Über den Schipka – Pass nach Kazanlak

21.09.
Quer durch den Balkan über den Schipka-Pass geht es heute bis kurz vor Kazanlak, die Stadt im Tal der Rosen. Wir verlassen das Camp in Richtung Veliko Tarnovo und nehmen dort am großen Verkehrsknotenpunkt die B5 Richtung Süden nach Gabrovo. Die riesige Steinskulptur nach 20 km mit der Jahreszahl 1876 weist auf das Kloster Drjanovski Manastier hin. Eigentlich wollten wir nur ein Foto von der Skulptur machen, aber als wir in die Straße eingebogen sind merken wir, dass wir nicht zurück sondern nur weiterfahren können, so eng ist die Straße. Also doch zum Kloster, was wir eigentlich ignorieren wollten. Wir werden auf dem Parkplatz eingewiesen, bezahlen einen Lewa und Astrid marschiert forsch vorneweg. Wo wir aber nach einigen Metern bergauf ankommen ist nicht das Kloster, sondern eine Tropfsteinhöhle. Wir bezahlen unsren Eintritt und stellen fest, dass wir schon schönere Höhlen gesehen haben. Wieder zurück finden wir auf Nachfrage das Kloster und sehen beim Blick durch das Tor unser Womo. Hätten wir auch einfacher haben können. In der Klosterkirche muss gerade eine Taufe stattgefunden haben denn viele Menschen strömen aus ihr heraus.

Der nächste Ort, Gabrovo, war eigentlich zur Umfahrung empfohlen. Wir steuern aber mitten hinein, in den mit 10 km längsten Ort Bulgariens, über den viele Witze genacht werden, wegen der besonderen Sparsamkeit seiner Bewohner. So sollen sie, sagt man, mit besonders leisen Sohlen tanzen, damit sie die Musiker sparen um nach der Musik des Nachbarortes ihr Tanzbein zu schwingen. Unser Ziel ist das Humor- und Satiremuseum im Ort. Hier nehmen sich die Gabrover selbst auf die Schippe.

Zum berühmten Schipka-Pass ist es nicht mehr sehr weit. Er ist von nationaler Bedeutung, weshalb ein riesiges Monument auf 1300m Höhe errichtet wurde. Hier schlugen Ende des 19. Jh. die Bulgaren mit Hilfe der Russen die Osmanen in die Flucht. Ich erklimme nicht nur die Stufen zum Monument mit Astrid sondern auch die Treppe im Monument. Auf mehreren Etagen werden Ereignisse und Ausstellungsstücke zur Schlacht dargeboten. Oben pfeift ein ziemlich kalter und starker Wind. Man hat aber eine herrliche Aussicht, auch in das berühmte Tal der Rosen, wo Rosen für die Gewinnung des Rosenöles gezüchtet werden.

Im Gedenken an die Schlacht hat Zar Alexander der II. unterhalb des Passes eine prächtig leuchtende russische Kirche erbauen lassen, die wir als nächstes aufsuchen. Die 17 Glocken wurden aus verschossenen Patronen des Schipka-Passes gegossen.

In nur ein Kilometer Entfernung befindet sich das Thrakergrab „Golyamata Kosmatka“, des thrakischen Herrschers Seuhthes III. aus dem 3. Jh. v. Chr.. Leider ist es schon geschlossen und ich kann nur noch durch die Scheiben einen Blick erhaschen.

Nun steuern wir Kazanlak an, das Zentrum des Rosenöls, wo die „Rosa Damascena“ wächst aus deren Blüten das beste Rosenöl gewonnen wird. Kurz vor Kazanlak befindet sich unser Campingplatz, von dem bereits laute traditionelle Musik ertönt. Es findet im Restaurant des Platzes gerade eine Hochzeit statt. Nach unsrem obligatorischen Briefing nehmen wir das Restaurant in Beschlag, essen gut und genießen ein wenig bulgarische Folklore.