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Albanien – Ankunft und Abschied

11.09.

Gestern Abend hatten wir die Markise draußen gelassen. Das Wetter machte den Eindruck, dass keinerlei Ungemach droht. Gegen ein Uhr werde ich allerdings von Donnergrollen geweckt. Also raus, Markise eingefahren und Möbel weggeräumt, in die Heckgarage unmittelbar unter Astrid’s Bett. Mitbekommen hat sie davon nichts. Sie schläft wie in Abrahams Schoß. Man könnte ihr glatt das Womo unter dem Hintern weg klauen. Es setzt wenig später Regen ein der bis zum Morgen anhält.

Nach Müsli zum Frühstück und sonstigen Geschäften stellen wir fest, dass das Toilettenproblem doch nicht gelöst ist. Wieder findet sich Flüssigkeit im Gehäuse, welches die Kassette umgibt. Und wieder rätseln wir, wie sie wohl dahin kommt. Die Kassette ist dicht, dass hatte ich ausreichend getestet und der Schieber schließt auch. Bleibt nur diese ominöse Dichtung am Stutzen der Schüssel, deren Funktion ich nicht richtig zuordnen kann. Die muss es sein. Ich versuche erfolglos die Fa. Dometic in Deutschland zu erreichen, aber es geht eine Nachricht auf meinem Handy ein. Mein Datenvolumen sei erschöpft und in der nächsten Meldung wird mir mitgeteilt, dass erneut, nach gestern, wiederum 30 € von meinem Konto gebucht werden. Der Grund ist bald erkannt. Von meinem EU-Internetpaket von Aldi-Talk ist kein MB verbraucht. Ich konnte zwar buchen, aber in Montenegro nichts verbrauchen. Eben nicht EU. Allerdings in der Schweiz funktioniert es, obwohl ebenfalls nicht EU. Auf jeden Fall ist damit klar, mein Datenverbrauch ist über Roaming abgerechnet worden. Jetzt aber mein geringstes Problem. Wir rufen Mandy an. Und da es ihr wieder besser geht, nach einer vermuteten Gallenkolik, behelligen wir sie mit der Bitte, doch ihrerseits bei Dometic anzurufen und nach einem hier ansässigen Service-Partner zu fragen. Während wir auf den Rückruf warten kommt mir eine Idee zu der ominösen Dichtung. Ich komme dahinter, dass Kloschüssel und Gehäuse offenbar durch diese Dichtung voneinander getrennt sind und dort das Problem liegt. Denn ziemlich unförmig schaut diese aus.

Wir entschließen uns ohne erfolgtem Rückruf von Mandy, sie hatte mitgeteilt, dass sie noch auf Nachricht wartet, den Platz noch vor Mittag zu verlassen um nicht für einen weiteren Tag zu zahlen und fahren Richtung Hauptstadt Podgorica. Erstens scheint uns die Chance auf Hilfe dort größer und zweitens müssen wir ohnehin da lang, unabhängig ob wir nun die Albanientour wie geplant absolvieren, oder aber direkt zur Fähre nach Durres fahren. Die Strecke ist nicht lang, aber wieder müssen wir auf kurvenreicher Strecke über die Berge und oben herrscht dichter Nebel. Wir kommen hier in eine Weinregion wie uns zahlreiche Hinweise auf Weingüter deutlich machen. Der Hunger macht sich allmählich bemerkbar und wir machen Halt hinter der Brücke über den Shkodra-See. Er gilt mit 500 qkm als der größte See des Balkans und ist bis zu 90m tief. Während die Westseite zu Montenegro gehört, befindet sich auf der Ostseite Albanien. Skhodra-SeeDer See ist Nationalpark und im Restaurant an der Verwaltung, bei der sich auch ein Weinshop im Fels verbirgt, essen wir gut, preiswert und reichlich zu Mittag. Mein Nagushki-Steak bringt 300g auf die Waage. Hier erreicht uns auch von Mandy die wenig erfreuliche Botschaft, dass weder in Kroatien, noch in Montenegro und erst recht nicht in Albanien Service-Partner von Dometic ansässig sind. Soviel zu europaweiter Vertretung wie es im Serviceheft heißt. Wir entschließen uns deshalb schweren Herzens hier einen Schnitt zu machen. Wir werden das Albanienabenteuer abbrechen. Meine Idee, die Dichtung mit einem Panzerband zu bekleben und so eventuell das Problem zu lösen, scheint uns zu unsicher. Zum Anderen bin ich und sind es vermutlich die Leser auch allmählich leid, immer wieder von der Toilette schreiben bzw. lesen zu müssen. In Italien gibt es jedenfalls ausreichend Service-Stellen und damit sollte das Thema dann der Vergangenheit angehören. Eine Lehre gibt es aber. In das Womo gehört ein kompletter Satz Dichtungen. Wir mögen uns gar nicht ausmalen was wäre, wenn uns so ein Problem auf unserer geplanten mehrmonatigen Afrikatour passiert. Also jetzt Schluss mit Toilette. Allenfalls noch eine Erfolgsmeldung aus Italien und das wars dann damit.

Wir fahren deshalb nicht nach Podgorica, sondern zurück und auf direktem Wege nach Albanien und zur Fähre nach Durres um dann nach Bari zu kommen. Die Umsetzung ist weniger einfach. Trotz der Eingabe im Navi, in kürzester Zeit und nicht auf kürzester Strecke, was meist Nebenstrecken bedeutet, die Fahrt aufzunehmen, geleitet uns das Navi direkt hinter der Brücke auf steiler schmaler Straße bergan. Was zunächst ganz interessant erscheint, mit herrlichem Blick auf den See mit seinen riesigen Flächen voller Wasserpflanzen, entpuppt sich als wahres halsbrecherisches Abenteuer. Die ziemlich unebene Straße wird zusehends schmaler. Keine Chance auf Überholvorgänge und Gegenverkehr. Zudem schmiegt sie sich ganz eng an die steilen Berge mit Abgründen die uns erschauern lassen. Ich bitte Astrid doch mal zu filmen, aber immer wenn es besonders kitzlig wird, umklammert sie zwar fest den Camcorder und was sich sonst noch bietet, aber sie filmt nicht. Die wenigen Bilder geben die Dramatik nicht ansatzweise wieder.

Also Empfehlung an alle Leser: selbst mal da lang fahren. Es schockt uns schon als uns das Navi sagt, dass wir der Straße 18 km folgen sollen, aber als diese vorbei sind kommt nicht etwa Erlösung, nein nur ein unbedeutender Abzweig und es geht so weiter bis wir schließlich 50 km hinter uns haben. Nicht erst jetzt ist uns klar, wieso kurz hinter dem Einstieg in die Strecke uns ein Einheimischer anerkennend den erhobenen Daumen entgegen streckte. Verschiedene Male begeneten uns unterwegs andere Fahrzeuge und es wurde bis auf wenige Zentimeter oft ziemlich eng. Die Einheimischen reagierten vernünftig. Sie setzen zurück bis zu einer geeigneten Stelle um zu passieren. Ausländer waren oft nicht so kompromissbereit und wie in einem Fall wohl auch überfordert ihr Fahrzeug rückwärts zu fahren.

Wir nähern uns am Ende eines Bergrückens schon unmittelbar der albanischen Grenze aber die Straße knickt ab und führt an der anderen Seite wieder zurück bis wir endlich eine vernünftige Landstraße erreichen. Noch nicht gut ausgebaut, aber wohltuend im Vergleich zu vorher. Wir kommen durch kleine Ansiedlungen, in denen nur Männer in den Cafés sitzen und uns ungläubig nachschauen und erblicken Richtung Albanien die erste Moschee. In Vladimir erreichen wir die SH41, tanken für 1,24 €/l und trinken noch einen Kaffee bevor wir bei Sukobin die albanische Grenze erreichen. Die Grenzabfertigung verläuft problemlos. Nur einmal müssen wir die Papiere zeigen. Kein Ausreisestempel. Immer wieder tauchen Minarette am Straßenrand auf. Ein deutlicher Hinweis, dass wir in einem anderen Kulturkreis angekommen sind. Ein Restaurant nach dem anderen und dazwischen viele kleine Geschäfte reihen sich an der Straße auf. Hier lebt man offenbar vom touristischen Durchgangsverkehr über Albanien nach Griechenland. Wir nähern uns Shkoder, zweigen aber kurz vor der Ortszufahrt ab über die neue Brücke und passieren die Buna. Das Navi wollte uns über die 150 m weiter liegende alte Brücke schicken, die aber seit Jahren gesperrt ist. Brücke über die BunaSoviel als Beitrag zu den aktualisierten Datensätzen von GARMIN. Die alte Brücke ist eine Stahlgitterkonstruktion die nur mit Holz belegt war. Heute wird sie nur noch von Fußgängern benutzt und wir müssen deshalb vor ihr wenden. Wir befinden uns damit mitten in einer Ansiedlung sesshaft gewordener Zigeuner. Nach der Wende kommt uns ein neuer Landroover entgegen. Als er uns passiert sehen wir, dass am Steuer ein Knabe von ca. 8 bis 9 Jahren sitzt. Nun aber rüber über die neue Brücke. Die Eindrücke links und rechts der Straße erinnern uns ein wenig an Marokkos Vorstädte. Allerdings stehen hier bisweilen große Bauten mit prächtigen Fassaden, von denen man nicht recht weiß, welche Funktion sie erfüllen. Mehrere Möbelhäuser zum Beispiel nacheinander aber ohne erkennbaren Geschäftsbetrieb. Und wieder spielt uns das Navi einen Streich. Statt auf die SH29 abzubiegen und dann über Bushat nach Barbullush, schickt es uns weiter auf der SH1 und dann plötzlich nach rechts. Wir wollen das „Camp Albania“ erreichen. Hier kommen wir auch dahin, allerdings über kaum befahrbare und enge Straßen, die zudem bei den wenigen Behausungen die wir hier vorfinden, noch mit „schlafenden Polizisten“ belegt sind.

Das Wort Behausungen ist übrigens nicht ganz zutreffend. Hier stehen bisweilen auch Häuser, die genauso gut in besseren Wohngegenden Deutschlands stehen könnten.

Wir fahren durch zahlreiche riesige Pfützen von denen man nicht weiß, ob sie problemlos befahrbar sind, passieren schmale Brücken, ernten ungläubige Blicke und kommen dann doch an. Ein riesiges Metalltor öffnet sich automatisch, dahinter wird ein großes Restaurant mit großem Pool davor sichtbar und hinter der Anlage auf grüner Wiese stehen die Womo’s.

Der Platz ist mit allem ausgestattet. Da wir am Mittag äußerst üppig gegessen hatten, fällt Restaurantbesuch heute aus. Wir bleiben im Womo, es fängt an zu nieseln, und wir schauen einen Film mit Blacky Fuchsberger anlässlich seines Todes am heutigen Tage.

Also das war ein Tag! Ich bin ja einige kurvenreiche und enge Fahrten gewöhnt von Egon, aber das heute war die Krönung! Wenn ich gekonnt hätte, wär ich unterwegs ausgestiegen! Aber es war halt zu eng. Nach jeder Kurve hoffe ich das kein Auto uns entgegen kommt. Dann diese Abgründe rechts von mir, die paar Zentimeter, nein danke nicht mehr mit mir!!!

Als es zum Schluss noch durch die Wallachei ging und kein richtiger Weg erkennbar, hatte ich auf deutsch die Schnauze voll!!

Der Tag war nur zum Abhaken.Obwohl ,wenn ich so bedenke wird in Afrika bestimmt ähnliches auf uns zu kommen. Lassen wir uns überraschen!

Aber das schärfste an dem Tag war ja, dass ich das Gewitter so gegen viertel 2 ( für die nicht „Ossis“1 Uhr 15, oder viertel nach 1, oder dreiviertel vor 2 Uhr-Hi Hi) nicht mit bekam und Egon quasi unter mir sämtliche Sachen verstaute. Wo ich doch immer behaupte, dass ich auf uns in der Nacht aufpasse! ,

Na toll, wieder geschwindelt und erwischt! ,

 

12.09.

In der Nacht regnet es immer wieder und auch Donnergrollen ist aus der Ferne zu hören. Am Morgen krähen Hähne und zahlreiche Hühner tummeln sich auf der Wiese. Nach Morgentoilette, das Wort Toilette wollte ich eigentlich gar nicht mehr gebrauchen obwohl es hier in anderem Zusammenhang steht, und kleinem Frühstück, erledigen wir alle notwendigen Arbeiten, führen noch ein paar Gespräche mit Platznachbarn aus Deutschland und Schweden und starten dann, nachdem Astrid den „horrenden“ Preis für den Platz in Höhe von 12 €, ja richtig gelesen, 12 € entrichtet hat. Der Platz wird übrigens von einem holländischen Ehepaar betrieben und war 2009 der erste vollwertige Campingplatz Albaniens. Ca. 50 Wohnmobile finden hier Platz.

Wir wollen unserem Navi ein Schnippchen schlagen und folgen nach rechts stur der SH29 um später direkt auf die SH1 Richtung Tirana zu stoßen. Geht zunächst gut, denn die Straße ist von guter Qualität. Bis, ja bis wieder die gewohnten Zustände auf uns hereinbrechen. In der Hoffnung, dass es sich nur um ein kurzes Übergangsstück handelt fahren wir weiter, bis uns ein Österreicher entgegen kommt, der auch auf unserem Platz stand und uns mitteilt, es ginge hier nicht weiter; militärisches Sperrgebiet. Wieder kehrt und doch dem Navi folgen und festfahren in einer Straße, wo wir nun wirklich nicht mehr durch kommen. Ein Mast steht im Wege. Rückwärts wieder raus, während uns Passanten mit stoischer Ruhe beobachten. Irgendwann finden wir auf die richtige Straße, passieren Lehze und werfen vom Auto aus einen Blick auf die Festung. k-S1990005Ein längerer Halt verbietet sich, da wir nicht riskieren wollen, kein Fährticket mehr zu bekommen.

Am Außenbezirk von Tirana wechseln wir auf die SH2, die zunächst als Landstraße und später als Autobahn ausgebaut ist und bis Durres führt, kurz davor aber wieder ihren Charakter als Autobahn verliert.

Vor dem Abzweig halten wir an drehen um und stoppen an einem großen Restaurant auf der Gegenseite. Die Restaurants an dieser und auch an der Autobahn sind alle groß und die in großer Zahl vorhandenen Tankstellen besser ausgebaut als in Deutschland viele Raststätten. Wir trinken Espresso, für 1,20 € für zwei, essen ist leider nicht. Dieses finden wir nach dem Abzweig im „Nord-Park-Hotel“, vier Sterne und Außenpool sowie dahinter liegendem Campingplatz. k-20140912_143545Nur etwas Kleines soll es sein. Bruscchetta für zwei, einen griechischen Salat und eine Gulaschsuppe, die schmeckt wie bei Muttern. Die Bruscchetta sind acht große Stücke und damit viel zu viel. Die Rechnung: 13,11 €.

Jetzt aber voran und vor Durres noch eine abenteuerliche Brücke passiert, die von beiden Seiten nur im Schritttempo zu befahren ist und dann rein ins Getümmel und den Fährhafen gesucht. Mit albanischer Hilfe finden wir die richtige Richtung, entdecken in einer Seitenstraße einen Hinweis auf „Ventouris Ferries“ und auch einen Parkplatz unter den wachsamen Augen der Polizei. Im Büro der Fährgesellschaft klappt die Verständigung mit der jungen Dame und mit bruchstückhaftem Englisch auf beiden Seiten ganz gut und wir haben unsere Tickets nach Bari, für 202 € einschließlich Innenkabine. Nun noch den richtigen Weg zum Terminal erkunden und zurück zum Womo. Für weitere Spaziergänge durch die unbekannte Stadt ist es einfach zu heiß, das Womo zeigt 30°, und uns fehlt die Orientierung. Deshalb fahren wir unmittelbar zum Terminal und parken ein. Drei Stunden bleiben uns noch bis zur Öffnung und fünf bis zur Abfahrt. Hier stehen wir sicher, können noch etwas ruhen und dabei die Fenster öffnen.

Nur soviel von mir heute, der Weg nach Tirana fing genau so an, wie der vorige aufhörte! Die Wege die immer in’s nichts führen und wo Egon, dank seiner super Fahrkunst, rückwärts wieder raus kommt. Alle Achtung!