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von Timisoara nach Sibiu (Hermannstadt)

 

08.09.
Heute haben wir mit 290 km eine ziemlich lange Etappe vor uns. Ich stelle mir deshalb den Wecker zu 7.00 Uhr. Nach der Morgentoilette frühstücken wir schnell und sind dann bereits halb neun unterwegs und damit heute das erste Fahrzeug. Drei vorgeschlagene Ziele stehen auf dem Programm. Aber das erste Mal halten wir als wir auf der linken Straßenseite ein silberfarbenes Flugzeug entdecken. Es steht auf dem Gelände eines Cafés. Sehr originell und das Flugzeug ist ebenfalls mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Nur das Cockpit ist noch im Urzustand.

Nächster Halt auch unplanmäßig. In Dobra findet ein Viehmarkt statt. Das lassen wir uns nicht entgehen und betrachten neugierig was hier so angeboten wird und studieren die Leute in ihrem Umfeld.

Auch in Deva legen wir noch einen weiteren Stopp ein, weil Astrid im Reiseführer einen Hinweis zu einer Zitadelle entdeckt hat, die mit einer Standseilbahn zu erreichen ist, die sich aber noch in der Rekonstruktion befindet. Für 20 Lei (5€) sind wir beide oben. Kein Vergleich zu Deutschland. Später essen wir noch in einem Restaurant an der Straße und sind hier für 11 € satt und der Durst ist auch gestillt, einschließlich Espresso. Deva ist den meisten Rumänen weniger der Zitadelle wegen, sondern dadurch bekannt, weil neben der Talstation die erfolgreichen Mädchen und Frauen der rumänischen Nationalmannschaft im Turnen trainiert haben, u.a. die auch bei uns bekannte Nadja Comaneci. Ihre und weitere Büsten sind hier ausgestellt.

Unsere Fahrt geht weiter nach Hunedoara (Eisenstadt). Hier ist hinter riesigen stillgelegten Industrieanlagen, in denen seit dem 17. Jahrhundert Eisen verhüttet wurde, eine weitere Burg zu entdecken. Welch ein Kontrast.

Eine Station nehmen wir uns noch vor, Alba Julia, eine Stadt in der Stadt, umringt von einer sternförmigen Mauer. Hier herrscht Trubel. Kein Wunder, es ist schließlich Sonntag und die riesige Zitadelle schön herausgeputzt und wirklich sehenswert. Als wir das Gelände verlassen strömen uns Menschen entgegen die ein Freiluftkonzert besuchen wollen.

Wir müssen leider weiter. 65 km liegen noch vor uns und das Navi sagt uns, dass wir es bis zum Briefing um 19 Uhr nicht schaffen werden. Mit einem kurzen Anruf melden wir uns ab. In zügiger Fahrt kommen wir in der Abenddämmerung in Sibiu, dem früheren Hermannstadt, an.
Die Straßen in Rumänien sind bis auf die Bahnübergänge, die nur im Schritttempo zu befahren sind, nicht schlechter als in Ungarn. Aber die Autofahrer fahren aggressiver und überholen ziemlich waghalsig. Vor jeder Kurve und jedem Ortseingang und anderen Gefahrenstellen sind die Straßen mit Querstreifen belegt über die man wie über ein Waschbrett fährt. Hier stehen auch häufig Anhalter die wir in Ungarn gar nicht gesehen hatten.
Insgesamt war dies heute ein Tag nach unserem Geschmack. Irgendwann hat man genug barocke- oder Jugendstilgebäude gesehen und die Kirchen ähneln sich auch irgendwann. Da kommen ungeplante Stopps, bei denen man den einheimischen etwas näher kommt ganz gelegen. Und die Tatsache, dass wir jetzt die Südkarpaten erreicht haben und die Landschaft abwechslungsreicher wird, ist auch angenehm.

09.09.
Die Womo’s bleiben heute stehen. Eine Stadtbesichtigung in Sibiu (Hermannstadt) steht auf dem Programm. Ein junger, umfassend informierter Stadtführer begleitet uns durch die Stadt, die 2007 Kulturhauptstadt Europas war und davon profitiert hat. Die 1150 gegründete Stadt wurde nur einmal 1241 von den Tataren zerstört. Der anschließende Bau von vier Ringmauern und 40 Wehrtürmen, die heute nur noch teilweise erhalten sind, hat sichergestellt, dass die Stadt von den Türken nie erobert werden konnte. Deshalb ist noch viel alte Bausubstanz erhalten. 1692 wurde Hermannstadt die Hauptstadt Siebenbürgens. Die deutsche Geschichte ist noch an allen Ecken gegenwärtig. 1989 sind hier 111 Menschen bei der Revolution ums Leben gekommen. Auch daran wird erinnert.
Sehenswert sind die Reste der Stadtmauer mit dem dicken Turm und einigen Verteidigungstürmen, die drei zentralen Plätze, die Kirchen, darunter die Orthodoxe Kathedrale, die der Hagia Sophia in Istanbul nachempfunden ist, sowie weitere repräsentative Gebäude. Wir essen gut, kaufen noch etwas ein und sind dann Pflastermüde. Bei der Rückfahrt zum Platz herrscht Ruhe im Bus, alle sind müde.