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Istanbul zum Zweiten

21.10.
Immer noch Istanbul und wieder um neun Abmarsch. Heute haben wir einen neuen Führer, der besser zu verstehen und lockerer drauf ist. Er führt uns zum Topkapi-Palast, der 1459 bis 1465 von Mehmed II., kurz nach der Eroberung Konstantinopels erbaut wurde und über 380 Jahre lang 29 Sultanen als Residenz diente. 1924, ein Jahr nach der Gründung der Türkei, wurde er in ein Museum umgewandelt. Während der über 470 Jahre dauernden Herrschaft der Sultane des osmanischen Reiches, was in seiner Blütezeit 33 Mio. qkm umfasste (die heutige Türkei hat 360 Tausend qkm), häuften die Herrscher große Schätze an, die zum größten Teil hier ausgestellt sind. Hier sind Rüstungen und Waffen, Miniaturen, Keramik, Glas, Gold- und Silberwaren, Uhren und Gewänder zu finden und die Pracht der Schatzkammer überbietet alles. Der Palast ist eine große Anlage mit vielen verstreut liegenden Gebäuden und parkähnlichem Charakter.
Wir verbringen hier zweieinhalb Stunden und haben nicht alles gesehen. Die Kreuzfahrtreisenden haben für diesen Programmpunkt lediglich eineinhalb Stunden Zeit, erläutert uns unser Reiseführer, der schon einige dieser Gruppen hierher geführt hat.

Nach einem kurzen Imbiss im vierten Hof des Palastes bewegen wir uns Richtung Zisterne und besuchen unterwegs ein Atelier eines Künstlers, der u.a. Bilder fertigt, indem er Farbe auf eine wässrige Flüssigkeit aufbringt und sie dort mischt und mit spitzem Holz künstlerisch auf der Oberfläche verteilt und Motive gestaltet. Danach legt er Papier auf die Oberfläche, diese nimmt die Farbe auf und es entsteht ein konturenscharfes Bild, ohne die Farbe beim Abziehen zu verwischen. Ich drehe davon einen Videoclip und wir erwerben eines der Bilder.

Unser nächstes Ziel ist ein rund 500 n.Chr. angelegter riesiger unterirdischer Wasserspeicher. Die Osmanen entdeckten die Zisterne erst rund 100 Jahre nach ihrer Eroberung der Stadt. 336 Säulen stützen die Gewölbe. 2 Säulen ruhen auf Medusenhäuptern und eine mit tränenden Augen ist den beim Bau umgekommenen Sklaven gewidmet.


Das Mittagessen nehmen wir auf „Omar’s Terrasse“, mit einem herrlichen Blick auf die Hagia Sophia zur Linken und der Blauen Moschee zur Rechten. Das ist Kultur pur.

Daran schließt sich dann ein Besuch des Großen Basars an mit über 5000 mit Waren vollgepfropften Geschäften. Unter den bemalten Gewölben ist nahezu alles zu finden, was man sich denken kann. 22 Tore führen in den Basar. Auf der großen Schmuckstraße spricht uns ein Händler an der eher wie ein Mitteleuropäer aussieht. Auf Astrid’s Frage, woher er so gut Deutsch kann, obwohl es nicht akzentfrei ist, sagt er, er sei gebürtiger Hesse aus Wiesbaden, den die Liebe hierher verschlagen habe, vor über zwanzig Jahren. Er wünscht uns noch alles Gute und bietet seine Hilfe an, falls wir sie benötigen.
Letzte Station ist der L-förmig angelegte Gewürzbasar, der auch ägyptischer Basar genannt wird, weil er aus Zollabgaben für Waren aus Ägypten finanziert wurde. Er stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert. Heute werden hier neben Gewürzen auch andere Waren angeboten. Eine negative Erfahrung bleibt hier festzuhalten. Astrid will 2 Sorten Tee erwerben und da ihr Geld nicht ausreicht, kommt sie zu mir vor den Laden und möchte von mir das Geld, 80 TLR soll die Ware kosten. Als ich ihr sage, dass dies niemals stimmen kann rechnen wir nach und kommen auf lediglich 46 TLR. Astrid betritt daraufhin das Geschäft nicht wieder. Kein Wunder, dass der Händler seine Ware gegenüber den Mitbewerbern günstiger anbietet, wie wir feststellen, wenn er beim Kassieren ein Mehrfaches wieder drauf schlägt. Ermattet und müde fahren wir mit dem Bus zu unserem Parkplatz, kaufen noch ein Brot für das Frühstück und rühren uns nicht mehr von der Stelle.