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von Doffa bis Kisolanza

30.06. bis 03.07.2006 von Doffa bis nach Kisolanza

Jetzt geht es wieder in den Süden. In Europa würde man sagen wir fahren in wärmere Gefilde, hier aber entfernen wir uns vom Äquator und damit sinken die Temperaturen eher. Allenfalls der Abstieg in niedere Ebenen kann dies etwas kompensieren.

Zunächst geht es zurück nach Karatu, wo wir auf der Herfahrt den Wochenmarkt besucht hatten. Vor den hier zahlreich vorhandenen Lodges stehen viele Safarifahrzeuge um ihre Kundschaft für Fahrten in den Ngorongoro-Krater und die Serengeti abzuholen. Wie sind die doch zu beneiden.

Wir müssen aber weiter und bewegen uns auf dem Mbulu-Plateau auf dem es in der Kolonialzeit, wegen des fruchtbaren und kühlerem Landstriches mehrere Farmen gab. Mbulu war Verwaltungssitz mit dem Namen „Neu Trier“. Über die zahlreichen und bereits bekannten Serpentinen schrauben wir uns nach unten nach Mto wa Mbu. Wir halten nicht an, denn die Spezialität Rote Bananen, soll nach Auskunft anderer Mitreisender, doch nicht so besonders gut schmecken. Sehr mehlig und buttrig. Wir verzichten. Auch die vielen Souvenirstände und Bilderhändler reizen uns nicht. Zuviel Kommerz.

Nach 30 km erreichen wir wieder Makuyuni und biegen diesmal nach rechts ab Richtung Babati. Hier ist Massai-Land mit Hirten, Herden und Wasserstellen und hier liegt auch der Tarangire-Nationalpark, der für seine großen Elefantenherden bekannt ist und etwa die Größe von Luxemburg hat. Wir fahren am Park entlang, bisweilen ist nur 50 km/h erlaubt, sehen aber keine Elefanten. Aber Kästen für Bienenvölker in den Bäumen.k-S2890006 Wir erreichen Babati und wollten hier eigentlich geradeaus zur Hauptstadt Dodoma fahren. Die Straße ist aber noch nicht fertig und wir biegen deshalb nach Singida ab, was wir nach etwa 160 km erreichen. Unser Navi spielt hier ein wenig verrückt und der Pfeil springt immer von der Straße weg. Laufend werden wir aufgefordert bei nächster Gelegenheit zu wenden. Aber unser Zielpunkt wird noch angezeigt und das ist unsere Orientierung. Wir passieren zunächst die Einfahrt zum Katala Beach Hotel und steuern links die Tankstelle an. Erstens wollen und müssen wir tanken und zweitens soll gegenüber in einem rosa angestrichenen Haus eine Bäckerei sein. Ein rosa Haus ist nicht zu sehen und auch der Tankstellenmitarbeiter, den ich anspreche, hat keine Ahnung und verweist auf die Innenstadt. Dass das Haus inzwischen weiß angestrichen ist und ein blaues Dach hat, ist offensichtlich an ihm vorüber gegangen.

Was soll’s, schließlich bekommen wir auch in dem Shop des Hotels, wo wir vergleichsweise eng auf dem Parkplatz stehen, frisches Brot vom gleichen Bäcker.k-20160701_080809k-20160701_080815

Wir gehen noch ein wenig an den Strand, spazieren hier und holen uns dann unsere Stühle und einen Drink.k-20160630_161634k-20160630_162920

Nach der Geburtstagsparty für Heinz und der Besprechung für die Route des nächsten Tages findet Abendessen im Womo statt. Wir haben vorerst genug von Chicken und zähem Fleisch.

Am anderen Morgen nehmen wir den zweiten Teil der Umleitung nach Dodoma in Angriff. 250 km gute Straße bis auf die letzten welligen 20 Kilometer. Der einzige größere Ort unterwegs ist Manyoni, ein Trucker-Stopp mit mehreren Lodges, Restaurants und Tankstellen. An der Straße sehen wir anschließend immer wieder Stände mit Holzmörsern und Flechtarbeiten. Es ist interessant wie in den einzelnen Regionen immer wieder unterschiedliche Produkte den Schwerpunkt des Angebotes bilden.

Später sehen wir immer wieder Säcke, die bei näherem Hinsehen als Inhalt Schotter offenbaren. Die zahlreich hier vorhandenen, meist runden Felsen die verstreut in der Landschaft liegen, werden zerschlagen und mühsam per Handarbeit zu Schotter verarbeitet. Muss ein sehr anstrengendes Geschäft sein, dass wir eigentlich nur als Strafarbeit für Gefangene von Robben Island her kennen, wo auch Nelson Mandela inhaftiert war.k-S2890009k-S2890013k-S2890011

In einem Dorf machen wir Halt. Wir wollen Kartoffeln kaufen. Die erste Schwierigkeit besteht aber schon darin, dass die Frau mit den nach unserer Meinung schönsten Kartoffeln uns nicht versteht und wir deshalb nicht genau wissen ob es sich wirklich um Kartoffeln handelt und nicht etwa Süßkartoffeln. Ein junger Mann bestätigt unsere Vermutung, es sind Potatoes. Das nächste Problem ist die Menge. Alles wird hier immer Eimerweise angeboten, wir aber wollen nur zwei Hand voll. Da dies offenbar unverständlich ist, lege ich die Kartoffeln, die mir Astrid in die Hände sortiert hat, wieder auf den Eimer und will aufgeben. Schließlich werden wir uns doch handelseinig und für umgerechnet 80 Cent haben wir unsere Kartoffeln und die Frau freut sich so über ein gutes Geschäft, sodass sie uns auch gleich noch zu einer anderen Händlerin führt, die die von uns begehrten Bananen im Angebot hat. Aber auch hier, wo die Bananen zu großen Bunden an einer Schnur hängen, gilt es eine für uns akzeptable Menge zu vereinbaren. Astrid will nur vier Stück. Fünf werden abgeschnitten und sollen 500 Tansanische Schilling kosten. Da wir aber nur Scheine ab 2000 TSH aufwärts haben, gibt Astrid ihr einen solchen Schein und meint es sei okay so. Nicht aber für die Händlerin, sie legt noch drei Bananen drauf und ist erst dann zufrieden. Eine nette Geste.

Die Landschaft wird zunehmend trockener, zahlreiche Baobabs säumen die Straße bis wir dann die seit 1973 zur Hauptstadt Tansanias erkorene Stadt Dodoma erreichen. Dodoma liegt zwar zentraler als Daressalam, aber hat sich nie richtig als Hauptstadt etablieren können. Der Regierungssitz ist wieder in Daressalam und nur die Nationalversammlung tagt hier einige Male im Jahr in der rund 400.000 Einwohner großen Stadt. Es gibt hier zwar drei Universitäten und mehrere private Schulen, aber Hauptstadtflair sieht anders aus. Auch die Deutschen, die Dodoma 1907 gegründet haben, wollten es schon zur Hauptstadt machen. Aber Wein wird hier angebaut, der als Dodoma Wein gehandelt wird. Wir haben ihn leider nicht probieren können.

Entgegen der Empfehlung fahren wir mitten durch die Stadt zu dem Morena-Hotel, einem modernen Bau der erst 2015 vollendet wurde, um auch hier auf dem Parkplatz zu übernachten.k-20160701_135005k-20160701_135024 Management-Wechsel und Missverständnisse führen aber dazu, dass wir hier nicht stehen dürfen. Aber eine leckere Pizza am Pool genehmigen wir uns noch, bis Renate ein neues Quartier nur 5 km entfernt ausfindig gemacht hat. Stehen wir halt dort auf dem Parkplatz, wo uns in der Nacht Mücken quälen und die Straße direkt vorbei führt.k-20160701_181228

Am Morgen holen wir noch einen Fototermin nach. Vor dem Gelände steht ein beachtlicher Baobab. Er ist zwar nicht das größte Exemplar was wir bisher gesehen haben, aber Astrid postiert sich davor um einmal die Größenverhältnisse deutlich zu machen.k-S2900001

Früchte des Baobab
Früchte des Baobab

Heute schließt sich ein Kreis. Wir werden wieder in Kisolanza, in „The Old Kisolanza Farmhouse“ Station machen, wo wir vor etwa drei Wochen schon gestanden haben.

320 km gute und ruhige Strecke liegen vor uns. Baobab-Bäume, bestellte Felder und Lehmhütten begleiten uns.

Wir müssen einen Staudamm passieren und, wie hier immer üblich, davor und danach ein Gate mit Kontrolle und Registrierung. Beim Heranfahren konzentriere ich mich auf die geöffnete Schranke und die bereits dahinter stehenden Womo’s und übersehe dabei, dass statt Schranke eine Eisenstange quer über eine Straßenseite in einem Meter Höhe auf den Schrankenauflagen liegt. Die räume ich gekonnt ab ohne dabei Schaden am Womo herbei zu führen. Ist doch auch eine Leistung. Astrid sieht es leider etwas anders.

Nach der Staumauer klettern wir allmählich auf über 1.800m Höhe und kommen dann nach Iringa. Weil wir hier schon unterwegs waren, fahren wir durch und dann hinab über zahlreiche in die Straße eingebaute Schläge zur Geschwindigkeitsreduzierung bis zur A7, der wir dann Richtung Mbeya folgen. Noch ein kurzer Stopp im Cordon-Bleu-Farmshop. Etwas Fleisch, Eier und Schinken und dann weiter zu der uns bekannten Campsite in Kisolanza. Das es hier eng ist, wussten wir schon vom letzten Mal, aber der Platz den sie uns heute zuweisen ist die Krönung. Schmale Zufahrt und eine große Wurzel am Boden. Es kam wie es kommen muss. Ich konzentriere mich auf den Einweiser und schon krachte es. Ein Aststumpf ist im Wege und kratzt an unserem Dach. Ein Schaden ist nicht zu erkennen, aber ich hänge fest. Zum Glück habe ich ein Taschenmesser mit Säge, mit dem ich aus der Dachluke klettere und schneller den Ast abhabe, als Astrid mit großer geborgter Säge zurück kommt. Wegen der Wurzel muss dann auch noch eine Begrenzungsleuchte dran glauben. Aber die war eh schon geklebt. Ich finde auch das abgebrochene Stück und klebe es eben noch einmal an. Mehr Probleme macht die Standfestigkeit unsere Kühlschrank-Gefrierfach- und Backofenkombination. Sie droht aus dem Schrank zu kippen, weil die Befestigung einfach nicht für solche Beanspruchungen gemacht ist, wie wir sie hier vorfinden. Es gelingt mir aber mit neuen und längeren Schrauben etwas Festigkeit herzustellen. Hoffe ich. Die alten Schrauben ragten nur etwa zur Hälfte in die beiderseits angebrachten und auch nicht wesentlich mehr als 1 cm dicken beschichteten Spanplatten. Nichts um wirklich Halt zu bieten. Zumal manche Schraublöcher vom Hersteller gänzlich ohne Schraube geblieben waren. Also wir hoffen mal das Beste. Übermorgen wartet wieder die 130 km lange Baustellenstraße auf uns. Das ist die Bewährungsprobe.k-S2910090

Heute am Sonntag wartet ein Kirchgang in einer etwa 15 km entfernten und mitten im Busch gelegenen Katholischen Kirche auf uns. Wir fahren mit dem Bus dahin und besuchen den fast zwei Stunden andauernden Gottesdienst, mit viel, meist flotter Musik, und der Ansprache des Priesters, der sehr ausdrucksstark und mit sehr unterschiedlicher Stimmlage seine Predigt vorträgt. Die Kirche ist ein eher schlichter Hallenbau, mit Stahlträgern und Trapezblechdach, unterbrochen von lichtdurchlässigen Platten. Der Altar unterscheidet sich nicht wesentlich von Kirchen in Europa. Die Kirche ist mit etwa 400 Menschen sehr gut gefüllt. Dies wiederum unterscheidet sie von der Zahl der Teilnehmer an Gottesdiensten in unseren Breiten. Vielleicht würde flotte Musik hier Abhilfe schaffen. Der hiesige Chor, etwa 30 Leute in den Reihen links vorn, alle mit gelben Blusen oder Hemden, begeistert jedenfalls.

Jedenfalls eine interessante Erfahrung für uns und auch für mich, wenn doch die Sitzgelegenheiten bequemer wären. Als sich der Priester nach erneuter Ansprache dann verabschiedet hat, und nach meinem Empfinden nur noch Kirchennachrichten und andere Bekanntmachungen verlesen werden, verlassen wir das Gotteshaus.

Uns bleiben nur noch 3 Stunden bis der nächste Ausflug ansteht. Auf unseren Vorschlag hin ist eine Busfahrt zur Isimilia Stone Age Site, an der wir beim letzten Mal wegen der schwierigen Anfahrt gescheitert waren, in das Programm aufgenommen worden.

Wir vertrauen uns dem Busfahrer mit seinem hinterachsangetriebenen und mit Zwillingsreifen bestücktem Bus an und er scheitert trotzdem an der gleichen Stelle, wo wir uns im Sand festgefahren hatten. Nur mit Mühe und Unterstützung kommt er frei und nimmt dann auch den Weg direkt an den Häusern vorbei, wie auch wir ihn auf Hinweis der freundlichen Anwohnerin genommen hatten. Die Stelle, an der wir seinerzeit kehrt gemacht hatten meistert er gekonnt und wir sehen, dass wir auch schon bis kurz vor das Ziel gekommen waren.

Das kleine Museum ist recht übersichtlich. Wir erfahren, dass Wassermassen hier vor vielen Jahren lavabedeckte bis zu 15m hohe Steinsäulen freigespült haben, die bizarr in der Landschaft stehen. Bei diesen Erosionen sind auch steinzeitliche Siedlungsspuren und Werkzeuge freigelegt worden, die Wissenschaftler anlockten um hier zu graben.

Bei einem nicht leichten Fußweg erwandern wir das Gelände und werden mit fantastischen Anblicken belohnt. Astrid kommt auf losem Sand zu Fall und verdreht sich das Knie. Sie lässt sich aber nichts weiter anmerken und steht den Marsch tapfer durch. Das Licht am Nachmittag begünstigt unsere Fotoausbeute.

Zur Rückfahrt nimmt unser Fahrer gleich die Route vor dem Haus. Versucht er zumindest. Er kommt aber nicht weit. Die zu uns noch freundliche und hilfsbereite Anwohnerin hat eine Barriere vor ihrem Haus errichtet. Entweder ist diese als Mautstelle gedacht, oder sie will einfach nicht, dass jeder jetzt an ihrem Haus vorbei fährt. Sehr freundlich sieht sie jetzt jedenfalls nicht mehr aus. Der Busfahrer muss selbst das Hindernis beseitigen, bevor es weiter gehen kann.k-S2910086k-S2910087

Dieser Ausflug hat sich gelohnt, wie auch meine Idee, den Ausflug nicht am Mittag, sondern am Nachmittag mit schönen Schattenspielen durch die sich neigende Sonne durchzuführen.

Als wir wieder am Platz ankommen, geht die Sonne schon fast unter und es wird kühl. Ein Glas Wein vor dem Womo nach diesem schönen Tag darf aber noch sein.

Uns schräg gegenüber stehen zwei Motorräder, Crossmaschinen, mit denen ein südafrikanisches Pärchen unterwegs ist. Auf unsere Frage hin erfahren wir, dass sie zwei Jahre in der Welt unterwegs sein wollen, bis in die USA und Südamerika. Wir wünschen ihnen viel Glück und ein wenig Neid kommt auch auf. Aber für eine solche Tour sind wir dann doch schon ein wenig zu alt. Aber den Rest der Welt sehen, wollen wir dennoch.k-S2910089