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Mosambik, und wie weiter?

29.05. Mosambik, und wie weiter?

Der Ruhetag gestern hat uns gut getan. Astrid ist ein wenig am Strand spazieren gegangen und ich habe mich um das Womo gekümmert. Ein paar Befestigungsarbeiten sind notwendig geworden, nach den zahlreichen Kilometern auf unbefestigten Straßen. Der Kühlschrankblock mit dem Backofen darüber hat sich aus den Verankerungen gelöst. Bei dieser Gelegenheit kann man dann feststellen, dass die Verarbeitung unseres Womo’s für solche Unternehmungen wie unsere Afrikatour nicht ausgelegt ist. Die Schrauben, die den Block halten sind eher Zierde, als dass sie wirklich eine Funktion erfüllen. Zum Glück haben wir Mitreisende wie Rolf, die dann mit passenden Schrauben aushelfen können.

Die Sorge, ob wir morgen tatsächlich alle den Platz wieder verlassen können und den Berg bei der Ausfahrt bewältigen, treibt uns ganz schön um. Ein Trupp macht sich daran, die schlimmsten Stellen mit Erdreich aufzufüllen und zu planieren. Ein Mitarbeiter des Platzes bringt das erforderliche Füllmaterial mit der Schubkarre. Er versteht allerdings nicht welche Absicht wir verfolgen und macht die tiefen Rinnen die dem Wasserabfluss dienen, aber uns hinderlich sind, immer wieder frei.

Am Womo bringe ich vorsorglich schon mal die Abschleppöse an und mache mich mit dem Bergegurt vertraut für den Fall, dass ich den Berg nicht mit eigener Kraft bewältigen kann. Das Problem ist, dass wir zwar Übergewicht haben, aber die meiste Last auf der Hinterachse liegt und die Vorderräder am Berg dann leicht durchdrehen. (an der Aussage zu dem Übergewicht bestehen mittlerweile Zweifel, Heinz aus der Schweiz hatte an der Waage beobachtet, dass einfach die Achslasten der Vorder- und Hinterachse addiert wurden, dies führt natürlich zu einem falschen Ergebnis)

Astrid versorgt dann nochmal meinen verletzten Daumen bevor die Teambesprechung ansteht.

Renate macht es spannend und eine Mitteilung mit der wir nicht gerechnet haben. Unser Mosambik-Abenteuer soll ein vorzeitiges Ende finden. Es geht nicht mehr weiter und wir müssen zurück nach Südafrika. Der Grund sind Spannungen im Norden Mosambiks zwischen Frelimo, der Regierungspartei, und Renamo, einer Oppositionspartei, die früher eher eine terroristische Organisation war, die zu Zeiten des kalten Krieges vom Westen unterstützt wurde. Bereits 2014 gab es solche Spannungen, die auch bewaffnete Auseinandersetzungen nicht ausschließen. Derzeit werde zwar verhandelt, so die Auskunft der Botschaft, aber eine Einigung fraglich. Deshalb könne eine Weiterfahrt nur im Konvoi mit militärischer Begleitung erfolgen. Dieses Risiko kann niemand tragen, deshalb werden wir Mosambik Richtung Südafrika verlassen um dann über Botswana und Sambia nach Malawi zu reisen und dort dann die ursprüngliche Route wieder aufnehmen.

Mit gemischten Gefühlen über die morgige Abfahrt und die Reiseplanänderung geht der Tag zu Ende.

In der Nacht werden wir häufiger wach. Es schüttet wie aus Eimern und lässt Schlimmes erahnen.

Bereits um sechs stehen wir auf. Gerade hat es aufgehört zu regnen. Frühstück fällt aus, ein Espresso muss reichen. Von unserem Stellplatz auf dem Rasen komme ich unerwartet gut herunter. Dann heißt es anstehen am Berg. Ursprünglich wollte ich zunächst einen eigenen Versuch starten die Bergausfahrt zu überwinden. Aber angesichts der Regenfälle ist das keine Option. Wilfried steht mit seinem Allradfahrzeug bereit um uns drei Frontantriebler nacheinander an den Haken zu nehmen. Klaus ist der Erste. Wilfried zieht mit Schwung an, Klaus setzt hinten mehrfach auf und durch das Einfedern geht der Gripp verloren. Die Räder drehen durch und sie müssen rückwärts wieder runter. Mit gedrosselter Geschwindigkeit funktioniert es dann. Nach diesen ersten gemischten Erfahrungen bin ich dran. Entgegen der Befürchtungen kommen wir ziemlich glatt und gut bis nach oben. Alles gut gegangen. Keine Schäden. Auch der Rest der Truppe kommt gut oben an und die 12 km Sandpiste bis zur Straße stellen dann auch kein großes Problem mehr dar.

Die letzten beiden Etappen bis hier her, nehmen wir dann heute in einem Stück retour unter die Räder um für die neue Route nicht zuviel Zeit zu verlieren. Schade, denn wir hätten gern die Gelegenheit genutzt um den ins Wasser gefallenen Ausflug nach Inhambane von Maxixe aus nachzuholen.

Ein paar Süßigkeiten für die Kinder
Ein paar Süßigkeiten für die Kinder

Gegen 10 Uhr holen wir am Straßenrand unser ausgefallenes Frühstück nach und sind unvermittelt wieder Letzte der Truppe. Wenig später in Maxixe wollen wir wenigstens noch ein Foto von der Seebrücke machen, wo die Boote nach Inhambane ablegen. Renates Auto steht auch hier vor einer Snackbar.k-20160529_111304

Als wir weiter wollen klopft es am Auto. Wir vermuten Kinder oder Jugendliche und wollen weg. Abgehetzt taucht Renate vor meinem Fenster auf und bedeutet uns zu stoppen. Jamal will noch auf die Halbinsel und wir wollten doch auch dahin, meint sie. Wir greifen dankbar die Idee auf und nehmen gemeinsam ein Boot nach Inhambane.

Inhambane ist ein beschauliches Städtchen, obwohl es Provinzhauptstadt ist. Es gehört zu den Highlights von Mosambik, neben den Traumstränden. Ein arabischer Einschlag ist nicht zu übersehen. Schon im 11. Jh. war hier eine arabische Handelsstation. Von hier aus florierte der Elfenbein- und der Sklavenhandel. Es gibt eine Moschee und eine Kirche und einen alten Bahnhof.

Etwa 45 weitere Fahrgäste sind mit uns an Bord des kleinen Bootes, dessen Heck kaum noch aus dem Wasser ragt. Einen Fahrplan gibt es nicht. Es wird gestartet wenn das Boot voll ist. Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten. Etwas unschlüssig, welche Richtung wir an Land einschlagen wollen, bietet sich ein Tuk-Tuk an. Jamal einigt sich mit dem Fahrer auf eine halbstündige Stadtrundfahrt zum Preis von 300 MT.k-IMG_20160529_113059k-IMG_20160529_113531

In den Straßen ist nicht viel los. Sonntag eben. Wir spüren es auch an der Kleidung der Mosambikaner. Wir haben den Eindruck, die Frauen sind noch farbenfroher gekleidet als sonst und manche sind mit Highheels und Hut besonders elegant unterwegs. Viele Männer tragen schneeweiße Hemden.

Unser Fahrer zeigt uns die interessantesten Plätze, legt nach Aufforderung jedesmal einen Fotostopp ein und wir genießen die Fahrt. Auf einem Hinterhof der mit Maschinen vollgestellt ist präsentiert er uns eine Statue von Vasco da Gama. Warum dieser gerade hier steht kann er uns aber auch nicht sagen. Bei einem weiteren Stopp probieren wir das Wasser und das Mark einer Kokosnuss. Es sind junge Nüsse und das Mark ist noch weich. Mit einem aus der Schale geschnitzten Löffel lässt es sich leicht auskratzen.

Nach Abschluss der mehr als halbstündigen Tour gibt Astrid dem Fahrer dann doch die ursprünglich geforderten 500 MT. Er freut sich und bedankt sich sehr herzlich.

Die Rückfahrt verläuft problemlos, wir nehmen noch gemeinsam einen Kaffee bei Julio in der Snackbar, der ganz gut deutsch spricht. Er war acht Jahre in Leipzig, bei Honecker, wie er sagt. Wir müssen uns jetzt sputen. Noch rund 300 km liegen vor uns. Ohne Pause ziehen wir durch und können es trotzdem nicht vermeiden in die Dunkelheit zu fahren. An der Brücke hinter Xai-Xai müssen wir noch Maut bezahlen. Astrids Versuch, mit 20 MT wegzukommen scheitert, die Beamtin lacht sich fast kaputt darüber wie sie feilschen will. Mit 40 MT sind wir dann drüber.

Die Sonne ist untergegangen und es ist schlagartig dunkel. Das ihre Autos eigentlich auch Beleuchtung haben, scheinen die Einheimischen nicht zu wissen, denn fast alle fahren ohne Licht. Ziemlich gefährlich bei der hiesigen Fahrweise und den Straßenverhältnissen.

Mit etwas Mühe finden wir zum Glück etwa 20 km weiter auch noch die unbeleuchtete Einfahrt zum Camp.

Ein ziemlich bewegter Tag geht zu Ende.

Und Internet habe ich auch nicht. Obwohl ich von den gebuchten 2 GB erst etwa 260 MB verbraucht habe, komme ich seit gestern Nachmittag nicht mehr ins Netz. Ist jetzt auch gleichgültig, schließlich sind wir morgen wieder in Südafrika.