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Regenfahrt durch Lesotho

08.05.2016 Regenfahrt durch Lesotho

Wir sind in der Nacht häufiger wach. Nicht nur wegen dem Regen der hin und wieder durch Blitz und Donner untermalt wird. Sondern wegen Gesang und Trommeln in der Nachbarschaft. Bereits am Abend war dies deutlich zu hören. Wie wir von Renate erfahren, findet in der Nachbarschaft eine Trauerfeier statt. Hier herrscht der Brauch, dass dies drei Tage dauert. Am Freitag wird begonnen und ununterbrochen gefeiert, im wahrsten Sinne des Wortes, bis am Sonntag dann der oder die Tote beerdigt wird.

Im Guesthouse nehmen wir am morgen ein englisches Frühstück bevor wir uns auf den Weg machen wollen. Davor steht aber die Fahrt vom Platz. Der aufgeweichte Rasen lässt Schlimmes befürchten und als wir losfahren sind schon erhebliche Spurrillen an der Ausfahrt zu sehen. Nur kurz drehen die Räder mal durch und dann sind wir auf der Straße. Geschafft.

Nur etwa 10 km sind bis zur Grenze nach Lesotho zu überwinden, aber auf ungewohnt schlechter Straße. Dann erreichen wir den Grenzübergang „van Rooyen’s Gate“. Die Abfertigung geht relativ zügig vonstatten, sowohl auf südafrikanischer Seite als auch bei der Einreise nach Lesotho. Nur das Wetter bleibt gleichmäßig schlecht und ich muss Astrid mit einem Schirm zu Hilfe kommen als sie im Freien an dem Schalter stehen muss, an dem unsere Pässe abgefertigt werden. Überall Schlamm und riesige Pfützen.k-S2470002k-S2470003

Dann geht es nach Lesotho, auf besserer Piste als auf südafrikanischer Seite.

Lesotho, eine Enklave inmitten von Südafrika, ist ein Königreich mit einer parlamentarischen Monarchie und zu 99% von den Basotho, einem Zusammenschluss aller früheren Stämme der Sotho, bevölkert. Staatssprache ist Sesotho, aber Englisch ist Verwaltungs- und Bildungssprache. Die Bevölkerung hat sich zu Beginn des 19. Jh. hier in dieser Bergwelt, auch das „Dach Südafrikas“ genannt angesiedelt auf der Flucht vor der Ausbreitung des Zulu-Volkes unter Führung ihres Häuptlings Chaka. Durch geschickte Diplomatie und den Schutz des englischen Königreiches gelang es relativ unbehelligt zu bleiben bis das Land 1966 seine Unabhängigkeit erhielt. Eine parlamentarische Monarchie besteht seit 1993.

Wir bewegen uns hier auf etwa 1500 bis 2000 m Höhe, die Berge reichen aber über die Grenze von 3000 m und der höchste Berg dieses Hochplateaus erreicht 3482 m. Davon sehen wir leider nicht viel bei dem immer noch anhaltenden Regen und dem Nebel an den Bergen.

In Grenznähe sehen wir zahlreiche vergleichsweise gute Häuser. Hier lebt man vor allem von der Landwirtschaft und in Decken eingehüllt hüten die Hirten ihre kleinen Herden.

In den Orten finden sich überall kleine Wellblechhütten an den Straßen wo die Einheimischen ihre Waren anbieten. An einer Tankstelle steht eine Schlange Menschen. Sie lassen sich Benzin in Flaschen abfüllen. In den Ortschaften lässt die Qualität der Straßen sehr zu wünschen übrig und wir knallen einmal so richtig in ein Loch, während wir uns immer auf die buckelartigen Erhebungen (Temposchwellen) auf den Straßen konzentrieren, die der Verkehrsberuhigung dienen sollen und oft auch unangekündigt vor uns auftauchen.

Eigentlich wollten wir bis in den Norden des Landes fahren. Aber wegen des immer noch andauernden Regens verlassen wir Lesotho im Westen bei der Hauptstadt Maseru wieder. Eigentlich schade, dass uns das Wetter hier einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wir legen noch einen Zwischenstopp bei einem Farmstall ein.

Auf südafrikanischer Seite klart es zusehends auf. Nur die Sonne schafft es nicht durch die Wolken und Fotostopps, bei der sich jetzt bietenden faszinierenden Berglandschaft bis zu unserem Camp im Golden Gate NP, lohnen nicht wirklich. Da wir zwei Nächte hier bleiben und wir morgen zum etwa 50 km entfernten Bethlehem einen Ausflug machen wollen, werden wir dies nachholen können zumal besseres Wetter angekündigt ist.k-S2470015k-S2470014k-S2470013

Bethlehem und Clarens

09.05.2016 Bethlehem und Clerans

Zu 10 Uhr ist eine Wanderung angeboten. Wir klinken uns aus, keinen Bock darauf mit 22 anderen durch die Gegend zu stapfen. Allerdings haben offenbar viele andere ebenso gedacht, sodass am Ende nur vier auf Wanderschaft gehen.

Was soll’s, wir wollen nach Bethlehem, der Ort hat nach Auskunft unseres Reiseführers eigentlich nichts weiter zu bieten, aber er soll eine große Shoppingmall haben, wo wir uns vorsorglich nach etwas wärmeren Sachen umsehen wollen. Nach der Erfahrung der letzten Tage wollen wir etwas vorbeugen. Klaus und Beate aus Wangen im Allgäu wollen auch dahin und bieten uns deshalb an mit ihnen mitzufahren. Wir machen den Gegenvorschlag und nehmen sie mit, weil ich auf der Rückfahrt mit meiner Dashcam, die ich an der Frontscheibe angebracht habe, noch die Bergwelt filmen will. Frank und Edith aus Aibling in Bayern folgen uns mit ihrem Auto.

Wir übernehmen die Führung und landen zielgenau bei der Mall. War nicht schwer, denn sie ist unmittelbar am Ortseingang zu finden. Gelohnt hat sich der Ausflug aber nicht wirklich, hier sieht, ähnlich wie zu Hause auch, jedes Shoppingcenter aus wie das Vorige.

Astrid kauft sich ein Stück, ich verzichte, und am Schluss füllen wir noch die Lebensmittelvorräte auf. Was sich lohnt ist der Besuch einiger kleinen Geschäfte und ein Bummel durch die Straßen in denen die Schwarzafrikaner ihren kleinen Handel betreiben. Hier tobt das pralle Leben und zwar in doppelter Sicht, einmal weil man hautnah dran ist am urbanen Milieu, und zweitens, weil auch die meisten hier, besonders die Vertreterinnen der weiblichen Bevölkerung, ziemlich prall sind.

Bethlehem
Bethlehem

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Bethlehem ist übrigens 1860 auf einer Farm gegründet worden in deren Umland vor allem der Weizen hervorragend gedieh. Daher hat der Ort auch seinen Namen (Bethlehem- Haus des Brotes). Und um der Assoziation die Krone aufzusetzen nannte man den Fluss hier Jordaan. Bethlehem war kurzzeitig mal Hauptstadt des Free-States, in dem wir uns jetzt befinden.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher nach Clarens, was eigentlich französisch ausgesprochen wird, und direkt an unserer Route liegt. Der Ort hat seinen Namen von einem Schweizer Ferienort in dem der Namensgeber des Kruger- Nationalparks Paul Kruger 1904 gestorben ist.

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Muller-Street in Bethlehem

Wir sprechen immer vom Krüger-NP, aber da es hier kein „Ü“ gibt, heißt er eben Kruger-NP. Astrid meldet uns deshalb auch immer mit Muller an und unsere Straße heißt hier Muller-St..

Heute ist Clarens ein Ferienort mit vielen schönen Geschäften und Galerien.

Am Ortsrand existiert ein großer Golfplatz und auch zahlreiche schöne Villen sind hier zu finden. Beides sicher nicht für die schwarze Bevölkerung. Der Ort liegt auch ideal am Tal-Ende mit Blick auf das Golden Gate, zwei Bergen am Damm, die auch dem Nationalpark ihren Namen gaben, wo unser Camp liegt.

Wir passieren wieder das Eingangstor des NP, setzen am Camp Klaus und Beate ab und fahren weiter um hinter unserem Camp noch zwei Loops zu absolvieren, die direkt von der Straße abzweigen. Es lohnt sich. Wir schrauben uns zwischen den Bergen hindurch auf 2350 m Höhe und genießen eine herrliche Aussicht. Die Sonne spielt zwar nicht ganz mit, aber ich habe von Clarens an alles mit der Dashcam festgehalten. Hier ist weniger die Tierwelt die Attraktion, sondern die Geologie. Die Felswände schimmern in unterschiedlichsten Farbschattierungen. Trotzdem begegnen wir Affen und Büffel und sehen Geier kreisen.

k-20160509_155327Leider kann ich das Video-Material von hier aus nicht in den Blog laden. Die Datenmenge ist einfach zu groß.