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Wir machen den Sommer länger- in Kroatien

Es wird Zeit euch etwas mitzuteilen. Eine Woche sind wir bereits unterwegs, haben nach Deutschland drei weitere Länder durchquert und sind in Kroatien angekommen.

Grund genug um nun langsam mit einem Bericht über unsere Tour in die Gänge zu kommen.

Abgereist sind wir am 04.09. Vom Tourbeginn zu Hause bis zum Verlassen Brandenburgs vergehen noch ca. 2 Stunden. Tanken, Einkaufen und Frühstück im Beetzsee-Center.

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Dann über Belzig auf die A9, später über weitere Autobahnen schließlich nach Donaustauf. Wir stehen auf einem kostenlosen Parkplatz in der Ortsmitte. Nur drei Womoplätze, aber wir nutzen einen PKW-Parkplatz. Spaziergang bis zum Chinesischen Turm und durch den Ort und an die Donau.

Die Donau bei Donaustauf
Chinesischer Turm

Ich beschließe am Morgen früh aufzustehen um an der Donau den Sonnenaufgang zu erwarten und hoffentlich schöne Fotos zu schießen. Mit einer entsprechenden App habe ich mich über die Richtung des Sonnenaufgangs informiert. Den Abend verbringen wir im Womo.

05.09.

5.45 Uhr meldet sich mein Handy-Wecker. Meine Foto-Sachen hatte ich bereits in meinem Rucksack verstaut und die Drohne im separaten Rucksack bereit gestellt.

Ich postiere mich unter der Donau-Brücke, baue zwei Stative auf für Camcorder und Kamera. Meine neue 360°-Kamera habe ich auch dabei. Der versprochene Nebel über der Donau hält sich in Grenzen und die Sonne kommt hinter den Wolken nicht zum Vorschein.

Ich mache dennoch ein paar Fotos und eine Timelaps-Aufnahme mit dem Camcorder. Auch das Handy und die Insta (360°-Kamera) kommt zum Einsatz. Auch die Drohne will ich starten. Dies gelingt auch nach mehreren Versuchen, aber ich habe leider nicht bedacht, dass sie unter der Brücke kein GPS-Signal empfängt. So trudelt sie ein wenig und schlägt gegen das Stativ. An zwei Rotoren brechen die Spitzen ab. Nicht so schlimm, ich habe noch Ersatz dabei. Aber nun will sie nicht mehr starten, da mir die Software ein neues Update meldet, welches nur über WLAN geladen werden kann, was ich hier nicht habe. Der Gesamterfolg fällt daher eher mäßig aus aber ich bin stolz auf mich weil ich mich endlich doch einmal aufgerafft hatte, so früh nach guten Fotogelegenheiten Ausschau zu halten.

Astrid schläft noch als ich wieder am Womo ankomme und ich bereite das Frühstück für uns.

Unser erster Weg führt uns dann zur Walhalla von Donaustauf. Wir sind früh da. Noch kein Touristenansturm. Die Ruhmeshalle beherbergt die Büsten berühmter Persönlichkeiten. Alte Exemplare und Neuere die von verschiedenen Künstlern zur Ergänzung gefertigt wurden. Beim Verlassen beschwert sich Astrid zu Recht darüber, dass viele der Neueren wenig Ähnlichkeit mit den abgebildeten Persönlichkeiten haben und die Beschriftungen nur schwer zu lesen sind.

Weiter geht es dann über Landstraßen bis Neubeuern um hier den Einstieg in die Deutsche Alpenstraße bis Bad Reichenhall zu finden. Der Stellplatz den wir dort schon einmal besucht hatten ist im Stellplatzführer leider nicht mehr zu finden, sondern nur ein kostenpflichtiger neben einer Therme. Dies und die Tatsache, dass der Tag schon ziemlich fortgeschritten ist bringt uns zu dem Entschluss, den Stellplatz in Neubeuern aufzusuchen und die Nacht hier zu verbringen.

Wir nehmen die Fahrräder und stoppen nur wenig später beim Bäcker. Lecker Kuchen und ein Cappuccino der den Namen auch verdient, weil er eine Crema hat. Beim Fleischer holt Astrid noch Grillvorräte und dann starten wir zu einer Tour auf dem Inn-Radweg. Eine Seite abwärts bis Nußdorf und auf der anderen Seite wieder zurück.

06.09.

Über Nußdorf gelangen wir zur Deutschen Alpenstraße. Nahe Ruhpolding machen wir Halt an der Chiemgau-Arena wo im Winter neben dem Ski-Springen auch der Biathlon-Weltcup stattfindet. Heute trainieren Jugendliche auf Ski mit Rollen und es wird geschossen. Auch Besucher dürfen Dienstags und Donnerstags Vormittags versuchen die Scheibe zu treffen. Für 15€ pro Schütze wagen wir es auch und es geht besser als erwartet. Astrid trifft sechsmal und ich siebenmal von 10 möglichen Scheiben.

Der Alpenstraße folgen wir bis kurz vor Bad Reichenhall um dann nach Österreich zu schwenken. Richtung Zell am See. Wir suchen uns einen Stellplatz in Almdorf am Steinernen Meer kurz vor Maria Alm. Es ist ein Bauernhof, der aber mit Stromanschluss und Entsorgung aufwartet. Damit können wir unsere Fahrräder nachladen und auch unsere Toilette entleeren.

Ein Airstream auf einem Hotelneubau. Innen ist eine Sauna eingebaut.

Wir unternehmen noch eine Radtour Richtung Maria Alm und weiter bis Unterberg. Sehr schöne Landschaft, tolle Gegend und schöne Orte und ein toller Blick auf die Karstberge des Steinernen Meeres.

07.09.

Unser Ziel ab hier ist die Großglockner-Hochalpenstraße. Da aber heute das Wetter trüb und regnerisch ist, legen wir einen Ruhetag ein und bewegen uns nicht vom Womo weg. Der Regen wird später stärker und auch in der Nacht regnet es noch.

08.09.

Der heutige Tag sieht schon einmal besser aus. Es regnet nicht und der Himmel zeigt schon Wolkenlücken. In Saalfelden kaufen wir noch ein wenig ein und starten dann in Richtung  „Großglockner Hochalpenstraße“ nach Bruck.

Eine faszinierende Strecke liegt vor uns. 36€ werden an der „Kassa“ fällig. Und es lohnt sich.

Wir befahren die gesamte Strecke einschließlich des Abzweiges zum Gletscher.

Und eine Seilbahn bringt uns auch noch auf einen Gipfel. Nur leider dürfen wir nicht mehr aussteigen, wir sind die letzten Passagiere. Dafür fahren wir für den halben Preis.

Auf der Strecke nach Heiligblut, dem Ende der Hochalpenstraße, werden uns bei den steilen Abfahrten die Bremsen heiß. Ein Nothalt wird eingelegt und vorn rechts an der Bremsscheibe entstehen schon kleine Flammen die ich aber löschen kann. Am Straßenrand legen wir eine Pause ein. Die Abkühlung dauert sehr lange und wir entschließen uns einfach hier am Straßenrand stehen zu bleiben und zu übernachten.

09.09.

Am Morgen bin ich schon etwas gespannt ob unsere Bremsen von dem Manöver gestern gelitten haben. Nachdem alles zur Abfahrt bereit ist löse ich sachte die Handbremse um die Bremsanlage zu testen. Die Bremsen reagieren kaum, aber Schuld daran bin ich selbst. In meiner Aufregung hatte ich versucht die Bremsen zu testen ohne den Motor vorher zu starten. Da können die Bremsen natürlich nicht tätig werden. Auf der weiteren Fahrt bewege ich das Womo noch etwas verhalten bis ich sicher bin, dass die Bremsanlage pflichtgemäß ihre Aufgabe erfüllt. Und das tut sie.

doch noch ein Blick auf den Großglockner

Unsere weitere Route führt uns über einige Pässe (wir lassen die Autobahnen aus) nach Italien und zur Adria bis nach Grado.

hier müssen wir durch
und hier wieder raus
Ein erstes Eis auf italienischem Boden

Hier waren wir 2014 schon einmal mit Freunden auf dem großen Europa-Camp. Dieses steuern wir heute nicht an, zu laut zu voll, zu teuer. Wir nehmen stattdessen den zentrumsnahen Stellplatz.

Der ist auch mit Entsorgungsmöglichkeiten und Strom ausgestattet. Wir fahren dann mit unseren E-Bikes in den Ort, genehmigen uns einen Drink, schieben unsere Räder am Lungomare entlang und essen leckeren Fisch zu Abend.

Am Lungomare

Santa Eufemia
Ein Drink tut auch gut
Grado am Abend

10.09.

Wir verzichten weiter auf die Fahrt auf Autobahnen und gelangen über Triest nach Slowenien und dann nach Kroatien.                                   Unterwegs erreicht uns die Nachricht, dass einer unserer Freunde, mit dem wir auch 2014 auf dem Camp in Grado gestanden und auch 2012 die Marokko-Tour gefahren sind, nach langer Krankheit verstorben ist. Wir sind sehr betroffen und unsere Schlussfolgerung lautet deshalb zum wiederholten Male: wir genießen das Reisen und unser Leben, solange noch Zeit ist, das Geld reicht und die Gesundheit es zulässt.

Wir durchqueren Istrien bis an die Südspitze nach Pula und steuern die  „Campsite Arena Indije“ an, auf dem wir schon einmal in vorderster Linie am Ufer gestanden haben. Wir finden einen ansprechenden Platz, ich nehme ein erstes Bad und später genießen wir den Sonnenuntergang. Wir werden hier ein paar Tage stehen bleiben.

Über Linz und Melk nach Wien

29.08.
Wir frühstücken noch mit den Kindern und verabschieden uns herzlich. Nach einem kurzen Abstecher nach Linz, folgen wir mehr oder weniger dem Verlauf der Donau bis nach Wien. In Melk machen wir einen Halt um dem Stift Melk, einem der schönsten und größten einheitlichen Barockensembles Europas einen Besuch abzustatten. Schon aus einiger Entfernung ist die imposante Anlage zu sehen, die wir bereits früher bei unseren Reisen nach Wien von der Autobahn aus bestaunt haben. Die Geschichte Österreichs ist eng mit dem Stift, in dem seit 1089 ununterbrochen Benediktinermönche leben, verbunden. Einige der ersten Herrscher sind hier bestattet.
Auf relativ ruhiger Landstraße gelangen wir bis Wien, überqueren die Donau und finden unseren Campingplatz nahe der Donauinsel. Wir melden uns an, geben uns als Teilnehmer der Seabridge-Gruppe zu erkennen und erhalten einen der reservierten Plätze zugewiesen. Dort stehen bereits ein Concorde aus Heppenheim und ein Knaus-Womo aus Zürich. Wir machen uns bekannt, schließen uns am Strom an, Tisch und Stühle raus und nun beginnt das eigentliche Camperleben.

und nochmal Wien

31.08.
Wir machen uns nach dem Frühstück nochmals auf ins Zentrum. Mit U2 und U4 landen wir am Schwedenplatz und wollen von hier eine Schiffstour unternehmen. Nach anfänglichem Zögern entscheiden wir uns für die kürzeste der Touren, über 1 1/2 Stunden eine Donaukanaltour. Eigentlich 19 € pro Person, aber es werden noch je 2 € Kraftstoffzuschlag erhoben. Fazit der Tour: sie war das Geld nicht wert. Man kann es auch als Abzocke bezeichnen, es sei denn, man findet viel befahrene Straßen, sowie Industrie- und Verwaltungsbauten am Ufer sehenswert. Einziger Lichtblick ist ein von Friedensreich Hundertwasser gestaltetes Ensemble, aber auch dies ein Industriebau, die Müllverbrennungsanlage von Wien.
17 Uhr erstes Briefing mit unserer Reiseleiterin Renate und ihrem Tourpartner Jamal, die wir bereits vorher herzlich begrüßt haben. Bereits auf unserer Marokko-Tour 2012 waren sie unsere verlässlichen und netten Begleiter.
Erstmals sind jetzt alle Reiseteilnehmer versammelt. Bis wir alle mit Namen kennen werden wohl, trotz Namensschilder, einige Tage vergehen.

Auf zum Schwarzen Meer

14.09.
Wir verlassen die Hauptstadt und wenden uns nach Osten. Das schwarze Meer ist unser heutiges Ziel. 3 Anfahrtsrouten stehen zur Auswahl und wir entscheiden uns für die längste mit rund 300km bei der die Donauüberquerung mittels Fähre vorgesehen ist. Außerdem sollen noch Klöster und Überreste einer römischen Anlage, das Tropaneum Traiani, sehenswert sein. Wir fahren deshalb aus Bukarest und nehmen nicht die Autobahn, sondern die B3. Ab Lehliu-Gara nutzen wir dann doch die A2 bis Dragalina und schwenken dann im rechten Winkel nach Süden nach Călarasi und zur Fähre. Ein Womo aus unserer Gruppe kommt uns schon entgegen und wir vermuten schon, dass die Fähre evtl. doch nicht geht, wie gestern jemand gemutmaßt hatte. Wir fahren aber weiter und finden beträchtlichen Andrang vor. Eine Fähre entfernt sich gerade vom Ufer. Wir reihen uns ein, bezahlen 65 Lei und warten. Bereits die nächste Fähre nimmt uns mit. Astrid steigt vor der Auffahrt aus um Fotos zu machen, kommt aber dann nicht mehr ins Womo. Es ist zu eng. Die Fähre, die eigentlich ein Ponton ist, mit einem älteren Schubschiff an der Seite, ist so voll gestellt, dass wir Sorge um die Unversehrtheit unseres Schmuckstücks haben. Das Herunterfahren gestaltet sich schwierig, weil hohe Absätze zu überwinden sind und uns nur ein besserer Feldweg erwartet. So sieht also die einzige Verbindung weit und breit über die Donau, kurz vor der bulgarischen Grenze, aus.

Wir fahren wieder auf der B3, haken ein weiteres Kloster ab, bei dem uns erstmals auch bettelnde Kinder bedrängen. Insgesamt wirken die Umgebung und die Orte südlich der Donau ärmlicher. Das Kloster ist gut besucht. Es ist schließlich Samstag.

Unterwegs ist die Straße mit Splitt bestreut, was drei PKW’s zum Verhängnis wird. Auf einer Strecke von 100m liegen sie allesamt zerbeult am Straßenrand. Mindestens einer davon mit Totalschaden. Viele wird dieses Schicksal aber nicht mehr treffen. Ganze Familien sind hier im Einsatz um überschüssigen Splitt mit Zweigen und anderen Hilfsmitteln zusammen zu fegen und einzusacken. Weiter zum Tropaneum Traiani. Wenig spektakulär, ebenso wie das Monument in der Nähe.

Wir nehmen dann die südliche Anfahrt zum Campingplatz, durchqueren dabei Constanta und landen direkt am Schwarzen Meer. Wir gehören zwar wieder zu den Letzten, erhalten aber einen schönen Platz direkt am Strand zugewiesen, der trotz Wochenende verlassen ist. Die Saison ist bereits zu Ende.

Bootsausflug ins Donaudelta

15.09.
Heute bleibt das Womo stehen. Wir machen eine Bus- und Bootstour in das Donaudelta und haben dafür erneut einen sachkundigen Führer. Wassili erläutert uns nicht nur Flora und Fauna des Donaudeltas, sondern erzählt uns viel Interessantes zu Rumänien, seiner Geschichte und den Verhältnissen nach der Wende. Die neue Führung kommt dabei nicht sonderlich gut weg. Die Regierung ist korrupt, nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Die Parlamentarier kommen nicht besser weg, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Er lässt im Bus Bilder und Karten zu Flora und Fauna im Donaudelta, aber auch Bildbände zu Zerstörungen von Bauten in Bukarest durch die Kommunisten in den achtziger Jahren und zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen Ende 1989 herum gehen. Sehr deprimierend, dieses so zu sehen. Vor allem, weil das für alle im Wesentlichen unbekannt ist. Die meisten im Bus haben, wie wir, seinerzeit nur die Erschießung der Ceauşescus wahrgenommen.
Rumänien hat durchaus Potential, vor allem in der Landwirtschaft und im Tourismus. Aber dafür, so Wassili, müssen sich Mentalität und die Bedingungen ändern.
Besonderes Augenmerk widmet er auch den Ereignissen vor, während und nach der Revolution. Es hat hier große Auseinandersetzungen gegeben, bei denen anders als in den anderen Ostblockstaaten auch mehr als Eintausend Todesopfer zu beklagen waren, aber auch die früheren Diktatoren, Ceauşescu und dessen Frau im Dezember 1989 erschossen wurden. Auf dem Boot im Donaudelta treffen wir dann noch auf einen anderen rumänischen Reiseführer, der eine Gruppe aus Norddeutschland begleitet und der eine differenzierte Ansicht vertritt. Er meint Ceauşescu habe auch positive Seiten gehabt, indem er sich dem Einfluss der Sowjets entzogen und zum Beispiel 1968 nicht mit in die CSSR einmarschiert sei, enge Beziehungen zum Westen unterhalten und die Staatsschulden getilgt habe. Dies allerdings mit einem Sparkurs der die eigene Bevölkerung an den Rand der Existenz gedrängt hat. Der Personenkult und die eigene Machtsicherung sowie die Rolle der Geheimdienste hätten das System zudem unerträglich gemacht.
Unsere Bootsfahrt, bei der wir durch das Donaudelta bis an die ukrainische Grenze kommen ist interessant, wird aber durch das trübe Wetter und den Regen am Vormittag etwas getrübt. In der Donau liegen Dutzende alte Frachtschiffe auf ukrainischer Seite und rosten vor sich hin. Die Grenze verläuft hier in Flussmitte.
Wir essen an Bord, landen am Nachmittag wieder an und fahren dann wieder eineinhalb Stunden bis zum Campingplatz. Den Abend verbringen wir in gemütlicher Runde am Strand. In Constanta wird ein Feuerwerk in den Himmel geschossen.