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Auf nach Istanbul

19.10.
Die ganze Nacht Regen und ich friere und schwitze wieder im Wechsel. Ganz so gut ist es also doch noch nicht mit mir, aber die Magenprobleme gehören der Vergangenheit an. Bei dem vielen Regen hatten wir schon Sorge ob der Hang hält auf dessen Terrassen wir stehen. Heute steht mit 420 km bis nach Istanbul die längste Etappe der Tour an. Wir fahren nochmals durch Safranbolu hindurch, was heute einen wesentlich ruhigeren Eindruck macht, dann auf gut ausgebaute Landstraße und schließlich auf die Autobahn, die uns bis nach Istanbul führen wird. Hier erleben wir unser blaues Wunder. Die Autobahn ist übervoll, alles Rückkehrer vom Besuch bei den Verwandten zum Opferfest nach Istanbul und Umgebung. Nicht nur die drei Fahrspuren sind belegt, nein auch der Standstreifen wird fleißig genutzt. Dabei wird kreuz und quer gewechselt, sowohl links als auch rechts überholt und auch mal noch zwischen zwei Fahrspuren gedrängt. An Raststätten, deren Einfahrt dicht scheint, wird vorbei gefahren um dann zur Ausfahrt hinein sein Glück zu versuchen. Wir haben nur die Chance uns diesem Fahrverhalten anzupassen. Ich fahre deshalb genau so und überhole eben auch rechts, wenn das ein schnelleres Vorwärtskommen verspricht. Dabei überhole ich die meisten Türken, deren Autos am Berg förmlich verhungern. Nicht nur, weil sie meist überladen, sondern in der Mehrzahl der Fälle vermutlich etwas untermotorisiert sind. Auf einer Raststätte gönnen wir uns in der Ausfahrt auch eine Pause, essen eine Kleinigkeit und schlafen eine Stunde. Eine ganz schöne Leistung bei dem Lärm ringsum. Die Autobahn führt uns in Istanbul direkt auf die große Hängebrücke, ähnlich der Golden Gate, über den Bosporus und damit uns von Asien zurück nach Europa. Istanbul, die 12,5 Mio.-Stadt, manche sprechen auch von 14 Mio., macht bei der Einfahrt einen sehr modernen, aufgeräumten und sauberen Eindruck. Im Inneren herrscht Trubel auf und neben den Straßen. Wir quälen uns durch den Verkehr und überqueren auf der Galatabrücke das „Goldene Horn“. Am Pier, unweit der Straße, liegen drei große Kreuzfahrtschiffe. Immer an der Uferkante des Marmarameeres entlang erreichen wir unseren Platz am Leuchtturm, direkt unterhalb der Blauen Moschee und deshalb hervorragend gelegen. Aber es ist eben nur ein ziemlich stark frequentierter Parkplatz und wir parken deshalb am Abend noch dreimal um, bis wir mit unserem Standort einigermaßen zufrieden sind.

Einen Campingplatz gibt es im Umkreis von weniger als 70 km nicht. Zuvor haben wir mit neun weiteren Mitreisenden in einem nahen Fischrestaurant hervorragend gespeist. Lecker Vorspeise mit Salat und sehr guter Olivenpaste und danach eine sehr gut gewürzte Fischplatte. Ich hatte zum ersten Mal wieder richtig Appetit und habe ordentlich gegessen. Ich hoffe es bekommt mir so gut wie es geschmeckt hat.

Ich sage euch, fahrt einmal mit den Türken Autobahn wenn alle nach Hause wollen!! Ein Sonntagskrimi parexelence. Die Warnblinkleuchten werden angeschaltet um einen zu sagen “ hier fahre ich „. Die Polizei regelt auf den Raststätten die Parkbuchten und ansonsten fährt wirklich jeder wie er will! Und mein Egon immer mittendrin, da fühlte er sich wieder wohl. Sehr viele Unfälle, wobei sie dann meistens alles unter sich regeln, wie man uns sagte. Am Abend waren wir alle ganz schön fertig, aber zum Essen gehen hatte es noch gereicht!!!

Istanbul zum Ersten

20.10.
Die Nacht war ok, wir haben beide gut geschlafen, es hat nicht geregnet und ich habe weder geschwitzt, noch gefroren. Der Tag konnte also beginnen. Istanbul, die Stadt zwischen den Kontinenten, die 12,5 Mio. Stadt, von der unser heutiger Führer sagt, sie habe mittlerweile fast 14 Mio. Einwohner. Na gut, kommt nicht so drauf an. Wir werden nicht nachzählen. Zu Fuß gehen wir den Hügel hinauf zur nahe gelegenen „Blauen Moschee“, die nicht wegen der Ansicht von außen, sondern wegen der blauen Kacheln im Inneren diesen Namen trägt. Erbaut von 1609-1616 unter Sultan Ahmed I., dessen Namen auch der Stadtteil trägt, geriet sie damals in die Kritik, weil 6 Minarette als anmaßend gegenüber Mekka empfunden wurden. Leider befindet sich im Inneren gerade ein Gerüst für Restaurierungsarbeiten, was den Gesamteindruck aber nur unwesentlich schmälert. Die riesigen Dimensionen beeindrucken uns.

Vor der „Blauen Moschee “ befindet sich das Hippodrom, ein Stadion, das über Tausend Jahre das Stadtbild prägte. Nur die in der Mittelachse aufgereihten Monumente stehen noch.

Nur 400m weiter erreichen wir die weltberühmte Hagia Sophia. Über 1400 Jahre alt, ist sie ein bedeutendes Denkmal byzantinischer Baukunst. Heute dient es ausschließlich als Museum. In 56m Höhe überspannt die mächtige Kuppel das Hauptschiff. Die Kirche ist mit herrlichen Mosaiken ausgestattet und sollte ein irdischer Spiegel des Himmels sein. Man fühlt sich tatsächlich der Gegenwart ein wenig entrückt.

Nach einer kurzen Mittagspause begeben wir uns auf eine zweistündige Bootsfahrt auf dem Bosporus. In stiller Minute kommt uns das alles hier schon ein wenig unwirklich vor. Wir auf dem Bosporus, wer hätte das vor 25 Jahren gedacht, dass wir einmal hier sein würden und dazu noch angereist mit dem eigenen Womo. Wir genießen die Aussichten sowohl auf die europäische, als auch die asiatische Seite auf der Fahrt Richtung Schwarzes Meer. Wer hier Wohnraum erwerben will, muss etwa 18.000 US $/qm hinlegen. Abramowitsch, der russische Chef vom britischen Fußballclub Chelsea, hat hier gerade einen Komplex für 140 Mio. gekauft. Etliche Hotels befinden sich insbesondere am europäischen Ufer, sowie beiderseits alte Paläste und viele, viele schöne Häuser. Geplant ist, den Warenverkehr mit großen Schiffen ganz aus dem Bosporus zu verbannen und dafür einen neuen Kanal zu bauen. Das passt auch zu dem riesigen Investitionsprogramm der Regierung in Höhe von 500 Mrd. US $, für die städtebauliche Erneuerung in der gesamten Türkei.