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in die Türkei

 02.10.                                                                                                                                        Also das gestrige Briefing fand erst bei Renates Auto, bei einem Ouzo, und dann im Restaurant statt, was bei dem Wetter ganz angenehm war. Anschließend trafen wir uns wieder bei Renate um etwas zu trinken und zu essen und uns näher bekannt zu machen.

In der Nacht hat es immer wieder geregnet und zum Morgen hin ist es immer kühler geworden. Ein Glück, dass Astrid mal raus musste, da hat sie gleich die Gelegenheit genutzt um ihr und mir die Bettdecke auf den Bettbezug zu legen mit dem wir seit Asprovalta wegen der Hitze nur geschlafen hatten.
Mit 15,76 € sind wir dabei für die erste Nacht auf dem Platz. Die Tanks sind voll, Toilette geleert und schon kann es losgehen, quer durch Alexandropolis, direkt auf die Autobahn. Die landschaftlich vermutlich schönere Strecke sparen wir uns auf. Wir kommen am Ende der Tour nochmals hierher. Hoffentlich bei schönerem Wetter.
Wir kommen Richtung Grenze gut voran und passieren die griechische Seite problemlos. Die Türken wollen etwas mehr, schließlich verlassen wir die EU. Da werden der Pass verlangt, die grüne Versicherungskarte und die Fahrzeugpapiere. Das Fahrzeug wird im Pass eingetragen. Ein Formular, wie angekündigt, erhalten wir nicht, diese Regelung ist abgeschafft. Durch trockene und karge Landschaft folgen wir der Autobahn in Richtung Kesan und schwenken dann nach rechts auf die Halbinsel Gallipoli. Nur die Dardanellen trennen uns jetzt vom asiatischen Teil der Türkei. In Gelibolu verlassen wir die Autobahn, wir wollen im Ort einkaufen und Geld am Automaten ziehen. Ziemlich schmale Straßen führen ins Zentrum und keine Gelegenheit zum Parken. Jedenfalls nicht in Nähe einer Bank. Wir quälen uns ebenso mühsam wieder aus dem Ort, finden aber noch einen Kipa, einen türkischen Supermarkt, wo wir einkaufen und mit Karte bezahlen können. Aber Bargeld haben wir noch nicht. Deshalb ein neuer Versuch kurz vor der Fähre in Eceabat. Am Automaten am Hafen erhalte ich eintausend türkische Lira zum Kurs von 1 € : 2,7 Lira. In einer Lokanta, einem einfachen Restaurant, vor dem sich ein Handyladeautomat befindet, nehmen wir einen Tee. Ziemlich stark, man braucht viel Zucker. Nun geht es zur Fähre, mit der wir in rund 10 Minuten in Canakkale ankommen. 50 Lira sind für die Überfahrt fällig. Der Fährhafen liegt mitten in der Stadt und wir müssen uns wieder durch dichten Verkehr kämpfen, auch weil ich eine Alternativstrecke an der Küste gewählt habe. Der erste Eindruck gleicht dem von Marokko, als wir von Tanger aus ins Landesinnere fuhren. An der Küste aber stehen einige stattliche Villen. Wir kommen aber nicht weit, weil die Straße gesperrt ist. Deshalb zurück und auf die neue Fernverkehrsstraße, die allerdings das Navi noch nicht kennt. Wir finden dennoch über einen Abzweig und durch Nebenstraßen unseren Platz, der ziemlich knapp bemessen ist. Wir stehen Tür an Tür, aber nur jeweils einer kann seine Tür öffnen. Im Restaurant am Platz sehen wir noch ein Einführungsvideo für Troja, kaufen im angeschlossenen Laden noch etwas ein und treffen uns nach dem Briefing wieder zum Abendessen. Sehr netter Abend an dem viel gelacht wird. Sorge haben wir nur um die Wäsche auf dem Wäscheständer. Es herrscht starker Wind. Wegen der Enge komme ich nicht an die Heringe um den Ständer zu sichern. Mal schauen wo wir morgen früh unsere Wäsche finden.

Troja und Assos

03.10.
Tag der deutschen Einheit.

Aber daran denken wir nicht als wir am Morgen aufwachen. 

Gestern Abend musste ich noch einmal das Womo verlassen. Es wurde einfach zu stürmisch und die Wäsche war in Gefahr. Also im Dunkeln alles abnehmen und das Zubehör wieder verstauen. Gar nicht so einfach, wenn man auch noch die Tür festhalten muss damit sie nicht ans Nachbarfahrzeug schlägt.
Zu der Halbinsel Gallipoli von gestern noch ein Nachsatz: Hier fand im 1. Weltkrieg eine entscheidende Schlacht zwischen den Alliierten und den mit Deutschland verbündeten Türken statt, bei der sich General Kamal, der spätere Atatürk, entscheidend hervorgetan hat. Diese Schlacht gilt als Gründungstag der modernen Türkei.

Die Nacht verlief ruhig, wir haben gut geschlafen, wir hatten auch die Bettdecken wieder eingezogen, und am Morgen habe ich die Heizung angemacht. Da waren 13° im Womo. Um viertel nach sieben war die Nacht vorbei, denn eine Stunde später war bereits Abmarsch zur nur 500m entfernten Ausgrabungsstelle von Troja. Hakan, unser türkischer Führer, hat uns sehr sachkundig über das Gelände geleitet und uns mit seinem Wissen beeindruckt. Insbesondere seine detaillierten Kenntnisse über Homer, dessen Illias und Odysseus, aber selbst Schiller haben uns beeindruckt. Da müssen wir erst in die Türkei reisen um so etwas zu hören. Schon beschämend und Ansporn zugleich, sich doch einmal näher damit auseinander zu setzen. Eineinhalb Stunden dauert die interessante Führung, aber wir wünschen doch das Ende herbei weil es einfach saukalt und ziemlich windig ist.

Nach einem heißen Tee am Platz starten wir bald und nehmen zunächst die Mädels ins Schlepptau, weil sie darum gebeten haben. Als wir jedoch nach Assos abzweigen, verlassen sie uns. Schade eigentlich, denn der Abstecher hat sich gelohnt. Assos liegt auf einem Berg mit herrlicher Aussicht auf die Ägäis. Der Ort galt in der Antike als der schönste Ort Kleinasiens. Aristoteles hat hier eine Philosophenschule gegründet und Apostel Paulus soll hier auf seiner dritten Pilgerreise durchgekommen sein. Steile grob gepflasterte Straßen führen zur Zitadelle und der Moschee und von der Akropolis sind noch einige Säulen erhalten. An den steilen Straßen befinden sich viele Verkaufsstände, von denen die meisten allerdings jetzt, außerhalb der Saison, nicht mehr betrieben werden.
Wir essen in einem urigen Restaurant noch gut türkisch zu Mittag, während an einem Tisch im Gartengeschoss drei Männer gemeinsam Wasserpfeife rauchen.
Ein Abstecher noch zu der osmanischen Brücke am Stadtrand, dann geht es weiter.

Wir fahren aber nicht die 18 km zur Fernstraße zurück,  sondern wenden uns zur Küste. Eine malerische Straße durch Olivenhaine, wenige Meter von der Küste, an der sich zahlreiche Restaurants, Campingplätze und Hotelanlagen befinden. Sehr schön hier, mit Blick über das Meer bis nach Griechenland.

Nach etwa 20 km landen wir wieder auf der langweiligen Schnellstraße, die wir aber für eine Weiterfahrt durch das Hinterland bald wieder verlassen wollen. Leider verpassen wir die Ausfahrt und müssen der Fernstraße dann doch bis Bergama (Pergamon) folgen, unserem Ausflugsziel für Morgen.
Am Abend findet ein gemeinsames Abendessen statt mit typisch türkischer Küche. Sehr schmackhaft und Gelegenheit sich wieder näher zu kommen.