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Moschee, Kloster und Kappadokien

12.10.
Hatten wir gestern Abend 289 km auf dem Tacho, so stehen uns heute 360 km bevor. Wir wollen bis Göreme in Kappadokien. Wir verlassen das Camp deshalb recht früh am Morgen. Obwohl wir eigentlich nach links Richtung Beysehir zurück wollen, müssen wir zunächst nach rechts. Es gibt keine Überfahrt auf die andere Fahrbahn. Zwischen beiden Fahrbahnen ist hier, wie so häufig, ein unüberwindlicher Graben. Also erst ein paar Kilometer in die falsche Richtung bis endlich eine Wendemöglichkeit kommt. In Beysehir besuchen wir die Esrefoğlu-Moschee von 1297. Die Holzmoschee ruht auf 48 Kiefersäulen. Sie gehört zu den schönsten Bauwerken aus der Beylik-Periode. In dieser Zeit regierten die Mongolen in Anatolien und rebellische Turkmenen gründeten die ersten sog. Beylik-Staaten. Vor der Moschee sitzen drei ältere Türkinnen, die Schmuck und Strickwaren anbieten. Eine von ihnen legt Astrid noch ein weiteres Tuch um, denn Frauen dürfen diese Moschee nur mit bedecktem Kopf und bedeckten Armen betreten. So wie hier, mit dem vielen Holz, haben wir noch keine Moschee innen gesehen. Als Dank für das Tuch kauft Astrid noch ein paar gestrickte Handschuhe.

Wir nehmen nun Fahrt auf bis in das rund 95 km entfernte Konya. Als wir uns dem Ort in einer Bergabfahrt nähern, liegt über der Stadt eine fast undurchsichtige Smogwolke. Ob sie natürlichen Ursprungs oder von Industrieabgasen hervorgerufen ist, wissen wir leider nicht. Wir befinden uns aber auf einer eher unwirtlichen Hochebene inmitten der anatolischen Steppe. Vielleicht ist dies die Ursache. Konya ist eine Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern, sehr aufgeräumt, modern und mit schicken Grünanlagen, obwohl es sich um eine antike Stadt handelt, deren Einwohner im ganzen Land für ihre Treue zum Islam bekannt sind. So viele verschleierte Frauen wie hier haben wir bislang auch noch nirgends gesehen.
Laut unserem Roadbook sollen wir die Innenstadt umfahren um zum Mevlâna-Museum zu gelangen. Die Innenstadt sei nahezu undurchdringlich. Da wir aber zum Museum selbst keine Koordinaten haben, will ich es wissen. Ich suche mir den entsprechenden POI im Navi und wir fahren mitten durch. Es lohnt sich. Hier pulsiert das Leben. Viele Handwerker, Händler und Kleingewerbetreibende verdienen hier ihren Unterhalt. Und wir nahe dran. Das gefällt uns und erinnert ein wenig an Marokko. Wir fahren zunächst am Museum, eigentlich ein Derwischkloster, vorbei und finden auch einen Parkplatz. Bevor wir das Kloster besuchen, schauen wir erst in die daneben liegende Sultan-Cami-Moschee. Vor der Tür heißt es Schuhe ausziehen. Im Inneren finden leider Bauarbeiten statt. Ich mache trotzdem ein paar Fotos und plötzlich ist Astrid verschwunden. Ein alter Mann, die Aufsicht, hat sie zu einem Glas Tee animiert und sie aufgefordert auf dem Teppich hinter einer Absperrung Platz zu nehmen. Ich bekomme auch einen Tee gereicht nachdem er auch mich herangewinkt hat. Ich nehme auch auf dem Teppich Platz und wir beeilen uns, da diese Sitzposition reichlich unbequem ist. Ich gebe dem Alten 2 TL und er schenkt Astrid noch einen Rosenkranz der seitdem im Auto am Spiegel hängt.

Nun stürzen wir uns noch in das pralle Leben, mitten in den türkischen Alltag. Schauen den Handwerkern zu, schnuppern an den Gewürzen und studieren die Auslagen. Hier wird alles angeboten, auch Gebrauchtes. Wir nehmen noch einen Chicken-Döner, der hier im großen Brötchen gereicht wird, für 1,50 TL und ich trinke wieder Ayran dazu.

Nun wollen wir aber doch zum Derwischkloster, denn wir haben anschließend noch einige Kilometer vor uns. Hier müssen wir nicht die Schuhe ausziehen, sondern Kunststoffgamaschen überstreifen. Es herrscht ziemlicher Andrang. In dem Kloster befindet sich das Grab von Celaleddin Rumi, der Mevlâna genannt wird, und der den Mevlevi-Orden gegründet hat, besser bekannt als tanzende Derwische. Er lebte im 13. Jh. und gilt als einer der größten islamischen Mystiker. Zum Museum im erweiterten Kloster gehören das Grab, der Zeremoniensaal und Ausstellungen mit Manuskripten und Memorabilien.

Weiter durch die anatolische Steppe geht es bis Sultanhani, einer Karawanserei. Sie diente dem Schutz der Kaufleute entlang der römisch-byzantinischen Karawanenrouten. Bevor wir uns an die Besichtigung machen können, müssen wir an der Kreuzung erst einem Unfall zwischen einem LKW und drei PKW ausweichen. Der erste Unfall den wir sehen seit wir in der Türkei unterwegs sind. Die Türken fahren eigentlich nicht aggressiv, aber haben schon ihre Macken. So können sie es nicht erwarten bis eine Ampel auf Grün wechselt, obwohl die verbleibenden Sekunden der Rotphase angezeigt werden. Bereits vor Ablauf rollen einige bereits bis auf die Kreuzung oder starten wenn noch 3 Sekunden angezeigt werden. Andere fahren gleich rechts vorbei, obwohl alle Fahrspuren belegt sind. Aber nett sind sie und warnen schon mal, wenn eine Polizeikontrolle lauert.
Die Karawanserei ist eigentlich nicht spektakulär. Ein massiger Baukörper mit nur einem Zugang und mehrschiffigen Lagerhallen mit Tonnengewölbe und Unterkunftsräumen. Im Innenhof befindet sich eine kleine Moschee. Mit etwas Fantasie kann man sich aber vorstellen, dass hier viele Menschen ihre Kamele und große Warenmengen Unterschlupf fanden.

140 km auf rauhem Asphalt, der selbst die Radiomusik übertönt, liegt noch vor uns bevor wir in völlig veränderter Landschaft, errodiertem Tuffgestein und hartem Vulkangestein, unseren Campingplatz erreichen. Wir befinden uns jetzt in Zentralanatolien, in Kappadokien und rund 7000 km liegen hinter uns, seit wir am 27. August in Brandenburg gestartet sind.