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Über die Karpaten zu Graf Dracula

10.09.
Wir scheren wieder einmal aus. Am Ende sind wir mit 260 km rund 120 km mehr gefahren als die anderen Mitfahrer, aber es hat sich ausgezahlt, denn wir sind mit herrlicher Landschaft belohnt worden. 40 km nach Hermannstadt verlassen wir die Route und biegen rechts ab auf die 7c, die Transfăgăraşan, Richtung Făgăraş-Gebirge. Von den Siebenbürgern werden sie Fogarascher Berge oder ehrfurchtsvoll Transsylvanische Alpen genannt, die längste und höchste Bergkette der Karpaten. Ein spektakulärer Aufstieg auf serpentinenreicher Strecke bis auf mehr als 2000 m. Acht Gipfel mit dieser Höhe gibt es hier und über 50 Gletscherseen. Eine faszinierende Strecke und ebensolche Landschaft. Am Ende sind wir der Überzeugung, diese Strecke gehört landschaftlich zu den Top 5 der Strecken die wir je gefahren sind.
Aber eben nur landschaftlich, die Straßen sind bisweilen eine Katastrophe, was aber den positiven Gesamteindruck nicht schmälern kann. Auf der Passhöhe halten wir an, essen gut im Bergrestaurant, erleben wie innerhalb kurzer Zeit alles um uns herum im Nebel verschwindet und ebenso schnell der Himmel wieder klar zu sehen ist. An den auch hier unvermeidlichen Ständen kaufen wir noch Käse und Wurst aus Widderfleisch. An der Südseite geht es gemächlicher aber ebenso kurvenreich zu Tal mit schönen Ausblicken auf herrliche Bergseen. Wir fahren durch beschauliche Dörfer in denen Neubauten neben renovierten Häusern stehen, aber natürlich auch verfallene Häuser zu finden sind. Im Unterschied zu Ungarn fällt auf, dass viele Hunde frei herum streunen. Auch die Kühe laufen frei umher und überqueren dann auch mal unvermittelt die Straße. Während das Dorfleben oft den erwarteten Bildern entspricht, wenn die Bauern mit ihren Einspännern unterwegs sind oder die Kartoffeln von Hand gerodet werden, werden wir wohl die sonstigen Vorstellungen von Rumänien über Bord werfen müssen. Es ist ein freundliches Land mit lebensfrohen Menschen und einer reizvollen Landschaft und damit vielleicht noch interessanter als das ebene Ungarn. Wenn nur die Straßen nicht wären, die nach dem Grenzübertritt doch zunächst so hoffnungsvoll stimmten. Die Querverbindung zwischen der Transfăgărasan und der wieder nach Norden führenden Straße Richtung Brasov verlangt uns und dem Womo auf den letzten 20 km alles ab. Viele Löcher, Bodenwellen und ausgefräste Stellen, die vielleicht mal wieder gefüllt werden sollen aber ungesichert sind, machen das Fahren zur Tortur. Ein extremer Querschlag führt dazu, dass wir unsere Sachen aus den Ablagen am Heck, nachher hinter der Verbindungstür wieder finden.
Wir sind dann wieder einmal die Letzten auf dem Platz, aber glücklich.

11.09.
Heute ist Ruhetag was das Fahren angeht. Mit Ausschlafen ist aber trotzdem nichts. Um 9.00 holt uns der Bus ab zur nahegelegenen Törzburg in Bran, die gemeinhin als das Dracula-Schloss gilt und hier auch intensiv so vermarktet wird. Dabei hat das Schloss weder mit Vlad Tepeş, dem Pfähler, der dem Geschlecht Dracul entstammt, noch mit der Romanfigur Dracula irgendetwas zu tun. Vlad Tepeş soll angeblich nur im Tal vorbei geritten sein oder allenfalls drei Tage auf dem Schloss verbracht haben. Man findet deshalb hier weder Folterkammern noch Gefängniszellen, sondern Einrichtungen der rumänischen Königsfamilie. Heute gehört das Anwesen den habsburgischen Nachkommen. Es ist ein schönes Schloss, fast ein Märchenschloss mit verwinkelten Treppen, schmalen Gängen und schönen Aus- und Einblicken, aber man kann dessen Reiz nur eingeschränkt aufnehmen. Wir sind als Gruppe zu groß und mit uns sind sehr viele weitere Touristen in den engen Mauern unterwegs. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie es hier in den Sommermonaten zugeht.

Die Fahrt geht jetzt nach Braşov bzw. Kronstadt. Hier machen wir eine Stadtbesichtigung, die wir außerhalb der Stadtmauer vor dem Berg Tempa beginnen. Von hier hat man bereits einen schönen Überblick, erkennt den weißen und den schwarzen Turm, der eigentlich auch weiß aussieht und die schwarze Kirche, die deshalb so heißt, weil sie nach einem Stadtbrand schwarz war. Beim Rundgang lernen wir den morbiden Charme der Stadt kennen und erahnen welchen Reiz sie erst hätte, wäre sie bereits umfassend restauriert. Dann muss sie einen Vergleich mit Hermannstadt nicht scheuen.

Dritte und letzte Station für heute ist die Kirchenburg in Tartlau,18 km von Braşov entfernt. Sie ist die am besten erhaltene ihrer Art in ganz Siebenbürgen. Im Inneren der im 13. Jahrhundert gebauten Anlage steht eine Kirche mit dem ältesten Altar Siebenbürgens. In die Kirchenburg zog sich der ganze Ort während der Angriffe von Türken und Tataren zurück. Hinter den dicken Wehrmauern waren sie geschützt. Die Burg ist nie eingenommen worden.
Einige Szenen des Films „Die Päpstin“ wurden hier gedreht.