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Istanbul zum Dritten

22.10.
Am Morgen bringen wir Renate ein Geburtstagsständchen. Sie ist heute ein Jahr älter geworden. Dabei müssen wir uns beeilen, denn der freie Tag beginnt dann doch nicht so frei, denn wir, wie fast alle, haben uns entschlossen, an einem weiteren fakultativen Ausflug nach Istanbul teilzunehmen. Der gestrige Reiseleiter hatte sich dazu angeboten. Mit dem Bus geht es bis zur Galatabrücke, wo wir ein Boot nehmen um in das Goldene Horn zu fahren. Kreuz und quer geht es und wir sehen am Ufer weitere Sehenswürdigkeiten wie eine Orthodoxe Schule an der nur noch 79 Schüler unterrichtet werden, die bulgarische Kirche, die nur aus Gusseisen besteht, aber gerade renoviert wird und in der Ferne einen Aquädukt. Wir sehen Wasserflugzeuge die man mieten kann und ein amerikanisches U-Boot von 1949.

In Eyüp steigen wir aus und besuchen zunächst die Eyüp-Sultan-Moschee, in deren Innenhof auf einer schattigen Plattform unter Platanen, früher in einer Zeremonie Sultanen das Schwert der Osmanen angelegt wurde. Eine Art Krönung. Hier an dieser heiligen Stätte, die von vielen Islamischen Gläubigen als Ersatz für Mekka besucht wird, befindet sich das Grabmal eines Mitstreiters von Mohammed, das sich allerdings in Renovierung befindet.

An der Seite des Nordtores der Moschee schließt sich ein Komplex an, der auch Istanbuls größte Armenküche beherbergt. 1791 wurde dieser Komplex vollendet.

Mit einer Seilbahn fahren wir auf den Hügel, auf dem sich der Eyüp-Friedhof, aber auch das Pierre-Loti-Café befindet. Das Café erinnert an den französischen Offizier, der während seines Istanbul-Aufenthaltes 1876 hier häufig eingekehrt sein soll. Das Café ist im Stil des 19. Jh. eingerichtet. Von hier oben haben wir einen herrlichen Ausblick auf das Goldene Horn.

Vorbei am Eyüp-Friedhof gehen wir zu Tal und landen erneut an der Eyüp – Moschee, die wir uns jetzt von innen betrachten. Weiter talwärts kommen wir an der Theodosianische Mauer entlang, die über 6,5 km Länge über Tausend Jahre lang als Bollwerk Konstantinopels zwischen Marmarameer und Goldenem Horn diente. Sie war mit elf Toren und 192 Türmen befestigt.

Vorbei an rustikalen Häusern gelangen wir zur Erlöserkirche des Chora-Klosters die auf das 11. Jh. zurückgeht und mit exquisiten Mosaiken und Fresken ausgestattet ist, die den Stammbaum Jesu, sowie Zyklen aus dem Leben Maria’s, Jesu Kindheit, Jesu Wirken und weitere Bildfolgen darstellen. Sehr beeindruckend und äußerst gut erhalten. Die heutige Führung ist damit zu Ende und wir trennen uns von der Gruppe.

Wir wollen zum Taksim-Platz, der Platz, an dem unlängst die Demonstrationen mit schweren Auseinandersetzungen wegen der geplanten Errichtung eines Einkaufszentrums in einer Parkanlage stattgefunden hatten. Hier herrscht pulsierendes Leben, keine Spur von Auseinandersetzungen. Der Platz ist eine riesige Betonfläche, eigentlich wenig spektakulär und die Parkanlage erstrahlt in sattem Grün. Der Platz gibt dem ganzen Stadtviertel seinen Namen. Taksim heißt „Wasserverteilung“. Von hier wurde die Stadt ab dem 18. Jh. mit Wasser aus dem Belgrader Wald versorgt. Auf der Platzmitte steht ein weiteres Denkmal von Atatürk. Wir essen einen Chicken-Döner und schlendern dann in die Īstiklâl Caddesi, die Fußgängerzone, die früher Grande Rue de Pera, nach dem früheren Stadtteil hieß. Eine Prachtstraße, durch die einmal die Straßenbahn fuhr. Einige alte Wagen stehen noch auf den noch vorhandenen Gleisen. Interessanter sind aber die Nebenstraßen. Hier finden sich schicke Lokale, kleine Läden, aber auch Edelboutiquen. In einer Gasse befinden sich fast ausschließlich Musikinstrumentengeschäfte. Wir laufen genau auf den Galata-Turm zu, den wir aber nicht besteigen, weil eine größere Reisegruppe dort ansteht und die Sicht ohnehin heute nicht so gut ist. Wir überqueren die Brücke über das Goldene Horn zu Fuß und nehmen nach einem letzten Blick den Bus zu unserem Platz.

Am Abend gehen wir noch gemeinsam Essen, um Renates Geburtstag zu feiern, essen gut und lachen viel und nehmen schließlich am Platz noch einen Absacker.