehungen langsam im Kreis, bis sie sich später schneller drehen. Dieses schnelle Drehen wiederholt sich viermal, daran schließen sich Gebete an, bis die Zeremonie dann ihren Abschluss findet. Durch den Tanz und die Tanzhaltung wird die Verbindung zwischen Erde und Allah symbolisiert. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass der Tanz und die Musik die Derwische in Trance versetzen. Wir hatten eher den Eindruck, die Zuschauer verfallen in Trance. Uns gegenüber ist zumindest einer schon eingeschlafen und ich bin auch müde.
Im Innenhof der Karawanserei läuft zum Abschluss eine Multivisionsshow über Kappadokien und es wird Tee angeboten.