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Okavango-Delta und weiter nach Namibia

19./20.07.2016 Okavango-Delta und Namibia

19.

Wir verlassen das schöne Camp „Planet Baobab“ und kommen auch ohne erneute Kratzgeräusche unter dem Womo die Ausfahrt hinaus auf die A3. Wir fahren Richtung Maun, wo wir für einen Mittags-Snack kurz Halt machen und tanken. Unterwegs sehen wir an der Straße noch Strauße, Zebras, Esel, Wildpferde. Bei einer großen Gruppe Geier am Straßenrand halten wir an. Sie zerlegen gerade ein verendetes Zebra. Es geht laut zu und die Geier zanken sich um die Reste.

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Nur wenige Kilometer weiter am Airport vorbei erreichen wir bereits das Sedia-Hotel, auf dessem Campground wir heute stehen werden. Direkt vor uns fließt der Okavango und zahlreiche Palmen säumen unseren Stellplatz.k-20160719_134632k-20160719_141727

Voller Erwartung verbringen wir die restliche Zeit bis zum Briefing und der anschließenden Abfahrt zum Airport. Dort erwartet uns ein weiteres Highlight. Ein Scenic-Flight in das Okavango-Delta. Man sollte es kaum glauben, aber der Maun-Airport ist ein internationaler Flugplatz und deshalb gibt es hier die „üblichen“ Sicherheitskontrollen. Und der Pass wird auch benötigt.k-S3010016 Zu sechs fahren wir mit Herberts Auto dahin und wir sechs finden auch in einem Flieger Platz. Ich habe erneut Glück und kann neben dem Piloten sitzen. Allerdings mit wenig Platz, denn vor mir befindet sich ein zweiter Steuerknüppel, der auch während des Fluges den Bewegungen des Piloten folgt. Ich bin versucht, auch mal das Steuer zu übernehmen, lasse es dann aber doch lieber. Nach kurzer Unterweisung wird gestartet. Der kleine Flieger rumpelt ein wenig, ist sehr laut und bewegt sich auch in der Luft ziemlich unruhig. Nicht alle finden das gut. Auch Astrid hat ein paar Probleme, aber die hängen vermutlich mit den Kopfschmerzen zusammen , die sie seit gestern plagen.

45 min sind wir in der Luft und über dem Okavango-Delta. Es ist wieder einmal fantastisch. Schon die Landschaft mit den vielen Flussarmen, die Savannen dazwischen und erst die vielen Tiere. Die Färbung der Bäume und Sträucher gibt dem ganzen einen schönen Rahmen. Ich bin nur am filmen und vergesse fast dabei, hin und wieder auch ein Foto zu machen. Aber Astrid hat auch die Kamera mit und schießt ein paar schöne Aufnahmen. Die Zeit vergeht tatsächlich wie im Fluge. Während ein paar andere Teilnehmer aus anderen Maschinen froh waren, dass die Zeit vorbei war, ging es für mich viel zu schnell. Auf jeden Fall ein sehr tolles Erlebnis, dass wir im nahen Biergarten noch ausgiebig auswerten.

Zurück auf dem Camp dauert es nicht lange, es ist Abend geworden, bei einem schönen klaren Vollmond. Wir gehen im Hotelrestaurant gut essen und haben auf der Terrasse einen unterhaltsamen Abend mit Berte und Hartmut.k-S3010044

20.

Es ist noch stockdunkel, als sich um 6.25 Uhr mein Wecker meldet. Wir wollen zwar zeitig los, aber der Grund für das frühe Wecken ist ein anderer, Anne hat Geburtstag, sie wird sechzig und das macht das Aufstehen leichter. Wir treffen uns bei Gabi, marschieren dann zu Annes Auto und machen gehörigen Lärm mit den mitgebrachten Töpfen und Deckeln. Und als sie das Auto verlässt ist sie so überwältigt, dass sie fast von der Treppe fällt. Wir bringen ihr ein Geburtstagsständchen, gratulieren sehr herzlich und verabschieden uns auch schon wieder. Jeder möchte so schnell wie möglich los.

Heute nehmen wir 520 km unter die Räder und haben den Grenzübergang von Botswana nach Namibia vor uns. Die Straße wird immer besser und bleibt auch so, sodass ich den Tempomat auf 100 km/h einstellen kann. Im Radio flotte Musik vom USB-Stick, wir singen und schunkeln mit und kommen so entspannt und gut voran. Unterwegs sehen wir wieder zahlreiche Tiere. 100 km vor Ghanzi ist wieder mit einer Kontrolle zu rechnen und wir packen rechtzeitig vorher wieder unsere Vorräte in das Wäschefach. Die Kontrolleure finden nichts, aber wir müssen wieder das Spielchen mit den Schuhen vollführen. Kurz davor war schon eine Kontrolle, bei der wir nur nach frischer Milch gefragt wurden. Vielleicht war dies eine Frischmilchsammelstelle.

In Ghanzi kaufen wir noch ein, rechnen dabei fleißig mit, denn wir wollen die restlichen Pula ausgeben. 260 Pula bleiben noch übrig, die wir vertanken wollen. Beim Tanken gebe ich auch gleich der freundlichen Schwarzen Bescheid, dass wir Diesel und davon für 260 Pula tanken wollen. Für 255 geht es rein in den Tank, dann ist er voll. Den Rest überlassen wir der Bedienung, die sich sehr darüber freut und „Dankie“ ruft, africaans für Danke.

Die restlichen Kilometer erledigen wir auch so beschwingt, nachdem wir ca. 40 km nach Ghanzi auf den Trans Kalahari Highway gestoßen sind. Die Grenzabfertigung auf beiden Seiten der Grenze läuft völlig entspannt. Es ist auch gerade nicht viel los hier.

20 km hinter Grenze geht es auch schon rechts auf die Zelda Guest Farm, auf der wir wiederum 2 Tage bleiben werden. Eine sehr schöne Anlage mit Restaurant und guten sanitären Einrichtungen. Natürlich unter weißer Leitung, wie so häufig.

Das Briefing wird noch einmal mit einer kleinen Feier für Anne verbunden, nachdem wir vorher einer Leopardenfütterung beiwohnen konnten. Der Abend klingt mit einem sehr guten Buffet im Restaurant aus.k-20160720_165254k-20160720_165509

Ein Besuch bei den San

21.07.2016 Besuch bei den Buschleuten (San)

Ziemlich kalt in der Nacht. Ich lese früh nur 8° für das Innere des Womos ab. Aber schnell steigt die Sonne höher und wir können draußen frühstücken. 10 Uhr geht es dann mit einem offenen Wagen mit dem Chef der Anlage als Fahrer zum nahegelegenen Buschmann-Camp, was auf dem Farmgelände beheimatet ist.k-S3020068Wir werden herzlich empfangen von einer älteren Frau, die offensichtlich hier das Sagen hat.k-S3020018 In ihrer Sprache mit den vielen Klicklauten begrüßt sie jeden einzelnen von uns mit Handschlag, wie auch die später hinzugerufenen Männer. Ihr genaues Alter ist nicht bekannt, aber der ältere soll schon zwischen achtzig und neunzig Jahre alt sein. Weitere Frauen mit kleinen Kindern stoßen dann noch hinzu und wir werden durch das Gelände geführt und mit Lebensweise und Gewohnheiten der Buschleute vertraut gemacht.

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ob's wirklich geschmeckt hat?
ob’s wirklich geschmeckt hat?

Die San leben seit 15.000 Jahren im südlichen Afrika und durchstreiften die Gebiete als Jäger und Sammler. Sie gelten als die älteste Bevölkerungsgruppe. Ihre eigentlichen Herkunft ist noch weitgehend unergründet. Als die weißen Siedler kamen wurden sie weitgehend verdrängt und ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Etwa 27.000 bis 40.000 San soll es noch im heutigen Namibia geben. Heute leben nur noch wenige Hundert der San auf traditionelle Weise. Sie kleiden sich mit ledernem Lendenschurz und die Frauen tragen zusätzlich handgegerbte Tierhäute, in denen auch die Kinder auf dem Rücken getragen werden. Mit Giftpfeilen gehen sie auf Jagd. Das Gift stammt dabei von einer Raupe. Über Stunden muss das getroffene Wild verfolgt werden, denn das Gift wirkt langsam. Die San kennen etwa 250 verschiedene Pflanzen und sind Überlebenskünstler in der Wildnis.

Vom Chef der Farm bekommen wir alle ein Samenkorn, welches wir unter die Zunge legen sollen. Es dauert nicht lange, dann platzt es auf. Ein eigenartiges Gefühl, was aber deutlich machen soll, wie ein lange im Boden befindliches Samenkorn lagern kann und nur wenig Flüssigkeit ausreicht um es wieder zum Leben zu erwecken.k-S3020066

Nach der eindrucksvollen Führung findet im kleinen Dorf, was nur von fünf San bewohnt wird (eigentlich sind sie Nomaden) die übliche, aber vermutlich notwendige Vermarktung von Schmuck und Gebrauchsgegenständen der Buschleute statt, die alle handgefertigt sind. Ein Köcher mit Pfeilen und dazugehörigem Bogen haben es mir angetan.

Übersetzer gesucht
Übersetzer gesucht

Mit dem offenen Wagen geht es zurück zu unserem Camp, wo wir den Rest des Tages im herrlichsten Sonnenschein und unter wolkenlosem Himmel verbringen. Dabei steigt die Temperatur im Womo bis auf 30°.

Am Nachmittag besuchen wir dann noch einmal die Fütterung der hier gehaltenen Tiere, von Emu über Eule, Stachelschwein bis zu den Leoparden.

Jamal macht am Abend noch ein schönes Feuer am Platz und wir vernichten gemeinsam den restlichen Wein von Annes Geburtstag.

Unterwegs nach Windhoek

22.07.2016 über Gobabis nach Windhoek

k-S3030002Die B6 von der Zalda Guest Farm bis kurz vor Windhoek ist sehr gut und wir kommen gut voran. Über eine weite Strecke übernimmt Astrid heute das Steuer.k-S3030003 Nach 80 km legen wir in Gobabis, was so völlig anders aussieht wie die bisherigen afrikanischen Städte in den letzten besuchten Ländern, einen Stopp ein. Wir wollen endlich SIM-Karten bei MTC erwerben damit wir wieder unabhängig von WLAN-Angeboten, die meist kaum Datentransfers zulassen, in das Internet kommen. Im Shop von MTC werden wir gut bedient und unsere Smartphones werden auch gleich eingerichtet. Zuvor hatten wir noch im örtlichen SPAR unsere Vorräte aufgefüllt und an der gegenüberliegenden Tankstelle Namibische Dollar erworben, die zum südafrikanischen Rand 1:1 stehen. Beide Währungen werden hier akzeptiert, nur in Südafrika wird man dann den namibischen Dollar nicht wieder los. Also heißt es aufpassen, bevor wir das Land wieder verlassen. Aber bis dahin ist noch viel Zeit und wir wollen Namibia entdecken.

Wir erkundigen uns noch nach einem Baumarkt und erhalten eine Wegbeschreibung. Nur wenige Schritte vom MTC werden wir fündig. Ich bin auf der Suche nach Sperrholz um unseren Kühlschrankblock im Womo fester zu verankern. Sperrholz ist allerdings nur in großen Tafeln erhältlich und ich begnüge mich daher mit 5mm starken Leisten um das Problem zu lösen. Im Lager lasse ich die lange Leiste noch in vier Stücke teilen, während wir mit dem Bon zu Kasse gehen. Im Kassenbereich entdecken wir dann noch einen aufgebauten Scottel-Braai, der uns im Krüger-NP so fasziniert hatte (erinnert ihr euch?). Allerdings ist das Ausstellungsstück auch das letzte Exemplar. Wir schlagen zu und warten dann geraume Zeit bis endlich ein großer Karton gebracht wird um das Gerät zu verpacken. Voller Stolz verstaue ich das Teil im Womo.

Wir verlassen dann das schon sehr europäisch anmutende Gobabis und nehmen die letzten 180 km unter die Räder. Eine unendliche Weite liegt vor uns.

Namibia ist immerhin mehr als doppelt so groß wie Deutschland, verfügt aber nur über 2,2 Mio. Einwohner. Damit entfallen auf einen Quadratkilometer nur 2,7 Einwohner im Gegensatz zu Deutschland mit 226,5 und damit etwa 84 mal soviel.

Kein Wunder, dass fast keine Siedlungen zu sehen sind. Allenfalls riesige Farmen und Lodges.

In Gobabis hatten wir mit Absicht kein Brot gekauft. 95 km danach soll es einen Farmstall geben, in dem auch Brot erhältlich ist, so die Information. Der Farmstall ist auch gut ausgeschildert, nur gibt es hier weder frische Produkte noch Brot, noch kann man hier einen Kaffee trinken oder etwas essen. Astrid kritisiert auch beim nächsten Briefing diese Info. Es handelt sich allenfalls um einen Kiosk mit sehr eingeschränktem Sortiment. Wir müssen aber deshalb nicht Hunger leiden.

Etwa 40 km vor Windhoek passieren wir den Abzweig zum Airport und nach weiteren 20 km erreichen wir das „Trans Kalahari Inn Hotel“, unser Standplatz für die nächsten zwei Nächte und gleichzeitig Standort des Wohnmobilvermieters BoBo-Campers mit dessen Mietmobilen Seabridge Touren im südlichen Afrika veranstaltet. Hier sollen auch unsere Gasflaschen wieder gefüllt werden, die wir heute früh bereits bei Renates Fahrzeug abgestellt hatten.

Am Abend erwartet uns ein sehr gutes Seabridge-Buffet im Restaurant.