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Orbe, Romainmotier, La Sentier

01.07.
Es ist ein sonniger Morgen,  wenn auch zunächst die Gipfel noch im Nebel liegen.  An der Felswand hinter uns entdecke ich zwei Gemsen mit ihren Jungen.  Bevor ich aber den Fotoapparat startklar habe sind sie verschwunden, weil ein Junges einen Steinabgang verursacht hat.
Nach nur einem Müsli, wegen des üppigen Abendessens, starten wir um 10.30 Uhr und wollen individuell Richtung Orbe fahren. Zunächst steuern wir vor Orbe die „Mosaiques romaines d’Orbe Boscéaz“ an.  Hier sehen wir ausgegrabene römische Mosaiken aus dem einzigen Palast nördlich der Alpen. Vieles ist in der Vergangenheit hier ausgegraben worden und später wieder versiegelt,  weil das Geld fehlt.

Wir wenden uns dann dem Zentrum zu und finden nach längerer Suche einen Parkplatz neben dem Friedhof unterhalb des Ortes. Über zahlreiche und steile Treppen gelangen wir, vorbei auch an einem Zweigwerk von Nestlé,  mit unverkennbaren Kaffeeduft, in das Zentrum.  Wir treten durch Teile eines mittelalterlichen Schlosses und gelangen dann an die Kirche von Orbe.  Wir treten ein und hören Orgelmusik.  Außer dem Organisten sind nur wir in der Kirche.  Barbara begrüßt den Organisten,  der uns freundlich auf seine Kanzel bittet und freimütig seine äußerst interessante Lebensgeschichte erzählt.  Er spricht 8 Sprachen und hat das Orgelspiel auf einem Internat gelernt, ohne Abschluss auf einem Konservatorium. Hans Schwegler, so sein Name, spricht von Hause aus rätoromanisch, die vierte schweizerische Landessprache,  die nur noch von ca. 60.000 Schweizern, etwa 0, 5% der Bevölkerung gesprochen wird. Er gibt uns zum Schluss noch ein Präludium von Bach und nach Aufforderung von Astrid auch Jazz auf der Orgel zu Gehör.  Zum Abschied ermuntert er uns, ihm doch einmal zu schreiben und Bilder von ihm im Internet und Videos auf YouTube anzusehen.


Nach einem kurzen Rundgang durch den Ort und einem Picknick außerhalb fahren wir nach Romainmotier um das Schloß und die Abtei zu besichtigen.

Die tausendjährige Abteikirche, die älteste romanische Kirche der Schweiz,  strahlt eine ehrwürdige Ruhe aus und lädt zur Meditation ein.


Bei dem naheliegendem Schloß handelt es sich eigentlich um das Haus des Priors, eine mittelalterliche prachtvolle Gaststätte,  wie es sie zu Tausenden in dieser Epoche entlang der großen Reiserouten, hier nach Santiago de Compostella, gegeben hat.  Sie ist die Einzige die noch erhalten ist und nach langem Verfall 1959 von Katharina von Arx, einer damals 31-jährigen Journalistin erworben wurde,  die heute noch darin lebt und das Gemäuer restauriert.
Wir besichtigen einige Räume,  die noch mittelalterliches Flair ausstrahlen und genießen dann bei Holundersirup die Atmosphäre im Hof.

Durch herrliche Landschaft am Lac de Juox entlang gelangen wir dann zu unserem heutigen Campingplatz bei La Sentier und genießen es, nun bereits zum dritten Mal von Barbara und Ruth mit einem landestypischen Gericht bekocht zu werden.