Schlagwort-Archive: Matera

Von Apulien über die Basilicata nach Kalabrien

16.09.

Wir entscheiden, doch keinen weiteren Tag zu bleiben sondern soweit es geht an das Zentrum von Gallipoli heran zu fahren. In das Zentrum selbst ist für uns keine Zufahrt möglich, wie ich gestern bei meinem Radausflug gesehen hatte. Wir finden sehr nahe eine Lücke und haben einen nicht sehr weiten Fußweg über die enge Verbindung in die Altstadt die auf einer Insel liegt. Unser erstes Ziel ist das Kastell aus dem 16. Jh., dessen runde Türme im Meer stehen.

Kale polis „die schöne Stadt“ nannten die Griechen die Stadt. 266 v. Chr. wurde sie römisch und im 11. Jh. normannisch. In der Blütezeit im 17. Jh. entstand auch die Kathedrale Sant Agatha. Viele enge und verwinkelte Gassen durchziehen die Altstadt mit ihrem wirren Treiben.

Die Altstadt ist für Besucher zwar nicht befahrbar, aber die Bewohner sind sehr wohl in den engen Gassen mit kleinen Autos und Motorrollern unterwegs. Bisweilen auch zu dritt.

Auf dem Rückweg wollten wir unsere Vorräte noch auffüllen, aber jetzt ist Mittag und die Geschäfte geschlossen. Vor 17 Uhr geht jetzt nichts. Wir sind vom Stadtbummel ziemlich erschöpft,  die Sonne brennt, und das Mittagessen hat enttäuscht. Das kleine Restaurant in der Seitengasse sah ganz gut aus. Hatte zwar nur Fisch, was auch kein Problem darstellt, aber der Octopussalat für Astrid schmeckte nach nichts, während meine frittierten Scampis ganz ok. waren. k-DSC_0068Serviert wurde aber alles auf und in Plaste. Geht gar nicht. Und zu teuer war es auch.

Wir folgen der Küstenstraße Richtung Westen bis Porto Cesareo, wo wir uns auf der Mauer zum Strand einen Cappuccino gönnen, ergänzt um die netten kleinen Gebäckstücke aus der Pasticceria, die Astrid gekauft hatte.k-S2030037

In der Ferne ballen sich dunkle Wolken zusammen und Blitze zucken über den Himmel. Um schneller voran zu kommen, nehmen wir jetzt die Hauptstraße nach Manduria. Unterwegs sehen wir überschwemmte Weinfelder, wir kommen in den starken Regen und Schlamm von den Feldern ergießt sich über die Straße. k-DSCI2720k-DSCI2719Die Temperatur sinkt stetig bis auf 18 °. In Manduria verlasse ich dennoch das Auto um ein Foto von der schönen Kirche zu machen. k-S2030039Vorbei an Taranto fahren wir bis Metaponto zum Lido. Dort suchen wir uns einen Stellplatz. Die Einzelplätze sind ziemlich schmal. Da aber draußen sitzen heute ausfällt, stört uns dies nicht weiter.

17.09.

Von Lido Metaponto fahren wir nur wenige Kilometer landeinwärts zum eigentlichen Ort Metaponto. Metapontion hieß die von den Griechen gegründete Stadt ursprünglich. Hier starb 496/497 Pythagoras. Im archäologischen Museum das wir hier besuchen, finden sich zahlreiche gut präsentierte Ausstellungsstücke aus der griechischen Zeit die hier ausgegraben wurden. Viel Keramik, Schmuck und Metallgegenstände sowie Büsten.

Ich habe wieder einmal Glück. Vor dem Museum finde ich eine 2 €-Münze.

Weitere wenige Kilometer entfernt finden wir die Ausgrabungsstätte „Parco Archeologico“ mit den Überresten mehrerer Tempel und eines Amphitheaters. Der Platz ist nach dem gestrigen Regen nur schwer begehbar. Mehrere Zentimeter schwerer roter Erde sammeln sich unter den Schuhen an und sind nur schwer entfernbar.

Die Fahrt führt uns weiter ins Landesinnere nach Matera. Seit dem Neolithikum, also seit rund siebentausend Jahren siedeln hier Menschen.  Bekannt ist Matera durch die „Sassi“. Dabei handelt es sich um Höhlenwohnungen, die in die steilen Tuffsteinwände gehauen und dann mit Vorbauten ergänzt wurden. Eine Kombination gewissermaßen zwischen Ausgrabung und Ausbau. Früher von Mönchen und Benedektinern bewohnt, folgten später Bauern. Bis Anfang der 50-iger Jahre lebten hier zwischen zwanzig- bis dreißigtausend Menschen,  die dann zwischen 1953 und 1968 umgesiedelt wurden. Heute sind die meisten „Sassi“ Staatseigentum und werden seit den 70-iger Jahren saniert. Seit 1993 sind die „Sassi“ UNESCO-Weltkulturerbe.

Nach wenigen Schritten in die Unterstadt, wo die Sassi zu finden sind, kehrt Astrid um. Erstens geht es sehr steil hinab und zweitens sind die Stufen und das Pflaster auch sehr glatt. Da fühlt sich Astrid unsicher. Sie erwartet mich dann in der Flaniermeile der Stadt, wo wir noch eine Kleinigkeit zu uns nehmen. k-S2040056Gegenüber bereitet uns ein Straßenkünstler Freude. Er spricht jeden an, lacht viel, dass es einen ansteckt und nach wenigen künstlerischen Einlagen legt er sich wieder hin. Astrid steckt ihm etwas zu.

Zurück nehmen wir eine andere Route, vorbei an dem auf einem Hügel liegenden Montescaglioso.

Wir folgen der Navi-Vorgabe, auch als uns diese in eine Straße leitet die mit einem Sperrschild versehen ist. Auch andere Fahrzeuge fahren hier. Wir werden leider nicht belohnt und müssen nach wenigen Kilometern wieder kehrt machen und dürfen dabei die erstaunten Blicke der Feldarbeiter ein zweites Mal zur Kenntnis nehmen.

An der Straße stehen riesige Opuntien wie als Hecke gepflanzt und trennen die Olivenhaine, die hin und wieder von Mandarinenbäumen durchsetzt sind gegen die Straße ab.k-S2040059

k-S2040062Vorbei an Bernalda stoßen wir wieder auf die 106 in Richtung Policoro. Wir wollen zum Camp „Soleado“, welches sowohl auf der Landkarte, als auch im ADAC-Campingführer Südeuropa verzeichnet ist. Leider ist es unter den angegebenen Koordinaten nicht zu finden. Eine Passantin erklärt uns zunächst, das Camp sei umbenannt worden, was uns erst einmal nicht weiterhilft, denn das umbenannte Camp ist geschlossen. Aber hinter dem Gitter nähert sich ein junger freundlicher Mann, der uns dies bestätigt und mitteilt, dass auch im näheren Umkreis kein offenes Camp zu finden sei. Wir könnten aber hier in der Nähe einfach stehen bleiben. Das machen wir und wählen den großen Parkplatz in Strandnähe. Für abendlichen Fernsehempfang parken wir noch einmal um. Es ist etwas unruhig draußen obwohl wir allein hier stehen. Fahrschulwagen frequentieren den Platz und später, bis in die Dunkelheit,  entsorgen Bewohner aus dem Ort ihren Müll in die Tonnen an „unserem“ Parkplatz.

Es ist spät geworden und ich schlafe im Bett sofort ein, während Astrid unruhig das nächtliche Geschehen verfolgt, Wache hält,  wie sie am nächsten Morgen sagt, bis sie gegen 1.30 Uhr ebenfalls sanft entschlummert.

18.09.

Eigentlich wollte Astrid noch einen Vormittag am Strand einlegen aber ich möchte weiter Richtung Cariati, der Heimat der Familie unseres Schwiegersohnes. Wir hatten versprochen ein Foto des Hauses, in dem Familienmitglieder häufig ihre Sommerferien mit kurzem Weg zum Strand verbringen, als Beweis zu schießen.

Unterwegs machen wir noch einen Abstecher in das bereits von den Römern besiedelte antike Rossano, ein Bergdorf. Wegen zahlreicher Baudenkmäler aus der byzantinischen Blütezeit trägt es auch den Beinamen „Ravenna Kalabriens“.

Dies auch gleich als Hinweis,  dass wir inzwischen von Apulien über die Basilicata nach Kalabrien gelangt sind.

Wir erreichen Cariati, sind vorbei am Bahnhof schon fast durch, und nehmen Kontakt mit Mandy und Domenico auf die uns auf die richtige Spur bringen um das Foto zu schießen.k-S2050027

Astrid hatte vor Cariati einen Campingplatz am Strand entdeckt, den wir ansteuern und enttäuscht sind. Die Wohnmobile stehen wie auf einem geschotterten Parkplatz und vom Meer nichts zu sehen. Also vorbei an Cariati und nach Ciro Marina. Auf dem Campingplatz „Punto Alice“ finden wir alles was wir suchen, Meerblick, einen großen Pool und erst einmal Schatten als Schutz vor der prallen Sonne und fast 30°.

19.09.

Heute ist Strandtag angesagt und ausruhen, nichts als ausruhen und entspannen, von der Arbeit am Blog mal abgesehen. Der Wind bläst ziemlich kräftig aber warm und ich habe mir den Pelz verbrannt.