Schlagwort-Archive: Cinci-Hamam

Safranbolu

18.10.                                                                                                                                          Mir geht’s am Morgen wieder etwas besser als gestern. So allmählich komme ich wieder in Schwung. Ist auch gut so, denn heute steht eine Etappe von 300 km auf dem Programm. Ziel ist die 1994 zum Weltkulturerbe ernannte Stadt Safranbolu. Die Strecke selbst ist nicht sonderlich spektakulär, obwohl es über einen Pass von 1.500 m geht, wir zahlreiche überschwemmte und sumpfige Felder sehen, auf denen vermutlich Reis angebaut wird und wir können den Bauern und Wanderarbeitern bei der Zuckerrübenernte zuschauen.

Es mangelt allerdings an attraktiven Sehenswürdigkeiten unterwegs und die Zeit wäre angesichts der Entfernungen auch ziemlich knapp.
Wir starten gegen neun und es regnet immer noch ein bisschen, wie auch schon in der Nacht. Bis Sungurlu fahren wir auf der gleichen Strecke wie gestern, danach nehmen wir die Route über den Pass und folgen dann rund 60 km einer autobahnähnlich ausgebauten Straße Richtung Istanbul, bevor wir schließlich nach Norden abzweigen um gegen 13 Uhr Safranbolu zu erreichen. Unser terrasierter Platz befindet sich gegenüber von einem Hotel, das den Platz auch betreibt. Der Strom ist nur mäßig, sodass der Kühlschrank auf Gasbetrieb umschaltet. Die sanitären Einrichtungen des Hotels sind für uns zur Mitbenutzung vorgesehen. Wir werden sie allerdings nicht nutzen, da wir weder in Badesachen noch mit der Chemietoilette durch den Frühstücksraum des Hotels schlendern wollen. Für die Asiaten im Hotel wären wir sicherlich ein willkommenes Fotomotiv. Wir legen uns aber erst einmal für eine Stunde aufs Ohr. Damit wir nicht gestört werden bringe ich an der Tür einen Zettel an mit der Aufschrift „Mittagspause“.
Es funktioniert.
Als die Ersten bereits aus der Stadt zurück kommen, begeben wir uns die wenigen Schritte in die überfüllte City. Angesichts der noch andauernden Feiertage zum Opferfest kein Wunder. Auch viele Türken nutzen neben den zahllosen Touristen diese Gelegenheit für einen Besuch in der sehenswerten Altstadt mit ihren historischen zwei- bis dreistöckigen Holz- und Fachwerkhäusern. Unterwegs kommt uns ein türkisches Paar entgegen und im Vorbeigehen grüßt er mit „Mahlzeit“. Wir bleiben kurz stehen, glauben wir haben uns verhört und er wiederholt seinen Gruß. Im Gespräch, welches er im schwäbischen Dialekt führt stellt sich heraus, dass er 25 Jahre in Stuttgart tätig war und jetzt von Istanbul aus zu Besuch hierher gekommen ist. Er wünscht uns noch eine schöne Reise.
Bekannt ist Safranbolu auch für sein „Lokum“, ein süßer Leckerbissen, der hier mit Safran gewürzt wird.
Wir nehmen zunächst einen obligatorischen Tee, bevor wir die Stadt weiter erkunden, das Cinci-Hamam, die Moschee, den Basar und die Karawanserei, in der ein Hotel mit Restaurant untergebracht ist. Da es zu regnen beginnt suchen wir Unterschlupf und genehmigen uns eine Suppe in einem kleinen Familienrestaurant. Weiter durch die Altstadt wird der Regen stärker und wieder flüchten wir uns zu einem Tee, diesmal mit Safran gewürzten Tee. Ich spüre keinen großen Unterschied. Nebenan neckt sich Astrid wieder mit den immer freundlichen Türken vor einer Bäckerei und wird sofort vorgelassen und für mich springt ein Foto mit dem Bäcker dabei raus. Astrid kauft Pide, was wir unter Pitabrot kennen und Simit, knusprige Brotkringel, unser Abendbrot für heute
Es wird allmählich Zeit zur Umkehr um pünktlich um 18 Uhr beim Briefing zu sein, dass diesmal unter einem mit einer Plane geschützten Platz beim Hotel stattfindet. Wir werden auf die Strecke für morgen und die nächsten Tage in Istanbul eingestimmt.