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Troja und Assos

03.10.
Tag der deutschen Einheit.

Aber daran denken wir nicht als wir am Morgen aufwachen. 

Gestern Abend musste ich noch einmal das Womo verlassen. Es wurde einfach zu stürmisch und die Wäsche war in Gefahr. Also im Dunkeln alles abnehmen und das Zubehör wieder verstauen. Gar nicht so einfach, wenn man auch noch die Tür festhalten muss damit sie nicht ans Nachbarfahrzeug schlägt.
Zu der Halbinsel Gallipoli von gestern noch ein Nachsatz: Hier fand im 1. Weltkrieg eine entscheidende Schlacht zwischen den Alliierten und den mit Deutschland verbündeten Türken statt, bei der sich General Kamal, der spätere Atatürk, entscheidend hervorgetan hat. Diese Schlacht gilt als Gründungstag der modernen Türkei.

Die Nacht verlief ruhig, wir haben gut geschlafen, wir hatten auch die Bettdecken wieder eingezogen, und am Morgen habe ich die Heizung angemacht. Da waren 13° im Womo. Um viertel nach sieben war die Nacht vorbei, denn eine Stunde später war bereits Abmarsch zur nur 500m entfernten Ausgrabungsstelle von Troja. Hakan, unser türkischer Führer, hat uns sehr sachkundig über das Gelände geleitet und uns mit seinem Wissen beeindruckt. Insbesondere seine detaillierten Kenntnisse über Homer, dessen Illias und Odysseus, aber selbst Schiller haben uns beeindruckt. Da müssen wir erst in die Türkei reisen um so etwas zu hören. Schon beschämend und Ansporn zugleich, sich doch einmal näher damit auseinander zu setzen. Eineinhalb Stunden dauert die interessante Führung, aber wir wünschen doch das Ende herbei weil es einfach saukalt und ziemlich windig ist.

Nach einem heißen Tee am Platz starten wir bald und nehmen zunächst die Mädels ins Schlepptau, weil sie darum gebeten haben. Als wir jedoch nach Assos abzweigen, verlassen sie uns. Schade eigentlich, denn der Abstecher hat sich gelohnt. Assos liegt auf einem Berg mit herrlicher Aussicht auf die Ägäis. Der Ort galt in der Antike als der schönste Ort Kleinasiens. Aristoteles hat hier eine Philosophenschule gegründet und Apostel Paulus soll hier auf seiner dritten Pilgerreise durchgekommen sein. Steile grob gepflasterte Straßen führen zur Zitadelle und der Moschee und von der Akropolis sind noch einige Säulen erhalten. An den steilen Straßen befinden sich viele Verkaufsstände, von denen die meisten allerdings jetzt, außerhalb der Saison, nicht mehr betrieben werden.
Wir essen in einem urigen Restaurant noch gut türkisch zu Mittag, während an einem Tisch im Gartengeschoss drei Männer gemeinsam Wasserpfeife rauchen.
Ein Abstecher noch zu der osmanischen Brücke am Stadtrand, dann geht es weiter.

Wir fahren aber nicht die 18 km zur Fernstraße zurück,  sondern wenden uns zur Küste. Eine malerische Straße durch Olivenhaine, wenige Meter von der Küste, an der sich zahlreiche Restaurants, Campingplätze und Hotelanlagen befinden. Sehr schön hier, mit Blick über das Meer bis nach Griechenland.

Nach etwa 20 km landen wir wieder auf der langweiligen Schnellstraße, die wir aber für eine Weiterfahrt durch das Hinterland bald wieder verlassen wollen. Leider verpassen wir die Ausfahrt und müssen der Fernstraße dann doch bis Bergama (Pergamon) folgen, unserem Ausflugsziel für Morgen.
Am Abend findet ein gemeinsames Abendessen statt mit typisch türkischer Küche. Sehr schmackhaft und Gelegenheit sich wieder näher zu kommen.

Bergama ( Pergamon )

04.10.
Heute Morgen geht es schon wieder so früh raus. Viertel nach acht fährt der Bus zur großen Akropolis. Er braucht nur etwa 15 Minuten durch Bergama und mit Fahrstuhl und Seilbahn sind wir in weiteren 5 Minuten an der Akropolis. Diese ist eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten der Türkei, gelegen auf einem Hügel über der Stadt. Vom 8. Jh. vor Chr. an siedelten hier Griechen, später regierten hier Generäle Alexanders des Großen. Attalos der III. übergab das Königreich an Rom und Pergamon wurde Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Pergamon, heute Bergama, war ein bedeutendes Zentrum der Wissenschaft. Wir sehen den Trajan-Tempel, Reste der Stadtmauer, Ruinen der Bibliothek, eine der größten der Antike, den Zeus-Altar, das im 3.Jh. vor Chr. erbaute Theater mit Platz für 10.000 Zuschauer und den Sockel des Pergamon-Altars. Der Altar selbst steht bekanntermaßen in Berlin. Erneut haben wir einen sehr sachkundigen einheimischen Führer der sehr ausführlich auf die Geschichte, die historischen Zusammenhänge, aber auch die Bezüge zur Mythologie, eingeht. Von Vorteil ist auch, dass wir sehr früh dran sind und die Akropolis nahezu ungestört auf uns wirken lassen können.

Wieder zurück mit dem Bus zum Camp erledigen wir noch das Nötigste und starten dann aber doch als Letzte vor der Reiseleitung. Wir folgen der E 87 bis Izmir und wollen hier die Alternativstrecke Richtung Çesme nehmen statt der Autobahn. Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei und wohl am meisten westlich geprägt. Eine moderne und pulsierende Stadt mit einer einzigartigen Lage am Meer.

Wir finden die Strecke nach Çesme, aber weil ich im Kreisverkehr die falsche Ausfahrt nehme, müssen wir doch 5 km Autobahn in Kauf nehmen bevor wir auf reizvoller Strecke quer über die Berge von einer Seite auf die andere der vorgelagerten Halbinsel fahren. Eine Landschaft sehr karg und ohne nennenswerten Baumbewuchs, bis sich eine fruchtbare Ebene auftut, in der Zitrusfrüchte, Oliven, Zucchini und anderes angebaut wird. Über eine weitere Bergkette gelangen wir dann wieder an die Küste und genießen den herrlichen Panoramablick. Durch zahlreiche Touristenorte nähern wir uns Selçuk und erreichen kurz davor unseren Campingplatz direkt am Strand. Nachdem ich geduscht und Astrid mir die Haare geschnitten hat, genießen wir mit einem Glas Wein den Sonnenuntergang.