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Über die blauen Berge nach Veliko Tarnovo

19.09.

Weiter geht die Fahrt. Wer meint, heute würden wir uns mal an die vorgegebene Route halten, der irrt. Aber nicht vollständig. Zunächst verlassen wir Obzor und fahren wieder Richtung Nessebar. Um nicht durch den Touristenort fahren zu müssen, fahren wir auf Nebenstraßen nach Kableškovo und besuchen den hier jeden Donnerstag stattfindenden Markt. Hier wird alles angeboten, Gemüse und Obst, Klamotten, Schuhe, Werkzeug, Hausrat und anderes. Ich kaufe mir Socken, 1 Lewa (50 Cent) das Paar und Slips für 4 Lewa (2€) das Stück. Etwas Obst und ein Glas Honig erwerben wir auch noch bevor es weiter geht.

Über Aitos geht es nach Karnobat, wo sich über mehrere Kilometer riesige Weinanbauflächen rechts und links der Straße hinziehen. Sie gehören den Brüdern Minkov, die hier, gefördert durch die EU, ein großes Weingut betreiben. Wir steuern es, bei mittlerweile 26° an und finden hier einige Mitreisende. Leider kann man hier nur probieren, wenn man die angebrochene Flasche dann auch erwirbt. Da hat wohl die EU die Hausaufgaben nur zum Teil gemacht. Aber wir nehmen trotzdem ein paar Flaschen mit. Schließlich sind wir noch eine Weile unterwegs.

Wir folgen der 6 Richtung Sliven, zweigen aber kurz hinter dem Ortseingang nach Norden ab. Das ist zwar im Roadbook nicht vorgesehen, aber wir wollen die im Reiseführer erwähnten Blauen Berge sehen, da sollen sich die Heiducken versteckt haben als sie gegen die Türken kämpften. Auf dem Weg dahin haben wir noch eine traurige Begegnung. Wir steuern auf eine vor uns laufende Menschengruppe, vermutlich Roma, zu, die von einer Frau die ein Kreuz trägt angeführt wird. Dahinter ein einspänniger Pferdewagen mit einem offenen Kindersarg. Astrid kann das Kind, ein Baby was nur halb zugedeckt ist erkennen. Etwa 15 Personen folgen. Es dauert einige Zeit bis wir uns wieder miteinander unterhalten. So tief sitzt der Schock.
Auf schmaler Straße schrauben wir uns genau auf 1111m bis wir einem Abzweig folgen und kurz danach an der Bergstation einer Seilbahn ankommen. Ein kurzer Fußweg und wir reihen uns in die Schlange einer Reisegruppe ein. Ein herrlicher Ausblick tut sich auf, ringsum Berge und im Tal Sliven, die Stadt die wir links liegen gelassen haben. Wir wundern uns ein wenig, dass wir nichts bezahlen müssen als wir in dem doppelsitzigen Sessellift Platz nehmen. Über fast 2 km geht die Fahrt durch felsige Landschaft in das Tal Richtung Sliven. Etwas Sorge macht uns, dass die entgegenkommenden Sitze alle unbesetzt sind.
Erst kurz vor dem Ziel kommt uns jemand entgegen und wir sind sicher, dass auch nach oben Personen transportiert werden. Wir dachten schon wir müssen mit einem Taxi zurück fahren. Denn die Busse der Reisegruppe haben sich ins Tal begeben um ihre Schäfchen aufzunehmen.
Aber alles wird gut. Wir bezahlen hier unten erst die Tal- und dann noch die Bergfahrt und kommen fast wohlbehalten oben wieder an. Während ich nach rechts abspringe, bleibt Astrid, die nach links abspringen muss, mit ihrer kurzen Hose hängen und der Helfer hat Mühe, sie zu befreien. Aber auch dies geht gut.

Über kurvenreiche Straßen und durch herrliche Buchenwälder fahren wir auf 1000m den Bergrücken entlang. Die Straße wird immer schmaler, viel geschlagenes Holz ist an den Seiten aufgeschichtet und Waldarbeiter sind unterwegs. Ihre Pferde laufen frei herum.
Im nächsten Ort sind die Frauen unterwegs um ihre Wäsche am Brunnen zu waschen und plötzlich tut sich eine moderne, glatte und durch Leitplanken begrenzte Straße vor uns auf. Passt gar nicht in die Landschaft. Nach dem Ortsausgang sehen wir rechts ein großes Lager mit Zelten. Es sieht nicht sehr sauber aus. Bei den dunkelhäutigen Bewohnern handelt es sich wohl um Roma.
Kurz vor dem Ziel überholen wir noch das Womo der Reiseleitung und haben als Letzte Mühe auf dem etwas abschüssigen Platz noch ein einigermaßen erträgliches Plätzchen zu finden, wo wir die Neigung mit unseren Keilen ausgleichen können. Nach dem Briefing werfen wir den Grill an und sind rechtzeitig wieder im Womo bevor der Regen einsetzt.