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Bootsausflug ins Donaudelta

15.09.
Heute bleibt das Womo stehen. Wir machen eine Bus- und Bootstour in das Donaudelta und haben dafür erneut einen sachkundigen Führer. Wassili erläutert uns nicht nur Flora und Fauna des Donaudeltas, sondern erzählt uns viel Interessantes zu Rumänien, seiner Geschichte und den Verhältnissen nach der Wende. Die neue Führung kommt dabei nicht sonderlich gut weg. Die Regierung ist korrupt, nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Die Parlamentarier kommen nicht besser weg, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Er lässt im Bus Bilder und Karten zu Flora und Fauna im Donaudelta, aber auch Bildbände zu Zerstörungen von Bauten in Bukarest durch die Kommunisten in den achtziger Jahren und zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen Ende 1989 herum gehen. Sehr deprimierend, dieses so zu sehen. Vor allem, weil das für alle im Wesentlichen unbekannt ist. Die meisten im Bus haben, wie wir, seinerzeit nur die Erschießung der Ceauşescus wahrgenommen.
Rumänien hat durchaus Potential, vor allem in der Landwirtschaft und im Tourismus. Aber dafür, so Wassili, müssen sich Mentalität und die Bedingungen ändern.
Besonderes Augenmerk widmet er auch den Ereignissen vor, während und nach der Revolution. Es hat hier große Auseinandersetzungen gegeben, bei denen anders als in den anderen Ostblockstaaten auch mehr als Eintausend Todesopfer zu beklagen waren, aber auch die früheren Diktatoren, Ceauşescu und dessen Frau im Dezember 1989 erschossen wurden. Auf dem Boot im Donaudelta treffen wir dann noch auf einen anderen rumänischen Reiseführer, der eine Gruppe aus Norddeutschland begleitet und der eine differenzierte Ansicht vertritt. Er meint Ceauşescu habe auch positive Seiten gehabt, indem er sich dem Einfluss der Sowjets entzogen und zum Beispiel 1968 nicht mit in die CSSR einmarschiert sei, enge Beziehungen zum Westen unterhalten und die Staatsschulden getilgt habe. Dies allerdings mit einem Sparkurs der die eigene Bevölkerung an den Rand der Existenz gedrängt hat. Der Personenkult und die eigene Machtsicherung sowie die Rolle der Geheimdienste hätten das System zudem unerträglich gemacht.
Unsere Bootsfahrt, bei der wir durch das Donaudelta bis an die ukrainische Grenze kommen ist interessant, wird aber durch das trübe Wetter und den Regen am Vormittag etwas getrübt. In der Donau liegen Dutzende alte Frachtschiffe auf ukrainischer Seite und rosten vor sich hin. Die Grenze verläuft hier in Flussmitte.
Wir essen an Bord, landen am Nachmittag wieder an und fahren dann wieder eineinhalb Stunden bis zum Campingplatz. Den Abend verbringen wir in gemütlicher Runde am Strand. In Constanta wird ein Feuerwerk in den Himmel geschossen.